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2/2012 | Theorie & Praxis
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Börsenindikator Deutschland: Verblüffend simples Erfolgskonzept

Das Konzept des Börsenindikators Deutschland hat den Reality-Check eindrucksvoll bestanden. Bleibt nur mehr zu klären, warum es ein Schattendasein fristet.

Thomas_GebertDer von Thomas Gebert (Bild) Anfang der 90er Jahre ent­wickelte Börsenindikator Deutschland basiert auf ­einem bestechend einfachen Ansatz. Je nach Signallage, die von null bis vier Punkten reichen kann, befindet man sich entweder im Geldmarkt oder ist voll im DAX inves­tiert. Dabei sind die Regeln, die der Signallage zugrunde liegen, folgende: War der letzte Zinsschritt der EZB eine ­Senkung, entspricht dies einem positi­­-ven Punkt (+1) für den Börsenindikator, war der letzte Zinsschritt einer nach oben, gibt es dafür keinen Punkt. Liegt die von Eurostat festgestellte Inflationsrate, also der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Eurozone, unter ­jener vom gleichen Monat des Vor­-jahres, bedeutet dies ebenfalls einen Pluspunkt. Ein Gleichstand der Inflation im ­Jahresabstand oder ein Inflationsanstieg im Zwölfmonatsvergleich werden hingegen mit null Punkten honoriert. Das dritte Signal betrifft die Wechselkursentwicklung. Notiert der US-Dollar in Euro (früher: DM) über seinem Stand von vor zwölf Monaten, wird das Punktekonto um eins erhöht, während ein gleich hoher oder ­niedrigerer Kurs den Indikatorstand nicht erhöht. Das vierte Merkmal ist die Saisonalität. Getreu dem Motto „Sell in May and go away, stay away till St. Leger Day“, heute auch Halloween-Indikator genannt, wird für die Zeit vom 1. November bis 30. April ein Punkt hinzuaddiert, in den anderen Monaten nicht.
 
Vier Teilindikatoren
 
Nun gilt gemäß Erfinder Gebert folgende Mechanik für die Entscheidung, ob man investiert ist beziehungsweise investiert bleibt: Ergibt die Summe der vier Teilindikatoren drei oder vier Punkte, so ist dies ein Kaufsignal, ein Indexstand von null oder eins stellt ein Verkaufssignal dar. Zwei Punkte hingegen gelten als neutrales Signal und führen zu keiner Veränderung des Investmentverhaltens. Das bedeutet, dass man im Falle eines Signalabstiegs von vier oder drei auf zwei Punkte voll engagiert bleibt; kommt man von unten an die zwei Punkte, bleibt man noch im Geldmarkt, bis der ­Indikator auf plus drei steigt.
 
So einfach die Struktur, so überzeugend die Resultate, und das nicht nur im Backtest. Gebert publiziert seit 1996 die Signallage regelmäßig in einem Börsenmagazin. Wem dies zu wenig ist, der findet die Umsetzung der Signallage in einem von Merrill Lynch 2006 begebenen Zertifikat, das so manche Krise zu bewältigen hatte und sich bravourös schlug. Thomas Gebert dazu: „Wer seit 1996 regelmäßig alle Signale des Indikators nachvollzogen hat und eben bei einem Kaufsignal den deutschen Aktienmarkt gekauft hat respektive bei Verkaufssignalen in Cash ging und die Geldmarktverzinsung dafür erhielt, bis ein Wieder­einstieg angezeigt wurde, konnte seinen ­Depotwert bis heute um 1.340 Prozent steigern. Der DAX ist im selben Zeitraum nur um 163 Prozent gestiegen.“
 
Die Umsetzung der Börsenindikator-Deutschland-Strategie in dem im Oktober 2006 gestarteten Merrill Lynch-­Zertifikat bestätigt seine Aussage: Zwischen 10. Oktober 2006 und 2. April 2012 wurde damit eine ­annualisierte Performance (nach Kos­ten von 1,5 Prozent per annum) von 9,51 Prozent erzielt – was sich mit einem eher mageren DAX-Return von 2,64 Prozent pro Jahr vergleicht (siehe Chart „Nach zwei Krisen deutlich voran“).
 
