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2/2026 | Produkte & Strategien

Unter Druck

Asset Manager müssen in einem hoch kompetitiven ­Marktumfeld ihre verwalteten Vermögen und damit ihre Einnahmen laufend ­steigern, um in einem Umfeld dynamisch steigender Kosten ­weiterhin ­exis­tieren zu können. Das ist zumindest im zweiten ­Halbjahr 2025 den meisten Asset Managern dank gestiegener Märkte und Nettomittelzuflüsse gelungen. Einigen ­Fondshäusern war dieses ­organische Wachstum jedoch zu wenig. Sie gingen in die Offensive, indem sie Mitbewerber respektive deren ­Assets ­under Manage­ment un

Jozef Micic | Adobe Stock

Die Fondsbranche hat ein massives Problem. Obwohl die weltweit verwalteten Vermögen 2025 um elf Prozent auf 147 Billionen US-Dollar gestiegen sind, leiden immer mehr Asset Manager an strukturellen Schwächen, die immer klarer hervortreten. Denn das Erfolgsmodell der vergangenen Jahrzehnte, über starkes Umsatzwachstum und über die damit einhergehenden Skaleneffekte die Gewinne überproportional zu steigern, funktioniert nicht mehr so gut wie früher. Zu diesem kritischen Befund kommt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrem jüngst erschienenen „Global Asset Management Report 2026“. Dieser konstatiert, dass trotz eines Dreifachanstiegs der verwalteten Vermögen seit 2010 die Gewinnmargen der Branche nahezu unverändert geblieben sind und sich weiterhin bei rund 30 Prozent bewegen. Diese Marge schaut nur auf den ersten Blick gut aus und neigt zur Erosion. Denn es gibt laut BCG die paradoxe Entwicklung, dass die Umsätze im genannten Zeitraum zwar um 5,1 Prozent gestiegen sind, die Kosten hingegen mit 5,4 Prozent noch schneller zugelegt haben. Als Gründe dafür nennt BCG beispielsweise sinkende Verwaltungsgebühren, vor allem im institutionellen Geschäft, sowie den margenbelastenden Boom bei ETFs und anderen passiven Produkten.

Vor diesem Hintergrund verlagert sich die Wachstumsdynamik fundamental. Retail­investoren trieben laut BCG bereits 61 Prozent des globalen Assetwachstums zwischen 2020 und 2025 an. Das könnte laut langjährigen Marktbeobachtern auch daran liegen, dass nach dem Ende der Niedrig­zinsära viele institutionelle Inves­toren ihre Rententangente nicht mehr über Fonds abdecken (die abseits des Staatsan­lei­henmarktes im komplexeren und arbeits­aufwendigeren Unternehmensanleihensegment Renditen generieren), sondern aus Kostenersparnisgründen die nunmehr wieder attraktiver verzinsten Staatsanleihen direkt im Portfolio halten.

Während in der Fondsbranche die Einnahmenseite schwächelt, müssen Asset Manager nicht nur höhere Regulierungskosten, sondern vor allem große Investitionen in Technologie, zum Teil bedingt durch das Aufkommen von künstlicher Intelligenz (KI), stemmen. KI verschafft der Fondsbranche aber auch Chancen: BCG schätzt, dass agentenbasierte KI-Systeme die Kosten um 25 bis 35 Prozent senken und die Kundenabdeckung je Relationship Manager um das Drei- bis Fünffache steigern könnten. Im Investmentbereich könnte KI die Research-Abdeckung verdoppeln bis verfünffachen und entsprechenden Personalabbau ermöglichen.
Doch die Fondsbranche hinkt laut BCG auf diesem Gebiet anderen Finanzdienstleistern hinterher. Asset Manager weisen im „KI-Reifegradvergleich“ von BCG niedrigere Werte auf als Banken oder Fintech-Unternehmen. Vor diesem Hintergrund hat die offenbar konservative Fondsbranche respek­tive zahlreiche Vertreter derselben im zweiten Halbjahr 2025 ganz klassisch auf die Übernahme von Mitbewerbern oder zumindest Geschäftsteilen gesetzt, um zu wachsen.

Dies ist vor allem im ersten Cluster des exklusiven Asset-Manager-Rankings von Institutional Money zu sehen, in dem wir alle Vermögensverwalter mit mehr als 100 Milliarden Euro an verwalteten Vermögen auflisten – und zwar aufgeteilt nach den beiden übergeordneten Kundensegmenten „Retail/Wholesale“ (Privatkundengeschäft) und „Institutionelle Kunden“.

