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4/2017 | Theorie & Praxis
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»Anspruch und Komplexität Steigen«

Die SDK-Gruppe tätigte bereits mehrere Ausschreibungen über das Mandate-Tool. Institutional Money fragte nach, wie es der Süddeutschen dabei gegangen ist und ob das Asset Management grundsätzlich anspruchsvoller geworden ist.

Über zu wenig Arbeit kann sich das Kapitalanlagenmanagement der SDK Versicherungsgruppe mit Sitz in Fellbach bei Stuttgart nicht beklagen. Die SDK-Gruppe, deren Ursprünge bis ins Jahr 1926 reichen und die die Höhe der von ihr verwalteten Vermögen mit mehr als 6,4 Milliarden Euro beziffert, besteht aus mehreren genossenschaftlich organisierten Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit. Dass deren Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich sind, bewirkt, dass auch ihre Kapitalanlageerfordernisse sehr individuell zu erfüllen sind. Die Bandbreite reicht von der Kranken- über die Lebens- bis zur Unfallversicherung. Dabei zählt die Süddeutsche Krankenversicherung a. G. mit mehr als 650.000 Versicherten zu den 15 größten privaten Krankenversicherern Deutschlands, die jährlichen Versicherungsbeiträge liegen im Bereich um 760 Millionen Euro. Ebenfalls Teil der Gruppe ist die Süddeutsche Lebensversicherung (SDK Leben). Sie beschäftigt sich mit Lösungen zur Absicherung biometrischer Risiken und muss dabei Beitragseinnahmen von rund 44 Millionen Euro im Jahr veranlagen. Abgerundet wird die Gruppe durch die Süddeutsche Allgemeine Versicherung (SDK Allgemeine), die das jüngste Unternehmen des Verbundes ist. Seit 2005 vertreibt sie Unfallversicherungen.


Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das SDK-Kapitalanlagenmanagement auf ­eine „effiziente, risikoadjus­tierte Kapitalanlagensteuerung, um eine optimale Rendite zu erwirtschaften“. Bei der Suche nach leistungsfähigen Vermögensverwaltern, die die benötigten Bausteine der Portfolios liefern können, setzen die SDK-Experten auch das Mandate-Tool von Institutional Money ein. Bisher scheinen die Ergebnisse zufriedenstellend gewesen zu sein, denn die Schwaben zählen zu jenen institutionellen Anlegern, die die Online-Ausschreibungsplattform bereits mehrfach in Anspruch genommen haben. Institutional Money hat Chris­tian Mohrdieck, Leiter der ­Abteilung Kapitalanlagen­management, und Matthias Briem, Mitarbeiter in der Abteilung Kapitalanlagenma­nagement, gebeten, ihre Erfahrungen bei der Arbeit mit dem Tool zu teilen:
 

Herr Mohrdieck, Herr Briem, eine ­kurze Frage am Anfang zur besseren Orientierung: Für welche Versicherungen innerhalb der SDK-Gruppe sind Sie im Rahmen des Kapitalanlagen­managements im Detail zuständig?
Christian Mohrdieck: Wir kümmern uns um die Kapitalanlagen für die gesamte SDK-Gruppe. Bezogen auf das Kapitalanlagevolumen nimmt dabei die Krankenversicherung die meiste Zeit in Anspruch.


… und inwieweit unterscheidet sich dabei das Kapitalanlagenmanagement?
Mohrdieck: Wir versuchen unseren Anlagestil bei allen Gesellschaften gleichermaßen zu implementieren, wenngleich jede Gesellschaft aufgrund der unterschiedlichen Verpflichtungen unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich Dura­tion, Risikotragfähigkeit und Liquidität hat.
 

