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1/2018 | Produkte & Strategien
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Wachsendes Angebot

ESG-Hochzinsanleihen rücken langsam, aber sicher auf die Radarbildschirme von Großanlegern. Asset Manager reagieren auf die steigende Investorennachfrage mit der Auflage von entsprechenden ­Anlagelösungen. Institutional Money hat sich die interessantesten Nachhaltigkeitsfonds angesehen.

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Gleich einem zarten Pflänzlein wächst das institutionellen Investoren zur Verfügung stehende Angebot an ESG-High-Yield-Bond-Fonds. Nun kommt es auf regelmäßige „Bewässerung“ in Form von großen Fondskauforders an.

Foto: © jar capital; X BEGUET-ZEFOTO.NET | stock.a

Während viele institutionelle Investoren nur am Rande mitbekommen haben, dass man in Hochzinsanleihen auf Basis eines Nachhaltigkeitsansatzes investieren kann, und so mancher Fonds, der in diesem Bereich erst kurz aktiv ist, noch daran arbeitet, einen herzeigbaren Track Record zustande zu bringen, können einige Vorreiter in diesem Bereich bereits etliche Jahre Erfahrung vorweisen. Traditionell sind es „Nischenplayer“, die solche Spezialthemen als Erste in Angriff nehmen, auch auf ESG-High-Yield-Fonds trifft das zu. Ein gutes Beispiel dafür ist JAR Capital aus London. Die Gesellschaft bietet mit dem JAR Sustainable Income Fund einen der bekanntesten und am längsten am Markt befindlichen nachhaltigen Hochzinsanleihenfonds an. Die Manager Kerrin Tansley und Carl Daniel Berthold, beide sind JAR-Capital-Gründungspartner, verfügten über langjährige Erfahrung bei der Verwaltung von europäischen Hochzinsanleihen, bevor sie sich an das ESG-Segment heranwagten. Tansley ist bereits seit 1996, damals wurde in Europa der erste High Yield Bond aufgelegt, in diesem Segment aktiv, vor der Gründung der eigenen Fondsgesellschaft auch in leitender Funktion bei Axa Colonia und Muzinich. Tansley und Berthold verfolgen beim JAR Sus­tain­able Income Fund eine konser­vativ ausgerichtete Absolute-Return-Strategie, ihr Anlageuniversum sind europäische Hochzinsanleihen, die den hauseigenen ESG-Ansprüchen genügen müssen. Vertrieben wird der Fonds seit 2014 an britische Privat-Wealth-Kunden und seit 2015 auch an deutsche Anleger. Emissionen im oberen High-Yield-Bonitätsbereich „BB“ bis „B–“, die den ESG-Filter nicht passieren, kommen nicht ins Portfolio. Auch Emittenten mit einem Rating von unter „B–/B3“ sind ausgeschlossen. Dasselbe gilt für Banken-, Staatsanleihen sowie Immobilienanleihen und strukturierte Kredite. Währungsrisiken werden immer abgesichert, Makro-Risiken nur bei Bedarf. Ausgehend von einem Bottom-up-Prozess setzt JAR Capital auf ein eher konzentriertes Portfolio mit 30 bis 40 Einzeltiteln. Dabei darf keine Emission mehr als vier Prozent und kein Emittent mehr als fünf Prozent an Portfoliogewichtung erreichen. Im Rahmen der Absolute-Return-Strategie peilen Tansley und Berthold ein mittelfristiges Renditeziel in einer Bandbreite von drei bis vier Prozent per annum bei einer jährlichen Ausschüttung von drei Prozent an.


Der ESG-Filterungsprozess der Briten basiert auf einer Negativliste des Analysehauses Oekom Research. Firmen, deren Umsatz zu mehr als fünf Prozent aus den Bereichen Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Rüs­tung, Pornografie oder Nukleartechnik kommt, fallen raus. Dasselbe gilt für Unternehmen, deren Umsätze zu mehr als 30 Prozent aus fossilen Brennstoffen stammen. Im nächsten Schritt werden normenbasierte Ausschlusskriterien berücksichtigt, beispielsweise jene von UN Global Impact oder Eurosif. Und schließlich wird noch anhand einer Liste, die 36 Nachhaltigkeitskriterien enthält, eine finale Auswahl getroffen. Abgesehen von einer regelmäßigen Überprüfung der Trendentwicklung des Nachhaltigkeitsratings wird über das Beratungsunternehmen G.E.S. eine Engagement-Politik betrieben, und die eingemahnten Fortschritte beziehungsweise deren allfällige Umsetzung werden ebenfalls im ESG-Investmentprozess berücksichtigt. „Zusätzlich zu unserer enormen Erfahrung ist JAR Capital der erste und einzige Manager im Bereich europäischer Hochzinsanleihen, der über über eine Ausschluss- und eine Engagement-Strategie ESG-Kriterien vollständig in seinen Investmentprozess integriert“, betont Berthold die Einzigartigkeit seiner Investmentstrategie. „In Anerkennung unserer Nachhaltigkeitsstrategie erhielt unser Fonds als Erster und bislang Einziger seiner Art im High-Yield-Bereich das begehrte FNG-­Siegel vom Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.“