Zahlreiche Übernahmen

Ein prominentes Beispiel für M&A-(Mergers & Acquisitions)-Aktivitäten ist das Haus Nomura Asset Management, das dadurch im zweiten Halbjahr seine Assets under Management um 39 Prozent auf 734,5 Milliarden Euro (nach Währungsumrechnung) steigern konnte. Die Japaner übernahmen von Macquarie Asset Management das Vermögensverwaltungsgeschäft für öffentlich gehandelte Papiere (Aktien, Anleihen und entsprechende Multi-Asset-Strategien) in den Regionen Nordamerika und Europa in Höhe von rund 145 Milliarden Euro an verwalteten Geldern für einen Kaufpreis von rund 1,53 Milliarden Euro. Die Australier behielten sich jedoch das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft im Bereich Private Markets sowie jenes für öffentliche Papiere am Heimatmarkt selbst. Durch die Ende November 2025 vollzogene Transaktion verzeichnete Macquarie AM einen Rückgang bei den Assets under Management in Höhe von 21 Prozent und brachte per Ende Dezember „nur“ mehr rund 418 Milliarden Euro an Assets auf die Waage. Wie bei derartigen M&A-Deals üblich, wurde vereinbart, zukünftig bei der Entwicklung neuer Strategien und Produkte sowie beim Vertrieb derselben zusammenzuarbeiten.

MetLife Investment Management, die insti­tutionelle Vermögensverwaltungstochter der US-amerikanischen MetLife, schloss per Ende 2025 die Übernahme von PineBridge Investments ab. Verkäufer war die Pacific Century Group, die sich jedoch das Private-Equity-Geschäft von PineBridge sowie ein Joint Venture in China behielt. Dank der Transaktion konnte MetLife IM ihre verwalteten Assets um 18 Prozent steigern.

Eine Übernahme tätigte ebenfalls die Man Group in Form des US-Hauses Bardin Hill, die damit ihre eigene Private-Credit-Plattform stärken will. Hinzu kam der Einstieg der Man Group in das Geschäft mit aktiven ETFs, um die Schlagzahl im Vertrieb mit wohlhabenden Privatkunden zu erhöhen.

WisdomTree kaufte die auf Farmland spezialisierte US-Investmentboutique Ceres Partners und vollzog damit wie viele andere Asset Manager zuvor den Eintritt in den Bereich Private Markets, um von den dort höheren Wachstumsraten und Gebühren zu profitieren.
Royal London Asset Management, die Tochter der genossenschaftlich organisierten britischen Versicherung Royal London, übernahm die britische Dalmore Capital. Diese verwaltet mehr als sechs Milliarden britische Pfund in Infrastrukturanlagen, die nunmehr dem neuen Eigentümer als Assets under Management zuzurechnen sind. Diese Übernahme trug dazu bei, dass Royal London AM ihr institutionelles Geschäft um 55 Prozent steigern konnte.
Insight Investment übernahm ihrerseits das Wealth-Management-Geschäft von BNY Mellon, was den hohen Zuwachs von 2,2 Milliarden auf 30,4 Milliarden Euro (immerhin 1.270 Prozent) im Teilsegment „Retail/Wholesale“ im Ranking erklärt.

M&A made in Germany

Nicht nur die internationalen „Big Player“ setzen auf Fusionen und Übernahmen, auch die kleineren Häuser, in diesem Fall aus Deutschland, können M&A. Ein Beispiel dafür ist CommerzReal, die einen beachtlichen Zuwachs in Höhe von 59 Prozent meldete. In dieser schon länger am Markt bestehenden Einheit für Sachwerte bündelt die Commerzbank ihre Beteiligungen an Investmentboutiquen wie Yellowfin AM (das im Jahr 2023 ausgelagerte Commerzbank-Asset Management für liquide Assets) oder die nunmehrige 74,9-prozentige Tochter Aquila Capital. Zudem gründete die Commerzbank die Vertriebstochter Commerz Real Capital, die von Thilo Wolf geleitet wird. „Ziel ist es, den Kunden ein breites Spektrum an Produkten anzubieten und so zusätzliche Mandate und Volumina über alle Assetklassen hinweg zu gewinnen“, erklärt Wolf.