Wie gehen Sie auf der Aktivseite mit dem Niedrigzinsumfeld um?
Mohrdieck: In den letzten drei Jahren haben wir eine neue langfristige Kapitalanlagestrategie implementiert, zu der die strategische Asset Allocation und das Asset Liability Management gehören. Dies führt zu einer auf Sicherheit ausgelegten, ertragsstarken und kos­tenoptimierten Kapitalanlage, die uns in die Lage versetzt, auch im Niedrigzinsumfeld unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Mitgliedern zu erfüllen.
Neben dem langfristigen und risiko­armen Rentendirektbestand gibt es als zweites Standbein ein risikobudgetiertes Ertragsportfolio, bei dem weltweit in Renten, Unternehmensanleihen, Aktien und in verschiedenen Währungen angelegt wird. Neu hinzugekommen ist eine separate ­Immobilienstrategie, bei der die SDK ­direkt als Immobilieninvestor in Deutschland auftreten wird.

Inwieweit ist das Kapitalanlagenmanagement aufgrund der niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden?
Mohrdieck: Der Anspruch und die Komplexität in der Kapitalanlage steigen durch die weltweite Anlage in höherverzinsliche ­Regionen – die zehnjährigen Zinsen liegen in Deutschland bei etwa 0,50, in den USA bei etwa 2,35 Prozent und in den Emerging Markets bei zirka 4,70 Prozent. Hinzu kommen die gestiegenen regulatorischen Anforderungen.

Wie kann ein Ausschreibungswerkzeug einem Unternehmen wie Ihrem helfen, interessante Asset Manager zu finden?
Matthias Briem: Uns hat das Mandate-Tool bei der Umsetzung unserer Kapitalanlagestrategie geholfen, extern gemanagte Anlagethemen möglichst transparent und effizient auszuwählen. Durch die Standardisierung der Fragen, gepaart mit einem individuellen Fragenteil, stellt es für uns ­eine effiziente Möglichkeit dar, unterschiedliche Ausschreibungen zu generieren. Der breite Marktzugang des Tools hat es dabei einfacher gemacht, neben den großen Asset-Management-Gesellschaften zum Teil auch unbekannte Gesellschaften in die Vorauswahl einzubinden.

Würden Sie sagen, dass Ihnen das Tool ­ermöglicht hat, auch Unternehmen zu prüfen, die Sie bisher nicht auf Ihrem ­Radarbildschirm gehabt haben?
Briem: Ja. Es zeigt auch, dass im Markt ­neben den etablierten Adressen auch ­speziell für bestimmte Assetklassen beziehungsweise Investmentansätze zugeschnittene Asset Manager und Service Provider zur Verfügung stehen.

Wie sind Sie auf das Mandate-Tool gestoßen?
Briem: Herr Mohrdieck kannte es bereits durch seine frühere Tätigkeit als Portfoliomanager bei seinem vorigen Arbeitgeber.

Ihr Haus hat das Tool bereits mehrfach bei Ausschreibungen verwendet. Wonach haben Sie bisher gesucht?
Briem: Es handelte sich um ein globales Corporate-Mandat, einen Serviceauftrag im Bereich Immobilien sowie um ein Währungs-Overlay.

Wie würden Sie Quantität und Qualität der Rückmeldungen beschreiben?
Briem: Bisher sind wir sehr zufrieden mit der Antwortqualität der Asset Manager und der Anzahl der Bewerbungen. Es kam zu einer ausreichenden Anzahl von Bewerbungen –die Bandbreite reicht von sehr namhaften Asset Managern bis hin zu spezialisierten Investmentboutiquen.

Wie sah beziehungsweise sieht der zweite Schritt in der Mandatsvergabe aus?
Briem: Wir konnten bei jeder Ausschreibung die Antworten nach unseren Präferenzen ­gewichten, be- und auswerten und am Ende eine Short List erstellen, um die Asset ­Manager dann in einem weiteren Auswahlprozess persönlich kennenzulernen.

Können Sie mehr Details zu den Mandaten, die Sie vergeben haben, geben?
Briem: Aus Datenschutzgründen gegenüber unseren Bewerbern sehen wir von Einzelnennungen ab. Es sei nur so viel gesagt, dass uns durch das Mandate-Tool mehr ­Asset Manager bekannt geworden sind, als wir bisher kannten.

