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3/2018 | Theorie & Praxis
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»Eine Kooperation ist unsere Chance«

China und Asien insgesamt sollten nach Ansicht von Gerard Lee von Lion Global Investors und Christian Jost von C-Quadrat eine wesentlich größere Rolle bei institutionellen Investments spielen. Und die beiden Anlageexperten haben gute Argumente parat.

Kein einfaches Unterfangen, was sich da die österreichische C-Quadrat und der in Singapur ansässige Asset Ma­nager Lion Global Investors vorgenommen hatten. Sie luden österreichische Institutionelle ein, um die Investoren von einem Investment in den Schwellenländern zu überzeugen, und das zu einer Zeit, da gerade die Emerging Markets gerade einmal wieder als besonders anfällig für Mittelabflüsse gebrandmarkt werden. Institutional Money hatte die Möglichkeit, im Vorfeld der Veranstal­tung mit Christian Jost, Geschäftsführer der C-Quadrat Asset Management, und Gerard Lee, CEO von Lion Global Trust, ein ausführliches Gespräch zum Thema zu führen.

Herr Jost, C-Quadrat arbeitet nun seit gut vier Jahren mit dem in Singapur ansässigen Asset Manager Lion Global Investors zusammen. Wie kam es eigentlich dazu?
Christian Jost: Im Grunde sind wir durch ­einen gemeinsamen Bekannten ins Gespräch gekommen. Angesichts der Situation, wie wir sie seit einigen Jahren in der Asset-Management-Industrie beobachten können, war schnell die Idee geboren, dass eine Zusam­menarbeit für beide Seiten von Vorteil sein könnte. Wegen der regelrecht marktbeherrschenden Stellung, die die wirklich großen Investmenthäuser inzwischen erreicht haben, waren wir uns schnell einig, dass unse­re beiden Gesellschaften vor allem durch eine Kooperation die Chance haben würden, dem Markt in bestimmten Segmenten ein tragfähiges Angebot zu machen. Für ­einen Nischenplayer wie C-Quadrat wäre es nicht möglich, im Alleingang einen Fonds für chinesische A-Aktien oder eine auf asia­tischen Bonds aufsetzende Strategie anzubieten. Umgekehrt würde es für einen mittelständischen Anbieter wie Lion Global Trust kaum Sinn ergeben, mit einem entsprechend eigenständigen Angebot hier in Europa aktiv zu werden, ohne über die notwendigen Vertriebs- und Kundenbeziehungen zu verfügen.

Bisher bieten Sie in dieser Kooperation ­einen Aktienfonds für chinesische A-Aktien sowie einen Anleihenfonds, der auf asiatische Bonds setzt, an. Die Frage ist, warum sich gerade institutionelle Investoren derzeit für diese beiden Sektoren interessieren sollten zu einer Zeit, da gerade die Emerging Markets mit nicht zu übersehenden Problemen kämpfen.
Gerard Lee: Ein Teil der Antwort liegt schon in Ihrer Frage selbst begründet. Denn in der jüngeren Zeit hat sich die Situation in ­Bezug auf Schwellenländerinvestments institutioneller Investoren deutlich verändert. Die Emerging Markets werden noch immer viel zu oft als ein großer Block betrachtet. Damit wird so getan, als ­befänden sich alle Schwellenländer in einer Art Gleichlauf, was ihre konjunkturelle Ent­wicklung und die Aussichten der unterschiedlichen Volkswirtschaften angeht. Das ist schon lange nicht mehr der Fall: Die Unterschiede in Bezug auf die wirtschaftliche Situation einzelner Staaten in der asiatischen Region sind aus meiner Sicht nicht mehr zu vernachlässigen.

Jost: Vor diesem Hintergrund findet gerade eine regelrechte Neuorientierung statt. Nicht umsonst wurde speziell der Markt der chi­ne­sischen A-Aktien Anfang Juni in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen. Damit sind insgesamt 234 am dortigen heimischen Markt notierte Einzeltitel neu in den Index hinzugekommen. Auch wenn diese bisher nur ein Gewicht von zirka 0,35 Prozent einnehmen, so war das doch ein eindeutiges Zeichen, dass sich an der Beachtung einzelner Länderindizes etwas verändert. Ein Teil gerade der institutionellen Investoren hat das auch schon verstanden und begonnen, darauf zu reagieren. Und wir möchten in Kooperation mit Lion Global Investors als einem wichtigen Player in diesem Segment durchaus eine Rolle spielen bei dieser Entwicklung. Was das bisher inves­tierte Volumen angeht, stehen wir heute bei rund 200 Millionen Euro. Das ist ein guter Anfang, aber wir sind sicher, dass sich Raum für deutlich mehr bietet.

