Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
1/2019 | Theorie & Praxis
twitterlinkedInXING

»Es darf nicht nur um Kosten gehen«

Joe Amato, Chief Investment Officer für Aktien bei Neuberger Berman, hält nicht viel von passiven Investments. Er fürchtet, dass vielen Investoren die unter Umständen damit verbundenen Risiken nicht wirklich bewusst sind.

Bereits im Jahr 1939 von Roy Neuberger und Robert Berman gegründet, agierte das Investmenthaus Neuberger Berman in den ersten 60 Jahren seiner Geschichte als privat geführtes Unternehmen. Im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die New Yorker Börse, wo das Unternehmen allerdings nur vier Jahre lang gelistet war, bevor es 2003 von Lehman Brothers übernommen wurde. Mit dem Konkurs der Muttergesellschaft begann im September 2008 ein zähes Ringen um den Verkauf aus der Konkursmasse, bei dem sich am Ende die Führungsmannschaft von Neuberger durch ein Management-Buy-out durchgesetzt hat. Bis heute befindet sich die Gesellschaft als unabhängiges Haus in den Händen von Geschäftsleitung und Mitarbeitern. Ein Gespräch mit Joe Amato, Chief Investment Officer für Aktien bei Neuberger Berman.

Herr Amato, bald sind es zehn Jahre, dass Ihr Unternehmen wieder als unabhängige Gesellschaft agiert. Welche Erinnerungen weckt das in Bezug auf den Lösungsprozess von der damaligen Muttergesellschaft?
Joe Amato: Die Phase vor und nach dem ­Zusammenbruch von Lehman Brothers war natürlich eine aufregende Zeit, nicht nur für uns als mehr oder weniger direkt Betroffene, auch für alle anderen Marktteilnehmer. Immerhin waren wir alle damals Zeugen ­einer nie vorher erlebten Volatilität an den Kapitalmärkten. Daher stand während dieser Zeit im Grunde jeder in unserer Firma, Management und Mitarbeiter, im ständigen Kontakt mit unseren Kunden. Wir haben zudem von Anfang versucht, den Insolvenzverwalter von Lehman von einem Verkauf der Investmentsparte zu überzeugen. Aber es hat quälende 14 Tage gedauert, bis er dem Ende September 2008 zugestimmt hat. Neben dem Management von Neuberger Berman gab es allerdings noch zwei Pri­vate-Equity-Gesellschaften, die an einer Übernahme unserer Gesellschaft interessiert waren, aber nicht zum Zug gekommen sind. So hat es noch bis Mai 2009 gedauert, bis das Spin-off durch unser Management-Buy-out komplett unter Dach und Fach war.

Wo steht eine Gesellschaft wie Neuberger Berman heute?
Wir managen heute mehr als 300 Milliarden US-Dollar in den unterschiedlichsten Investmentfonds für unsere privaten und institutionellen Kunden. Damit haben wir unsere Assets under Management in den vergangenen zehn Jahren gut verdoppelt, natürlich nicht nur durch Zuflüsse ­neuer Mittel, sondern auch aufgrund einer insgesamt sehr positiven Gesamtmarktentwicklung. Die Zahl unserer Mitarbeiter ist in dieser Zeit von damals 1.500 auf heute gut 2.000 gestiegen, rund 500 davon arbeiten als Investmentprofis. Wir sind zudem heute sehr viel breiter aufgestellt, was ­unsere Produkte angeht. Unser Angebot ­beschränkt sich nicht mehr hauptsächlich auf Aktienfonds, wir bieten auch im Rentenbereich sowie im Multi-Asset-Sektor und vor allem im Private-Equity-Segment sowie mit alternativen Investments eine umfa­s­sende Palette an Investmentmöglichkeiten. Unsere Fonds werden dabei zum größten Teil nach einem fundamentalen Ansatz ­gemanagt, zum Teil aber auch auf Basis von quantitativen Modellen. Dahinter steht aber immer ein aktiver Investmentprozess, passive Investments wird man bei uns nach wie vor vergebens suchen. Und eine grundsätzliche Stärke ist auch geblieben: Wir agieren nach wie vor ausschließlich als Treuhänder unserer Investmentkunden und vermeiden es bewusst, uns in anderen Feldern wie dem Versicherungswesen, dem Bankgeschäft oder dem Eigenhandel zu versuchen.

