Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
2/2018 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

Überzeugungstäter

Eine von Invesco ETF, ehemals „Invesco PowerShares“, durchgeführte Umfrage unter Investoren ging der Frage nach, aus welchen Gründen Großanleger Smart-Beta-Strategien in der Praxis einsetzen.

1529403484_teaserbild13.jpg

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Invesco-ETF-Umfrage unter institutionellen Investoren besteht darin, dass sich deren Motive für den Einsatz von Smart-Beta-Konzepten in Abhängigkeit von ihrem Know-how im Umgang mit diesem Konzept ändern.

Foto: © Invesco ETF, Olly | stock.adobe.com

Das Thema Smart Beta kommt langsam in die Jahre, und damit wächst auch die Zahl der kritischen Stimmen zu Faktorinvestments. Morningstar warnte jüngst ebenso vor übertriebenen Hoffnungen wie Flossbach von Storch Research. Auch der frühere Bridgewater-Mitarbeiter Maneesh Shanbhag, Gründer von Greenline Partners, sieht in herkömmlichen Smart-Beta-Ansätzen beträchtliche Schwächen. Mike Paul, Head of Invesco ­ETF (Power­Shares) EMEA, meinte anlässlich der Veröffentlichung einer Studie zu diesem Thema ­allerdings relativierend: „Smart Beta ist sicher kein Allheilmittel, hat aber das ­Potenzial, im Fall tiefer Renditen bei der Suche nach Ertragsquellen helfen zu können.“ Man darf davon ausgehen, dass auch viele institutionelle Anleger die ­Kritikpunkte zu Faktorinvestments kennen. Dass sie die Idee dennoch nicht verwerfen, liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihr kei­neswegs blauäugig anhängen. Diesen Schluss legt jedenfalls einen von Invesco ETF durchgeführte Investoren­be­­fragung mit dem Titel „European In­ves­tor Research 2017: Smart Beta Strategies – More Bricks For Portfolio Building“ nahe. 435 professionelle Marktteilnehmer aus sechs europäischen Ländern lieferten dafür ihre Einschätzungen zu dem Thema. Neben dem Aussenden der ­üblichen Fragebögen wurden dazu auch vertiefende Einzelinterviews geführt, was der Untersuchung zusätzliches Gewicht verleiht.


Vergrößert wird die Aussagekraft der Erhebung durch die Tatsache, dass rund 80 Prozent der Befragten laut Eigenangabe  bereits in Smart-Beta-Konzepte investiert sind oder sich schon längere Zeit mit dem Thema Smart Beta beschäftigen.


Die Bandbreite der Motive der Anleger ist weitreichend, zeigt aber doch Schwerpunkte. „Die Bedürfnisse von Investoren werden immer unterschiedlicher. Daher setzen Investoren aus verschiedensten Gründen auf Smart-Beta-Strategien“, erklärt ­Sascha Specketer dazu. Der Invesco-ETF-Länderchef für Deutschland, Österreich und Osteuropa sieht als wesentlichen Treiber für den Smart-Beta-Einsatz den Wunsch vieler Anleger, Faktoren wie Value, Momentum, Quality, Low Volatility etc. besser zu kontrollieren. 72 Prozent aller Umfrageteilnehmer nannten dies als Motiv für den Einsatz von Smart-Beta-Strategien.
Bei genauerer Nachfrage zeigt sich, dass die Smart-Beta-Idee derzeit noch das Vertrauen vieler Anleger genießt. Die von den Teilnehmern am häufigsten gewählte Antwortmöglichkeit auf die Frage, warum sie auf Smart Beta setzen, lautet: „Überzeugt von der Strategie“ (48 Prozent). Als zweites konkretes Kaufmotiv förderte die Umfrage den Investorenwunsch nach einer breiteren Diversifikation zutage. Die Anleger hoffen, mithilfe bestimmter Faktoraffekte der Assetkorrelation entgegenzuwirken. Immerhin ein Drittel der Anleger interessieren sich für Smart-Beta-Pro­dukte, weil sie mit bisher verwendeten Ansätzen nicht zufrieden sind. Sie kreuzten die Antwortmöglichkeit „Enttäuschende Renditen des aktiven Fondsmanagements“ an. Fast ebenso viele versprechen sich von Smart Beta eine „größere Kontrolle über das Portfolio-Exposure“. Eine vergleichsweise geringe Rolle spielen gemäß dieser Umfrage hingegen die Kosten, nur etwa ein Viertel der Teilnehmer sieht hierin eine Stärke des Konzepts.


