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3/2018 | Steuer & Recht
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Aktualisierung eines Standards

Das Konsultationspapier GIPS 2020 liegt vor. Die GIPS-Performancestandards sollen künftig noch ­breitere Anwendung finden, beispielsweise auch für Vermögensverwalter und Publikumsfonds.

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Das Wachstum der Anzahl von Finanzinstitutionen, die Globalisierung des Investmentprozesses und der Wettbewerb unter den ­Vermögensverwaltern beweisen die Notwendigkeit, die Berechnung und Präsentation der Investmentperformance zu standardisieren.

Carsten Lerp, Sergey Nivens | stock.adobe.com

Obwohl die korrekte Darstellung der erzielten Leistungen zu den wichtigsten Themen in der professionellen Vermögensverwaltung gehört, ist die Anwendung der Global Investment Performance Standards (GIPS-Standards) weiterhin nicht mehr als ein freiwilliger globaler ethischer Standard. Das letzte Update erfuhr diese Norm im Januar 2010, aktuell befindet sich der Entwurf GIPS 2020 in der Konsulta­tionsphase, die vom 31. August bis zum 31. Dezember dieses Jahres läuft. Bis dahin können GIPS-Sponsoren in den einzelnen Ländern Stellung beziehen. In Kraft treten sollen die neuen GIPS am 1. Januar 2020 (siehe Kasten „Zeitplan“).

Es geht kaum mehr ohne

Die neuen Standards sollen weiter gefasst werden und umfassen zukünftig neben Richtlinien zu Benchmarks, Overlay-Strategien, Risiko- und Zusatzinformationen auch Regeln zur Unabhängigkeit von GIPS-Verifizierern. „Die GIPS 2020 sollen sicherstellen, dass die Standards ihren Wert und ihre Relevanz bei Managern behalten, die bereits GIPS-compliant sind. Neu ist die Ausweitung der Standards auf die Zielgruppen Vermögensverwalter und Publikumsfondskunden. Es werden zukünftig auch die bisher vernachlässigten Assetklassen wie Private Equity, Real Estate, Alternatives und Infrastructure stärker im Fokus stehen“, erklärt Michaela Krahwinkel. Sie ist Abteilungs­direktorin für die Performance-Analyse bei Union Investment und treibt als stellvertretende Vorsitzende des Komitees für Investment Performance Standards in Deutschland das Thema GIPS voran.

„Wenn man GIPS-compliant ist, zeigt man, dass man seine internen Prozesse rund um die Fonds und die Auswahl der Benchmarks voll im Griff hat – da gibt es kein Cherry Picking bei der Performancedarstellung“, erklärt Krahwinkel. Das heißt nicht, dass Investoren und Consultants in einem Pitch nicht noch weitere Informationen erwarten, aber die GIPS-Standards gelten als gute Grundlage für einen Auswahlprozess auf Basis von quantitativen Kriterien für Kunden und Berater.

Insbesondere bei der Akquisition neuer institutioneller Mandate gilt es mittlerweile als unverzichtbar für Asset Manager, GIPS-compliant zu sein. „Ursprünglich wurde man insbesondere im Ausland gefragt, ob man GIPS-compliant ist, wenn man als ­Asset Manager eine bestimmte Investmentstrategie vorstellen wollte. Wir stellen aber fest, dass es zum Standard gehört, dass auch in Deutschland und Österreich institutionelle Kunden die GIPS-Compliance fordern. Insofern stellt es ein Ausschlusskriterium, zumindest jedoch eine ordentliche Hürde dar, wenn man als Asset Manager die GIPS nicht einhält“, so Krahwinkel.

Der deutsche Fondsverband BVI teilt mit, dass im Jahr 2017 in Deutschland 14 Vermögensverwalter GIPS-compliant und durch einen Wirtschaftsprüfer verifiziert waren. Darüber hinaus strebten vier Gesellschaften die Übereinstimmung mit den GIPS an. Diese 18 Gesellschaften repräsentierten 55 Prozent des in Deutschland aufgelegten Fondsvermögens. Der BVI-Sprecher ergänzt: „Vermögensverwalter müssen ihre GIPS-Einheit definieren. Falls mehrere Asset Manager in einem Konzern sind, gehören nicht automatisch alle Einheiten dazu.“

