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2/2025 | Theorie & Praxis

Am Puls der Zeit

Eine groß angelegte Umfrage unter Hunderten Institutionellen weltweit zeigt, was Profianleger von Privatmarktanlagen erwarten und welche Hürden sie für höhere Investments sehen.

Private Markets waren eines der vielen Themen, die am letzten Institutional Money Kongress in Frankfurt ausführlich beleuchtet und diskutiert wurden. Beispielsweise in ­einem Workshop und einem Gruppengespräch, die beide von David Hedalen, Head of Private Markets Research bei Aviva Investors, geleitet wurden.
Private Markets waren eines der vielen Themen, die am letzten Institutional Money Kongress in Frankfurt ausführlich beleuchtet und diskutiert wurden. Beispielsweise in ­einem Workshop und einem Gruppengespräch, die beide von David Hedalen, Head of Private Markets Research bei Aviva Investors, geleitet wurden.© Christoph Hemmerich

»Wir haben bei 500 institutionellen Anlegern in Asien, Europa und Nordamerika, die zusammen ein Vermögen von 4,3 Billionen Dollar ­repräsentieren, den Puls der wichtigsten Anlageentscheider gefühlt“, erklärte Daniel McHugh, Chief Investment Officer bei Aviva Investors, anlässlich der Veröffentlichung der „Private Markets Study 2025“ seines Hauses im ersten Quartal dieses Jahres. Die zugrunde liegenden Daten wurden im zweiten Halbjahr 2024 erhoben. Befragt wurden 500 Institutionelle weltweit, wovon 270 Adressen ihren Sitz in Europa haben. Zusätzliches Gewicht respektive Aussagekraft ­erhält die Studie dadurch, dass beachtliche 46 Prozent der globalen Institutionellen mehr als 20 Milliarden US-Dollar an Assets under Management verantworten und damit hochprofessionelle Einschätzungen garantiert oder zumindest höchstwahrscheinlich sind. Unter den Befragten sind firmeneigene Pensionsfonds (DC & DB) mit 40 Prozent die größte Investorengruppe, gefolgt von Versicherungen (24?%) sowie öffentlichen oder staatsnahen Pensionsfonds (20?%).

Steigende Gewichtung

Der Umfrage zufolge machten Private Markets im Jahr 2024 mittlerweile 11,5 Prozent der Portfolios institutioneller Investoren aus. Das ist ein Anstieg gegenüber 10,5 Prozent im Jahr 2023. Dabei gibt es regionale Unterschiede: Nordamerikanische Institutionelle gewichteten Privatmarktan­lagen in ihren Portfolios zuletzt im Durchschnitt mit 12,4 Prozent und damit höher als ihre Mitbewerber im Raum Asien-Pazifik (11,5?%) oder in Europa (11,1?%).

In diesem Zusammenhang ist der Anteil jener Befragten, die eine Privatmarktanlagengewichtung von zehn Prozentpunkten oder mehr haben, von 48 auf nunmehr 56 Prozent gestiegen. „Privatmärkte spielen in den Anlagestrategien globaler Institutionen eine wichtige Rolle, und diese Rolle hat im letzten Jahr zugenommen, nachdem sie im Jahr 2023 leicht zurückgegangen war“, sagt David Hedalen, Head of Private Markets Research bei Aviva Investors.

Bei einer Aufschlüsselung nach Investorengruppen weisen öffentliche Institutionen wie Zentralbanken oder Staatsfonds mit mehr als 15 Prozent die höchsten Private-MarketsAllokationen auf. Dahinter folgen betriebliche DC-Pensionspläne (12,4?%) und öffentliche Pensionspläne (12,3?%).