Lee: Zudem verfügen wir mit diesen Fonds inzwischen über einen Track Record von drei Jahren. Und auch in Bezug auf die ­Performance unseres China-A-Aktienfonds haben wir bei aller Bescheidenheit durchaus erfreuliche Ergebnisse vorzuweisen. Auf Sicht von drei Jahren liegen wir klar vor dem Durchschnitt der auf diesen Markt ­fokussierten Peergroup, ganz zu schweigen vom Vergleich mit dem Marktindex, den wir deutlich übertroffen haben. Aber es ­wäre zu einfach, nur mit einer guten Performance zu argumentieren, denn auch wir können schließlich einmal eine schwächere Phase haben.

Wo liegt denn Ihr Vorteil gegenüber anderen Anbietern?
Lee: Einen unserer wesentlichen Vorteile ­sehen wir in der Tatsache, dass wir mit ­unserem Standort Singapur eine spezielle Solidität mitbringen, die andere Anbieter nicht vorzuweisen haben, weil sie häufig auf innerchinesische Broker oder Asset ­Manager setzen. Eine mittlerweile 32-jähri­ge Geschichte unseres Mutterhauses, der Oversea-Chinese Banking Corporation – immerhin die größte Bankenorganisation in Singapur –, steht für die Glaubwürdigkeit und die Verlässlichkeit unseres Angebots.

Aber warum ist gerade Singapur als Standort ein Vorteil?
Lee: Natürlich erscheint es einem Außenstehenden sinnvoll, gleich direkt nach China zu gehen und sich unter den dort ansässigen Asset Managern einen Kooperationspartner zu suchen, um einen Fonds für chinesische A-Aktien zu lancieren. Nur kann bisher keiner der heimischen Anbieter auf eine so lange Geschichte zurückblicken. In der Historie unseres Hauses haben wir dagegen schon eine ganze Reihe von Auf- und Abbewegungen an den Kapitalmärken miterlebt. Und ohne jetzt alle über einen Kamm zu scheren, aber viele inländische Brokerhäuser in China hatten noch gar nicht die Möglichkeit, unter Beweis zu stellen, ob ihr Anlageerfolg eher auf Glück oder wirklich auf Genialität beruht. Angesichts der enormen Erfolge, die man im Geschäft mit chinesischen Aktien in den vergangenen Jahren erzielen konnte, stehen die Chinesen selbst oft vor dem Problem, dass sie unter Umständen schnell zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden. Daher bringt ein Standort wie Singapur den wesentlichen Vorteil mit, dass wir zwar die gleiche Sprache sprechen wie die Chinesen – dadurch haben wir keine Probleme, was die Kommunikation mit in China ansässigen Unternehmen und Marktteilnehmern angeht –, aber wir verfügen ­da­rüber hinaus über eine ganz andere Perspektive und andere Erfahrungen mit marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften und dem Geschehen an den Aktienmärkten. Und am Ende ist Singapur eines der erfolgreichsten, wenn nicht das erfolgreichste Land in der asiatischen Region.

Dann sehen Sie sich selbst als so etwas wie einen First-Class-Offshore-Player im On­shore-Markt für chinesische A-Aktien?
Lee: Das würden wir aus Bescheidenheit vielleicht nicht so ausdrücken, aber im Grunde trifft es das, was wir sein möchten. Natürlich gibt es in Singapur eine ganze ­Reihe ausländischer Marktteilnehmer. Die Top 15 der großen Asset Manager haben dort alle eine eigene Niederlassung. Und natürlich gibt es wie gesagt eine große Zahl heimischer Anbieter in China selbst, die außerdem zum Teil sehr viel größere Marktplayer sind als Lion Global Investors.