Warum eigentlich dieses rigorose Nein zu passiven Investments?
Passive und aktive Investmentansätze lassen sich aus meiner Sicht nur sehr schwer nebeneinander und vor allem glaubhaft unter einem Dach vereinen. Ich glaube schon, dass passive Strategien ­potenziell ihren Platz in nahezu jedem Portfolio haben. Aber es darf nicht nur um ­Kosten gehen. Die Diskussion „Aktiv versus passiv“ wird von Medien und inter­essierter Seite oft ausschließlich auf das Thema Preis reduziert. Anleger müssen sich aber auch über die Risiken ihrer Investments im Klaren sein. Außerdem taucht in der gesamten Diskussion ein bedeutender Aspekt meist überhaupt nicht auf: Das ist das Thema Shareholder Engagement, das nur der aktive Aktionär betreibt. Hier klafft eine große Lücke in der Debatte, denn wir sind davon überzeugt, dass Engagement ­eines der zentralen Wertschöpfungselemente eines aktiven Managers ist und damit ­entscheidend dafür, den langfristigen Wert eines Investments für Investoren zu steigern.

Wenn Sie von Risiken sprechen, welche meinen Sie konkret?
Viele Anleger, die in einen ETF auf einen Standardindex wie den S&P 500 investieren, suchen in erster Linie ein Investment in Qualitätswerte. Gelegentlich sind bestimmte Titel in Indizes jedoch übergewichtet. Investoren ist oft nicht bewusst, dass ETFs 2001 zu 40 Prozent in der Technologiebranche investiert waren, oder dass der Anteil an Finanztiteln 2008 relativ hoch war. Und wer sich aus Renditeüberlegungen für einen High-Yield-ETF entscheidet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er sich einen erheblichen Anteil an den am stärksten verschuldeten Unternehmen in der Welt ins Depot holt und dass deren Gewichtung im zugrunde liegenden Index sogar automatisch zunimmt, sobald diese Unternehmen sich noch höher verschulden.

Aber können Sie nachvollziehen, dass Inves­toren eine kostengünstige Investmentform bevorzugen in einer Zeit, da aktives Management nicht die Ergebnisse gebracht hat, die man davon erwartet hat?
Einerseits kann ich das natürlich verstehen. Denn in gewisser Weise ist die Debatte über Kosten sicher gerechtfertigt. Andererseits gab es aber auch gute und nachvollziehbare Gründe, warum sich aktives Management in der Vergangenheit schwergetan hat. In Zeiten des Quantitative Easing ist es nun einmal zu einer Situation an den Märkten gekommen, die von hohen Korrelationen und einer gleichzeitig nur ­geringen Dispersion, also der relativen ­Abweichung der Performance einzelner ­Aktien, geprägt war. Die Debatte um die Kosten eines Investments ist wichtig. Sie sollte aber nicht den Blick dafür verstellen, dass aktives Management die eigentliche Triebkraft effizienter Märkte ist.

Wie meinen Sie das?
Passive Investment Manager analysieren keine Aktien oder Märkte. Sie ­investieren in einen fertigen Index, fragen aber nicht, ob die Unternehmen hinter den darin abgebildeten Einzelwerten ihre Verschuldung sinnvoll einsetzen, ob sie vielversprechende Zukäufe tätigen oder in die richtigen Geschäftsfelder investieren und ­eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik betreiben. Das tun nur aktive Manager, denn die leben davon, dass sie professionelles Research betreiben und ihre Analys­ten dafür bezahlen, dass diese möglichst aussichtsreiche Aktien von effizient und professionell geführten Unternehmen für ­ihre aktiv gemanagten Fonds ausfindig ­machen. Nicht umsonst beklagt sich mancher Vorstand eines börsennotierten Unternehmens, dass er selbst auf seine eigene ­Initiative hin und nach mehrmaliger Nachfrage bei einem passiven Asset Manager gar nicht erst die Möglichkeit erhält, mit diesem Investor ins Gespräch zu kommen. Das hat einen einfachen Grund: Da ist niemand, der sich für die Strategie dieses Vorstands und seines Unternehmens interessieren würde. Das zeigt meiner Ansicht nach vor allem eins: Aktives Management ist wichtig, damit es durch sinnvolle Investments zu einer effizienten Preisfindung an den Kapitalmärkten kommt, und nicht einfach nur Anlegergelder in irgendeinen Index fließen.

