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4/2019 | Theorie & Praxis
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Alternativen gesucht

Alternative Investments spielen in den Portfolios deutscher Großanleger eine wachsende Rolle. Welche Art von „Alternatives“ von welcher Gruppe von Institutionellen bevorzugt wird sowie welche Erwartungshaltungen und Renditeforderungen bestehen, untersuchte eine Investorenumfrage des BAI.

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Investoren haben im Bereich Alternative Investments eine breite Auswahl. Was im Speziellen erworben wird, hängt aber von den eigenen Anlageerfordernissen ab.

© BAI, 1STunningART | stock.adobe.com

Wenn man das Programmheft des 13. Institutional Money Kongresses aufmerksam durchblättert, wird man rasch bemerken, dass „Alternative Investments“ bei Profianlegern einen immer größeren Stellenwert haben. Davon profitiert unter anderen auch der Bundesverband Alternative Investments (BAI). Denn für seine jüngste Studie zum Thema „Alternative Investments“ konnte er schon 75 institutionelle Investoren ­gewinnen, die bereit waren, über ihre Investitionen in dieses vielschichtige Universum Auskunft zu geben. Die erhobenen Daten sind ernst zu nehmen, denn in Summe verwalten die befragten Großanleger 900 Milliarden Euro. Zur Einordnung: Laut BAI-Schätzung ist das ungefähr die Hälfte aller von Versicherungen, Versorgungswerken sowie Pensionskassen und Pensionsfonds verwalteten Gelder in Deutschland. Befragt wurden schwerpunktmäßig Versicherer, Pensionskassen/-fonds, Versorgungswerke, aber auch andere Institutionelle, betreffend gängige Alternative Investments wie Infrastruktur, Private Equity, Private Debt, Immobilien, Hedgefonds sowie Rohstoffe.

Dass Investoren auf Alternative Investments setzen, liegt keineswegs nur am oftmals genannten Niedrigzinsumfeld: „Hauptgründe für ein Engagement in Alternative Investments sind die Portfoliodiversifikation und eine gute Ren­dite-Risiko-Relation“, erklärt BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer. Vor allem das Kriterium „Portfoliodiversifikation“ ist den befragten Teilnehmern extrem wichtig und kam auf eine Zustimmungsrate von 97 Prozent (Mehrfachnennungen möglich). Auf Platz zwei landete mit zirka 84 Prozent die „gute Rendite-Risiko-Relation“. Auf den Plätzen drei beziehungsweise vier liegen „stabile, regelmäßige Erträge“ und „Ersatz für Anleiheninvestitionen“ (siehe Grafik „Hauptgründe für Alternative Investments“).

Wer über „Alternatives“ spricht, meint damit eine breite Palette völlig unterschiedlicher Assetklassen und Ansätze. Die Mehrzahl der Institutionellen diversifiziert auch innerhalb ihrer „Alternatives“. Auf Platz eins liegt der Klassiker Immobilien, in die laut BAI-Angaben 78 Prozent aller Umfrageteilnehmer investieren. Knapp dahinter kommt bereits das Segment „Private Equity“ mit 77 Prozent. Auf Platz drei lag zuletzt Infrastruktur (Equity), in die zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer allokieren. In das immer mehr an Bedeutung gewinnende Segment Corporate Private Debt (Unternehmenskredite) als Teilmenge von Private Debt investieren auch immerhin 60 Prozent. Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich. Auf wenig Interesse stoßen derzeit hingegen Hedgefonds und Rohstoffe.

Das die vom BAI erhobenen Daten valide sind, zeigt ein Abgleich mit aktuellen Statistiken von Preqin: Das US-Haus kommt bei deutschen Investoren bei der Segmentaufteilung auf vergleichbare Ergebnisse. Das wird wohl daran liegen, dass am im internationalen Vergleich übersichtlichen deutschen Markt, was Alternative Investments anbelangt, vielfach dieselben Investoren befragt wurden.