Inwiefern spielt die Einbettung in ein Mutterhaus wie die Oversea-Chinese Banking Corporation, die Sie erwähnt haben, eine wesentliche Rolle?
Lee: Vielleicht ein Beispiel dazu: Zu unserer Gruppe gehört mit der Great Eastern Insurance die größte Versicherung in Singapur. Auch dort ist die Versicherungsbranche ein von Anleiheninvestments dominierter Markt. Ein asiatisches Unternehmen, das ­eine Anleihe emittieren möchte, tritt wie überall anders in der Welt als Erstes an die großen Versicherer in der Region heran, weil es davon ausgeht, dass es über diese Marktteilnehmer einen Großteil seiner ­Anleihe platzieren kann. Uns als dem Asset Manager ermöglicht das nicht nur einen frühzeitigen Zugang zu einer Reihe von neuen und eventuell attraktiven Anleihen­emissionen. Wir haben aufgrund der Größe und der Kreditwürdigkeit unserer Mutter­gesellschaft zudem die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und bei Unternehmen anzufragen, ob sie nicht an der Auflage eines bestimmten Bonds mit einer speziellen Laufzeit interessiert sind. Und nicht selten stoßen wir auf Interesse selbst bei Unternehmen, die vielleicht von sich aus gerade nicht am Markt aktiv geworden wären. Das alles sind Vorteile, über die andere Marktteilnehmer nicht unbedingt verfügen.

Das mag vielleicht in den Bondmärkten ein Vorteil sein. Für die Aktienmärkte gilt das aber doch nicht mehr angesichts der inzwischen auch in Asien wesentlich strengeren Regulierung?
Lee: Das ist vollkommen richtig. Wenn man versuchen würde, die eigenen Kontakte zu Unternehmen oder einzelnen Personen zu seinem Vorteil zu nutzen, könnte das schnell als unerlaubte Insidertransaktion gewertet werden – mit entsprechend harten Konsequenzen. Das kann sich heute kein Marktteilnehmer mehr erlauben. Deshalb spielen persönliche Beziehungen hier keine Rolle mehr in Bezug auf Erfolg oder Misserfolg an den sogenannten Public Markets. Anders sieht die Sache allerdings im Bereich Private Equity aus. In diesem Sektor haben wir es eben nicht mit öffentlich ­zugänglichen Informationen von gelisteten Unternehmen zu tun. Zudem ist der Kreis potenzieller Investoren wesentlich ­enger. Daher spielt in diesen Märkten die Größe eines Investors nach wie vor eine für ein erfolgreiches Agieren wichtige Rolle. Hier kann ich natürlich zudem von meinen früheren Aufgaben etwa beim singapurischen Staatsfonds Temasek durchaus profitieren.

Wo sehen Sie denn die Schwächen einer Gesellschaft wie Lion Global Trust?
Lee: Eine wichtige Frage in einer Zeit, da die Asset-Management-Branche immer stärker oligopolistische Züge annimmt. Soll heißen, dass wir in einer Zeit, da vor allem große Namen wie BlackRock, Vanguard oder auch State Street und Fidelity über ­wesentliche Vorteile aufgrund ihrer Markenbekanntheit verfügen, es, wie eingangs ­bereits gestreift, immer schwieriger wird für kleine und mittlere Anbieter, überhaupt auf dem Schirm von institutionellen Investoren aufzutauchen. Und weil wir von einer vergleichbaren Markenbekanntheit noch weit entfernt sind, würde ich sagen, dass das aktuell unsere wesentliche Schwäche darstellt. Wir sind einfach noch zu klein, um in der Liga der Großen am Markt eine wirkliche Rolle zu spielen.

Jost: Ähnlich wie in anderen Industrien ist auch in der Finanzindustrie ein Trend nicht zu übersehen: Die meisten Investoren wenden sich an die großen Markennamen, wenn es darum geht, eine bestimmte Region oder eine Assetklasse und speziell die Emerging Markets in ihren Portfolios abzubilden. Das führt dazu, dass mittelgroße Asset Manager ins Hintertreffen geraten. Kleineren Anbietern wie C-Quadrat bleibt nichts anderes übrig, als Partnerschaften mit ­einem mittelgroßen Asset Manager wie Lion Global ­Investors einzugehen, um in dieser Kooperation, gepaart mit einer besonderen Flexibilität und einem günstigen Kostengerüst, Produkte anzubieten, mit denen wir der Vorherrschaft der Großen begegnen können. In solchen Partnerschaften liegt für eine Gesellschaft wie C-Quadrat, aber auch für Lion Global Investors die Chance, einen Unterschied zu machen.