Das Marktumfeld für effiziente Investments hat sich allerdings erheblich verändert. Sind die fetten Jahre nach einer der längsten Aufschwungphasen der Geschichte vorbei?
Ohne Zweifel haben wir ein schwieriges, vor allem extrem volatiles Jahr 2018 erlebt. Wobei zum Beispiel US-Aktien bis Ende September im Schnitt ein durchaus akzeptables Ergebnis abgeliefert haben. Es war der starke Rückgang der Kurse im vierten Quartal, der am Ende dafür gesorgt hat, dass wir das erste Jahr seit 2008 mit einer negativen Performance im S&P 500 Index erlebt haben. Auch auf globaler Ebene haben nahezu alle wichtigen Anlageklassen mit Minuszeichen abgeschlossen, eine Konvergenz, die grundsätzlich nichts Gutes verheißt. Aber der generelle Treiber scheint ganz einfach Angst gewesen zu sein, für die es viele Gründe gab, angefangen von einer als übertrieben empfundenen Zinserhöhungsstrategie der US-Notenbank und einer Verlangsamung des Wachstums in China bis hin zu schwelenden Handelskonflikten und zunehmenden politischen Unsicherheiten, nicht nur in Europa. Seit Jahresbeginn sieht die Welt wieder etwas positiver aus, was sich in einer deutlichen Kurserholung an den Märkten ausgewirkt hat.

Dennoch haben Investoren das Gefühl, dass sie deutlich vorsichtiger agieren sollten.
Und das nicht ohne Grund. Denn auch wenn die Verantwortlichen bei der ­Federal Reserve inzwischen wieder einen moderateren Kurs eingeschlagen haben und die Handelshemmnisse zwischen den USA und China offenbar doch nicht so gravierend ausfallen werden, muss man feststellen, dass etwa der Konjunkturzyklus in den USA in seine Spätphase eingetreten ist. Außerdem verlangsamt sich das Gewinnwachstum der Unternehmen. Andererseits besteht kein Anlass zur Panik. Statt eines starken Wirtschaftsabschwungs, wie ihn manche Auguren herbeischreiben, erwarten wir für 2019 eine eher sanfte Landung der Wirtschaft mit einem Anstieg des Brutto­inlandsprodukts in den USA um 2,0 bis 2,5 Prozent. In der Zwischenzeit könnten sich andere Länder sogar wieder etwas erholen, unterstützt von neuen Konjunkturprogrammen in China und einer Art Auftauen der zum Teil eingefrorenen Handelsaktivitäten. Anzeichen dafür lassen sich unserer Einschätzung nach nicht nur in Japan und ­Europa, sondern auch in einigen Schwellenländern erkennen. Diese Volkswirtschaften befinden sich im Vergleich zur spät­zyklischen Phase der USA noch in der ­Mitte des Konjunkturzyklus, was bezüglich ihrer Wachstumsaussichten für eine zunehmende Konvergenz relativ zu den USA sorgen könnte.

Dann bleiben Sie optimistisch für Aktien?
Ein Gewinnwachstum in Höhe von im Schnitt fünf Prozent für den S&P 500 Index sowie der Trend zu Aktienrückkäufen, verbunden mit angemessenen Bewertungen, all das sind Argumente dafür, dass US-Aktien ein respektables Jahr bevorsteht. Vorausgesetzt, dass sich die Marktstimmung nicht wieder verschlechtert und in der Folge die Oberhand über die Fundamentaldaten gewinnt.Gerade für ­Aktien könnten sich aber in anderen Ländern sogar noch attraktivere Möglichkeiten ergeben – insbesondere in den Schwellenländern und bis zu einem gewissen Grad in Japan, wo viele Aktien eine vergleichsweise niedrige Bewertung aufweisen. Zu mehr Vorsicht raten wir in Bezug auf die europäischen Aktienmärkte, wo geopolitische Risiken derzeit die Oberhand haben.