Bei der institutionellen Anteilsklasse (I) werden jährlich 80 Basispunkte Verwaltungsgebühren verrechnet, hinzu kommt ­eine Performance Fee von 20 Prozent, sofern die Hurdle Rate – der Drei-Monats-­Euribor plus 200 Basispunkte – überschritten wird. Aus Anlegersicht positiv sind die High-Water-Mark-Regelung sowie die ­Deckelung der jährlichen Gebühr bei maximal 1,7 Prozent. Die in den jeweiligen Kalenderjahren laut Bloomberg-Angaben erzielten Renditen der Strategie nach Kosten kann man der Tabelle „ESG-HY-Bond-Fonds im Überblick“ entnehmen.
Aufgrund der Nachfrage institutioneller Investoren nach einer rein direktionalen Strategie legte JAR Capital im ersten Quartal 2018 mit dem neuen JAR Capital ESG High Yield Fund eine Long-only-Variante des Ansatzes auf. Der neue Fonds verfolgt keine Absicherungsstrategie, hat ein Ren­diteziel von fünf bis sechs Prozent per annum und will dabei die Benchmark (Markit iBoxx EUR Liquid High Yield Index) outperformen. Das Interesse am neuen Vehikel war von Anfang an groß. Denn Ankerinves­toren vertrauten dem neuen JAR-Capital-Fonds gleich zu Beginn 30 Millionen Euro an.


ESG-Fonds made in Graz
„In den vergangenen Jahren haben wir uns als Nischenplayer und Pionier, der sich auf schwer umsetzbare Assetklassen fokussiert hat, positioniert. Seit dem Jahr 2011 haben wir begonnen, systematisch ESG-Kriterien in den Investmentprozess zu integrieren. Der Value Cash Flow Fonds ist damit der erste nachhaltige High-Yield-Fonds Österreichs“, erklärt Josef Obergantschnig, CIO bei der Grazer Security KAG. 2011 wurde ein seit 1997 existierender High-Yield-Fonds (Retail-Anteilsklasse) auf eine ESG-Strategie umgestellt. Seit September 2016 bietet die Security KAG beim Value Cash Flow Fonds auch eine kostengünstigere institutionelle Anteilsklasse (A3) an. Die Security KAG gibt dem eigentlichen HY-Bond-Manager Muzinich das investierbare HY-Bond-Universum vor. Dieses umfasst Anleihen mit Bonitäten zwischen „BB“ und „B–“ und exkludiert Finanzwerte. Währungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert. Betreffend die Nachhaltigkeit gibt es harte Ausschlusskriterien wie Kinderarbeit oder Hersteller von Massenvernichtungswaffen. Darüber hinaus werden Unternehmen mit Umsatzanteilen von mehr als fünf Prozent in Bereichen wie Erwachsenenunterhaltung, Alkohol, Tabak, Kohle, Gentechnik und dergleichen ausgeschlossen. Die verbleibenden Emittenten werden von Sustainalytics anhand ihrer ESG-Kriterien auf einer Skala von null bis 100 eingestuft. Die im Value Cash Flow Fonds enthaltenen Hochzinsanleihen sollen im Durchschnitt einen Minimum-ESG-Score von 45 Punkten erreichen, wobei 90 Prozent der Unternehmen eine Bewertung von mindestens 40 Punkten aufweisen müssen. Von einem proaktiv verfolgten „En­gagement“-Ansatz – wie beispielsweise beim Fonds von JAR Capital – ist in den Fondsunterlagen der Security KAG jedoch nichts zu lesen. Dafür wird großer Wert auf eine breite Streuung und die Vermeidung größerer Drawdowns gelegt. „Unser Ziel ist es, einen beständigen und vergleichsweise konservativen High-Yield-Fonds darzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, kommt dem Diversifikationsgrad eine wesentliche Bedeutung zu. Im Rahmen des Value Cash Flow Fonds werden gegenwärtig mehr als 200 Emittenten beigemischt. Genau das schützt uns im Fall von Systemkrisen wie beispielsweise im Jahr 2009“, erläutert der Security-KAG-CIO. In der Tat zeichnet sich die Fondswertentwicklung durch eine relativ hohe Stabilität aus. Zwar verfügt der Fonds laut Security KAG „aufgrund der sehr individuellen Charakteristika“ über ­keine offizielle Benchmark. Ein Langfristvergleich seit Anfang 2008 mit einer Morningstar-Peergroup zeigt aber, dass sich im Vergleich dazu der Fonds in Aufschwungphasen fast synchron entwickelt. Bei Marktkorrekturen im HY-Bond-Segment – wie 2008 und insbesondere 2015/16 – hielt sich der Value Cash Flow Fonds jedoch besser als seine Konkurrenten. „Unser Ziel ist es, einen soliden, vergleichsweise konservativen Asset-Allocation-Baustein für High-Yield-Investoren anbieten zu können“, betont Obergantschnig abschließend und verweist auf das gestiegene Investoreninteresse: „Seit der Implementierung von ESG-Kriterien konnten wir das Fondsvolumen mehr als verfünffachen.“


