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Steuer & Recht

2/2018 | Steuer & Recht
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Neuberechnung

Pensionskosten müssen gemäß internationaler Rechnungslegung neu berechnet werden, wenn ­Sonderereignisse stattgefunden haben. Kommt es unterjährig zu Abweichungen vom planmäßigen Verlauf, muss künftig auch unterjährig neu berechnet werden – und zwar mit neuen Bewertungsannahmen.

Bestimmte Unternehmen müssen sich mit einer Neuberechnung ­ihrer Pensionskosten auseinandersetzen. Diese recht technische Neuregelung trifft Firmen, auf die drei Punkte zutreffen. Diese sind: a) Das Unternehmen bilanziert nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IAS 19, b) es hat leistungsorientierte Pensionspläne (Defined Benefit Plans), und es ist c) von einem Sonder­ereignis betroffen. Als Sonderereignisse (Special Events) gelten beispielsweise Bestandskürzungen (Curtailments), Planänderungen (Plan Amendments) oder Planabgeltungen (Settlements).


Diese Änderung veröffentlichte das International Accounting Standards Board (IASB) am 7. Februar 2018. „Der internationale Rechnungslegungsstandard IAS 19 regelt die Bilanzierung und Bewertung von Leistungen an Arbeitnehmer. Der Pensionsaufwand wird dabei auf der Grundlage der zu Jahresanfang maßgeblichen Daten und Annahmen ermittelt“, schreibt das Beratungsunternehmen für Altersversorgung Heubeck in einer Information zu dem Thema. Dabei müsse die Neuberechnung immer auf Ebene des gesamten Pensionsplans, in dem das Sonderereignis stattfindet, erfolgen. „Andere Pensionspläne eines Unternehmens bleiben davon unberührt“, heißt es weiter in der ­Informationsschrift.


Unterjährige Neubewertung
Bisher wird der Aufwand für die Pensionskosten nach den Verhältnissen zum Jahresanfang berechnet und in die Gewinn-und- Verlust-Rechnung (GuV) eingestellt. Diese Praxis ist künftig bei Vorliegen eines Sonderereignisses nicht mehr möglich; nach der Neuregelung muss der Pensionsaufwand nämlich nach dem besonderen Ereignis auch unterjährig neu berechnet werden. ­Dabei müssen die Nettoverpflichtung (Net Defined Benefit Liability) beziehungsweise das Nettovermögen (Net Defined Benefit Asset) neu bewertet und entsprechend in die Bilanz eingestellt werden. Diese Größen werden als Saldo aus der Verpflichtung (Defined Benefit Obligation – DBO) und dem Pensionsvermögen zu Marktwerten (Plan Assets) berechnet. „Wenn ein Sonderereignis stattgefunden hat, sind nach der neuen Regelung die Aufwendungen für die Pen­sionszusagen für die verbleibende Bilanzierungsperiode mit den bei Eintritt des Events aktuellen versicherungsmathematischen Annahmen, d. h. insbesondere dem aktuellen Rechnungszins, zu ermitteln und werden dann entsprechend erfolgswirksam erfasst“, erklärt Dr. Georg Thurnes, Chefaktuar beim Beratungsunternehmen Aon Hewitt.


Neustrukturierung der Assets
Die Änderungen führen dazu, dass künftig die notwendigen Berechnungen des Pensionsaufwands etwas komplexer ausfallen als bisher. Sofern die Neuregelung von der EU übernommen wird (Endorsement), gilt sie für Sonderereignisse in Berichtsperio­den, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. „Unternehmen können jedoch die neue Regelung auf freiwilliger Basis auch schon früher anwenden“, so Thurnes. Anzuwenden ist die neue Regelung prospektiv; sie muss also nicht auf Basis der neuen Verhältnisse retrospektiv in den Vorperioden angepasst werden. Thurnes fährt fort: „Auf der Kapitalanlageseite bedeutet dies, dass bei Eintritt eines Sonderereignisses eventuell die Assets neu strukturiert werden müssen – insbesondere dann, wenn ein enger Liability-Driven-Investment-(LDI)-Fokus herrscht.“
Olaf W. John, Head of Business Development Europe bei Insight Investment, erklärt dazu: „Die Neuregelung betrifft nur Unternehmen, die Pensionsplanänderungen, -kürzungen oder -abfindungen durchführen. Die daraus resultierende Veränderung auf den Future Service kann dann eine Überprüfung der LDI-Strategie notwendig machen. Bei einer Planschließung kann sich mitunter der Fokus von der bilanziellen auf die ökonomische Sicht verschieben, d. h. der Fokus, die Renten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auszahlen zu können. Dies ist dann den Cashflow Driven Investments (CDI) zuzuordnen.“


Auch Arnd Sieben, CIO der BayernInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft, sieht mög­lichen Handlungsbedarf auf der Asset-Management-Seite: „Unterjährige Neuberechnungen von Pensionskosten können natürlich auch Auswirkungen auf die strategische Asset Allocation haben, die in einem solchen Fall einem kurzfristigen Review unterzogen werden müsste. In der Folge kann sich die Laufzeitenstruktur ebenso verschieben wie die Allokation zwischen den verschiedenen Assetklassen. Zudem ist mit ­einer Zunahme der Turnovers in den Portfolios zu rechnen.“

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