Die BAI-Umfrage ging noch einen Schritt weiter, um herauszufinden, welche Investorengruppen welche alternativen Investments im Speziellen bevorzugen. Dass sich dabei auch die unterschiedlichen aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen – so müssen sich große Assekuranzen Solvency II unterwerfen – in den Allokationen widerspiegeln, liegt auf der Hand. So neigen Versicherungen innerhalb einer breiten Diversifikation tendenziell zu Immobilien und zu Infrastruktur. Pensionsfonds und -kassen wie auch Versorgungswerke favorisieren in der Umfrage tendenziell eigenkapitalfokussierte Anlagen. Bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass nahezu alle befragten Versorgungswerke in Private Equity allokiert sind (siehe Grafik „Unterschiedliche Gewichtungen“). Die bereits in alternativen Investments ­engagierten befragten Investoren scheinen ihre Allokationsentscheidungen nicht zu ­bereuen. „Von den immerhin 75 teilnehmenden institutionellen Investoren haben 82 Prozent bereits in den letzten zwölf Monaten ihr Engagement in Alternative Investments erhöht. Von diesem bereits hohen ­Niveau aus soll nun die Allokation weiter ausgebaut werden“, fasst BAI-Vorstandsmitglied Matthias Erb eines der vielen ­Untersuchungsergebnisse zusammen. Großanleger wollen in diesem Zusammenhang vor allem die in ihren Portefeuilles bereits enthaltenen und damit auch bewährten Segmente aufstocken. Am öftesten genannt wurden Infrastruktur Equity, Immobilien Equity und Private Equity, während alle vergleichbaren „Debt“-Spielarten auf den Folgeplätzen rangieren. Wenig Hoffnung auf neue Investorengelder können sich Anbieter von Hedgefonds oder Rohstofffonds machen, wobei Investoren bei Hedgefonds ihre Allokationen auch in einer Nettobetrachtung reduzieren wollen (siehe Grafik „Geplante Allokationsveränderungen“)

Beim Blick auf die jeweiligen Investorengattungen zeigt sich, dass rund zwei Drittel aller Inves­toren aus dem Versicherungslager vorhaben, ihr Infrastructure-Debt-Exposure stark zu erhöhen, aber auch Private Equity soll mit ­neuen Geldern bedacht werden. „Pensionsfonds und Pensionskassen hingegen wollen verstärkt in Eigenkapital investieren, ins­besondere in den Bereichen Immobilien, ­Infrastruktur und Private Equity, erst dann folgen Fremdkapitalfinanzierungen“, erläutert Erb. Relativ starke Reduzierungen planen gerade diese Altersvorsorgeeinrichtungen bei UCITS-Hedgefonds.

Allokationen in Alternative Investments sind für Investoren eine Herausforderung. Das streitet auch der BAI als Interessenverband gar nicht ab und fragte die Umfrageteilnehmer, wo sie bei dieser alternativen Anlageklasse die „größten Herausforde­rungen“ für die kommenden zwölf Monate sehen. Die Antworten unterscheiden sich von Anlagesegment zu Anlagesegment.
Ein paar Highlights aus der Studie: Bei Hedgefonds wurden Herausforderungen wie die „öffentliche Wahrnehmung“, „Transparenz“ und „Performance“ am öf­tes­ten genannt. Bei Infrastruktur und Immobilien erachten Investoren beispielsweise jeweils den „Deal Flow“ als herausfordernd. Oftmals als Herausforderungen genannt wurden auch „langsamer Kapitalabruf“ und „Bewertung“ – offenbar wollen Investoren öfter bei besseren und renditestärkeren ­Objekten zum Zug kommen. Gesagtes gilt auch und insbesondere bei Private Equity, wo auch noch das „Exit Environment“ als Herausforderung genannt wurde.

Bei Private Debt sorgen sich Investoren vor „Zinsänderungen“ und einer mangelnden Performance. Kritisch bei Rohstoffen sehen Anleger die Volatilität und – wie bei Hedgefonds – die „öffentliche Wahrnehmung“.

Die Frage der Studienautoren nach den erwarteten Nettorenditen für Engagements in einzelne alternative Anlageklassen brachte eine relativ breite Streuung bei den erhaltenen Antworten.
Eines kommt jedenfalls klar heraus: Der Großteil der alternativen Anlagen soll Renditen über drei Prozent erzielen. Dabei steigen die Renditeforderungen mit zunehmendem Risikograd. Während Investoren von Hedgefonds nur mehr Renditen im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwarten, liegen die Renditeforderungen bei Infrastructure Equity zum Großteil bereits in ­einer Bandbreite zwischen fünf und neun Prozent per annum. Bei Immobilien liegt diese Spanne zwischen drei und sieben ­Prozent.

Wesentlich fordernder sind Private-Equity-Anleger: „Von Private Equity werden im Mittel die höchsten Renditen – größtenteils zwischen sieben und zwölf Prozent Netto- IRR – gemäß des Ausfallsrisikos erwartet“, erklärt BAI-Vorstandsmitglied Andreas ­Kalusche.    

Anton Altendorfer


Anhang:

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