Pensionsfonds engagiert
Über nennenswertes Vermögen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich verfügt auch der im Februar 2017 aufgelegte Bluebay Global High Yield ESG Bond Fund. Dieses UCITS-Vehikel lancierte Bluebay Asset Management in Kooperation mit dem Investmentconsultant Mercer und dem nordischen Pensionsfonds PKH, der auch zu den darin engagierten Investoren zählt. Der mit einem expliziten ESG-Ansatz (inklusive Engagement) ausgestattete Schwesterfonds des bereits länger bestehenden Bluebay Global High Yield Bond Fund orientiert sich dabei nicht nur an den UN-Global-Compact-Ausschlusskriterien, sondern auch an jenen Ausschlusskriterien, die der Norwegische Staatsfonds anwendet. „Obwohl sich die beiden Ausschlusslisten zum Teil überlappen, ist die norwegische Liste eine weltweit anerkannte Benchmark, die unserer Einschätzung nach der Fondsstrategie zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht“, erklärt Steven Bayly, Head of Sales Northern Europe von Bluebay Asset Management. „Darüber hinaus gaben uns Investoren das Feedback, dass wir diese ESG-Kriterien ­befolgen sollten.“ Ergänzt werden die Ausschlusskriterien um eine im Rahmen der klassischen Fundamental- und Risikobewertung integrierte ESG-Analyse, wobei Daten des Drittanbieters MSCI ESG Research einfließen. Laut Fondsmanagement weise man ein „relativ konzentriertes“ Portfolio auf, das zwischen 80 und 120 Anleihen umfasst. Im Gegensatz zu den oben genannten Fonds von JAR Capital und Security KAG werden nicht nur High Yield Bonds aus dem oberen Bonitätsbereich von „BB“ bis „B–“, sondern auch schwächere Emittenten mit „CCC“ und darunter gekauft. Zuletzt betrug dieser Anteil am Fondsvermögen etwas mehr als 14 Prozent. Derzeit seien laut Bayly im Bluebay Global High Yield ESG Bond Fund noch keine deutschen Investoren engagiert, sondern vorwiegend Großanleger aus den Niederlanden, Skandinavien und dem US-Dollar-Raum. Daher sei derzeit noch keine institutionelle Euro-Anteilsklasse für deutsche Investoren „aktiv“. „Dies können wir jedoch jederzeit ändern, dies dauert normalerweise nicht länger als zwei Wochen“, betont Bayly und empfiehlt institutionellen Investoren, die die derzeit einzig verfügbare US-Dollar-Tranche nicht kaufen wollen, bis dahin auf die gehedgte und ausschüttende C-Euro-Anteilsklasse zuzugreifen. Dieses derzeit im Lancierungsstadium befindliche Gefäß ist zwar eine Retailtranche, verrechnet aber Verwaltungsgebühren von lediglich 60 Basispunkten.


Ebenfalls nur 60 Basispunkte an Managementgebühren kostet der Fonds Sustainable Global High Yield von J. Bank Safra Sarasin, der jedoch ausschließlich schweize­rischen „Personalvorsorgeeinrichtungen“ als Investmentvehikel zur Verfügung steht. Wie Institutional Money erfuhr, arbeiten die Schweizer derzeit aber an der Auflage eines Luxemburger SICAV-Fonds, über den die Strategie des Schweizer Fonds auch Inves­toren aus der EU zugänglich gemacht wird. Das Vehikel soll im Lauf des zweiten ­Quartals 2018 vorbehaltlich aller Zustimmungen seitens der Aufsichten auf den Markt kommen.


