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Theorie & Praxis

2/2020 | Theorie & Praxis
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Best of Two (BoT) in der Praxis

Riesen und Zwerge in puncto Assets sowie deren Ansätze und Weiterentwicklungen unter dem Mikroskop­

Urgestein unter den Anbietern ist ­alpha portfolio advisors, Consultant für die Beratung institutioneller Anleger mit Sitz in Kronberg im Taunus, der die alphaport Strategie im Jahr 2001 unter dem Namen „Best of Two“ aufgesetzt und weiterentwickelt hat. „Seit 2003 setzen wir die Strategie für Institutionelle um“, weiß Senior Consultant Marko Hirsch zu berichten. „Per Ende März 2020 steuern wir rund 1,5 Milliarden Euro mit der alpha­port Strategie, davon 1,44 Milliarden Euro für individuell ausgestaltete institutionelle Mandate sowie 75 Millionen Euro in einem Publikumsfonds, dem Dynamic Europe Balance.“ Volumen und Anzahl der Mandate blieben über die letzten Jahre in etwa gleich. Geradezu klein nehmen sich die Volumina aus, die Merck Finck auf diesem Gebiet managt. Zum 31. 3. 2020 können der Publikumsfonds Merck Finck Vario Aktien Renten UI gerade einmal 20 Millionen Euro und der Spezialfonds UI-PF1 41 Millionen Euro aufweisen. Insgesamt verwaltet man also 61 Millionen in Best of Two. Während im Publikumsfonds die Flows stabil sind, hat man im Dezember das neue Spezialfondsmandat übernommen. 
 
Ein anderes Kaliber ist Metzler Asset Management. Zum 31. 3. 2020 hat man 10,5 Milliarden Euro in BoT-Strategien. Was die Tendenz bei den Assets under Management anbelangt sowie die Anzahl der Publikums- und Spezialfonds, gibt die Grafik „Wertsicherung bei Metzler“ darüber Aufschluss. 2003 hatte man mit mehr als einer Milliarde Euro bereits begonnen. Heute wird BoT in 54 Spezialfonds sowie 13 Publikumsfonds und 14 Overlay-Mandaten eingesetzt. 
 
Wachstumskaiser Lampe
 
Ziemlich genauso groß im Geschäft wie alphaport ist das Total Return Team von Lampe Asset Management (LAM), das ebenfalls 1,5 Milliarden Euro in Best-of-Two-Konzepten verwaltet. Davon sind 900 Millionen in Publikumsfonds und der übrige Teil in institutionelle Spezialfonds investiert. Dieses Total Return Team wechselte im Jahr 2017 zu Lampe AM, bis dahin gab es bei LAM keine Assets in BoT-Strategien. Entsprechend kann man in den letzten drei Jahren von einem überaus starken Asset-Wachstum sprechen. „Zu beachten ist, dass das Konzept sowohl bei institutionellen Kunden wie auch im Privatkundenbereich als alternatives Vermögensverwaltungskonzept mit unterschiedlichen Risikolevels eingesetzt wird“, sagt Patrick Geraats, ­Institutional Sales beim Bankhaus Lampe. Beim großen Asset Manager MEAG werden bezüglich Best of Two kleinere Brötchen gebacken. Bernhard Graßl, Head of Consultant Relations bei der MEAG, sagt: „Die Assets under Management betrugen zum Ende des ersten Quartals rund 30 Millionen Euro, verteilt auf zwei Publikumsfonds und ein institutionelles Mandat.“ Das ausstehende Volumen der BoT-Fonds entwickelte sich in den letzten ­Jahren relativ stetig. BoT wird bei Raiffeisen Capital Management (Raiffeisen KAG) seit 2006 angeboten und angewendet, anfänglich direkt vor allem in Spe­zialfonds. Ab 2008 wurde dazu übergegangen, die Strategie verstärkt indirekt über eine Fondslösung (Raiffeisen-Global-Allocation-StrategiesPlus [GASP]) einzusetzen. Per Ende März 2020 kommt BoT in zwei Publikumsfonds zum Einsatz, im Raiffeisen-GASP und im Raiffeisen-Ac­tive-Aktien. In Summe werden aktuell rund 23,5 Millionen Euro durch BoT gesteuert. Dieses Volumen hat sich in den letzten Jahren nicht stark verändert. Wichtig erscheint festzuhalten, dass BoT nur ­eine von mehreren Strategien ist, die in diesen Fonds zum Einsatz kommen. 
 