Eigenkapital dominiert

Eine Analyse der in den Portfolios gehaltenen Privatmarktanlagen nach einzelnen Segmenten zeigt, dass Institutionelle ganz klar eigenkapitalbasierte Investments bevorzugen. Unter den Top Drei innerhalb der Private-Markets-Tangente ­befindet sich Real Estate Equity (23?% Gewichtung) vor Private Equity (19?%) und Infrastructure Equity (13?%). Erst auf Platz vier liegt mit Private Corporate Debt (10?%) ein fremdkapitalbasiertes Investment (siehe Grafik „Allokation unter der Lupe“). Befragt nach dem beliebtesten Investmentzugang zur Erreichung von Private-Markets-Exposure, gaben mehr als die Hälfte (52?%, Mehrfachnennungen möglich) der globalen Investoren an, auf „Direktinvestments“ zu setzen. Inter­essantes Detail: In Europa lag dieser Wert bei lediglich 48 Prozent und damit viel niedriger als in der Vorjahresumfrage, bei der noch ein Ergebnis von 57 Prozent erreicht wurde. Investoren nannten auf globaler Ebene des Weiteren „Multi Asset Pooled Funds“ (46?%), „Single Asset Class Pooled Funds“ (40?%) wie auch „Co-Investing?/?Club Deals“ (35?%).

Während Co-Investments und Club Deals bislang vor allem bei Investoren aus der asiatisch-pazifischen Region beliebt sind, kommen mittlerweile auch europäische Investoren auf den Geschmack. Laut Tom Graham, Head of Private Markets Equity Specialists bei Aviva Investors, ist dies ein wichtiger Trend und bestätigt die von Aviva Investors beobach­tete Investorennachfrage nach den hauseigenen Produkt­angeboten (siehe Grafik „Bevorzugte Investmentwege“).

Geplante Aufstockungen

Die mittlerweile relativ hohe Beimischung respektive Gewichtung von Privatmarktanlagen im Gesamtportfolio hat in vielen Fällen dazu geführt, dass Institutionelle inzwischen ihre diesbezüglich gewünschte Zielallokation erreicht haben. Das erklärt, warum in der jüngsten Aviva-Investors-Umfrage „nur“ 51 Prozent der Befragten auf globaler Ebene erklärten, ihre Allokation in Private Markets in den nächsten 24 Monaten erhöhen zu wollen. Zum Vergleich: In den vorherigen Umfragen der Jahre 2022 und 2023 betrugen diese Werte ­jeweils 64 Prozent. In diesem Zusammenhang fällt Europa auf: Die relativ niedrige aktuelle Private-Markets-Gewichtung europäischer Institutionen im Vergleich zu ihren globalen Peers führt dazu, dass in Europa immerhin 57 Prozent der befragten Institutionen ihre Gewichtung innerhalb von zwei Jahren erhöhen wollen.

Falls Investoren zusätzliches Exposure eingehen, dann sollte dieses Vorteile bei der Risikostreuung bringen, und der Blick geht dabei über die eigenen Grenzen. In diesem Zusammenhang erklärten 57 Prozent der aufstockungswilligen globalen Investoren, dass sie in den kommenden zwei Jahren ihr Exposure außerhalb ihres Heimatmarktes aufstocken wollen. Das könnte laut den Studienautoren darauf hindeuten, dass Investoren die Vorteile einer regionalen Diversi­fi­zierung erkannt haben. Vor allem Investoren aus der Region Asien-Pazifik (64?%) wollen die Privatmarktinvestments ­außerhalb ihres Heimatmarktes am ehesten erhöhen.

Investmentmotive

Als Gründe für Investments in Privatmarktanlagen nannten 70 Prozent der Profianleger (und damit am öftesten von allen Antwortmöglichkeiten) den Wunsch nach „Diversifikation“. Auf Platz zwei liegt mit 42 Prozent (Mehrfachnennungen möglich) „Langfristiges Einkommen“ knapp vor „Inflationsgebundenes Einkommen“ (41?%), „Illiquiditäts­prämie“ (40?%) und „Kapitalwachstum“ (39?%) (siehe Grafik „Investmentmotive“).

