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Warum uns der Sektor „nicht-basiskonsumgüter“ in Europa gefällt

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Der Indikator für das Verbrauchervertrauen in der Eurozone zeigt zunehmenden Optimismus. Gleichzeitig steigen auch die Reallöhne, und die Kreditaufnahme von Haushalten. Von diesem Trend dürfte der Sektor Nicht-Basiskonsumgüter kurzfristig profitieren.

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2/2017 | Steuer & Recht
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Ungenutzte Freiheit

Das Bausparkassengesetz wurde geändert. Seit 1. Januar 2017 dürfen Bausparkassen nun auch in geringem Umfang in Aktien investieren. Mit wehenden Fahnen füllt aber keine von ihnen die Quote auf.

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Die Zeiten sind für Bausparkassen nicht rosig: Die niedrigen Zinsen lassen die Zinsmargen schrumpfen, die Neuabschlüsse sind rückläufig, und die Provisionseinnahmen verringern sich.

Die Zinsdifferenz, die einen Großteil des Geschäftsmodells der Bausparkassen ausmacht, wird immer niedriger. Entsprechend bekommen nun nach den Lebensversicherungsunternehmen auch die Bausparkassen die Auswirkungen des Niedrigzins-Szenarios zu spüren. „Die Renditeversprechen im Bereich der Lebensversicherungen sind noch langfristiger fixiert als bei den Bausparkassen. Dort betrifft es ,nur‘ die Ansparphase des Bausparkredits. Das Problem für die Bausparkassen besteht darin, dass die Zinsen nun so niedrig sind, dass immer mehr Kunden versucht sind, die Zinsbindung möglichst auszureizen“, erklärt Hans-Peter Burghof, Professor am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim.


Fünf Prozent Aktien erlaubt
Doch nicht nur von der Zinsseite verspüren die Bausparkassen Gegenwind, auch sonst ist die Zeit für sie nicht rosig. Lange konnten sie sämtliche Marktentwicklungen an sich abprallen lassen, weil der Wunsch der Deutschen nach Wohneigentum groß ist. Für Häuslebauer galt es über Jahrzehnte hinweg als bodenständig und richtig, einen Bausparvertrag abzuschließen, und diese fest eingebrannte Meinung spornte die Bausparkassen weder zu digitalen Innovationen noch zu pfiffigen Anlagestrategien an. Diese hätten sie auch gar nicht verwirklichen dürfen, denn das Bausparkassengesetz schrieb ihnen eine extrem konservative Anlage vor.


Dass dies im aktuellen Umfeld problematisch ist, hat offenbar auch der Gesetzgeber erkannt und leicht erweiterte Anlageregeln erlassen, die zum 1. 1. 2017 in Kraft getreten sind. Dabei geht es um den neu gestalteten § 4 Abs. 3 Bausparkassengesetz. Er erlaubt es den Bausparkassen, nun bis zu fünf Prozent ihrer freien Mittel in Aktien zu inves­tieren, der Anteil der Einzelaktie darf dabei maximal 0,2 Prozent betragen. Voraussetzung ist, dass die Aktien voll eingezahlt, zum Handel zugelassen oder in einen anderen organisierten Markt einbezogen sind. Darüber hinaus ist den Bausparkassen wie gehabt eine sehr konservative Anlage ihrer verfügbaren Gelder vorgeschrieben (siehe Kasten).


Die beiden deutschen Bausparkassenverbände, die sich für diese Öffnung eingesetzt haben, sind mit den Änderungen zufrieden. Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen, erklärt dazu: „Nach den Erfahrungen in der Finanzkrise können Staatsanleihen nicht mehr als uneingeschränkt risikolos angesehen werden. Eine auf fünf Prozent limitierte Beimischung von Aktien wird deshalb eine sinnvolle Form der Risikostreuung bedeuten. Sie bietet nicht nur die Chance, die Erträ­ge aus den Anlagen zu verbessern, sondern würde die Bausparkassen in bestimmten Krisenszenarien auch weniger verwundbar machen.“ Er betont gleichzeitig, dass die Bausparkassen nun aber keineswegs zocken werden, sondern die Sicherheit der Spargelder oberstes Gebot bleibt: „Ähnlich wie in der Versicherungsbranche sollen Aktien auch bei Bausparkassen zur Risikodiversifizierung eingesetzt werden. Der erwartete Ergebnisbeitrag ist langfristiger Natur und basiert auf der langfristigen Wertentwicklung von Aktien und deren Dividendenrendite. Zusätzliche Ertragskraft soll aus der ­Beteiligung am Gewinn eines Unternehmens resultieren und nicht aus der Realisierung von Kursgewinnen.“


Nutzen die Bausparkassen das zusätzliche Ertragspotenzial nun aus? Schwer zu sagen, denn ob und in welchem ­Umfang die einzelnen Häuser von den erweiterten Anlagemöglichkeiten Gebrauch machen, konnten die beiden Bausparkassenverbände nicht sagen. Auch die einzelnen Häuser geben sich bedeckt. Dies lässt vermuten, dass hier bisher jedenfalls kein Run stattgefunden hat. Teilweise ist das auch damit erklärbar, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis die Kassen ihre Risikomanagement- und IT-Systeme entsprechend angepasst haben. Auch was die Auswahl der Aktien betrifft, wird man das benötigte Know-how entweder aufbauen oder zukaufen müssen, beides kostet Zeit.