Besser als Buffett
 
Der von Gebert entwickelte Börsenindikator Deutschland lässt mit diesem Ergebnis sogar Investment­legenden wie Warren Buffett alt aussehen. Der Chart zeigt aber auch sehr deutlich, dass es Phasen gibt, in denen eine deutliche Underperformance entsteht, weil man gemäß Indikatorenmodell an der Seitenlinie steht, so geschehen von der Auflage weg bis 2008, als man dann im Vorteil war, da man im August 2008 eben nicht investiert war. Umgekehrt blies das Modell bereits im November 2008 zum Einstieg, sodass man von einem höheren Niveau aus die Schlussphase der heftigen Korrektur noch mitmachte, dafür aber ab Anfang März auch voll investiert war, um kräftig an der Wiederauferstehung des ­Aktienmarktes zu partizipieren. Dies gelang den wenigsten Indikatormodellen, die meistens erst im Sommer 2009 ein Einstiegssignal gaben. Hervorragend bewältigte man gemäß dem Indikatoren­system von Gebert die Verschärfung der Griechenlandkrise im Juli 2011, denn man befand sich im „Ruhe“- sprich Geldmarktmodus von Mai 2011 bis zum 7. 11. 2011, als ein Kaufsignal erschien. Gebert: „Die Europäische Zentralbank hat den Hauptrefinanzierungssatz auf ein Prozent gesenkt, der Dollarkurs lag über seinem Wert von vor zwölf Monaten, und die Jahreszeit war seit dem 1. November günstig.“ Das bedeutet also einen Score von plus drei. Das starke erste Quartal 2012 nahm man also voll mit und ist derzeit (April 2012) noch immer investiert.
 
Pourquoi pas?
 
Betrachtet man die Grafik: „Der Börsenindikator Deutschland wirkt“, kann man sich vorstellen, warum trotz überzeugender Gesamtergebnisse Institu­tionelle vor der rigorosen Anwendung des Indi­katorsystems zurückschrecken. Einmal ist es die Deutschlandzentriertheit, die den sicherlich vorhandenen Home Bias in vielen Portfolios noch verstärken würde. Zum anderen muss man es einmal aushalten, wie ein nicht genannt werden wollender Institutioneller auf Anfrage bestätigt, zwei Jahre am Stück nicht investiert zu sein. Das „Aushalten“ ­bezieht sich auf hausinterne Kritik genauso wie auf den Kundenresponse. Die wirkliche Gefahr besteht aber darin, das System nicht automatisch arbeiten zu lassen, sondern es mit diskretionären Entscheidungen zu overrulen. Ins Benchmarkkonzept mit relativ ­engen Tracking-Error-Vorgaben passt das Modell Geberts jedenfalls nicht.
 
Betrachtet man die Phase von Juni 2006 bis Anfang November 2008, in der man nicht investiert war und bis Mitte 2007 ein schönes Stück in der Schlussphase der Hausse ausließ, versteht man die Argu­mentation. Das unbestechliche Indikator­system hielt sich hier im Bereich von null bis zwei Punkten für mehr als zwei Jahre auf – dies deshalb, weil der letzte Zinsschritt der EZB einer hinauf war (kein Punkt), die ­Inflation im Zwölfmonatstakt meist zulegte (meist ebenfalls null Punkte) und zudem der Dollar ­jeweils im Jah­­-res­ver­gleich nachgab (ebenfalls null). Dieses Umfeld einer steigenden Inflation, garniert mit steigenden Zinsen und einem schwächeren Dollar, mahnt also zur Vorsicht. Umgekehrt erhielt man in den ersten vier Monaten 2002 – und ­damit zu früh – ein Long-Signal, geschuldet einer Zinssenkung nach dem 11. September, der positiven Saisonalität und einem stärkeren Greenback im Jahresvergleich.
 
Gefahrenquelle EZB
 
Man muss schon suchen, um etwas zu finden, was in Zukunft die Aussagekraft des Indikators schwächen könnte. Nachdem die EZB immer eine stärkere Ausrichtung auf die Inflationsbekämpfung legte, kamen die Zinssenkungen oft erst dann zustande, wenn die Märkte schon einen Gutteil der Abwärtsbewegung hinter sich hatten. Damit war das daraus abgeleitete positive Teilsignal des Börsenindikators tendenziell später im Zeitablauf. Im Unterschied dazu agiert die Fed wesentlich proaktiver und hat neben dem Inflationsziel auch Wachstum und Beschäftigung im Auge. Hier gibt es den Zinsschritt nach unten schon früher, bevor die Märkte richtig am Weg nach unten sind. Gefahr könnte drohen, wenn die EZB sich in ihrem Verhalten mehr den Amerikanern annähert, was angesichts der deutlichen Dominanz der schwachen Euroländer im Gouverneursrat ein reales Drohpotenzial darstellt. Vergleicht man die Bilanzverlängerung der Notenbanken seit Beginn der Krise, sieht man wenig Unterschied. Hier gilt es, das Verhalten der Notenbank genau zu verfolgen.
 