Die Qual der Wahl
 
Welche Asset-Paare setzen BoT-Manager ein, hat sich hier im Zeitablauf etwas geändert? Schließlich sind ja Korrelationen zwischen Assetklassen nicht stabil, und auch innerhalb ­einer Assetklasse tun sich Chancen für Veränderungen auf. „Ausgangspunkt bei der Gestaltung aller alphaport-Mandate sind stets die spezi­fischen Anforderungen des Kunden wie Rendite- und Risi­kovorgaben, Anlageklassen und Ähnliches“, lässt Marko Hirsch wissen. Ein wichtiger Baustein sei dabei die Auswahl der Asset-Paare, die zentral für das langfristig zu erwartende Rendite-Risiko-Profil der alphaport Strategie sei. Das Risky Asset wird üblicherweise mit Aktienanlagen bestückt. Hirsch: „Hierfür wählen wir je nach Mandat einen oder mehrere internationale Märkte aus; für das „Finetuning“ kommen dabei teilweise auch alternative Indexkonzepte abseits der Kapitalgewichtung zum Einsatz.“ Als „sicherer Hafen“ dienen üblicherweise sehr defensive Rentenanlagen aus dem Staatsanleihenbereich. „Eine deutliche ­Erhöhung des Risikos in diesem Bereich wirkt sich in der Regel negativ auf das ­Risikoprofil der alphaport Strategie aus, ohne dass dabei das langfristige Renditepotenzial merklich gesteigert wird. Daher erfolgt eine Erweiterung des Anlageuniversums im ,sicheren Hafen‘ nur in speziellen Einzelfällen und sehr dosiert.“
 
Von relativ viel Veränderung berichtet Merck Finck: Im Publikumsfonds betrug der BoT-Baustein bis November 2019 nur 60 Prozent des Fondsvolumens. Der zweite Baustein (40 Prozent) bestand aus ­Expresszertifikaten. Seit Dezember 2019 bezieht sich die BoT-Steuerung der Aktien- und Rentenquoten mithilfe von Futures auf 100 Prozent des Fondsvolumens. Bis zu 40 Prozent des Collaterals sind aber in Zertifikate investiert. Dabei ist eine Erweiterung des Anlageuniversums geplant, ­jedoch muss die KVG noch offiziell zustimmen: Im ersten Schritt soll statt dem EuroStoxx 50 auf den Stoxx Europe 600 und MDAX-Indizes umgestellt werden. Diese Erweiterung des Universums weist eine höhere risikoadjustierte Rendite im Backtest auf. Darüber hinaus kann eine „Size“-Risikoprämie vereinnahmt werden. Allerdings bleibt man nach wie vor im Euroraum investiert. Eine zusätzliche Erweiterung des Anlageuniversums auf Gold zum Zwecke der Absicherung im Niedrigzinsumfeld ist aus Sicht von Merck Finck ebenfalls sinnvoll. Bezüglich des Spezialfonds wurde im Rahmen der Fondsübernahme das Anlageuniversum nach Rücksprache mit dem Kunden umgestellt: Es wurden alle Emerging-Markets-Positionen liquidiert, darüber hinaus wurden Währungsrisiken reduziert. Das neue Anlage­universum soll besser zum angestrebten Rendite-Risiko-Profil des Kunden passen. Dabei handelt es sich um einen Pensionsfonds mit mittlerer Risikotoleranz.
 