Was meinen Sie konkret?
Zum Zeitpunkt, da wir hier miteinander sprechen, sind der Ausgang der Diskussionen um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die möglichen Konsequenzen daraus noch immer vollkommen offen. Zudem wird uns die Diskussion um einen nach wie vor ausufernden Staatshaushalt in Italien sicher noch eine Weile begleiten. Gleichzeitig ist die Entwicklung im Osten Europas von ­einer Wende hin zum Populismus geprägt, die nichts Gutes verheißt, und in Spanien liefert die dortige Regierung aktuell ein nur schwaches Bild ab. Darüber hinaus zeichnet sich eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf ein wahrscheinlich nahendes Ende der Ära von Kanzlerin Angela Merkel ab. Und obendrein wird es im November einen Wechsel an der Spitze der Europäischen Zentralbank geben. Alles zusammengenommen dürfte Europa damit das geopolitische Rampenlicht dominieren – auch wenn ein inzwischen demokratisch dominiertes US-Repräsentantenhaus sicher regelmäßig für neue Schlagzeilen sorgen wird und natürlich immer mit neuen Twitter-Tiraden des US-Präsidenten zu rechnen sein wird.
 
In einem bereits Mitte vorigen Jahres publizierten Papier hat Ihre Gesellschaft vier Megatrends beschrieben, die die kommenden zehn Jahre betreffen. Gelten die noch?
Anlässlich des zehnten Jahrestags der Finanzkrise von 2008 haben wir versucht uns vorzustellen, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Wir haben uns die Frage gestellt, welche Kräfte es sein werden, die die Anlagewelt dann antreiben werden, und was im Rückblick als bloßer Lärm zu bewerten sein wird. Wir waren uns einig, dass es vier große Trends sind, die die Wirtschafts- und Finanzlandschaft auch in der nächsten Dekade prägen werden und nach wie vor gelten. Der erste ist eine weiterhin explodierende Verschuldung in der Welt, sowohl im staatlichen wie auch im Unternehmenssektor, was Auswirkungen im Hinblick auf die kreative Zerstörung von Kapitalzyklen und die Nachhaltigkeit von Wirtschaftswachstum, aber auch auf die damit verbundenen Risiken und Renditeaussichten haben wird. Der zweite ist der herausfordernde und in mancher Hinsicht schmerzhafte Übergang von der gängigen Ost-West-Weltordnung des 20. Jahrhunderts zu einer wirklich globalen und doch multipolaren Weltordnung der Zukunft, in der die Emerging Markets eine zunehmend bedeutende Rolle spielen mit entsprechenden Auswirkungen auf das globale Wachstum und die Inflation. Der dritte ist eine Umstrukturierung der Finanz- und Kapitalmärkte, in der Banken ihre Dominanz bei der Kreditvergabe und der Versorgung der Märkte mit Liquidität immer stärker verlieren, wodurch Segmenten wie Private Debt und vor allem Private Equity eine immer wichtigere Rolle bei der Wachstumsfinanzierung zukommen wird. Und der vierte ist die wachsende wirtschaftliche Bedeutung von Technologie, die in zum Teil rasendem Tempo zu Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch der Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, führen wird.

Diesen vierten Trend hat Ihre Gesellschaft gleich einmal aufgegriffen und den Fonds Neuberger Berman Next Generation Mobility aufgelegt. Mit welchem Ziel?
Unser Haus hat ohnehin eine langjährige Erfahrung im Management von thematischen Aktienstrategien. Die Integration dieses innovativen Investmentansatzes im Bereich der neuen Mobilität in unsere Fondspalette halten wir für durchaus vielversprechend. Wir sind der Meinung, dass dieser Fonds Investoren eine überzeugende Möglichkeit bietet, von einer technologischen Revolution zu profitieren, die in den kommenden Jahren unseren Alltag prägen wird. Autonome, vernetzte und elektrische Fahrzeuge sind die drei maßgeblichen Trends bei der Mobilität der nächsten Generation. Sie werden den Paradigmenwechsel hin zu einer modernen Automobiltechnologie beschleunigen. Um davon zu profitieren, bedarf es aber einer entsprechenden Investmentkompetenz in den Bereichen Automobil und Technologie durch präzise Analysen und eine professionelle Portfoliodiversifizierung. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Voraussetzungen mitbringen.

