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2/2017 | Theorie & Praxis
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Crash ängste

Die Investmentverantwortlichen von immer mehr Zentralbanken machen sich langsam Sorgen, dass es in einigen Sparten der Kapitalmärkte bereits zu hohe Bewertungen gibt.

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Brasiliens Notenbank. 80 von 130 Notenbanken haben die diesjährige HSBC-Studie „Reserve Management Trends 2017“ durch ihre Teilnahme unterstützt, sie sind in Summe für Währungsreserven von 5.900 Milliarden US-Dollar verantwortlich.

Als die anlässlich des „Reserve Management Survey 2017“ interviewten Notenbanken Anfang dieses Jahres wieder einmal über ihre Ansichten, Strategien und Sorgen befragt wurden, äußerten sie bezüglich Letzteren als größte Sorge die Gefahr einer weiteren Destabilisierung der Euro­zone. Die Umfrage, zu der diesmal 80 von 130 dazu eingeladenen Notenbanken Daten lieferten, fand allerdings schon in den ­Monaten Februar und März statt. Man kannte damals weder das Wahlergebnis in den Niederlanden, noch war absehbar, dass in Frankreich ein 39-jähriger Ex-Investmentbanker in den Élysée-Palast einziehen würde. Ein Notenbanker eines Schwel­lenlandes äußerte sich anlässlich der Be­fragung gegenüber den Studienautoren so: „Wir halten beträchtliche Beträge in Euro, weshalb sowohl unsere Reserven als auch unsere Wirtschaft von der Eurozone ab­hängig sind. Brexit hat uns gezeigt, dass Wahlen in einigen wichtigen Ländern der Eurozone nicht immer günstig für die ­weitere Integration der Region ausgehen müssen.“


Die Gefahr für die europäische Einheitswährung ist zwar nach wie vor gegeben, die allerschlimmsten Befürchtungen hinsichtlich eines unmittelbar vor der Tür stehenden Zerfalls der Eurozone sind vorerst einmal vom Tisch. Damit gewinnt das zweite große Thema, das den Anlageverantwortlichen in den Zentralbanken Kopfschmerzen bereitet, an Bedeutung: In der Studie wird es als „major asset price correlation“ bezeichnet.


So wie Ray Dalio, Gründer des US-Hedge­fonds Bridgewater, sehen die Verwalter der Währungsreserven dem nächsten Abwärtstrend an den Märkten mit Sorge entgegen. Dalio hatte Mitte März erklärt, dass er und sein Researchteam kurzfristig weder wirtschaftlich noch politisch gravierende Risiken sehen, dass aber davon auszugehen sei, dass der nächste Abschwung massive Ausmaße und damit voraussichtlich auch ernste soziale und politische Folgen haben werde. Konkret sind es die nach wie vor weiter steigenden Schuldenniveaus, die Dalio als Bedrohung sieht.


Ein in der Studie zitierter afrikanischer Zentralbanker sieht für die Weltwirtschaft insgesamt die Gefahr, dass die unterschiedlichen Strategien von Fed, EZB und Bank of Japan Ungleichgewichte unter den führenden Volkswirtschaften bewirken könnten. Da wichtige Teilmärkte wie etwa die Immobiliensparte in einigen entwickelten Volkswirtschaften gefährlich hohe Bewertungsniveaus erreicht haben, steige die Gefahr, dass es infolge einer Überhitzung zu massiven Rückschlägen komme.


Diese Haltung spiegelt sich in der alljährlichen „Hitparade“ der bevorzugten beziehungsweise gemiedenen Assetklassen wider. Hier sind alle Staatsanleihen mit Ausnahme der Triple-A-gerateten in der Gunst der Reserve Manager gestiegen, das gilt auch für inflationsgesicherte ­Papiere und Gold, wobei vor allem die positive Einschätzung der Inflation-Linker auffällt: 80 Prozent der Umfrageteilnehmer hielten sie zuletzt für attraktiver als noch vor einem Jahr. Tendenziell als attraktiver wurden dabei allerdings auch Aktien und sogar Hedgefonds beurteilt, was wohl eher Diversifikationsüberlegungen geschuldet ist. Ein klares Nein gibt es übrigens nur zu Rohstoffen (Ausnahme Gold), die von 90 Prozent der Befragten als weniger attraktiv eingeschätzt werden. Ähnlich ungünstig werden nur hochriskante Unternehmensanleihen (unter BBB) beurteilt.


Wenig Kopfzerbrechen bereiten den Befragten hingegen die langfristigen Aussichten für das britische Pfund oder den US-Dollar. Was die Währung der Briten betrifft, sieht man hier nur kurzfristige Irritationen, die ja tatsächlich in Gestalt eines schwächeren Wechselkurses bereits vorliegen.


Dollar-Block bevorzugt
Was die Präsidentschaft Donald Trumps betrifft, scheint man ihm keinen nachhaltigen Einfluss auf das internationale Wirtschaftsgefüge zuzutrauen, denn für die Währung der USA bleiben die Erwartungen praktisch unverändert. Mehrheitlich, so berichten die Autoren der Studie, sehen die Reserve Manager den US-Dollar – trotz ­einer tendenziellen Skepsis gegenüber der neuen US-Administration – nach wie vor als attraktives Investment an – attraktiver als Euro, Yen oder Schweizer Franken. Insgesamt wird währungsseitig der Dollar-Block klar favorisiert.
Unbeeindruckt blieben die Verwalter der Währungsreserven auch von den bisher durchgeführten Leitzinsanhebungen der amerikanischen Notenbank. Allerdings werden sie im Fall nachhaltiger Zinsanstiege ­ihre Strategien radikal überprüfen und anpassen. Tatsächlich hat dieser Prozess sogar schon längst begonnen. Mehr als 80 Prozent der befragten Notenbanken geben an, ihre Anlagepolitik innerhalb der letzten zwölf Monate schon geändert zu haben. 40 Prozent der Institutionen bestätigen, dass sich die Gewichtung der Assetklassen während der letzten zwölf bis 18 Monate verändert hat. Traditionell werden dabei auch 2017 hochqualitative Schuldtitel von Staaten und Unternehmen bevorzugt, es gibt aber auch ein wachsendes Interesse an Green Bonds und sogar an Aktien. Unter Diversifika­tionsgesichtspunkten werden auch die Währungen von rohstoffexportierenden Staaten verstärkt ins Auge gefasst, und auch skandinavische Währungen stoßen vor allem in einigen Schwellenländern auf Interesse.


In seinem Vorwort schreibt Christian Deseglise, Global Head of Central Banks und Reserve Manager bei HSBC und Sponsor der Studie, dass die Notenbanken in jüngerer Zeit weniger in Emerging Markets investiert haben als ­andere Institutionelle. 2017 könnte das Jahr sein, in dem sie sich diese Assetklasse genauer ansehen – sowohl in lokaler wie auch in Hartwährung.
Als weiteren Trend sieht HSBC eine stärkere Beschäftigung mit der Höhe der Währungsreserven in Relation zur Größe der Volkswirtschaft. Etliche Länder, so Deseglise, hätten Schritte unternommen, um ihre Reserven in der Absicht auszuweiten, mehr Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.   


Anhang:

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