Vielerorts Experimentierfreude
 
Was die eingesetzten Risky beziehungsweise Austausch-Assets bei Merck Finck anbelangt, so werden im Publikumsfonds nur Aktien gegen Renten gerechnet. Das Aktienuniversum wird aber demnächst ­erweitert, und die Gewichtungen von einzelnen Paaren im Portfolio werden auch quantitativ nach der relativen Stärke ermittelt. Durch die Kupons aus Expresszerti­fikaten wird eine Carry-Komponente der Gesamtrendite im Fonds generiert, die in trendschwachen Seitwärtsphasen besonders wertvoll ist. Die Aktienquote im Fonds bewegt sich zwischen null und 100 Prozent. Das Aktienexposure durch die Zertifikate wird dabei nicht berücksichtigt. Im Spezialfonds sind vier BoT-Paare im Einsatz. Die relativen Gewichtungen der Paare werden dabei regelbasiert berechnet und regelmäßig angepasst. Das Besondere bei diesem Fonds ist, dass neben dem ­bekannten BoT-Modell zur Steuerung der Asset Allocation auch ein Risikomodell zur Verlustminderung verwendet wird. Der Einsatz des Risikomodells soll die Wahrscheinlichkeit von Verlusten, die ein vorab mit dem Kunden vereinbartes Risikobudget übersteigen, minimieren. Wenn das Risikobudget sich aufgrund der eingetretenen Verluste verringert, erfolgt eine regelbasierte Umschichtung zwischen risikoreichen und risikoarmen Anlageklassen; zum Beispiel werden Aktien in Staatsanleihen umgeschichtet. Wenn das Risiko von Staatsanleihen vom Modell als zu hoch eingestuft ist, wird das Fondsvermögen in Liquidität umgeschichtet. Gerade diese Vorgehensweise habe in der letzten Fe­bruarwoche geholfen, hohe Verluste im Fonds zu vermeiden, vermeldet Merck Finck. Die Risikoüberwachung findet ­täglich statt. Die maximale Aktienquote im Fonds liegt bei 75 Prozent, wobei netto Short-Positionen und Leverage ausgeschlossen sind.
 
Metzler setzt BoT als Basis der Wertsicherungsstrategien ein: Austausch-Assets sind ausschließlich Aktien (globale Ak­tien­indizes) und Renten (globale Staatsanleihen). Dies hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Umgesetzt wird BoT als Ausgangsgedanke von Metzlers weiter­entwickelter Wertsicherungsstrategie. Wesentliche Bestandteile der Strategie sind etwa konsequentes Risikomanagement mit fester Wertuntergrenze, die mit einer Konfidenz von 99,99 Prozent eingehalten wird, Zeitfaltung, antizyklische Elemente, Maximalquoten, Tradingbänder und anderes mehr. Der Aktienkorb wird in Metzlers Strategie risikoparitätisch zusammengesetzt. Innerhalb des Rentenkorbs hat man in der nahen Vergangenheit auf Investitionen in italienische und britische Staatsanleihen verzichtet. Beide Themen werden aufmerksam verfolgt, um gegebenenfalls eines oder beide Länder wieder ins investierbare Universum aufzunehmen.
 
Nachhaltige Aktientangente
 
Lampe setzt globale Aktienindizes und globale Staatsanleihenmärkte als Austausch-Assets ein, und zwar ohne Währungsrisiken. Die zum Einsatz kommenden globalen Märkte wurden im Lauf der Zeit sukzessive erweitert. Denn wie viele Wettbewerber startete auch Lampe mit ­einem „konventionellen“ europäischen/deutschen Aktien- und Rentenuniversum. Patrick Geraats führt aus: „Unsere institutionellen Kunden haben mittlerweile sogar die Möglichkeit, nachhaltige Aktieninvestments im Anlageuniversum zu berücksichtigen. Die Austausch-Assets beschränken sich weiterhin auf reine Aktien- und Staatsanleihenmärkte, da diese selbst in Krisenszenarien liquide handelbar bleiben, etwa im Gegensatz zu Unternehmensanleihen. Eine Optimierung auf trendlastige Indizes findet nicht statt, vielmehr möchten wir ein möglichst breites globales Anlageuniversum abdecken. Ziel ist es, langfristig die Risikoprämien globaler Aktien- und Rentenmärkte verlässlich zu vereinnahmen, ohne dabei zu große Drawdown-Risiken in Kauf nehmen zu müssen.“ 
 