Die Renditen von Privatmarktanlagen beruhen größtenteils auf der langfristigen Kapitalbindung und dem damit einhergehenden Verzicht auf Liquidität. Das könnte erklären, warum bei Investoren die oben genannte Illiquiditätsprämie im Zeitvergleich immer öfter als Kaufmotiv angeführt wird. Nannten in der Umfrage 2023 lediglich 25 Prozent der Befragten die Illiquiditätsprämie als Motiv, erreicht dieser Wert mittlerweile 40 Prozent und soll nach Einschätzung der Investoren innerhalb der nächsten zwei Jahre auf 47 Prozent steigen. Laut David Hedalen, Head of Private Markets Research bei Aviva Investors, zeigt diese Entwicklung die größere Reife der Private Markets und den höheren Wissensstand der Investoren: „Die Illiquiditätsprämie erweist sich als treibende Kraft hinter dem Trend zu Private Markets und wird von den Anlegern als wichtiger Grund für eine ­erhöhte Allokation in diese Strategien wahrgenommen.“

Unterm Strich erhoffen sich Investoren über eine höhere Gewichtung von Privatmarktanlagen (zusätzlich zur Diversifikation) deutliche Renditevorteile gegenüber öffentlich ­gehandelten Wertpapieren – zumindest auf längere Sicht.

Zukünftige Outperformance

Auf die Frage, ob Investoren bei Private Markets eine Outperformance oder eine Underperformance gegenüber ihren öffentlich gehandelten Pendants erwarten, erklärten 73 Prozent der Investoren, dass sie auf Sicht von fünf Jahren mit ­einer Outperformance rechnen würden. Im Umkehrschluss erwarten nur zwölf Prozent eine Underperformance, 15 Prozent eine ähnliche Entwicklung.

In der Folgefrage eruierten die Studienersteller, in welchen Segmenten Investoren die höchsten „risikobereinigten“ Renditen in den kommenden fünf Jahren erwarten. Die erhaltenen Antworten bestätigen die bereits weiter oben in diesem Beitrag erwähnte Frage nach dem schon eingegan­genen Exposure: Auf Sicht von fünf Jahren erhoffen sich Großanleger die höchsten risikobereinigten Renditen bei ­eigenkapitalbasierten Strategien. 60 Prozent der Investoren erwarten sich dies von Immobilienaktien, gefolgt von Private Equity (58?%) und Infrastrukturaktien (54?%) (siehe Grafik „Zukünftige Renditebringer“). „Trotz des aktuellen Zinsumfelds, das höhere Gesamtrenditen für Anleihen begünstigt, herrscht Einigkeit darüber, dass eigenkapitalbasierte Anlageklassen in den nächsten fünf Jahren die höchsten risikobereinigten Renditen erzielen werden“, kommentiert Hedalen.

Im Gegenzug glauben Investoren, dass auf mittlere Sicht fremdkapitalbasierte Segmente, insbesondere Real Estate Debt (48?% der globalen Nennungen), die schwächste Performance im Privatmarktanlagenuniversum liefern könnten. Das gilt insbesondere für Investoren aus Nordamerika (57?%) und zum Teil auch Asien (49?%), wo der Immobilienmarkt in den letzten Jahren zur Schwäche neigte. Europäische Investoren sind bei Real Estate Private Debt im internationalen Vergleich noch am wenigsten pessimistisch gestimmt (46?%). Molltöne klingen aber auch anderswo durch.

Obwohl Privatmarktanlagen auf sehr lange Sicht Über­renditen gegenüber ihren öffentlich gehandelten Pendants liefern, sind nicht alle Investoren durchgehend damit zufrieden. Vor allem wenn externe Asset Manager für die Performance sorgen sollen, sind die Ansprüche der Kapitalgeber hoch. Danach befragt, erklärten dieses Jahr „nur“ 61 Prozent der Befragten, mit der gelieferten Performance zufrieden zu sein. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor betrug dieser Wert noch 75 Prozent. Hedalen begründet diesen Zufriedenheitsrückgang unter anderem mit den hohen Aktienkursgewinnen im Jahr 2024, die die erzielten Renditen von Privatmarkt­anlagen im Vergleich dazu matt erscheinen lassen.

Anton Altendorfer

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