Candriam sorgt für Premiere
Seit Herbst letzten Jahres steht deutschen Investoren der Candriam SRI Bond Global High Yield zur Verfügung, der auf Grundlage hauseigener Analysen sowie eines ESG-Screenings in Hochzinsanleihen internationaler Emittenten investiert. Institutional Money wollte von Candriam wissen, wa­rum Großanleger gerade dem hauseigenen Fonds Geld anvertrauen sollten. Philippe Noyard, Head of High Yield & Credit Arbitrage bei Candriam, begründet dies mit der im Konkurrenzvergleich überdurchschnittlich langen Erfahrung im Management von Hochzinsanleihen sowie der rund 20 Jahre langen Vorreiterrolle bei SRI­-Investmentlösungen. So verfügt Candriam laut eigenen Angaben über eine der brei­testen SRI-Fondspaletten Europas sowie ­eines der größten europäischen SRI-Teams. „Sowohl unser High-Yield- als auch unser ESG-Team zählen zu den Vorreitern auf ­ihrem Gebiet“, betonte Noyard uns gegenüber. „Wir glauben, dass die Kombination dieser zwei Kompetenzen uns einen echten Wettbewerbsvorteil verschafft.“


Vor allem bei der umgesetzten ESG-­Strategie sieht Noyard sein Haus im Vorteil. Abgesehen von Ausschlusskriterien sowie einer standardisierten ESG-Analyse setzt Candriam laut eigenen Angaben als erste Fondsgesellschaft Europas einen „Best in Class“-Ansatz bei High Yield Bonds ein. Dabei muss die New-York-Life-Investment-Management-Tochter jedoch Zugeständ­nisse an das von ESG-Ratingagenturen vielfach noch nicht gecoverte und hinsichtlich seiner ESG-Tauglichkeit noch ausbaufähi­ge Hochzinsanleihenuniversum machen. Während Candriam traditionellerweise im Rahmen ihrer „Best in Class“-Strategien nur jene Unternehmen auf die Kauflisten nimmt, die zu den besten 50 Prozent ihrer Branche gehören, wird diese Schwelle bei High Yield Bonds bei großzügigen 70 Prozent angesetzt. Das bedeutet, dass High-Yield- Bond-Emittenten lediglich zu den Top-70-Prozent ihrer Peergroup gehören müssen, um sich zumindest aus dem Blickwinkel der ESG-Analyse Hoffnung auf eine Portfolioaufnahme machen zu können. Offenbar reicht das: Denn der SRI Bond Global High Yield bekam (wie auch vier andere SRI-Fonds von Candriam) Ende 2017 das staatliche französische SRI-Qualitätssiegel verliehen.


Strenge Selektion lohnt sich
Genau einen Kalendermonat nach der Lancierung des Candriam-Fonds ging auch M&G Investments mit ihrem Luxemburger SICAV-Vehikel M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond an den Start. Das Fondsmanagement inne haben die beiden bekannten Rentenmanager Stefan Isaacs und James Tomlins, die über jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der hochverzinslichen Anleihen verfügen und dabei auf das Research von etwa 50 Credit-Analysten in London und Chicago zurückgreifen können. Isaacs und Tomlins managen beide als Co-Manager auch den traditionell anlegenden und milliardenschweren M&G Global High Yield Bond Fund, der über fünf Sterne von Morningstar verfügt, da Isaacs und Tomlins die Morningstar-Peergroup über alle Zeitfenster seit 2013 klar outperformt haben.


Im Rahmen der ESG-Anlagestrategie, die auch „Engagement“ umfasst, werden zumindest 80 Prozent der Gelder in globale ESG-High-Yield-Bonds investiert, wobei auch Schwellenländerunternehmensanleihen gekauft werden können. Weitere Beimischungen umfassen Staatsanleihen sowie IG-Corporate-Bonds und Asset Backed Securities, um durch deren Verkauf jederzeit Cash verfügbar zu haben. Das hat gute Gründe. Während andere Fondsadressen oftmals CDS-Indizes – die aber auch nicht nachhaltig agierende Unternehmen beinhalten – zur Verbesserung der Liquidität einsetzen, verzichtet M&G bei ihrem Fonds auf diese Strategie und setzt stattdessen lieber auf höhere Cashquoten oder eben hochliquide Rentenpapiere, die im Fall der Fälle rasch zu Geld gemacht werden können. M&G berücksichtigt ESG-Kriterien auf Basis eines dreistufigen Ethikfilters laut eigenen Angaben „vollständig“ im Anlageprozess. „Wir haben uns für einen dreistufigen Prozess entschieden, der die Stärken und Schwächen der gängigen ESG-Methoden ausgleicht“, erklärt Tomlins und fügt an: „Der Fonds konzentriert sich auf das Negativscreening sowie die Einbeziehung der ESG-Faktoren und stellt damit die richtige Balance zwischen der Formulierung von Investmenteinschätzungen und dem Erfolg verantwortungsvoller Anlagen her.“