Internationales Geschäft

Jelmer Bouman, Head Performance Measurement & Client Reporting beim niederländischen Asset Manager Robeco, erklärt: „Institutionelle Investoren erwarten, dass wir bei der Einhaltung der GIPS-Richtlinien und der unabhängigen Verifizierung ein Häkchen machen können. Auch Consultants fragen für ihre ­institutionellen Mandanten nach unserer GIPS-Compliance.“ Bouman fährt fort: „Wir waren einer der ersten Asset ­Manager, der mit GIPS und seinem Vorgänger AIMR-PPS compliant war. Mittlerweile sind die GIPS-Standards vollständig in unsere Organisation und Prozesse integriert. Darüber hinaus lässt sich Robeco von einer unabhängigen Stelle auf seinen GIPS-Compliance-Status hin zertifizieren.“

Offenbar ist die Einhaltung der GIPS-Standards die Eintrittskarte ins internationale Geschäft. Nach GIPS-Standard stellt der Manager nicht die Performance eines einzelnen Depots, Mandats, Fonds oder Teilfonds dar, sondern die Performance auf Ebene der jeweiligen Strategie. Auf diese Weise soll das Cherry Picking der besten Wertentwicklung verhindert werden, das Frau Krahwinkel angesprochen hat. Zentraler Baustein hierfür ist die Erstellung der ­sogenannten Composites. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenfassung von verschiedenen Portfolios, die die gleichen Strategien beziehungsweise Anlageziele verfolgen, beispielsweise deutsche Aktien. Die geldgewichtete Zusammenfassung der Portfolios ergibt schließlich die Performance des Composites.

Krahwinkel hält es für wichtig, dass die Beurteilung der Performance-Ergebnisse sowohl intern als auch extern immer nach denselben Kriterien erfolgt, und dafür sind die GIPS ein geeignetes Instrument. „Sonst gibt es immer Erklärungsbedarf, warum dem Kunden gegenüber andere Ergebnisse kommuniziert werden als intern, beispielsweise bei der Leistungsbeurteilung der Portfoliomanager“, so Krahwinkel. Selbstverständlich ist das nicht. „Noch vor 18 Jahren gab es bei uns da noch unterschiedliche Sichtweisen“, erinnert sie sich, „seit Langem schon absolut undenkbar!“

CFA Institute federführend

Federführend für den Standard auf internationaler Ebene ist das CFA Institute mit Sitz in Charlottesville, Virginia, USA. Dort sind das GIPS Executive Committee und das GIPS Council beheimatet. Laut CFA ­Institute werden die GIPS-Standards mittlerweile in 38 Ländern angewendet, und rund 1.600 Unternehmen deklarieren sich als compliant. Auf der Website www.gipsstandards.org sind sie namentlich aufgeführt. Das entspricht mehr als 60 Prozent der globalen Assets under Management. 74 der 100 größten Asset Manager wenden die GIPS-Standards an.

Während es sich anfangs um einen US-amerikanisch dominierten Standard handelte, wurden nach und nach auch andere entwickelte Länder sogenannte „Sponsoren“ der GIPS-Standards und redeten ein Wörtchen mit. Mittlerweile gibt es auch Sponsoren in Entwicklungsländern wie z. B. in China, Indien, Peru oder Ghana. Durch die breite Anerkennung des Standards kommen verschiedene Sichtweisen aus unterschiedlichen regulatorischen Umfeldern zum Tragen. Entsprechend sehen die GIPS vor, dass gesetzliche Regeln stets Vorrang vor den GIPS haben.

Nur eine Empfehlung

Ein BVI-Sprecher sagt: „Aufgrund des starken Widerstands – insbesondere der deutschen Fondsbranche – hat sich die GIPS-Organisation entschieden, die geplante verpflichtende Richtlinie zu ,Broadly Distributed Pooled Funds‘ nur als eine Empfehlung in die GIPS 2020 aufzunehmen. Die GIPS-Organisation hat anerkannt, dass die Vorschriften einer solchen verpflichtenden Richtlinie zum Beispiel durch die EU-Vorgaben zur Darstellung der Fondsperformance im OGAW-KIID bereits erfüllt sind und weitere Regeln nicht benötigt werden.“ Anders sehe dies zum Beispiel in Lateinamerika aus. Dort gebe es keine entsprechenden Regeln.

In Deutschland kümmert sich das German Asset Management Standards Committee (GAMSC) um die Stellungnahme zum Konsultationspapier GIPS 2020. Dabei ist das GAMSC ein anerkannter deutscher GIPS-Sponsor, der im März 2005 gemeinsam von der Deutschen Vereinigung für Finanzana­lyse & Asset Management e. V. (DVFA), dem deutschen Fondsverband BVI und der CFA-Society Germany gegründet wurde.

Bei den GIPS-Standards geht es nicht nur um einheitliche Berechnungsmethoden, sondern auch darum, welche Kurse zugrunde gelegt werden, wie Leverage oder Leerverkäufe dargestellt werden, welche Benchmarks verwendet werden und dass an einmal verwendeten Begriffen festzuhalten ist. All dies muss der Asset Manager in einem Handbuch festhalten, sodass die internen Prozesse zur Performancemessung klar ­definiert und im Zeitverlauf immer nach demselben Prinzip angewendet werden.