Können Sie vielleicht andeuten, wer beispielsweise einer der glücklichen Gewinner ist und ab wann dieser für Ihr Haus arbeiten darf?
Briem: Wir haben – um ein Beispiel zu geben – zum Ende des ersten Quartals 2017 ein Mandat für globale Unternehmensanleihen ausgeschrieben und sind zu Beginn des dritten Quartals live gegangen. Den Zuschlag erhielt ein interna­tional renommiertes und seit vielen Jahren am deutschen Markt etabliertes Haus.

Warum haben Sie sich für diesen Vermögensverwalter entschieden?
Briem: Neben den Ausschreibungsantworten und der Vor-Ort-Präsentation haben uns bei dieser Gesellschaft das Anlagekonzept, das deutschsprachige Team und die Nähe zum Asset Manager ­sowie die schlanke Kostenstruktur überzeugt.

Falls der auserwählte Bewerber seinen Job gut macht – darf dieser dann mit Folge-mandaten rechnen?
Briem: Aufgrund der positiven Erfahrungen werden wir neue Mandate auch weiterhin über das Mandate-Tool ausschreiben. Wenn wir allerdings Aufstockungen im entsprechenden Segment vornehmen, fließen die dem ausgewählten Asset Manager zu.

Inwieweit hilft Ihnen die Ausschreibungsplattform von Institutional Money dabei, ­eine objektive, unvoreingenommene Managersuche vorzunehmen?
Briem: Durch die flexible Erweiterung der Nutzung der Daten in Excel können die ­Namen der Asset Manager problemlos ­ausgeblendet werden. Um die Objektivität zusätzlich zu erhöhen, wenden wir den ­einen oder anderen Handgriff an, um aus den Antworttexten möglichst wenig Rückschlüsse auf die Asset Manager zuzulassen.

Nützen Sie das integrierte Reporting des Mandate-Tools für Ihre Dokumentation?
Briem: Aus dem vorgefertigten Fragenka­talog sowie aus dem Scoring-Bogen kann intern eine transparente Dokumentation ­generiert werden. Auch hier reichern wir die vordefinierten Prozessschritte um unsere ­individuelle Vorgehensweise im Auswahlprozess an.


Wie wichtig ist für Sie die Anonymität des Mandate-Tools?
Mohrdieck: Für uns als Kapitalanleger ist die Anonymität des Mandate-Tools von großem Vorteil, da es uns bis zur Auswertung der Fragebögen kaum Zeit kostet, eventuell ­auftretende Fragen über das Mandate-Tool-Forum zu beantworten. Hinzu kommt, dass wir nicht unnötig mit Fragen und Infor­mationen konfrontiert werden. Wie Herr Briem vorhin angesprochen hat, besteht ein weiterer positiver Effekt darin, dass wir ­bereits im Ausschreibungsstadium objektiv bleiben und uns nicht von der bisherigen Kundenbeziehung beeinflussen lassen. Zu guter Letzt wird auch die Kundenbeziehung im Ausschreibungsstatus nicht beeinflusst, da das Mandat neutral ausgeschrieben wird.
 

Wurde Ihre Erwartungshaltung erfüllt beziehungsweise werden Sie das Mandate-Tool zukünftig wieder verwenden?
Briem: Ja, definitiv. An dieser Stelle möchten wir uns für die stets gute Zusammenarbeit mit Ihnen bedanken.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie?
Briem: Wir würden uns über folgende ­Weiterentwicklung freuen: Da nicht auf alle Ausschreibungen dieselben Fragen passen, wäre eine gewisse Flexibilität bei den ­Fragen vorteilhaft. Zudem wären Hervor­hebungen hilfreich, um die wichtigen Passagen der Antworten für die interne Beantwortung bereits aufbereiten zu können.

Abschließende Frage: Haben Sie durch die konzentrierte Auseinandersetzung mit den Bewerbern für Ihre eigene ­Arbeit neue Inputs bekommen?
Mohrdieck: Ja. Die Antwortschreiben der Asset Manager helfen uns dabei, bei der persönlichen Vorstellungsrunde zuvor eventuell nicht berücksichtigte Informationen einzuholen beziehungsweise inter­essante Impulse anderer Be­werber einem für das persön­liche Gespräch ausgewählten Asset Manager als Frage zu stellen.

 

Wir danken für das Gespräch.   

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