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2/2015 | Steuer & Recht
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Extrawurst für Versorgungswerke?

Die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V. (ABV) strebt mittel- bis langfristig eine eigene Musteranlageverordnung für Versorgungswerke an.

Auf dem Kölschen Versicherungsfachtag von Barclays am 18. März ließen die ­berufsständischen Versorgungswerke anklingen, dass sie mittel- bis langfristig eine eigene Anlageverordnung anstreben.
 
Trend zu Solvency II
Das erstaunt insoweit, als der Trend eher in eine andere Richtung geht: Der EU-­Regulierer EIOPA scheint langfristig am liebsten alle Einheiten, die Rentenverpflichtungen eingehen, ­unter den einheitlichen Solvency-II-Hut nehmen zu wollen. Pensionskassen stemmen sich seit Jahren heftig dagegen, und auf dem diesjährigen Institutional Money Kongress fand eine entsprechende Podiumsdiskussion statt, auf der es durchaus kontrovers zuging. Nun spricht Ulrich Krüger, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V. (ABV), gar von einer Extra-Anlageverordnung für ­Versorgungswerke.
 
Die ABV vertritt die 89 berufsständischen Versorgungswerke der verkammerten Freien Berufe, die ­aktuell Anlagemittel von zusammen rund 170 Milliarden Euro verwalten (zum Vergleich: Die Lebensversicherer haben aktuell 872 Milliarden Euro versicherungstechnische Netto-Rückstellungen). Dabei sind die ­Versorgungswerke nach Landesrecht errichtet, wobei sich die jeweiligen Landesaufsichtsbehörden weitgehend an der Anlageverordnung (AnlV) orientieren, die (derzeit noch) bundesweit für alle Versicherer gilt.
 
Pflege der Anlageverordnung
Das Motiv hinter dem Wunsch der Versorgungswerke nach einer eigenen Anlageverordnung ist durchaus nachvollziehbar: Ab 1. Januar 2016 wird für die meisten Versicherer nicht mehr die Anlageverordnung, sondern Solvency II gelten. Damit gilt die Anlageverordnung dann nur noch für Pensionskassen, Sterbekassen und die kleinen Versicherer, die nicht unter Solvency II fallen. Krüger argumentiert: „Bisher ist der deutsche Versicherungsverband GDV der hauptsächliche Treiber, wenn an der Anlageverordnung etwas zu ändern ist – beispielsweise aufgrund neuer Produkte, die es am Markt gibt, oder wegen eines geänderten Kapitalmarktumfeldes. Unsere Befürchtung ist, dass ab 1. Januar 2016 die Anlagevorordnung nicht mehr so intensiv gepflegt wird.“ Krüger kann die Anstrengungen ­einschätzen, die die Versicherungswirtschaft in Bezug auf die Anlageverordnung auf­gebracht hat, denn er war früher beim GDV tätig. Dort hatte er die Anlageverordnung eng betreut.
 
Dass künftig einfach die berufsständischen Versorgungswerke diese Aufgabe übernehmen, ist nicht realistisch, da diese von Beginn an föderalistisch organisiert sind und die Anlageverordnung eine Bundesverordnung ist.
 
Muster­anlage­verordnung
„Unser Wunsch ist daher, dass eine Mus­teranlageverordnung für Versorgungswerke erstellt wird, die dann von den einzelnen Bundesländern per Verordnung übernommen wird“, erklärt Krüger, „wir hätten gern die Möglichkeit, dabei künftig mitgestaltend zu wirken.“ Eine solche Musteranlageverordnung für Ver­sorgungswerke (Muster-AnlV-Vw) könne man dann über einen lang­en Zeitraum pflegen. Offenbar gibt es bereits erste Sondierungen mit Landesaufsichtsbehörden, die dem Vorschlag grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen sollen.
 
Krüger räumt ein, dass er momentan gar keinen großen Änderungsbedarf für die Anlageverordnung sieht. Allenfalls würde ihn gelegentlich das eine oder andere Versorgungswerk ansprechen, dass einzelne Quoten zu eng seien, aber im Großen und Ganzen sei der aktuell gesteckte Rahmen passend. Die 35-prozentige Risikokapitalquote erreichen selbst die meisten Versorgungswerke, die insgesamt deutlich aktienfreudiger investieren als die Versicherer, nicht (siehe Chart „Unterschiedliche Anlagestruktur“).
 
Autarkie als Ziel
Ursprüngliche Überlegungen wie jene, Master-Spezialfonds nur noch eingeschränkt zuzulassen, hätten die Kapitalanlagemöglichkeiten der Versorgungswerke stark beschnitten. Hier ist Krüger froh, dass diese nicht in die neue Anlageverordnung vom Frühjahr 2015 eingegangen sind. „Uns geht es darum, dass wir mittel- bis langfristig autark werden und unseren besonderen Bedürfnissen in einer ­eigenen Musteranlageverordnung Rech­nung getragen wird“, so Krüger.
 
Die „besonderen Bedürfnisse“ der berufsständischen Versorgungswerke ergeben sich seiner Meinung nach daraus, dass sie der ersten Säule der ­Altersvorsorge zuzurechnen seien. „Wir sind anders aufgestellt als Lebensversicherer, beispielsweise können Mitglieder bei uns nicht jederzeit das Kapital abziehen, sondern ihre Verträge allenfalls beitragsfrei stellen, wenn sie nicht mehr Pflichtmitglied bei einem Versorgungswerk sind“, erklärt Krüger. Ein weiteres Unterscheidungskriterium sei, dass Versorgungswerke nicht mit einem Garantiezins, sondern mit einem Rechnungszins arbeiten, der theoretisch auch abgesenkt werden könne. Krüger verweist darauf, dass viele Versorgungswerke ein Mischver­fahren aus Kapitaldeckung und Umlagefinanzierung anwendeten. „Außerdem haben wir große Anstrengungen im Bereich des Risikoma­nagements unternommen, sodass viele Versorgungswerke hier bereits auf einem Solvency II-ähnlichen ­Niveau agieren.“
 
Aus dem Plenum beim Kölschen Versicherungsfachtag kam dann gleich auch der Hinweis, dass ja nicht auszuschließen sei, dass Solvency II auch bald für Pensionskassen gelten wird und dass das die Frage aufwerfe, ob der ABV nicht befürchte, ebenfalls Solvency II anwenden zu müssen. Das verneinte Krüger mit Verweis auf die Unterschiede der Versorgungswerke zu Lebensversicherungen – da ist man offenbar entspannt.

Versorgungswerke schöpfen die Risikokapitalquote im Schnitt deutlich stärker aus als Lebensversicherer. Quelle: GDV, ABV

So stellen sich die Versorgungseinrichtungen eine auf sie zugeschnittene Musteranlageverordnung vor. Quelle: ABV

Die Anlageverordnung arbeitet mit festen Quoten, während Solvency II dann ab 1. Januar 2016 freier, nämlich mit Solvenzkapital-Anforderungen, operiert. Quelle: Allen & Overy

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