Lee: Ich vergleiche die derzeitige Situation in der Investmentbranche gern mit der Luftfahrtindustrie. Dort haben Sie mit Boeing und Airbus zwei riesige Player, denen nicht einmal eine Mitsubishi, die das mehrfach versucht hat, etwas entgegensetzen kann. Warum dann nicht mehr in die Rolle des Zulieferers gehen, als den eher aussichtslosen Kampf gegen die Riesen ­einer ganzen Industrie aufzunehmen?

Die Frage ist, warum Investoren gerade in der aktuellen Situation in Aktien oder Bonds der Emerging Markets investieren sollten.
Lee: Weil die Möglichkeiten, gute Erträge zu erzielen, trotz aller Diskussionen um den Handelskonflikt zwischen den USA und China oder der am Markt weithin befürchteten Mittelabflüsse aus den Schwellenländern in der aktuell gedrückten Situation an den Märkten sowohl im Bond- wie auch im Aktienbereich durchaus vorhanden sind. Denn die Situation in Bezug auf die Währungsreserven und die Leistungsbilanzen der meisten asiatischen Staaten ist heute nicht mehr vergleichbar mit früheren Zeiten. Viele der dort ansässigen Unternehmen ­stehen inzwischen sehr viel gesünder da als in der Vergangenheit. Sie verfügen nicht nur über ansehnliche Cashflows, sondern weisen auch einen deutlich reduzierten Schuldenstand auf. Und bei den Zahlen zu den Einkaufsmanagerindizes mögen asiatische Unternehmen zwar noch immer deutlich niedriger liegen als in Europa oder den USA. Aber der entsprechende Index für Asien hält sich stets über der wichtigen Marke von 50, auch wenn er sich in jüngs­ter Zeit wieder leicht abgeschwächt hat.

Aber was spricht denn speziell für asiatische Bonds angesichts von vielfach geäußerten Befürchtungen, dass es mit einer sich weltweit insgesamt abschwächenden Konjunktur demnächst wieder zu einem Abzug des sogenannten „Hot Money“ von westlichen Investoren kommen wird?
Lee: Es ist natürlich nach wie vor so, dass viele asiatische Unternehmen sich in erster Linie in US-Dollar verschulden – schon ­allein deshalb, weil die Finanzierungskonditionen in der Regel sehr viel günstiger sind als in der heimischen Währung, die zudem meist deutlich höheren Schwankungen ausgesetzt ist. Aber ein Blick auf die Entwicklung der Nachfragesituation im Markt für asiatische Bonds belegt, dass sich in dieser Beziehung eine wesentliche Veränderung vollzogen hat. Waren es vor rund zehn Jahren noch europäische und US-Investoren, die mit 55 Prozent den Großteil der asiatischen Bonds in ihren Portfolios hielten, werden heute rund 80 Prozent der Fern­ost-Anleihen von heimischen Anlegern gekauft. Das zeigt, dass inzwischen in diesem Markt sehr viel mehr „ernst gemeinte“ Investments gehalten werden, rund drei Viertel davon bei Banken und Asset Managern. Das spricht nach unserer Erwartung dafür, dass die Volatilität und entsprechend auch die Verwundbarkeit durch ein sich generell verschlechterndes Sentiment an den Märkten nicht mehr die gleiche Rolle spielen werden wie noch in früheren Jahren.

Jost: Und nicht zu vergessen die deutlich verbesserte Situation bei den Devisenreserven und der Leistungsbilanz, insbesondere in China als dem größten Emittenten in der Region. Das Land hat mittlerweile rund das Zweieinhalbfache seiner externen Verschuldung durch eigene Reserven gedeckt – ein Wert, der Mitte der 90er-Jahre noch bei nur 87 Prozent lag. Das spricht für eine deutlich geringere Anfälligkeit in Bezug auf abrupte Kapitalabflüsse.