Der Zuwachs bei Laiqon beruht größten­teils auf der Übernahme von Assets der MainFirst Affiliated Funds Managers (Deutschland) GmbH und des damit verbundenen Wechsels des betreuenden Fondsmanagerteams zur Laiqon-Gruppe. Insgesamt erwarben die Hamburger 2,1 Milliarden Assets under Management, davon eine Milliarde Euro in vier Publikumsfonds mit langjährigem Track Record und rund 1,1 Milliarden Euro in mehreren Aktien-, Renten- und Multi-Asset-Spezialfonds. Der wirtschaftliche Übergang des Portfolios erfolgte zum 1. August 2025. „Durch die Transaktion wurde das be­ste­hen­de Laiqon-Fondsportfolio im Asset Management um Global-Equities-, Megatrends Asia-, Absolute-Return-Strategien sowie Spezialmandate ergänzt“, erläutert Laiqon-CEO Achim Plate, um anzufügen: „Die Transaktion ist bereits jetzt erfolgreich: Die vom Team verwalteten Assets under Management stiegen zum 15. April 2026 organisch um rund 400 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro.“

Alternative Einflussfaktoren

Nicht alle nennenswerten Vermögensentwicklungen dieses Rankings sind M&A-induziert, manche beruhen auch auf anderen Faktoren. Beispielsweise bei Robeco: Laut Mark den Hollander, Robecos Chief Financial and Risk Officer, sah man hohe institutionelle Nachfrage, die unter anderem in signifikante Zuflüsse in die hauseigenen Quant-Strategien und Indexlösungen mündete. Das sorgte dafür, dass die Assets under Management um 26 Milliarden Euro auf 228 Milliarden Euro stiegen. „Das Gesamtwachstum wurde im Lauf des Jahres zusätzlich durch günsti­ge Marktentwicklungen und eine starke Vertriebsdynamik gestützt“, ergänzt der Robeco-Mann.

Mit Nordea Asset Management konnte ein weiterer skandinavischer Vermögensverwalter seine Assets steigern, insbesondere im institutionellen Geschäft. Dazu beigetragen haben diverse angebotene „Beta-Plus“-Strategien. So wählte beispielsweise der Government Pension Investment Fund of Japan (GPIF), einer der weltweit größten institutionellen Investoren, Nordea AMs Strategie Beta Plus Enhanced Global ex-Japan Equity für die eigene globale Aktienallokation. In Summe sind mittler­weile mehr als 80 Milliarden Euro in der Beta-Plus-Enhanced-Familie von Nordea AM angelegt. Laut Nordea AM sind diese Strategien mit geringem Tracking Error und konsistenter Alpha-Generierung eine aktive Alternative zu passiven Anlagen und darauf ausgelegt, möglichst zuverlässig Überrenditen bei begrenztem aktivem Risiko zu erzielen. An diesem Ansatz, kombiniert mit Nachhaltigkeit, wollten viele Investoren auch über ETFs teilhaben. So entwickelte sich letztes Jahr der BetaPlus Enhanced Global Sustainable Equity UCITS ETF nur wenige Monate nach seiner Auflage zum größten nachhaltig ausgerichteten und aktiv gemanagten ETF in Europa.

AQR bewies ein gutes Händchen bei ihren Hedgefondsstrategien, die einerseits gut performten und andererseits Anleger zum Einstieg bewogen. Im Ergebnis konnten die Amerikaner ihre in Hedgefonds verwalteten Gelder vergangenes Jahr um fast 90 Prozent steigern und sind nun die größte Hedgefondsgesellschaft der Welt, noch vor dem ehemaligen Platzhirschen ­Bridgewater Associates.

Der Zuwachs von Universal-Investment ist erklärbar mit dem Einstieg in das Geschäft mit aktiven ETFs, einem stärkeren Fokus auf Alternative Investments und Private Markets wie auch der weiteren internationalen Expansion, insbesondere nach Asien.
Bei anderen Asset Managern lief es im zweiten Halbjahr 2025 weniger optimal.