Themenfonds waren lange Zeit nicht angesagt in einem Investmentmarkt, der eher von Aspekten wie Multi-Asset und der Zunahme von passiven Investments dominiert war. Erlebt die Fondsgattung Themenfonds gerade so etwas wie eine Renaissance?
Ob man das als Renaissance bezeichnen soll, sei einmal dahingestellt. Für uns haben solche Instrumente schon immer ihren Platz in einem breit gefächerten Portfolio gehabt. Abgesehen davon liegt einer der Gründe für das wieder vermehrte Interesse an Themeninvestments meiner Ansicht nach in der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung selbst. In einer Zeit, da das Wachstum sich insgesamt verlangsamt oder sogar zurückgeht, wird es natürlich immer schwerer, auskömmliche Returns für den Investor zu erwirtschaften. Denn die Risikoprämien bei Aktien sind im Schnitt deutlich zurückgegangen. Und an den Rentenmärkten kann – abgesehen von den USA – angesichts immer noch rekordniedriger Zinsen von einem auskömmlichen Ertrag nach wie vor keine Rede sein. Deshalb kann es nicht verwundern, dass die Nachfrage nach ausgeprägten Wachstumsstorys gestiegen ist. Und die damit verbundenen Erträge lassen sich nun einmal mit Themenfonds, die auf solche Wachstumssegmente der Märkte setzen, gezielter abschöpfen.

Ein nicht zu übersehender Trend in der ­Investmentbranche ist zudem die Berück­sichtigung von ESG-Kriterien bei der Auswahl von Wertpapieren. Wo steht Ihr Unternehmen in dieser Hinsicht?
Ohne überheblich erscheinen zu wollen, sind wir in dieser Beziehung erheblich weiter als der Branchendurchschnitt. Ich würde sogar sagen, dass wir einer der Vorreiter in Bezug auf die Integration solcher Faktoren in unsere Investmentprozesse sind. Unsere Gesellschaft hat bereits ab den frühen 1940er-Jahren etwas angewendet, was wir damals als „Vermeidungs-Screening“ bezeichnet haben. Und schon 1989 haben wir unser Team für sozial verantwortliches Investieren installiert. Heute unter­liegen unsere Investmententscheidungen zu 100 Prozent zumindest einem „ESG-Bewusstsein“, bei 50 Prozent unserer Fonds sind entsprechende Kriterien fest in deren Investmentprozess integriert.

Was antworten Sie auf die Kritik, wonach die wesentliche treuhänderische Pflicht eines Vermögensverwalters in der Erzielung einer möglichst guten Performance besteht?
Dass kein Widerspruch darin besteht, dieser Pflicht vollständig nachzukommen und gleichzeitig solche ESG-Kriterien in seine Prozesse zu integrieren. Im Gegenteil: Alle Anlageexperten, die hier bei ­Neuberger arbeiten, sind der festen Überzeugung, dass ESG-Faktoren mittel- bis langfristig sowohl unter dem Risikoaspekt als auch aus der Opportunitätssicht wesentlich, wenn nicht entscheidend sind für die Investmentperformance unserer Investoren. Aber man muss natürlich realistisch bleiben, besser gesagt, die Gewichtung und die Relevanz der einzelnen Faktoren muss ­angemessen sein. Bei dem Investment in ein Kreditinstitut spielt der S-Faktor, in dem Fall eine faire Kreditvergabepraxis, eine wesentliche Rolle, aber weniger der E-Faktor, also die Frage, ob das Unternehmen ­Solarpaneele zur eigenen Energieversorgung auf seinem Dach installiert hat.

Wir danken für das Gespräch.    

Hans Heuser


Engagierter Kapitalmarktexperte

Joseph V. (genannt Joe) Amato, trat im Jahr 2006 in die Dienste der in New York ansässigen Investmentgesellschaft Neuberger Berman, wo er als Chief Investment Officer in erster Linie für Aktieninvestments verantwortlich ist, aber auch den Fixed-Income-Bereich mitverantwortet. Er gehört darüber hinaus dem Verwaltungsrat und dem Prüfungsausschuss von Neuberger Berman an. Von 1994 bis 2006 stand Amato in den Diensten von Lehman Brothers, wo er als Head of High Yield Bond Research zunächst für die Analyse von hochverzinslichen Wertpapieren verantwortlich war, ­später leitete er als Global Head of Equity Research das Aktienresearch des Unternehmens. Vor seiner Zeit bei Lehman Brothers hat Amato zehn Jahre lang für die ehemalige Investmentbank Kidder Peabody gearbeitet. Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften hat Amato an der Georgetown Uni­versity in Washington absolviert. Bis ­heute ist er Mitglied des Verwaltungsrates dieser Universität ­sowie im Beirat der ihr angegliederten Business School. Darüber hinaus ist Amato als Beirat der in New York beheimateten Non-Profit-Organisation „Teach for America“ aktiv, die sich landesweit für Reformen an den öffentlichen ­Schulen einsetzt. 

twitterlinkedInXING
 Schliessen