„Neben Chance-Risiko-Aspekten wer­den insbesondere auch zusätzliche regulatorische Anforderungen wie zum Beispiel Meldepflichten sowie die erforderliche Implementierung in die Risikomanagement­sys­teme in den institutsindividuell vorzunehmenden Bewertungsprozess einfließen müssen“, erklärt der Vertreter der acht öffent­lichen Bausparkassen, LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann.


Mit einer eher bedächtigen Umsetzung der erweiterten Anlagemöglichkeiten rechnet auch Professor Burghof: „Bausparkassen sind im Zweifel langfristige Investoren ohne Spekulationsabsicht. Sie sollten daher, so sinnvoll aus der Perspektive der Optimierung ihres Anlageportefeuilles Aktienanlagen erscheinen mögen, nur langsam und kontinuierlich zukaufen und nicht alles auf einen Einstiegszeitpunkt setzen. Dagegen spricht übrigens auch, dass die Aktienkurse schon recht hoch sind und bei irgendwann einmal steigenden Zinsen auch deutlich fallen könnten.“


Bausparvertrag und -darlehen
An dieser Stelle könnte man die Frage stellen, welche Gelder Bausparkassen überhaupt anzulegen haben, da das Prinzip des Bauspargedankens darin besteht, auf der ­einen Seite Bausparsummen von Anlegern einzusammeln, diese zu bündeln und auf der anderen Seite den Bauherren als Wohnungsdarlehen zur Verfügung zu stellen. Die Antwort liegt in der Fristentransformation. Jedes Jahr bleiben den Bausparkassen einige Milliarden Euro „übrig“, die anzulegen sind. So haben die privaten Bausparkassen laut Geschäftsbericht im Kalenderjahr 2015 Einlagen in Höhe von 107,8 Milliarden Euro eingenommen und im selben Jahr Baudarlehen in Höhe von 98,9 Milliarden Euro vergeben. Die Differenz von knapp neun Milliarden Euro müssen die zwölf privaten Bausparkassen in­ves­tieren – bei voller Ausschöpfung des Rahmens könnten also mehr als 400 Millionen Euro in Aktien fließen. Dass es die Institute damit scheinbar nicht besonders eilig haben, dürfte auch damit zusammenhängen, dass andere Sorgen momentan schwerer wiegen. Nicht nur dass die Zinsmarge schrumpft, auch rückläufige Zahlen bei den Neuabschlüssen, niedrigere Provisionseinnahmen und Druck in Richtung ­Digitalisierung wirken sich negativ aufs Betriebsergebnis aus. Die Institute haben bereits reagiert und ihren Personalbestand reduziert. Hatten die privaten Bausparkassen 2006 noch 9.403 Mitarbeiter angestellt, waren es im Jahr 2015 nur noch 5.045, und ein weiterer Personal­abbau findet statt. Schon seit einigen Jahren herrscht Konsolidierungsbedarf. Der Konzentrationsprozess begann bereits 2012 in Gestalt der Fusion von HUK-Coburg-Bausparkasse und der Aachener Bausparkasse. 2016 wurden die Landesbausparkassen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zur LBS Südwest fusioniert.


An einer weiteren Front versuchen die Kassen seit 2015 ihre Situation mithilfe von Vertragskündigungen zu entschärfen. Hierzu hat am 21. Februar 2017 der Bundes­gerichtshof entschieden, dass die Institute unter bestimmten Umständen alte, hochverzinste Verträge einseitig kündigen dürfen. Laut richterlichem Beschluss dürfen die Institute Bausparverträge, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind, beenden. In den beiden konkret vom Höchstgericht entschiedenen Fällen lag der festgeschriebene Zins bei 2,5 beziehungsweise 3,0 Prozent aufs Guthaben. Aufgrund der hohen Sicherheit waren die festgeschriebenen Guthabenzinssätze in der Vergangenheit im Regelfall niedriger als bei anderen Sparformen. Daher haben die Institute meistens darauf verzichtet, eine Zinsbindung in die Verträge zu schreiben. Die lang anhaltende Niedrigzinsphase hat aber dafür gesorgt, dass die Bausparkassen auch die relativ niedrigen Zinsen, die sie ihren Sparkunden zugesagt hatten, auf den Kapitalmärkten nicht mehr ­erzielen konnten. Folglich entwickelten sich die alten Verträge zum Verlustgeschäft für die Bausparkassen.


Die Bausparkassen versuchen die herausfordernde Situation auch mit anderen Maßnahmen zu meistern: So hat die Bausparkasse Badenia damit begonnen, ihren Kunden Kontoführungsgebühren in Rechnung zu stellen, scheiterte damit aber vor dem Bundesgerichtshof, der dies am 9. Mai 2017 für nicht rechtens erklärte. Die Bausparkassen bemühen sich daher weiter, an möglichst vielen Stellschrauben ihres Geschäftsmodells zu drehen. „Viele Institute sind bemüht, bei den Kosten alles rauszuholen, was möglich ist. Daneben steht die flexible Beteiligung an der Baufinanzierung im außerkollektiven Bereich und damit auch zu aktuellen Marktkonditionen“, erklärt Burghof.


Anhang:

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