Die Pariser Investmentboutique Comgest, die bei Institutionellen für ihren Fokus auf „Quality Growth“-Aktien bekannt ist, erlitt gegen den Branchentrend im zweiten Halbjahr Mittelabflüsse. „Investieren in Qualitätswachstumsaktien war zuletzt bei Anlegern nicht gefragt, da ihre Aufmerksamkeit oftmals kurzfristig ausgerichtet war und sich dabei auch auf eine enge Auswahl valuegetriebener Themen wie Verteidigung und Banken konzentriert hat“, erläutert Thorben Pollitaras, Managing Director bei Comgest Deutschland, auf Anfrage von Institutional Money. Er betont: „Im Gegensatz dazu verzeichnen unsere Portfoliounternehmen weiterhin ein robustes Gewinnwachstum, gestützt durch starke Wettbewerbsvorteile, solide Bilanzen und nachhaltige Preissetzungsmacht. Diese ­Fundamentaldaten spiegeln sich jedoch nicht vollständig in den aktuellen Marktbewertungen wider.“

Größere Bewegungen

Im dritten Cluster dieses Rankings, in dem alle Asset Manager zwischen einer und zehn Milliarden Euro vertreten sind, fallen die prozentualen Bewegungen aufgrund des Basiseffekts in der Regel deutlicher aus als bei den großen Fondsgesellschaften. Bei diesen kleineren Investmentboutiquen kann jedes größere institutionelle Mandat für die weitere Firmenentwicklung entscheidend sein. Ein Beispiel dafür ist Global Property Executive Partners (GPEP). Der ursprünglich auf Lebensmittelmärkte und Fachmarktzentren spezialisierte Asset Manager konnte durch Immobilienakquisitionen und neue Managementmandate seine Assets under Management von 2,3 auf 3,2 Milliarden Euro steigern. Davon entfallen GPEP zufolge rund 2,1 Milliarden Euro auf Handelsimmobilien für institutionelle Sondervermögen und weitere 1,1 Milliarden Euro auf Asset-Management-Mandate in den Segmenten Handel und Wohnen. Laut Jörn Burghardt, Geschäftsführer von GPEP, konnte man sich 2025 erstmals im Wohnsegment positionieren und gleichzeitig das Kerngeschäft im Investmentmanagement mit Nahversorgungsimmobilien weiter ausbauen.
Auf das Potenzial von Sachwerten setzt auch die Quadoro-Gruppe, die erstmals im Ranking vertreten ist. Hintergrund ist ein Management- und Mitarbeiter-Buy-out und die damit einhergehende Abspaltung von der ehemaligen Mutter Doric. Die

Quadoro-Unternehmensgruppe setzt nun als unabhängiger, mitarbeitergeführter Investmentmanager und Asset Manager weiterhin ihren Fokus auf Sachwertinvestitionen in den Bereichen Immobilien und erneuerbare Energien.

Derzeit verwaltet Quadoro ein Port­­folio von mehr als 50 Energieinfrastruk­turanlagen sowie ein diversifiziertes Immobilienport­folio.

„Das Management- und Mit­ar­beiter-Buy-out wurde von unseren Investoren sehr positiv aufgenommen“, betont Michael Denk, Geschäftsführer von Quadoro Investment. Die neue Eigentümerstruktur werde von den Anlegern als konsequenter Schritt wahrgenommen, der Kontinuität, klare Verantwortlichkeiten und die langfristige Entscheidungsfähigkeit stärkt. „Unser Fokus liegt weiterhin auf der stabilen Weiterentwicklung bestehender Fonds- und Mandatsstrukturen. Wachstum verstehen wir nicht als Selbstzweck, sondern als Ergebnis langfristiger Partnerschaften und verlässlicher Strukturen.“

KI – gekommen, um zu bleiben

Für „größere Bewegung“ sorgt ­derzeit die weltweite Ausrollung von Anwendungen mit KI. Der damit einhergehende Boom bei den „Hyperscalern“ sowie deren ­Ausrüstern kam BIT Capital zugute, wie der Asset-Anstieg in Höhe von 48 Prozent beweist. So investierte der Fonds BIT Global Technology Leaders schon früh in KI-Profiteure beziehungsweise Anbieter von entsprechender Infrastruktur, Speicher- oder Rechenleistung. Auf Gesamtjahressicht kam der Fonds auf mehr als 34 Prozent und lag damit deutlich vor dem Nasdaq 100.

„Diese Zahlen haben insbesondere institutionelle Investoren überzeugt“, erklärt Marcel Oldenkott, Co-CIO und ­Managing Director von BIT Capital mit Blick auf den 64-prozentigen Zuwachs im Segment „Insti­tutionelle“. „Entscheidend war nicht ein neues Produkt, sondern die Kombination aus klarer Investmentthese, hoher KI- und datengestützter Analysegeschwindigkeit, konsequentem Risikomanagement und bewertungssensitiver Portfoliosteuerung“, hält Oldenkott fest.

