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3/2021 | Theorie & Praxis
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Der menschliche Faktor

Auf Nachhaltigkeit und Impact fokussierte sich das erste Institutional Money Investmentforum seit Ausbruch der Pandemie. Neben Networking und Vermittlung von spezifischem Know-how stand das Forum im Zeichen des M4C Impact Award.

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Geballte Information, zugeschnitten auf institutionelle Investoren, kam von internationalen Asset Managerinnen und Managern. Heinz Fischer, ehemaliger Präsident der österreichischen Republik sowie Mitbegründer und Vorstand des Ban Ki-moon Centres, leitete im Rahmen des IM Investmentforums die erstmalige Verleihung des M4C Money for Change Impact Award ein.

© Nikola Neven Haubner

Es war ihr erster Auftritt vor Live-Publikum. Zumindest seit ihrem Amtsantritt als Wirtschaftsweise. Die Rede ist von Monika Schnitzer, der Starvortragenden beim jüngsten Institutional Money Investmentforum, das unter dem Motto „Neue Horizonte“ stand. „Ich freue mich wirklich sehr, endlich wieder live vor echten Menschen zu stehen“, meinte die Innovationsökonomin. Und man glaubte es ihr, dachte man doch in weiten Teilen des Publikums sehr ähnlich. In den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten der Villa Kennedy in Frankfurt fand es also statt, das erste postpandemische Investmentforum, bei dem es schwerpunktmäßig um Nachhaltigkeit ging und in dessen Rahmen erstmalig und feierlich der M4C Money For Change Impact Award vergeben wurde.

Impact Award mit Substanz

Mit dem Preis werden erstmalig Bemühungen honoriert, deren Anspruch höher nicht sein könnte: die Welt für alle Menschen zu einem besseren Ort zu machen. Und das auf jedweder Ebene: gesellschaftlich, ökologisch, politisch und medizinisch.

Ein derartiges Unterfangen lässt sich klarerweise weder von einer einzelnen Person oder einer einzigen Organisation und schon gar nicht im Rahmen eines einzigen Projekts umsetzen. Vielmehr braucht es ­eine umfassende Strategie und eine starke Bündelung von Kräften, die sich einem solchen Ziel verschreiben.

Institutional Money hat einen solchen Strategieansatz in den 17 Impact-SDGs (Social Development Goals) gefunden und mit UN Principles for Responsible ­Investment, Global Compact Network Aus­tria, Toniic Institute, Impact Hub Vienna, Ban Ki-moon Centre for Global Citizens sowie dem Co-Initiator Mercer eine Impact-Allianz geschmiedet. Das Ziel der Allianz: durch den Award die SDGs und deren Anwendung zu fördern. Verliehen wurde der M4C Award in den Kategorien Asset Owner, Corporate, Entrepreneur und Cooperation – die Gewinner der jeweiligen Kategorie lauten: Zurich Insurance, Infineon Technologies, plastic­preneur doing circular und fair-finance.

Doch bevor es ans Feiern der Preis­träger im Rahmen eines zwanglosen Get-toge­thers ging, stand der Tag im Zeichen extrem fokussierter und zielgerichteter Informationsvermittlung von Asset Managern an institutionelle Investoren – und zwar nur institutionelle Investoren.

Fokussierte Asset Manager

Um die Inhalte noch genauer an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen, wurden die Investoren in drei Gruppen geteilt: Versicherungen und regulierte Vorsorgeeinrichtungen, Banken/Depot A, Corporate, Treasury sowie freie Vorsorgeeinrichtungen, Stiftungen, Family Offices, Private Banking.