Bei der MEAG wird in den Fonds eine Kombination aus mehreren dynamisch ­replizierten BoT-Optionen eingesetzt. Als Basiswerte wurden dabei jeweils ein regionaler Aktienindex (USA, EMU, Japan, EM) aus der MSCI-ESG-Leader-Index-Familie seit dem ersten Quartal 2020 sowie der eb.rexx German Government Bonds 1.5-2.5 Performance Index gewählt. Bernhard Graßl: „Es wurde bewusst ein Rentenindex mit geringer Duration eingesetzt, um das Verlustpotenzial in Risikoszenarien in Verbindung mit einem plötzlichen Zinsanstieg zu begrenzen. In Backtests wurde auch die Performance in alternativen Assetklassen wie beispielsweise Gold untersucht. Die überzeugendsten Resultate ließen sich jedoch durch die Basiswerte Aktien und risikofreie Bonds in Verbindung mit einer regionalen Diversifikation in verschiedene Weltregionen erzielen.“ Die Gewichtung innerhalb der Aktientangente erfolgt auf Basis des BIP und wird einmal jährlich angepasst. 
 
Sehr flexibel handhabt man bei Raiff­­eisen Capital Management den Einsatz der BoT-Paare. Seit 2006 kamen bereits 37 verschiedene Paare über unterschiedlich lange Perioden zum Einsatz. Die Palette reicht vom „Standard-BoT“, das heißt ­Aktien versus Staatsanleihen, über Aktien versus Aktien oder Aktien versus Rohstoffe bis hin zu reinen Anleihenpaaren wie High Yield versus Staatsanleihen oder lange gegen kurze Anleihen. Ausschlaggebend für den Einsatz eines Paars ist die strate­gische Asset Allocation (SAA) in einem Fonds. Beispielsweise wurden im Raiff­eisen GASP die BoT-Paare 2015 von ­Aktien versus deutsche Staatsanleihen auf Aktien versus australische Staatsanleihen umgestellt, als in der SAA die Gewichtung von Bunds stark reduziert wurde. 
 
Allokationsrhythmus
 
Die Reallokation der alphaport Strategie erfolgt seit jeher im monatlichen Rhythmus. Die Reallokationsfrequenz ­unterliegt dabei einer regelmäßigen Überprüfung, wobei sich abweichende Anpassungsintervalle langfristig als nachteilig erwiesen haben. Merck Finck weist darauf hin, dass es Ziel des BoT-Modells sei, die Austauschoption von Margrabe so gut wie möglich dynamisch zu replizieren. In der Theorie sollte das Delta-Hedging mehrmals pro Tag stattfinden. Aufgrund der Transaktionskosten sei allerdings in der Praxis sehr oft eine monatliche Portfolioumschichtung zu beobachten. Bei Merck Finck ist man dennoch der Meinung, dass in turbulenten Marktphasen die Umschichtung auch jenseits starr festgelegter Termine stattfinden sollte. Bei Metzler gehört es zur regelgebundenen BoT-Strategie mit Wertuntergrenze, dass die Allokation unter Umständen täglich angepasst werden kann. Man verwendet Tradingbänder, um viele kleine Trades zu vermeiden. Dieses Vorgehen wirke sich sehr positiv auf die Kostenbelastung aus. Am Vorgehen hat sich in der Vergangenheit nichts geändert. Bei Lampe geht man anders vor und repli­ziert seine Austauschoptionen täglich. So ließen sich Risikomanagement und Replikation von Optionen optimal vereinen, sagt Patrick Geraats. MEAG wiederum liebt es klassisch und nimmt die BoT-Quoten-Anpassungen durch monatliches Rebalancing vor. Das monatliche Anpassungsintervall habe sich als sinnvoller Kompromiss aus möglichst genauer Replikation der BoT-Option und geringen Transaktionskosten erwiesen. Bei Raiff­eisen Capital Management erfolgt die Anpassung seit 2008 nicht zeitlich gesteuert – Ausnahme der jährliche Reset –, sondern performanceabhängig. 
 