Ebenfalls auf KI setzt die wie BIT ­Capital aus Berlin kommende Ultramarin, die als einer der hiesigen Pioniere auf dem Gebiet KI-basiertes Portfoliomanagement gilt. So nutzt das Hauptstadtunternehmen Maschine Learning, um ganzheitliche Bewertungsmodelle für die Aktienselektion aufzubauen.

Diese Modelle integrieren eine breite Palette ökonomisch fundierter Merkmale aus unterschiedlichen Datensätzen und ver­schiedenen Bewertungsschulen einschließlich der Fundamentalanalyse und Erkenntnissen aus der ­Verhaltensökonomie. „2025 war das Jahr, in dem unser Ansatz den Schritt vom ‚Proof of Concept‘ zum ‚Proof of Work‘ vollzogen und bewiesen hat, dass KI-gestütztes Asset Management in der Praxis verlässliche Ergebnisse liefert“, blickt Julien Jensen, Managing Director & Head of Quantitative Strategies bei Ultra­marin, zurück. Im Ergebnis ­stockten institutionelle Investoren ihre Mandate auf beziehungsweise kamen neue Mandate hinzu. So gewann Ultramarin beispielswei­­se ein Overlay-Management-Mandat im Bereich der taktischen Aktienquotensteue­rung. Zudem hat das Unternehmen gemeinsam mit einem Versicherungspart­ner einen neuen Publikumsfonds aufgesetzt.

Jensen beobachtet als einen wesentlichen Wachstumsfaktor eine veränderte Risikowahrnehmung institutioneller Investoren. „KI ist kein Trend, sie ist eine strukturelle Veränderung der Marktlogik“, sagt Jensen. „Die abwartende Haltung vieler Investoren weicht zunehmend der Erkenntnis, dass die Opportunitätskosten des Zögerns steigen. Wer den Anschluss an diese technologische Transformation verpasst, riskiert langfristig Nachteile bei der Alpha-Generierung.“

Contrarian obenauf

Den stärksten Anstieg aller Asset Manager erzielte diesmal die 2013 gegründete Taunus Trust. Die Bad Homburger steiger­ten ihre Assets um 84 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Einen großen Anteil am Erfolg respektive am verwalteten Vermögen hat der zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro schwere Huber Portfolio SICAV. Der von Altmeister Peter E. Huber verwalte­te Multi-Asset-Fonds musste aufgrund zu hoher Zuflüsse per Ende Juni dieses Jahres ein Hard Closing ankündigen. Taunus Trust-Vorstandsmitglied Andreas Syguda nennt als ersten grundlegenden Erfolgsfaktor die hohe Investorennachfrage nach Contrarian-Strategien abseits überlaufener Investments. „Zweitens sehen wir ein wachsendes Vertrauen unserer institutionellen Partner in unsere langjährige Expertise im Multi-Asset-Management“, ergänzt Syguda.

Ebenfalls positiv entwickelten sich die Assets von Medical Strategy. Verantwortlich dafür war die gute Performance von Biotechnologieaktien, die von Investoren wiederentdeckt werden. Da BioTech trotz steigender Preissetzungsmacht zumindest bislang nur wenig von politischen Risiken betroffen ist und ein neuer M&A-Zyklus an Schwung gewinnt, ist Thomas Vorlicky, Geschäftsführer bei Medical Strategy, optimistisch gestimmt: „Für langfristig orientierte insti­tutionelle Investoren ergibt sich daraus ein seltenes Set-up: strukturelles Wachstum, verbesserte Kapitalmarktzugänge und gleichzeitig ein Bewertungsniveau, das diese Dynamik noch nicht vollständig reflektiert.“

Eine Milliarde im Visier

Im vierten Cluster, der alle Asset ­Manager zwischen zweihundert Millionen Euro und einer Milliarde Euro umfasst, sticht der Zuwachs von ARK Invest Europe ins Auge. Der starke prozentuelle Anstieg dieser Gesellschaft in Höhe von 55 Prozent ist nicht nur dem Basiseffekt geschuldet. Maßgeblich waren starke Inflows in aktiv verwaltete Aktien-ETFs, die Anlegern Zugang zu Themen wie KI, Robotik oder Rüstung gewähren. Hinzu kam der Market Impact in Form steigender Kurse in diesen Segmenten.

