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4/2019 | Theorie & Praxis
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Alpha aus Megatrends

Megatrend-Investments können in Zeiten sinkender Markt-Betas zu einer langfristigen Alpha-Quelle werden. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, einen erfolgreichen Trend zu erkennen und effizient zu erschließen. Ein paar Instrumente, die diese Aufgabe erleichtern sollen, gibt es.

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Welche großen Trends bringt die Zukunft? Diese zu erkennen ist für die langfristige Performance eines Portfolios entscheidend. Das gilt umso mehr, als das Markt-Beta zurückzugehen scheint und Alpha, das sich nicht nur im Vergleich zur Peergroup, sondern auch im Ertrag relevant niederschlägt, nur dann gefunden werden kann, wenn man die großen Strömungen korrekt antizipiert.

© Schroders, Sergey Nivens | stock.adobe.com

Wenn die Autoren des jüngsten Schroders-Reports „Inescapable Investment Truths for the Decade Ahead“ recht haben, dann werden internationale Investoren in den nächsten Jahren mit einigen unerfreulichen Wahrheiten zu kämpfen haben. Charles Prideaux und Keith Wade, bei Schroders Global Head of Product and Solutions respektive Chief Economist, gehen in ihrer Analyse nämlich unter anderem davon aus, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern eines, das die Märkte noch über Jahrzehnte begleiten könnte. Zu diesem Schluss kommen die beiden Briten nach einem Blick auf die weltweite Zinslandschaft des vergangenen Jahrhunderts (siehe Chart „Zinsen und das ,New Normal‘“). Dieser zeigt, dass reale Negativzinsen gerade im Europa des 20. Jahrhunderts über lange Zeite ein treuer Wegbegleiter waren – konkret von der Jahrhundertwende bis ins Jahr 1980. Wenn die historische Analogie stimmt, könnten wir also gerade am Anfang „einer relativ langen“ Niedrig- oder gar Negativzinsphase stehen, wie Wade meint.

Negative und …

Unter Berücksichtung dieser und anderer makroökonomischer Faktoren wie BIP-Wachstum oder Pro­duktivität kommt Wade schließlich zum Schluss, dass auch „die Aktienmärkte in den kommenden zehn ­Jahren ein insgesamt niedrigeres Beta generieren werden“ – und zwar im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren und mit Ausnahme der Prognosen für die Emerging Markets (siehe linke Hälfte der Grafik „Zu hoch gesteckte Erwartungen“). Für institutionelle Investoren ergibt sich laut Schroders nun das Problem, dass sie für eine ­derartige Situation nicht optimal positioniert sind. Denn laut der „2018 Global Investor Study“ erwarten die Anleger für die kommende Dekade weltweit deutlich höhere Betas (siehe rechte Hälfte der Grafik „Zu hoch gesteckte Erwartungen“), als sie Schroders prognostiziert. So gehen 42 Prozent der europäischen Investoren davon aus, dass sie über die kommenden fünf Jahre ­Erträge von fünf bis neun Prozent erzielen werden. Laut Schroders-Projektionen dürften es aber im regional gewichteten Median wohl nur 3,8 Prozent werden.

Man kann hier also von einem negativen Megatrend sprechen, der es unmöglich ­machen wird, die hoch gesteckten Ziele mit den derzeit gehypten Smart-Beta- beziehungsweise breit aufgestellten ETF-Stra­tegien zu erreichen. Dass von der in der Vergangenheit so wichtigen Anleihenseite ein relevanter Beitrag kommt, erscheint angesichts des aktuellen und künftigen Zinsniveaus ebenfalls illusorisch.

… positive Megatrends

Schroders ist mit seiner Sicht ­bezüglich zukünftig sinkender Betas nicht allein. Auch bei Mitbewerbern wie J.P. Morgan, Apo Asset Management oder Allianz geht man von global geringeren Markterträgen aus und kommt zu dem Schluss, dass ­Investoren danach trachten müssen, deutlich mehr Alpha zu erzielen, als bislang budgetiert ist. Möglich wäre das, so die gemeinsame Schluss­folgerung, indem man schwächer werdende „Megatrend-Betas“ durch das Auffinden positiver „Megatrend-Alphas“ kompensiert.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan und setzt zunächst einmal voraus, dass man „Megatrends“ überhaupt erkennt. Hilfe kommt an dieser Stelle unter anderem vom Passivgiganten BlackRock, der fünf langfristige Mega-Szenarien identifiziert hat. (siehe Grafik „5 messbare Megatrends“), die sich wiederum in drei Subkategorien unterteilen lassen: Jeweils ein Trend kommt aus dem Bereich „Klima“ sowie „Technologie“, drei Strömungen können unter dem Stichwort „Demografie“ ­zusammengefasst werden.