Mehrstufiger Selektionsprozess
Bei Stufe eins werden alle Anleihen eliminiert, deren Emittenten gegen Grundsätze des UN Global Compact verstoßen. Auf der zweiten Stufe, die auf Sektorenebene ebenfalls ein Negativscreening ist, werden jene Unternehmen aussortiert, die in „verpönten“ Sektoren wie Alkohol, Tabak, Pornografie, Glücksspiel, thermische Kohle, Rüstungsgüter und Waffen mehr als marginal als Erzeuger (5 Prozent des Umsatzes) oder Händler (10 Prozent) tätig sind. Interessant ist vor allem Stufe drei: Dort werden alle Emittenten auf Basis der von MSCI ausgewiesenen ESG-Standards ausgesiebt, die im Vergleich zu ähnlichen Branchenvertretern schlechte ESG-Standards aufweisen und damit als „Nachzügler“ gelten. „Einige Indus­triezweige sind an Aktivitäten beteiligt, die in erster Linie die Umwelt betreffen, bei ­anderen stehen etwa Cybersicherheit, Produktsicherheit oder Arbeitsrechte im Vordergrund. Daher vergleichen wir mit einem branchenadjustierten Rating die Standards und Leistungen eines Unternehmens mit ­denen seiner Branche“, erklärt Tomlins. Die Rangliste reicht von Branchenführern (MSCI-Rating 7,1–10) über Unternehmen mit durchschnittlichem ESG-Standard (ESG-Rating 2,9–7,1) bis hin zu den Schlusslichtern – diese weisen ein ESG-­Rating unter 2,9 auf. Diese Schlusslichter werden daher nicht gekauft.


Ausnahmeregelung
Es gibt dabei aber Ausnahmen: Wenn M&G die Meinung vertritt, MSCI urteile zu streng oder der Emittent weise eine Tendenz in Richtung eines besseren ESG-Ratings auf, kann eine Anleihe mit Billigung der ESG Advisory Group doch investierbar sein. Der Anteil von Unternehmen mit ­unterdurchschnittlichem ESG-Rating ist jedoch auf 50 Prozent Portfoliogewichtung (nach Emittentengewicht) beschränkt. Das klingt nach viel, tatsächlich lag dieser Anteil zuletzt aber bei verschwindend geringen 0,83 Prozent. Unterm Strich filtert M&G zirka 35 Prozent der Benchmark (BofA Merrill Lynch Global High Yield Index) aus. Schlussendlich schafft es M&G, das ESG-Rating des Fonds auf Basis der MSCI-Kriterien auf 5,7 zu heben – die Benchmark weist lediglich einen Wert von 3,9 aus.


Der SEB Sustainable High Yield Fund entstand aus der Umbenennung des klassischen SEB High Yield Fund sowie der gleichzeitigen Ausrichtung auf eine Nachhaltigkeitsstrategie im Dezember 2017. ­Zusätzlich wird nun eine direktionale, auf langfristiges Kapitalwachstum ausgelegte Anlagestrategie verfolgt, während beim Vorgängerfonds eine Total-Return-Strategie umgesetzt wurde. Das Anlageuniversum umfasst Unternehmens- und Staatsanleihen aus Europa und den USA mit Bonitäten zwischen „BB“ und „C“. Bei der ESG-Strategie folgt SEB unter anderem den UNPRI (UN Principles for Responsible Investments) und schließt darüber hinaus im Rahmen des vierstufigen Selektionsprozesses Unternehmen aus, die im Aufsuchen und im Abbau von Kohle, Gas und Öl tätig sind. Hinzu kommen weitere Nachhaltigkeitsfilter, die Unternehmen mit mehr als fünf Prozent Umsatzanteil bei Alkohol, Tabak, Pornografie, Waffen etc. aussieben. Aus dem verbleibenden Anlageuniversum gekauft werden vorzugsweise Unternehmen mit ­einem möglichst hohen ESG-Rating bei MSCI. Hinzu kommen Engagement-Bemühungen, um die Unternehmen auf den „richtigen Weg zu bringen“. Aufgrund des großen Fondsvermögens von mehr als 1,3 Milliarden Euro ist eine besonders hohe Diversifikation gewährleistet.


Anhang:

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