Herausforderungen 
 
Bei alpha portfolio advisors stellt die Fokussierung auf das strategiebezogene Research einen zentralen Erfolgsfaktor dar. Dieses umfasst neben der Identifizierung geeigneter Assetklassen die Überprüfung und Weiterentwicklung der Strategieparameter, der Erfolgsfaktoren und der konkreten Implementierung. Zentral ist dabei stets die ökonomische Fundierung von Research-Ergebnissen, nicht allein der gute Backtest (keine Rückwärts­optimierung) – dies betrifft insbesondere auch die Auswahl der Asset-Paare. Marko Hirsch dazu: „Ein zentrales Research-Thema der letzten Jahre war dabei die Auswirkung des Niedrigzinsumfelds auf die Strategie. Die ausbleibende Verzinsung auf der sicheren Seite des Portfolios führt zu einer Verschiebung des Rendite-Risiko-Profils, wobei der risikoreduzierende Charakter der alphaport Strategie – die Rechtsschiefe – aber prinzipiell erhalten bleibt. Auf den ersten Blick mag eine Optimierung der Rentenseite als Ausweg aus dem Zinstief sinnvoll erscheinen, tatsächlich ist hier das Verbesserungspotenzial sehr beschränkt. Vielmehr würde sich die Hinzunahme von Durations- oder Bonitätsrisiken negativ auf das Risiko der Strategie auswirken.“ Mit einer geeigneten Konzeptionierung des „Risky Assets“ innerhalb der Strategie könne hingegen den unerfreulichen Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes entgegengewirkt werden, so Hirsch weiter. Mit einer entsprechenden Weiterentwicklung der Modelle ließen sich so spürbare Verbesserungen des Rendite- und des Risikoprofils erzielen, damit die alphaport Strategie auch zukünftig ­eine gute Balance zwischen der Partizipation in guten Aktienjahren auf der einen und einer Risikoreduktion in schwierigen Marktphasen auf der anderen Seite bieten könne. 
 
Interaktion mit den Investoren
 
Merck Finck hält fest, dass die Anpassung des Anlageuniversums im Spezialfonds mit dem Kunden abgesprochen wurde. Man habe die Anforderungen des Kunden im Detail analysiert und sich dazu entschieden, das bestehende Modell, nachdem man den Fonds übernommen hatte, an die entsprechenden Kundenbedürfnisse anzupassen. Ziel sei, den Kunden die Quant-Modelle und Anlageideen des Hauses so transparent wie möglich darzustellen. Nur so könne man Kundenvertrauen gewinnen und die Kundenzufriedenheit steigern. Die meistens Kunden schätzten es, in die Gestaltung des Anlagemodells involviert zu sein. Metzler diskutiert mit seinen Kunden vor allem das investierbare Universum sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite und die Wertuntergrenze. Dabei geht es in aller Regel um globale Diversifikation oder kundenindi­viduelle Bedürfnisse – beispielsweise ESG und Ausschlüsse – und deren Risikotragfähigkeit. Lampe hält fest, dass manche Kunden zum Beispiel ausschließlich ein amerikanisches oder europäisches Universum möchten. Dies könne man dann problemlos umsetzen. Patrick Geraats dazu: „Grundsätzlich plädieren wir aber immer dafür, globale Märkte abzudecken, um die globalen Risikoprämien verlässlich zu vereinnahmen.“ MEAG weist darauf hin, dass die Schwerpunkte in der Diskussion mit institutionellen Kunden bei der Zusammensetzung der Aktientangenten, insbesondere einer ESG-konformen Ausgestaltung, der Duration des Bond-Assets sowie bei der Wahl eines geeigneten Risiko-Overlays, beispielsweise einer Volatilitätssteuerung, liegen. Bei Raiffeisen Capital Management sind keine geänderten Paare in Diskussion. Multi-Asset-Produkte und die darin eingesetzten Strategien würden laufend mit institutionellen Kunden im Hinblick auf deren Risiko- und Ertragserwartungen diskutiert. Die im Raiffeisen-GASP eingesetzten Overlay-Strategien – wie etwa BoT – dienten der Absicherung durch die zusätzliche asymmetrische Steuerung der Gewichtung der Anlageklasse. 
 