Und warum sollte man speziell in chinesische Aktien investieren?
Lee: Ganz allgemein gesprochen, weil es der größte und damit regelrecht bestimmende Markt in der gesamten Region ist. China hat mittlerweile eine dem japanischen ­Aktienmarkt vergleichbare Bedeutung. Die beiden Länder wechseln sich in schöner ­Regelmäßigkeit ab, was den zweiten und den dritten Platz innerhalb der größten Volkswirtschaften weltweit angeht. Und in Bezug auf Japan würde man heute doch schon längst nicht mehr auf die Idee kommen, das Land als selbstverständlichen ­Bestandteil eines asiatischen Aktienblocks zu betrachten. Entsprechend ist es angebracht, auch China als eigenständigen ­Aktienmarkt anzusehen – und nicht mehr nur als Bestandteil eines gesamtasiatischen Marktes.

Allerdings hat der chinesische Aktienmarkt im Jahresverlauf bereits rund 15 Prozent abgeben müssen. Glauben Sie wirklich, dass jetzt schon wieder der Zeitpunkt für einen Neueinstieg gekommen ist?
Lee: Das ist meiner Ansicht nach weniger eine Frage des richtigen Timings, bei dem man ohnehin eigentlich nur falschliegen kann. Wir erleben gerade einen enormen Wechsel der gesamten asiatischen Region weg von der Abhängigkeit von der Pro­duktion zu möglichst geringen Kosten und einem hohen Export und hin zu einer immer stärker vom Binnenkonsum getragenen Konjunktur. Steigende Löhne und eine ­anziehende Produktivität dürften dafür sorgen, dass diese Entwicklung uns noch eine ganze Weile begleiten wird. Auch bei den Ausgaben im Gesundheitswesen weist das Land inzwischen höhere Steigerungsraten auf als die USA und Japan. Und die Verschuldungssituation der Unternehmen ist bereits deutlich zurückgegangen, gleichzeitig ist die Sparquote bei den Verbrauchern nach wie vor vergleichsweise hoch.

Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Aber werden nicht am Ende die negativen Faktoren aus dem schwelenden Handelskonflikt mit den USA die Oberhand ­gewinnen?
Lee: Natürlich werden die immer wieder aufflammenden Diskussionen um Zölle oder neue Sanktionen auch künftig sehr viel Un­si­cherheit in die Kapitalmärkte tragen. Außerdem werden weiter steigende Zinsen in den USA und ein allmähliches Auslaufen der Quantitative-Easing-Maßnahmen in Europa für eine Verknappung der Liquidität an den Märkten sorgen. Und auch China selbst hat den notwendigen Deleveraging-Prozess ­sicher noch nicht beendet. Aber auch wenn die Diskussion um eine mögliche weitere Abschwächung in den Emerging Markets ­sicher nicht spurlos am chinesischen Aktienmarkt vorbeigehen wird, wäre es für einen institutionellen Investor angesichts der Ertragschancen, die dieser Markt nach wie vor langfristig bietet, sicher ein Fehler, ihn nicht als Anlagechance mit in seine Investmentüberlegungen einzubeziehen.

Wir danken für das Gespräch.   

Hans Heuser


Investmentexperten zu den Märkten in Asien

Gerard Lee kann auf eine inzwischen 34-jährige Erfahrung in der Investmentbranche zurückschauen. Der Chief Executive ­Officer der in Singapur ansässigen Gesellschaft Lion Global ­Investors war unter anderem von 1999 bis 2004 Chief Investment ­Officer der Fondsmanagementabteilung des singapurischen Staatsfonds Temasek (FMD). Später wurde er Chief Executive ­Officer der Fullerton Fund Management Company, einer Dritt­anbietervermögensverwaltungsgesellschaft. Vor seiner Zeit bei Temasek war Lee für die Deutsche Asset Management Singapore und für SBC Warburg Singapore tätig. Er hat außerdem zeitweise das New Yorker ­Büro der Singapore Investment Corporation geleitet.

Christian Jost hat nach dem Abschluss seines Studiums der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien sein gesamtes Berufsleben in Diensten der in Wien beheimateten C-Quadrat verbracht. Er hat zunächst als Portfoliomanager und in der Fondsanalyse gearbeitet, seit dem Jahr 2000 leitet er die beiden Bereiche Wealth und Asset Management, zunächst als Vorstand der AG, später als Geschäftsführer der GmbH.

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