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1/2021 | Produkte & Strategien
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Welche Welle schlägt Ihr Euro?

Impact Investing ist mehr als nur eine Veranlagungsstrategie. Die Weiterentwicklung von ESG trägt den Anspruch in sich, die Welt durch aktives Engagement zu einem besseren Ort zu machen.

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Schlägt der investierte Euro die erwünschte nachhaltige Welle oder verpufft er angesichts von Green- oder Blue Washing wirkungslos? Der M4C Impact Award soll Investoren und Stakeholdern eine Orientierungsfrage in Sachen Impact geben: Welche Unternehmen meinen es wirklich ernst mit dem Anspruch, die Welt verändern zu wollen?

© Mercer, peter | stock.adobe.com

Wer soll sie jetzt retten, die Menschheit? Regierungen? Religionen? Der Zufall? Und wie genau soll man das angehen? Wie verhindert man die Ausbeutung von Mensch und Natur auf eine nachhaltige Art und Weise?

Diese Frage kann zugegebenermaßen auf diverse Arten beantwortet werden – ein wichtiger Player in diesem Prozess wird aber definitiv die Wirtschaft sein. Und zwar in all ihren Facetten, egal ob Finanzwirtschaft, Industrie oder Gewerbe. Konkret geht es dabei um die Kontrolle der Finanzströme. Wohin fließt das Geld der Inves­toren? In den Rüstungskonzern oder den Solarplattenhersteller? Wer wird an der ­Börse belohnt? Das Unternehmen, das seine Mitarbeiter in Sweatshops auspresst, oder der Betrieb, der sich um die Entwicklung seiner Mitarbeiter auf möglichst vielen ­Ebenen sorgt?

Das Problem bei der Allokation von Geldströmen nach Impact-Kriterien lautet: Sie sind in der Regel softer als herkömmliche Finanzkennzahlen, und auch der echte Impact der einzelnen Strategien ist mitunter enttäuschend – umso wichtiger erscheint es, erstens keine falschen Hoffnungen zu wecken, die in Enttäuschung und eine Abwendung vom Thema „Impact“ münden können.

Beitritt & M4C Award

Zweitens erscheint es notwendig, Impact-Kriterien in ein System zu gießen, das auf möglichst objektiver Ebene messbar erscheint. Die 17 Nachhaltigkeitsziele (Anm.: auch SDGs – Social Development Goals; siehe Grafik „Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO“) der Vereinten Nationen erscheinen hier als wichtiger erster Schritt. „Da wir uns unserer Verantwortung in diesem Bereich bewusst sind, sind wir der UN-Organisation UN Global Compact beigetreten. Dazu haben wir gemeinsam mit dem internationalen Beratungsunternehmen Mercer den Money For Change Impact Award ins Leben gerufen“, sagt Mamdouh El-Morsi, Co-Geschäftsführer von FONDS professionell Multimedia, dem Verlag von Institutional Money. Über die Verleihung des M4C Awards entscheidet eine hochkarätige Jury, die neben den beiden Initiatoren aus Vertretern der UN Principles for Responsible Investment (PRI), von Global Compact Network Austria, ­Toniic Institute, Impact Hub Vienna und dem Ban Ki-moon Centre for Global Citizens besteht. Bewertet wird dabei in folgenden Kategorien:

Die M4C-Kategorien

  • Asset Owner: Diese Kategorie zeichnet ­Asset Owner aus, die bereits eine verstärkte Ausrichtung an die SDGs haben beziehungsweise erhöhte Investitionen im Bereich Social/Climate Impact tätigen oder Klimarisiken im Entscheidungsfindungsprozess berücksichtigen. Ein ESG-Prozess ist längst etabliert.
  • Corporates: In dieser Kategorie werden Corporates ausgezeichnet, die durch nachhaltiges People Management dazu beitragen, dass die Menschen in der Organisation verantwortungsvoll behandelt werden und damit selbst verantwortungsvoll handeln können. Der Fokus liegt dabei auf Corporates, die bewusst Mitarbeitende ermutigen und befähigen, Veränderungen in ihrer täglichen Arbeit in Richtung Nachhaltigkeit zu initiieren. Sie zeichnen sich beispielsweise durch ­eine besondere Unternehmens- und Führungskultur aus. Sie betrachten Fehler und Kritik als Innovationsquelle, schaffen Freiräume, stellen bewusst vielfältige Teams zusammen, wertschätzen Andersdenken und etablieren flexible Netzwerkstrukturen.
  • Entrepreneure: Diese Kategorie zeichnet Entrepreneure aus, die ihren Fokus auf Social oder Climate Impact gelegt haben. Mit ihren innovativen Impact-Lösungen unterstützen sie die SDGs.
  • Cooperation: Die Kategorie zeichnet Asset Owner, Corporates und Entrepreneure aus, die gemeinsam eine erfolgreiche Umsetzung eines der SDG-Ziele erreicht oder ­gemeinsam innovative Lösungen umgesetzt haben.