Die 30-minütigen Events fanden in ­jeweils drei parallel laufenden Break-out Sessions statt und gliederten sich in einen rund 20-minütigen Impulsvortrag von Seiten des Asset Managers plus Fragen durch dezidierte Investoren und das Publikum. Zum Rotationsprinzip meinte einer der ­Investoren leicht verschmitzt: „Mir gefällt, dass wir sitzen bleiben können und die ­Asset Manager zu uns kommen.“

Die Asset Manager selbst kamen aus dem Who’s who der Finanzszene: Wiebke Merbeth berichtete für BayernInvest ­furios über die regulatorischen Herausforderungen, die sich institutionellen Investoren in einer Welt mit nachhaltigem Anspruch stellen. Thomas Kaiser von IQAM Invest erklärte, in welchem Ausmaß Rohstoffe in den nachhaltigen Wirtschaftskreislauf gehören, nicht zuletzt weil sie selbst in die Konstruktion nachhaltiger Energieproduzenten fließen. Katherine Magee und Bryan Wallace von J.P. Morgan AM stellten dar, wie ein nachhaltiges Portfolio, bestehend aus mehreren Assetklassen, funktioniert. Tobias Spies führte aus, wie er für Lloyd Fonds ESG-Prin­zipien in einer Anleihenstrategie umsetzt. Ingrid Kukuljan schilderte, wie Federated Hermes Aktienportfolios für eine grüne Zukunft zusammenstellt. Den exklusiven Researchansatz von DJE Kapital erklärte Richard Schmidt. Freddie Woolfe definierte wiederum den PPP-Ansatz von ­Jupiter in einem ökologischen Umfeld neu – und zwar als People, Planet, Profit. Torsten Harig von Nordea ging dann in die Substanz, als er erklärte, wie Kredite als Alternative zu IG-Anleihen ins Port­folio fließen können.

Hohe Interaktion

Die Themen wurden nicht zuletzt deshalb auch kontrovers diskutiert, da Inves­toren, die sich im Vorfeld dazu bereit ­erklärt hatten, während oder nach dem ­jeweiligen Vortrag spezifische Fragen aus ihrer Sicht stellten. Diese wurden nicht selten vom Publikum weiterentwickelt, was mitunter zu einer willkommenen Abkehr von steifen Vortragskonzepten führte und eindrucksvoll bestätigte, dass die Vortragenden nicht nur ihr Konzept, sondern ­tatsächlich die gesamte Bandbreite ihres Geschäfts beherrschen.

Thema der Diskussionen war dabei im Besonderen der Einstiegsvortrag der Innovationsökonomin und Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer. Sie rückte den Zyklus von ­Innovation und Umsetzung ins richtige Licht: „Es dauert rund 30 Jahre von der Entwicklung einer prototypischen Technologie bis zu deren Umsetzung.“ Will man also bis 2050 den Ausstoß von CO2-Werten relevant verringern, müssen die dafür verwendeten Technologien jetzt erforscht werden – oder besser noch: erforscht worden sein –, um ihre Implementierung zeitgerecht umzusetzen.

Die zweite Keynote kam von Heinz ­Fischer, ehemaliger Präsident der Republik Österreich. Im Rahmen einer Grußbotschaft betonte der Mitbegründer und Vorstand des Ban Ki-moon Centres die absolute Notwendigkeit nachhaltigen Denkens und Investierens – nicht zuletzt angesichts eines Sommers, der weltweit demonstriert hat, dass die Klima-Uhr nicht unbedingt zu unser aller Gunsten läuft.

Fortsetzung folgt

„Da wir uns dieser Situation und der ­damit verbundenen Verantwortung bewusst sind, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um dem M4C Money for Change Impact Award auch nächstes Jahr zu verleihen“, erklärte Herausgeber Mamdouh El-Morsi. Das Ziel bleibt dasselbe: Akteure vor den Vorhang zu holen, die tatsächlich und nachweislich Impact durch ihr Agieren bewirken.

Der Award wird also – äußere Einflüsse vorbehalten – auch in Zukunft nach seinen strengen Richtlinien verliehen, überprüft von einer Jury, für die „Impact“ nicht nur ein Nebengedanke, sondern Kern des ur­eigenen Wesens ist.    

Hans Weitmayr


Anhang:

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