Unterschiedliche Ansätze

Von der Asset-Management-Seite her gibt es zwei Möglichkeiten, auf allfällig vorhandene Megatrends zu setzen: entweder über das mutige, langfristige Engagement in ein spezifisches Thema – die ­Angelsachsen sprechen von „High Conviction“ – oder über die Kombination ­mehrerer georteter Trends, in die man mithilfe eines rotierenden Ansatzes inves­tiert.

Wir wollen uns zunächst mit dem Rotationsansatz beschäftigen, der unter anderem von Allianz Global Investors vertreten wird. So hält Andreas Fruschki, Director of Research Europe, schon einmal vom Begriff „Megatrend“ wenig, wenn es um Investi­tionsmöglichkeiten geht. Der Asset Manager „denkt in Megatrends, Themes und ­Topics“, wobei die drei Begriffe vor allem über Zeithorizonte unterschieden werden: Dieser liegt für „Megatrends“ bei 20 bis 100, für „Themes“ bei fünf bis 20 und für „Topics“ bei zwei bis fünf Jahren.

Inhaltlich versteht Fruschki unter „Topics“ beispielsweise Elektromobilität, wobei sich die Idee „um eine Applikation und deren User dreht. Das Investment kann in Einzelaktien er­folgen, ist zyklisch sensitiv und stellt einen Sweet Spot dar, über den Alpha generiert werden kann.“
„Themes“ stellen wiederum Konzepte wie „Smart City“ dar, bei denen die Investments eher diversifiziert erfolgen.

„Megatrends“ wie die Urbanisierung sind aufgrund ihres weiten Zeithorizonts und der breiten Definition hingegen per se vage, was Investitionen aus Sicht des Manager schwierig bis unmöglich macht. Wie sich Fruschki unter diesen Voraussetzungen ein Trendportfolio vorstellt, kann man sich anhand des Allianz Thematica ansehen. Dessen Portfolio ist in sieben Bereiche unterteilt (siehe Grafik „Mit Rotation in die Zukunft“). Mit einem Exposure von 23 Prozent stellt der Sektor Wasserwirtschaft und Abfallmanagement das größte Thema dar, dicht gefolgt von Digital Life mit 20 Prozent.

Interessanterweise gibt es auch ein sehr spezifisches geografisches – oder besser gesagt nationales – Exposure: „China“ mit 19 Prozent. Wobei die Allokation mit dem Attri­but „Impact“ ausgestattet ist. Sowohl die geografische Bezeichnung also auch der Begriff „Impact“ können den ­Investor aber auf eine falsche Spur locken. Denn gemeint ist de facto das Gegenteil des Thementitels: Nachdem sich der chinesische Staat aus der massiven Förderung des Rohstoffsektors weit zurückgezogen hat, sollten laut Allianz chinesische Unternehmen, die ihre Güter unter Produktionskosten anbieten konnten, unter Druck geraten. Der laufende Fünfjahresplan sieht außerdem strikte ökologische Vorgaben vor – all das sollte „internationalen Playern Möglichkeiten zum Markteintritt liefern“, zeigt man sich bei Allianz überzeugt.

Auf der anderen Seite wirft gerade ­„China Impact“ ein Schlaglicht auf regulatorische Risiken, die sich bei thematischen Investments aufgrund des relativ weiten Veranlagungshorizonts immer ergeben können. Was, wenn China in vier Jahren seine Politik ändert und nicht mehr bereit ist, ­einem möglichen Niedergang der eigenen Rohstoffindustrie tatenlos zuzusehen? Dann würde sich die China-Impact-Idee ziemlich schnell in Luft auflösen.

Aus Sicht der Allianz stellt das Auflösen von Ideen aber ohnehin einen Teil des Gesamtkonzepts dar. Die Rotation gehört schlicht dazu – erst kürzlich wurde die Thematica-Strategie bereinigt. So gehören die Themen „Future Factory“, „Car of the ­Future“ und „Healthy Lifestyle“ seit Kurzem nicht mehr zum Portfolio.