Lösungsansatz
 
Faktum ist: Hätte man das System mit seinen deutlich geringeren Drawdowns ­ohne Overruling arbeiten lassen, wäre man ordentlich belohnt worden. Wer an diese ebenso einfache wie bestechende Lösung glaubt, kann sie auch im taktischen Over-lay als eines von mehreren Modellen zur Steuerung der Aktienquote einsetzen ­(„Börsenindikatorsystem light“). Zumindest lohnt es sich, den Indikator für Risk-on-/Risk-off-Entscheidungen als Signalgeber heranzuziehen.
 
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Der Erfinder des Börsenindikators Deutschland im Interview
Talent zur Entwicklung neuer Strategien gibt es nicht nur im angelsächsischen Raum – das beweist Thomas Gebert.
 
Herr Gebert, wie sind Sie als studierter Physiker an der Börse gelandet? Was brachte Sie dazu, Indikatormodelle zu entwickeln?
Thomas Gebert: So unterschiedlich sind die beiden Tätigkeiten gar nicht. Während der Diplomarbeit am plasmaphysikalischen Institut der Uni Bochum musste ich aus grafisch aufgetragenen Messpunkten sta­tis­tisch nachprüfbare Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge herauslesen. Im Grunde mache ich heute nichts anderes, nur dass ich nicht mehr den halben Tag in der Messkabine stehen muss.
 
Haben Sie den Analyseprozess aus den Naturwissenschaften ganz einfach auf die Börse übertragen, sprich: die Erklärungsvariable für ein bestimmtes Kursverhalten etwa nach der „Trial and Error“-Methode zu finden?
Gebert: Ja, ich wollte einfach statistisch nachprüfbare Aussagen treffen können.
 
Das System entstand durch Backtesting der Daten im DAX beziehungsweise des Vorgängerindex von den 1960er Jahren an bis 1993, wenn ich richtig informiert bin.
Gebert: Ich habe ab 1990, als die ersten Heimcomputer auf den Markt kamen und man nicht mehr Lochkarten hacken ­musste wie an der Uni, die rück­be­rech­-neten Tageskurse des DAX seit 1962 in eine Excel-Datei eingegeben. Dann habe ich alle nur denkbaren Strategien simuliert. Wie viel Geld hätte ich 1992 gehabt, wenn ich seit 1962 welche Verhaltensweise an den Tag gelegt hätte, zunächst nur mit Informationen, die sich aus dem Kursverlauf selbst ergaben, etwa gleitende Durchschnitte, MACD, Überkauft-/Überverkauft-Kriterien und so weiter. Später habe ich externe Informationen wie Auftragseingänge, Lohnabschlüsse, Inflationsraten, Zinsparameter und schließlich auch mögliche exotische Einflussfaktoren wie Mondphasen, Durchschnittstemperaturen, Sonnenfleckenrelativzahl und dergleichen hinzugezogen. Und von den vielen hundert Strategien und Verhaltensweisen, die ich probiert habe, lieferte das Indikatormodell den größten ­Gewinn. Jeder Einzelne der vier Teil­indikatoren hat übrigens über die Zeit eine Outperformance geliefert, die Kombination aller vier war dann noch besser. Jedenfalls habe ich die Indikatoren nicht optimiert, etwa in Bezug auf die Gewichtung. Es gab keinerlei rückwärtige Anpassung.
 
Stimmt es, dass der Indikator seit 1996 veröffentlicht wird?
Gebert: Ja, nachdem ich 1993/94 ein Buch über den Börsenindikator geschrieben habe, wurde seit 1996 jedes Signal im Magazin „Der Aktionär“ beziehungsweise im Vorgängermagazin veröffentlicht. Seither wurden acht Kaufsignale und sieben Verkaufs­signale generiert. Keine der sieben ­abgeschlossenen Transaktionen, also Kauf und anschließender Verkauf, hat ein Minus beschert. Im Mittel der sieben abgeschlossenen Positionen lag zwischen Kauf und Verkauf ein Gewinn von 45 Prozent. Nicht nur dass der Börsenindikator in der Vergangenheit von 1962 bis 1992 ein überragendes Ergebnis geliefert hätte – aus diesen Zahlen wurde er ja ent­wickelt –, auch seit der Erstveröffent­lichung 1996 hat er sich unter ­realen Bedingungen bewährt. Das Ganze wurde bei halbiertem Risiko erreicht, denn der Börsenin­dikator war ja nur in der Hälfte der Zeit investiert und so nur halb so oft den Gefahren des Aktienmarktes ausgesetzt.
 