Laut Florian Berberich, Head of DACH bei ARK Invest Europe, unterstreicht die eigene Asset-Entwicklung das zunehmende Interesse europäischer Investoren an disruptiven Innovationsthemen. „Besonders institutionelle Kunden in Deutschland suchen gezielt nach differenzierten Wachstumsstrategien, die über traditionelle Benchmarks hinausgehen. Durch unseren lokalen Ansatz und enge Kundenbeziehungen konnten wir diese Nachfrage erfolgreich adressieren. Wir sehen weiterhin erhebliches Potenzial, unsere Marktposition in Europa weiter auszubauen.“

Einen Zuwachs von 35 Prozent meldete die rein auf institutionelle Investoren spezialisierte BlueBalance Capital. Die unabhängige und eigentümergeführte Investmentboutique aus Wien nutzt über mehrere Strategien Verwerfungen oder Bewertungsunterschiede (Relative Value) an den Derivatemärkten aus. „Unser ,Curve Trading‘-Ansatz überzeugt insbesondere durch die Kombination aus konsistenter Performance und einem klar defensiven Risikoprofil. Dazu zählen eine geringe Volatilität, ein sehr niedriges Beta zu Aktien sowie kaum ausgeprägte Drawdowns“, erklärt Gründungspartner Michael Schuelli, um zu ergänzen: „Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist die hohe Konstanz der Strategie, die im Jahr 2025 elf ­positive Monate verzeichnen konnte. Diese Stabi­lität ist ein zentrales Merkmal unseres Relative-Value-Ansatzes und wird von Investoren zunehmend geschätzt.“

Rückschlag

Den in Prozentpunkten größten Rückgang aller beobachteten Asset Manager in Höhe von 44 Prozent verzeichnete dieses Mal fair-finance Asset Management mit Sitz in Malta. Dafür sind Entwicklungen auf Ebene der österreichischen Mutter verantwortlich: Die Mutter fair-finance Vorsorgekasse wurde Mitte 2025 von der Bonus-Gruppe übernommen und in den Konzern eingegliedert. In der Folge kam es zu sukzessiven Anpassungen des Vorsorgekassenportfolios an die Strategie der Bonus-Gruppe. „Wir erwarten nun, dass die Portfolioanpassung der Bonus abgeschlossen ist, und freuen uns auf Zuwächse in jenen Assetklassen und fair-finance-Fonds, die mit ausgezeichneter Performance und nachweislichem Impact punkten können. Das sind die Assetklassen Immobilien, Bonds, Mikrofinanz und Privat Equity“, erklärt Johannes Puhr, CEO der fair-finance AM. Knapp, aber doch, schaffte es die RP Rheinische Portfolio Management, sich trotz eines Minus von elf Prozent über der für die Aufnahme in dieses Ranking erforder­lichen 200-Millionen-Euro-Grenze zu halten und den Abstieg zu vermeiden. Während das Privatgeschäft nach einem starken Jahresauftakt im zweiten Halbjahr relativ stabil blieb, mussten die Kölner den Verlust eines langjährigen institutionellen Mandats verkraften. Der geschäftsführende Gesellschafter Christian Roch sieht dennoch positiv in die Zukunft: „Wir erwarten für 2026 wieder ein signifikantes Wachstum der Assets.“

Anton Altendorfer

Die dynamischsten Asset Manager
Auffallend hohe relative Zuwächse und Rückgänge im zweiten Halbjahr 2025

An der Spitze des Spezial-Rankings, das die dynamischsten Asset Manager abbildet, steht Taunus Trust. Die deutsche Investmentboutique konnte ihre Assets under Management im zweiten Halbjahr 2025 von 980 Millionen Euro um 84 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro per Ende Dezember steigern. Triebfaktor war vor allem die starke Nachfrage nach antizyklischen Investments, insbesondere für den von Peter E. Huber verwalteten vermögensverwaltenden Multi-Asset-Fonds Huber Portfolio SICAV, der aufgrund eines Volumens von nunmehr 1,3 Milliarden Euro Ende Juni 2026 ein Hard Closing vornehmen wird. „In einem Marktumfeld, das von vielen Akteuren als zunehmend überhitzt wahrgenommen wurde, suchen Investoren gezielt nach Ansätzen, die nicht dem Herdentrieb folgen, sondern Opportunitäten dort identifizieren, wo der Konsens zögert“, erklärt das für das Portfoliomanagement zuständige Vorstandsmitglied Andreas Syguda gegenüber Institutional Money.