Infrastruktur

Bei M&G setzt man thematisch einen ­etwas anderen Fokus als die Allianz. „Bei genauerem Hinsehen sind es hauptsächlich vier Themenbereiche, die den stärksten ­Einfluss auf diesen Wandel haben und die jeden Menschen in seinem Alltag direkt ­betreffen: der Ausbau der Infrastruktur, der demografische Wandel, das zunehmende Umweltbewusstsein und technische Innovationen“, wie Alex Araujo, Manager des M&G Global Themes Fund, erklärt. Diese Themen greifen aus Sicht des Managers ­ineinander: „Weltweit gibt es eine riesige Investitionslücke beim Ausbau von Straßen, Flughäfen oder dem Netzwerk des öffentlichen Personennahverkehrs. Das gefährdet langfristig auch die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern einer stark wachsenden Bevölkerung, die dazu immer älter wird.“ Um den demografischen Herausforderungen zu begegnen, seien deshalb neue Formen des Zusammenlebens und verbesserte medizinische Unterstützung notwendig. Dazu komme „die immer größer werdende Sorge um unsere Umwelt. Schädliche Emissionen sollen in Zukunft deutlich reduziert, Müll vermieden und Rohstoffe wiederverwendet werden. Neuerungen in der Technik, die etwa die digitale Kommunikation oder Cybersicherheit voranbringen, stehen für ein weiteres großes Thema“, so der Manager. Die Megatrend-Strategie von M&G ­investiert jedenfalls zu mindestens 80 Prozent in Aktien solcher Unternehmen, von denen der Fondsmanager glaubt, dass sie von Themen profitieren, die durch Veränderungen in Volkswirtschaften, Branchen und Gesellschaften entstehen. Über einen beliebigen Zeitraum von fünf Jahren soll er mit einer Kombination aus Kapitalzuwachs und Erträgen eine Rendite erwirtschaften, die höher ist als die des weltweiten Aktienmarktes.

Fokus auf Healthcare

Während Allianz und M&G also bei thematischen Investments eher auf Diversifikation und Rotation setzen, bevorzugen andere Asset Manager Megatrend-Strategien, die auf ein ganz spezifisches Thema ­fokussieren. Immer wieder taucht dabei ein Begriff auf, der bei ­Allianz erst an vierter Stelle der ­Gewichtung kommt: Healthcare.

Für Karsten Stroh, bei J.P. Morgan Investment Specialist Aktien International, stellt dieser Megatrend auf positive Art und Weise einen perfekten Sturm dar, weil er ­eine Reihe von Subtrends zusammenfasst – und zwar von technologischer Innovation über hoch spezialisierte KI-Anwendungen hin zu demografischen Effekten, die die Nachfrage nach dem Sektor eher steigern als drücken werden, was sich wiederum über die Subthemen Pharma, Biotech, Medtech und Healthcare Services abbilden lässt.

Was bei Healthcare aus institutioneller Sichte einen gewissen Charme hat, ist die Tatsache, dass der Trend als Sektor bereits etabliert, messbar und somit auch als Investment Case argumentierbar ist – etwa als ­Diversifikationsfaktor. So lässt sich die Korrelation des S&P 500 Health Care mit dem MSCI World de facto auf Knopfdruck darstellen – was J.P. Morgan auch getan hat: „Das Beta im Vergleich zum Weltindex liegt bei 0,73. IT weist 0,99, der Energiesektor kommt auf 1,25, Financials gar auf 1,26“, zählt Stroh auf. „Investments in den Megatrend Healthcare können also auch als Hedge gegen Makro-Trends gesehen werden“, erklärt der JPM-Manager. Insgesamt stellt das Managementteam das Portfolio recht breit auf. Unter Zuhilfenahme der ­Dividendendiskontierungsrate werden weltweit 50 bis 90 Unternehmen ausgewählt. Der Tracking Error liegt seit Auflage im Jahr 2009 bei 6,36, was gegenüber dem MSCI World Health Care zu einem Alpha von 1,95 Prozent per annum geführt hat. In den vergangenen fünf Jahren wurde der MSCI Index zwar in drei von fünf Jahren geschlagen, eine äußerst schwache 2016er-Performance trug jedoch dazu bei, dass die Jahresperformance in diesem Zeitraum um knapp zwei Prozent hinter der Benchmark zurückblieb.

Dennoch bleibt für die vergangenen zehn Jahre – und das sind die Zeiträume, die man bei Megatrend-Investments im Auge haben sollte – ein jährliches Plus von beein­druckenden 14,06 Prozent stehen.

Dass auch Apo Asset Management auf den Bereich Healthcare setzt, überrascht wahrscheinlich nur mäßig, interessant ist ­jedoch, dass man von den portfoliostrategischen Ansätzen her ähnlich argumentiert wie Konkurrent JPM. Senior Portfolio Manager Kai Brüning führt angesichts des allgegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes den Begriff „Assetklassen-Tuning“ ein, also die „Optimierung etablierter Assetklassen durch Megatrend-Investments, woraus sich wiederum Alpha generieren lässt“. Dieses setzt er auf einen Sektor auf, der über die vergangenen drei Jahrzehnte stabile Erträge ­abgeworfen hat (siehe Chart „Relativ stabil und schwankungsarm“). Brüning fährt dabei unterschiedliche Healthcare-Strategien – und auch hier kommen starke Diversifika­tionseffekte zu generellen Indizes wie dem MSCI World zum Tragen: So weist der Subfonds Medical BioHealth gegenüber dem globalen Index das niedrigste Beta von 0,6 aus, apo Digital Health kommt mit 0,8 auf die höchste Korrelation innerhalb der Strategie.  

Hans Weitmayr


Anhang:

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