Reset-Problematik
 
Von Interesse ist es auch zu vergleichen, wann die einzelnen BoT-Manager einen Reset durchführen. Differenziert antwortet Marko Hirsch: „BoT-Strategien vereinen einen Trendfolgemechanismus mit einer regelmäßigen Antizyklik in Form des Strategieneustarts. Durch unterschiedliche Ausgestaltungen dieses Resets verändert sich das Risikoprofil der alphaport Strategie. Daher ist die Vorgehensweise beim Reset ein wesentlicher Punkt im Rahmen der kundenindividuellen Mandatsgestaltung.“ Bei Merck Fincks Publikumsfonds wird momentan die Allokation zum Jahresende auf 50:50 gesetzt. Zukünftig soll aber ein glatter Übergang von Dezember zum Januar erfolgen. So lasse sich die Pfadabhängigkeit im Modell vermeiden. Was den Spezialfonds anbelangt, nutzt man ein modifiziertes BoT-Modell, das ­einen Mittelwert aus mehreren Austauschoptionen errechnet. Metzler wendet in seiner Strategie eine Zeitfaltung an. Diese besteht aus zwölf Einzelstrategien, die zu jedem Monatsanfang starten. Diese Vorgehensweise führt zu einer deutlich stabileren Allokation. Extreme stichtagsbezogene Risiken werden dadurch vermieden. ­Lampes Konzept adjustiert die Allokation täglich neu. Zudem wird täglich eine ­Austauschoption hinzugefügt, und es wird täglich eine Austauschoption fällig. „Wir haben damit das Gamma, so stark es geht, diversifiziert und den Turnover tatsächlich reduziert. So kommen wir dem gewünschten Ergebnis, nämlich eine stetige, pro­gnosefreie, auf Risikogrößen basierende dynamische Allokation zu erreichen, am nächs­ten“, weiß Patrick Geraats. Bei der ­MEAG findet der Reset jährlich zum letzten Handelstag des Jahres statt, ebenso bei Raiffeisen Capital Management. Als man BoT noch in Spezialfonds eingesetzt hat, wurde auf das Geschäftsjahresende der Kunden abgestellt.
 