Die Bewertung erweist sich jedenfalls angesichts der komplexen Materie und der ­untersuchten Kategorien als komplex – beispielsweise auf der bereits beschriebenen Corporate-Ebene. Laut Mercer-Partner Kai Anderson besteht hier, egal ob man die SDGs oder ESG heranzieht, gerade beim „S“ gegenüber den ökologisch und ethisch erreichten Zielen noch am meisten Nachholbedarf: „Wir haben zuerst die Governance abgearbeitet, dann die Umwelt, der soziale Kontext ist dabei aber ein Stück weit stehen geblieben.“ Das soll nicht heißen, dass man bei radikaler, sklavereiähnlicher Ausbeutung nicht Fortschritte gemacht hätte, „aber bei medizinischer Versorgung, Altersvorsorge oder grundlegenden Sicherheitsbedürfnissen ist noch einiges zu erledigen“.

Heikle Begrifflichkeit

Anderson spricht hier – und er ist sich der Problematik des Begriffs durchaus bewusst – von einem sorglosen Umgang mit den „Humanressourcen“. Auf der anderen Seite könnte gerade ein technischer Begriff zu ­einer ökonomischeren und somit paradoxerweise vielleicht menschlicheren Herangehensweise führen, da der Gedanke, mit Ressourcen – siehe Druckerpapier – pfleglich umzugehen, vielleicht näher liegt als die Beschäftigung mit vermeintlichen persönlichen Befindlichkeiten.

Anderson weist hier in Anlehnung an Maslow auf eine Bedürfnispyramide der Mitarbeiter hin, die von ganz schlichten ­Anforderungen als Fundament bis hinauf zum Bedürfnis nach Selbstverwirklichung reicht – je nachdem, wo sich ein Unter­nehmen beim Auf- und Umbau dieser ­Pyramide befindet, könnte sein Impact Score stehen, der dann als ­Indikator oder Rating für allfällige Investitionen fungieren könnte.

Nüchterne Analyse

Eine bestechend nüchterne Analyse zu Impact hat erst im Dezember 2020 das DWS Research Institute verfasst. Unter dem Titel „A transformational framework for Water Risk“ haben sich Francesco ­Curto, Global Head of Research, Michael Lewis, Head of ESG Thematic Research, und Senior ESG Strategist Murray Birt vor allem mit der Bewertung von Wasserrisiken auf Portfolioebene auseinandergesetzt.

Sie untersuchen, inwieweit regulatorische, ökologische oder soziale Komponentern erfasst und bewertet werden können – wobei uns an dieser Stelle besonders inter­essiert, inwieweit institutionelle Investoren bei einem Gut, dessen Einsatz und Gebrauch an und für sich gut messbar ist, die Chance haben, tatsächlich die reale Welt zu verändern (siehe Tabelle „Eine realistische Einschätzung von Impact-Strategien“).

Dazu haben sie die gängigsten Investmentvehikel wie Aktien-, Sachwert- oder Anleiheninvestments ausgewertet und die Wahrscheinlichkeit auf echten Impact in ­eine leicht verständliche Dreistufenwertung „niedrig“, „mittel“ und „hoch“ gegossen. „Das Resultat ist, ehrlich gesagt, enttäuschend. Aus einer rein utilitaristischen Sicht muss man sich fragen, ob die Ergebnisse den gesamten Aufwand überhaupt wert sind“, resümiert Francesco Curto. Tatsächlich haben aus Sicht von DWS Research nur Sachwert-, echte Impact-Investments oder Aktienengagements eine hohe Chance, einen positiven Einfluss auf die reale Welt auszuüben.

Aktien & Pure Play Impact

Das zeigt – unter der Voraussetzung, dass man es mit dem Ansinnen, die Welt tatsächlich ein wenig besser zu machen –, wie wichtig pure Impact-Strategien sind und dass über den Ansatz des Shareholder ­Engagement, beispielsweise auf Hauptversammlungen, fast ausschließlich das Ak­tiensegment zu einer hohen Impact-Wahrscheinlichkeit führt.
Passive ESG-Ansätze scheinen so gut wie komplett zu versagen: Sowohl eine simple Aktiengewichtung nach ESG-Scores als auch das von diversen NGOs geforderte Disinvestment scheint wenig Impact auf die echte Welt zu haben. Dasselbe gilt für die viel gepriesenen Best-in-Class-Ansätze, also beispielsweise die Strategie, auch in Waffenproduzenten zu investieren, aber eben nur in jene, die innerhalb der Branche die besten Nachhaltigkeitsratings aufweisen. Angesichts dieser Schwierigkeiten erscheint es umso sinnvoller, Awards wie den M4C ins Leben zu rufen, die es Investoren – egal ob sie ein öffentlich zugängliches oder ­direktes Engagement suchen – ermöglichen, einen unverstellten Blick auf die besten Impact Practitioner der DACH-Region zu werfen und so Orientierungshilfe bei der Implementierung einer sinnvollen Impact-Strategie zu erhalten.    

Hans Weitmayr


Anhang:

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