Haben Sie den Gebert-Indikator auch an anderen Märkten getestet? Wenn ja, wie sahen die Ergebnisse aus? Beim MSCI World in Euro scheint das Indikatoren­system ja auch zu funktionieren, sagen Leute, die sich damit beschäftigen …
Gebert: Ich habe mich auf den DAX konzentriert. Mit einem weiteren Markt schien mir kein zusätzlicher Nutzwert hinzuzukommen.
 
Testet man den Gebert-Indikator in den USA mit US-Inflation, Seasonality, den Fed-Zinsschritten und dem inversen Dollar-Euro-Signal – sprich ein festerer US-Dollar im Jahresabstand versus dem Euro generiert einen Punkt –, dann sieht das Ergebnis inferior aus (siehe Grafik, Anm. d. Red.). Was sagen Sie dazu?
Gebert: In den USA funktioniert der Indikator nicht. Für die Amerikaner scheint der Dollarkurs nicht die gleiche Bedeutung zu haben wie für uns.
 
Wie viele Assets sind in dem BoA-ML-Zertifikat aktuell investiert, und wie haben sich diese Assets über die Zeit entwickelt? Sind Sie umsatzbe­teiligt, oder haben Sie eine Flat Fee für die Idee von ML erhalten?
Gebert: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich selbst habe keinen Vertrag mit Merrill Lynch. Das Zertifikat hat sich sehr gut entwickelt. Es ist Ende 2006 zu 100 Euro herausgekommen und notiert aktuell bei über 160 Euro, trotz zweier Finanzkrisen zwischendurch.
 
Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass trotz der guten Performance – der annualisierte Performancevorsprung des Zertifikats zum DAX liegt bei 687 Basispunkten per annum nach Kosten von 150 Basispunkten – hier nicht mehr abgesetzt wurde?
Gebert: Das weiß ich nicht, es wundert mich auch, aber jetzt kommt es ja zu einer Neuauflage mit verringerten Kosten.
 
Warum, denken Sie, interessieren sich Institutionelle nicht wesentlich intensiver für Ihr Indikatormodell, das ja wirklich seit 16 Jahren im Echtbetrieb zu funktionieren scheint? Ist es der hohe Tracking Error, der Umstand, dass man unter Umständen bei einer Hausse einmal nicht dabei ist und im Geldmarkt steht?
Gebert: Das ist möglich. Allerdings ist es auch schön, mal nicht dabei zu sein, wenn es bergab geht. In den 16 Jahren war nur ein einziges Jahr negativ, das Jahr 2002 mit minus elf Prozent.
 
Sind Ihnen noch andere Assets bekannt, die nach der Signallage des Gebert-Indikators gemanagt werden, etwa Overlays bei Institutionellen?
Gebert: Nein, davon ist mir nichts bekannt.
 
Haben Sie sich die Rechte an dem Indi­kator gesichert? Wenn ja, vergeben Sie ­Lizenzen für die Nutzung?
Gebert: Nein, als Physiker habe ich das von Anfang an wissenschaftlich ­gesehen und meine Ergebnisse zur Diskussion gestellt.
 
Welche Anstrengungen unternehmen Sie (außer der Publikation in „Der Aktionär“ und gelegentlichen Interviews im Börsenfernsehen), um den Gebert-Indikator bekannter zu machen?
Gebert: Mit der Internetseite www.gebert-börsenindikator.de versuche ich, das Interesse der qualifizierten Öffentlichkeit da­rauf zu lenken.
 
Haben Sie in der Zwischenzeit Angebote von Investmentbanken, Vermögensverwaltern, Family Offices u. a. erhalten, um für diese zu arbeiten und Modelle/Indikatoren zu entwickeln?
Gebert: Nein, ich habe keine Angebote dieser Art erhalten.
 
Das Modell mutet ja recht simpel an, wenn man es mit den Quant-Exzessen der Investmentbanken vergleicht. Glauben Sie, dass diese Einfachheit verstörend wirkt oder dass seit der Finanzkrise vielleicht „Keep it simple“ eine neue Chance erhält?
Gebert: Ja, ich denke, es geht weg von immer komplizierteren und unverständlicheren Konstruktionen. Die Finanzkrise hat vielen Anlegern gezeigt, dass sie Produkte im Depot hatten, deren Kursverhalten sie sich so nicht vorgestellt hatten. Ich glaube, dass der Markt jetzt da ist für Produkte, die einen überzeugenden Track Record haben und die die letzten beiden Finanzkrisen überlebt haben.
 