BoT nach Corona 
 
„Unsere Erfahrung zeigt, dass risikobasierte Anlagekonzepte wie BoT in positiven Aktienmarkt­phasen etwas in den Hintergrund geraten. Nach den Krisenjahren 2002 und 2008 haben wir hingegen eine deutlich erhöhte Nachfrage in diesem Bereich erlebt. Ebenso erfahren wir auch aktuell wieder ein erhöhtes Interesse an diesem Konzept“, sagt Marko Hirsch. Mehr Interesse an BoT bestätigt auch Merck Finck: „Wir glauben, dass BoT beziehungsweise modifizierte Varianten der Strategie – auch mit Risiko-Overlay – in Zukunft von institutio­nellen Kunden stark nachgefragt werden.“ Solange Anlageklassen existieren, die nicht perfekt zueinander korreliert seien, werde BoT eine elegante trendfolgende Multi-Asset-Anlagestrategie darstellen. Metzler erlebt gerade aufgrund der integrierten Wertsicherungssystematik einen Nachfrageanstieg. Mögliche Marktrisiken seien wieder in die Köpfe der Investoren zurückgekehrt und führten zu einer erhöhten Nachfrage nach effizienten Risikomanagementsystemen. Unabhängig von der langjährigen Hausse gab und gibt es aus Sicht von Lampe Kundengruppen, deren Risikotragfähigkeit kein „Durchhalten“ von statischen Allokationen erlaubt. Patrick Geraats: „Zudem sind wir überzeugt, dass Prognosefehler durch eine diskretionär ­getriebene Asset Allocation zu groß sind. Hier war und ist eine systematische, prognosefreie Herangehensweise – und das gilt für Best-of-Konzepte per Definition – ein sinnvolles Mittel, um Risiken zu reduzieren und dennoch verlässlich Risikoprämien zu vereinnahmen. Wir kombinieren unseren Best-of-Ansatz für viele institutionelle Kunden auch mit einer Risikobudgetvorgabe. Hier zeigt die Erfahrung, dass solche Konzepte gerade nach großen Krisen wie 2008/2009 verstärkt nachgefragt werden. Hier sahen wir Zuflüsse im Rahmen von institutionellen Spezialfonds und auch für Risiko-Overlay-Konzepte, die die Risikosteuerung für gesamte Master-Fonds-Strukturen übernehmen.“ Ein gesteigertes Interesse an systematischen Strategien von Kundenseite vernimmt man auch bei der MEAG nach der starken Korrektur am Aktienmarkt, insbesondere in Verbindung mit einer integrierten Risikosteuerung sowie einem nach ESG-Kriterien zusammengestellten Aktienuniversum. Raiffeisen Capital Management ortet vor allem im Private Banking für Multi-Asset-Strategien auch in Zukunft eine verstärkte Nachfrage.
 
Einen Erfolgsausweis kann alpha portfolio advisors mit der Performance des Dynamic Europe Balance (Retailfonds mit Kosten von 1,66 Prozent p. a.) seit Auflage im Juni 2005 vorlegen (siehe Grafik). Mit einem deutlich günstigeren institutionellen Set-up wäre der langfristig erzielte Vorsprung deutlicher. Der Drawdown 2008/09 war im Fonds wesentlich geringer als beim 50:50-Portfolio. Die institutionellen alphaport-Mandate werden bis dato nicht im Publikumsfondsrahmen verwaltet. Für den Dynamic Europe Balance ist die Auflage einer institutionellen Anteilsklasse mit attraktiven Gebühren zurzeit in Planung. Gleichzeitig soll dabei das Mandatsprofil modernisiert werden, um das Rendite-Risiko-Profil zukünftig weiter zu schärfen. Dabei sollen insbesondere Elemente der in institutionellen Mandaten erfolgreich umgesetzten Konzepte zur ­Anwendung kommen.
 
Zusammenfassung
 
Nur einige Anbieter wie alpha portfolio advisors praktizieren Best of Two in seiner Reinform, andere setzen BoT als Basis für Wertsicherungskonzepte oder Bestandteil eines Overlays ein. Ein höheres Interesse an BoT-Ansätzen gleich welcher Art ist im Gefolge der Coronakrise aber zu erwarten. Was den Anbietern jedoch in die Suppe spucken könnte, sind die Interventionen der Zentralbanken und auch die fiskalischen Stimuli der Regierungen, die eine viel schnellere Krisenverarbeitung an den Börsen ermöglichen als früher. Baissen könnten kürzer ausfallen, sodass BoT nicht mehr so stark von der Anlage im stabilen Safe-Haven-Austausch-Asset profitieren kann. Schnellere Kursrückgänge und die rasche Ausbildung von Gegentrends sind der neue Standard.
 
Dr. Kurt Becker

Anhang:

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