Das zweithöchste Wachstum in Höhe von 59 Prozent meldete die Commerz Real. Diese umfasst organisatorisch nicht mehr nur das bereits bestehende und bewährte Sachwertegeschäft, sondern entwickelt sich darüber hinaus im Commerzbank-Konzern zum Dach für Investmentbouti­quen. Dazu gehören unter anderem Yellowfin AM und Aquila Capital, deren Anteile seit 2024 zu rund 75 Prozent bei der Commerzbank liegen.

Themenfonds boomen

Hinter dem 55-Prozent-Zuwachs von ARK Invest stehen eine gute Performance sowie die damit einhergehende zunehmende Nachfrage nach aktiv gemanagten thematischen ETFs. „Die zweite Jahreshälfte 2025 war geprägt von einer starken Performance ­wachstumsorientierter und disruptiver Technologiesektoren. Insbesondere Innovationsthemen wie KI, Robotik und Genomics haben deutlich an Dynamik gewonnen, wovon unsere Strategien überproportional profitieren konnten“, erläutert Florian Berberich, Head of DACH bei ARK Invest Europe.

Die bei Technologieaktien zu beobachten­den Kapitalströme und Kursgewinne spielten des Weiteren BIT Capital in die ­Hände. „Wir haben früh auf jene ­Bereiche gesetzt, in denen sich künstliche Intelligenz bereits in messbarem Wachstum niederschlägt: KI-Infrastruktur, Speicher, Rechenleistung etc.“, nennt Marcel Oldenkott, Co-CIO und Managing Director bei BIT Capital, die wichtigsten Gründe dafür, dass der hauseigene Fonds BIT Global Technology Leaders Indizes wie den Nasdaq 100 und MSCI World Information Technology klar outperformt hat und damit zum 48-prozentigen Asset-Anstieg des Berliner Unternehmens beitrugen konnte.
Knapp hinter BIT Capital mit 46 Prozent Zuwachs liegt die ebenfalls in Berlin beheimatete Ultramarin. Die zu den Pionieren im Bereich KI-basiertes Portfoliomanagement zählende Firma ging einerseits mit neuen Strategien und Produktlösungen an den Markt und freute sich über Mittelzuflüsse ­bestehender, aber auch neuer Kunden. „Unser Wachstum speist sich aus neu gewonnenen Mandaten, zusätzlichen Kapitalzusagen bestehender Investoren sowie einer überzeugenden Live-Performance“, fasst Julien Jensen, Managing Director & Head of Quantitative Strategies bei Ultramarin, die wichtigsten Erfolgsfaktoren zusammen.

Nicht nur das Thema KI bewegte 2025 die Anleger, sondern auch die Investment­themen Edelmetalle, seltene Erden und Uran. Die damit einhergehende ­Rallye sorgte im Ergebnis bei der auf Rohstoff­aktien spezialisierten Sprott AM für einen Anstieg der verwalteten ­Vermögen. Das Comeback des Biotechnologiesektors im zweiten Halbjahr führte über steigen­de Aktienkurse und neue Inflows bei ­Medical Strategy zu höheren Assets under Management.

Fusionen und Übernahmen

Weniger Themeninvestments, sondern vor allem eine klassische Übernahme löste bei Laiqon einen deutlichen Zuwachs beim verwalteten Vermögen aus. Per Anfang August 2025 übernahmen die Hamburger die Assets in Höhe von 2,1 Milliarden Euro sowie das betreuende Fondsmanagerteam von MainFirst Affiliated Funds Managers Deutschland.

Wesentlich mehr Assets als Laiqon übernahm Nomura AM: 254 Milliarden austra­lische US-Dollar (144,7 Mrd. Euro). Die Japaner kauften Macquarie AM das nordamerikanische und europäische Vermögensverwaltungsgeschäft für öffentlich gehandelte Wertpapiere ab und ­erhöhten damit ihre Assets um 39 Prozent auf gesamt 734 Milliarden Euro. Infolge verzeichnete Macquarie AM einen starken Rückgang (–21 %) beim verwalteten Vermögen. Auch für den Rückgang in Höhe von 41 Prozent bei fair-finance Asset Management ist eine Übernahme verantwortlich: Die Bonus-Gruppe übernahm die fair-finance Vorsorgekasse und verlagerte in der Folge die von der Ex-Tochter fair-finance AM gemanagten Gelder in das eigene Haus.

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