Transparenz und Konsistenz

Will sich ein Asset Manager oder Vermögensverwalter als compliant deklarieren, muss er dafür ein jährliches Zertifizierungsverfahren durchlaufen, das im Regelfall von einem Wirtschaftsprüfer durchgeführt wird. „Verifiziert“ zu sein, wird als Best Practice betrachtet, aber ein Asset Manager kann sich auch selbst als compliant bezeichnen. In den GIPS-Standards von 2010 steht dazu Folgendes: „Den GIPS-Einheiten wird dringend empfohlen, regelmäßig interne Überprüfungen der Einhaltung durchzuführen. Die Einrichtung adäquater interner Kontrollen auf allen Stufen des Investmentperformanceprozesses – von der Dateneingabe bis zur Vorbereitung der Performance-Präsen­tationen – wird zum Vertrauen in die Stichhaltigkeit der präsentierten Wertentwicklung wie auch in die Erklärung zur Einhaltung der Standards beitragen.“

Natürlich ist das Aufsetzen einer GIPS-Organisation für den Asset Manager aufwendig. „Für uns ergeben sich aus operativer Sicht keine wesentlichen Mehrkosten. Aber wenn ein Unternehmen GIPS-konform werden möchte, stellt es natürlich ­einen gewissen Aufwand dar, alle notwendigen Prozesse einzurichten. Direkte Kosten im Zusammenhang mit GIPS sind dann die Verifizierungskosten und Lizenzgebühren für eine GIPS-Softwarelösung“, erklärt ­Jelmer Bouman.     

Anke Dembowski


Es begann in den USA

Die Entwicklung der GIPS war ein langer Prozess, der bereits in den 1960er-Jahren begann.

Begonnen haben die Gedanken zur einheitlichen Performancedarstellung im Asset Management in den 1960er-Jahren. Als die amerikanische Börsenaufsicht SEC in den 80er-Jahren eine gesetzliche Regelung erwog, eilte die Branche in den USA voraus, um ­Derartiges zu vermeiden. Das Vorgängerinstitut des CFA Instituts, die amerikanische Financial Analysts Federation (FAF), gründete ein Komitee mit der Aufgabe, Performance Presentation Standards zu entwickeln. „Erstmals vorgestellt wurden Performance Presentation Standards 1987 durch das Komitee in der Herbstausgabe des ­,Financial Analysts Journal‘“, erklärt Michaela Krahwinkel. In den 90er-Jahren wurden die Standards weiterent­wickelt und verbessert. Beispielsweise hat die Association for Investment Management and Research (AIMR) jeweils 1993 und 1997 ein erweitertes Regelwerk auf Basis des FAF-Berichts veröffentlicht.

Mangelnde Akzeptanz und die stark zunehmende ­Globalisierung im Asset Management machten es aber ­erforderlich, einen globalen Standard zu entwickeln. Eine 1996 gegründete Kommission, in der alle weltweit wichtigen Kapitalmarktplätze vertreten waren, veröffentlichte im April 1998 einen ersten Entwurf der Global Investment Performance Standards, GIPS. Auch Deutschland beteiligte sich an der Entwicklung: Die DVFA gründete im Jahr 1997 eine Expertenkommission, und am 1. Januar 1999 traten die DVFA Performance Presentation Standards in Kraft. Sie galten damals lediglich für liquide Anlage­klassen wie Aktien, festverzinsliche Papiere und Cash. Seit den 2000er-Jahren geben die GIPS auch Berechnungs­methoden für alternative Anlagen wie Hedgefonds, ­Immobilien und Private Equity vor, um auch dort für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit zu sorgen.

Die weltweite Akzeptanz wurde aber erst durch die globalen Gold GIPS erreicht, die im Februar 2005 ver­öffentlicht wurden und Anfang Januar 2006 in Kraft ­traten. „In diesem Regelwerk gingen alle bis dato bestehenden nationalen Standards auf“, erinnert sich Krah­winkel. Die Entwicklung ging weiter. Entsprechend heißt es im dritten GIPS-Standard vom Januar 2010: „Damit die weltweite Bedeutung erhalten bleibt und um dem dynamischen Wesen der Investmentbranche Rechnung zu tragen, müssen die GIPS-Standards kontinuierlich durch Auslegungen, Leitlinien und neue Bestimmungen aktua­lisiert werden.“ Genau darum geht es im Aktualisierungs-entwurf GIPS 2020.       


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