Haben Sie daran gedacht, bei negativer Signallage nicht in den Geldmarkt zu gehen, sondern short im Risky Asset (DAX), also das Modell zu erweitern? Denkbar wäre auch eine Umsetzung Leveraged Dax ETFs 2x long oder vielleicht auch short, also eine ganze Produktfamilie da­raus zu machen, die verschiedenen Risiko-Ertrags-Profilen der Investoren gerecht wird? Wie sehen die Ergebnisse der Simulationsrechnung hier aus?
Gebert: Ich würde bei einem Verkaufssig­nal nicht short gehen. Wenn theoretisch ein Fehlsignal käme und der DAX weiter stiege, wäre das Risiko nicht begrenzt. Das entspricht nicht der Idee des Börsenindikators. Das Schöne daran ist ja, dass er mehr Ertrag bei geringerem Risiko liefert.
 
Woran arbeiten Sie derzeit? Entwickeln Sie Indikatormodelle für andere Märkte?
Gebert: Ich arbeite gegenwärtig an Simulationen von Kursverläufen, denn diese sind nicht alle zufällig …
 
Auf Ihrer Homepage http://www.gebert-börsenindikator.de/ veröffentlichen Sie ­unter „Aktuelles“ auch noch Prognosen für den deutschen Aktienmarkt, was ja in diametralem Gegensatz zum Indikator­modell steht. Auf welchen Parametern/Modellen gründen sich diese?
Gebert: Was mache ich zwischen zwei ­Signalen? Ich versuche mögliche zukünf­­-tige Kursverläufe zu simulieren und mit kleinen Beträgen spekulativ darauf zu ­setzen. Mal stimmt es, mal stimmt es nicht. Aller­­dings klappt es öfter als nicht, sonst würde ich die Sache nicht weiter verfolgen …
 
Da dürfen wir ja schon gespannt sein, was als Nächstes aus Ihrer Werkstätte kommt. Vielen Dank für das Gespräch.
 
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Textkasten:
Zweiter Anlauf
Das Zertifikat auf die Börsenindikator-Strategie ist eine Erfolgsgeschichte, daher legt Merrill Lynch jetzt ab Anfang Mai ein zweites auf.
 
Zur Erinnerung: Im Oktober 2006 lag das erste Börsenindikator-Zertifikat mit einer Management Fee von 1,5 Prozent per annum (ISIN: DE000ML0BDM7) durch Merrill Lynch zur Zeichnung auf, der Emissionspreis betrug 100 Euro. Aktuell steht dieses Strategiezertifikat zwei Krisen und eine Fusion des Emittenten später als BoA-ML-Zertifikat bei beachtlichen 160,91 Euro (Stand: 18. 4. 2012).
Wie Roland Lang, Derivatespezialist bei Bank of America Merrill Lynch, berichtet, kommt es am 1. 5. 2012 zur Neuauflage des Zertifikats auf den Börsenindikator: „Analog zum alten Zertifikat, aber mit ­einer reduzierten Fee von einem Prozent per annum legen wir dieses ohne versteckte Kosten auskommende Zertifikat auf den Dax inklusive Dividenden auf.“ Lang ortet auch institutionelles Interesse für die Strate­gie: „Es macht letztlich keinen Unterschied, ob Investoren ein Zertifikat, einen besicherten Swap oder einen Spezialfonds, den wir ab 50 Millionen anbieten, kaufen. In allen Fällen können die Inves­toren durch ihr Portfolio an der Wertentwicklung der Strategie partizipieren und dabei die Anlageform wählen, die ihren Ansprüchen als institutionelle Investoren am ehesten gerecht wird.“
 
 

„Live-Test dank geringerer Drawdowns bestanden“, kann man angesichts der überzeugenden Outperformance von 6,87 Prozent pro Jahr seit Auflage des Merrill-Lynch-Zertifikats sagen, und das trotz der recht heftigen Kostenbelastung von jährlich 150 Basispunkten. Quelle: Bloomberg

Eine Ausnahme bildete die Phase von Juni 2006 bis 7. 11. 2008, wo man nicht investiert war und bis Mitte 2007 ein schönes Stück in der Schlussphase der Hausse ausließ. Das Indikatorsystem hielt sich hier im Bereich von 0 bis 2 Punkten für mehr als 2 Jahre auf. Grün sind die investierten Phasen. Quelle: Thomas Gebert

In jenen Phasen, wo man gemäß Signallage nicht investiert war, wurde ­eine adäquate Geldmarktverzinsung unterstellt. Performance vor Kosten. Quelle: Thomas Gebert

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