Invesco ETF wollte von den Teilnehmern auch wissen, wie gut sie sich mit der Thematik auskennen, und dabei zeigt sich, dass mit steigendem Kenntnisstand die Bedeutung der eigenen „Überzeugung“ bei der Entscheidungsfindung zunimmt, während das ­Bedürfnis nach Diversifikation tendenziell abnimmt (siehe Grafik „Gut informierte ­In­ves­toren kaufen aus Überzeugung“). Das hat entscheidende Auswirkungen auf die Portfolios. Denn ein höheres Smart-­Beta-Fachwissen führt nach Einschätzung des ETF-Anbieters im Lauf der Zeit dazu, dass Investoren immer „sophistiziertere“ Invest­mentansätze verfolgen und dabei peu à peu von einer klassischen anlagebasierten Allokation in Richtung einer risikofaktorbasierten Allokation gehen.  


Eine Allokation auf Basis von Risikoprämien bringt jedenfalls Bewegung in die Portfolios von mehr als der Hälfte der ­Um­­frageteilnehmer: Immerhin 60 Prozent der Befragten gaben an, zwischen den Faktoren zu rotieren. Die übrigen 40 Prozent erklärten ihre „Anlagepolitik der ruhigen Hand“ damit, dass sie Smart Beta als Teil einer Buy-and-Hold-Strategie einsetzten.   Vielfach ist aber auch die Präfe­renz für Multi-Faktor-Ansätze (28 %) der Grund dafür, nicht selber zwischen den einzelnen Faktoren zu rotieren.


Faktorennachfrage im Fluss
Investoren, die einzelne Smart-Beta-Strategien abbilden, fragen Klas­siker wie Low-Volatility- oder Dividendenstrategien am stärksten nach. Specketer interpretiert dies so: „Institutionelle Investoren nutzen Smart-Beta-Strategien zur Erreichung bestimmter Anlageziele, beispielsweise um über Low-Vola-Ansätze Risiken zu reduzieren oder um über Dividendenstrategien höhere Aus­schüttungen zu erhalten.“ Im Vergleich zu den Vorjahresumfragen haben in der 2017er-Studie Smart-Beta-Ansätze auf ­Basis von „Momentum“, „Quality“ und „Multi-Faktor“ stark an Investoreninteresse gewonnen (siehe Grafik „Derzeit beliebte Smart-Beta-Strategien“).


Das gestiegene Interesse an den drei zuletzt genannten Smart-Beta-Strategien hat mehrere gute Gründe, die offensichtlich dem derzeitigen Marktumfeld geschuldet sind: Bei „Momentum“ hoffen bereits engagierte Smart-Beta-Investoren einerseits auf hohes Marktbeta und zusätzlich auf das Alpha-Potenzial der zuletzt gut gelau­fenen spätzyklischen Aktien, die am Ende eines wirtschaftlichen Aufschwungs noch einmal kurstechnisch und vom Momentum getrieben nach oben durchstarten sollten.


Bei „Quality“ haben Investoren offenbar eine gegenteilige, pessimistischere Marktmeinung als die Proponenten von Momentum-Strategien und setzen auf Sicherheit: Denn bei Quality-Smart-Beta-Strategien wollen Anleger im Endergebnis über eine vorteilhaftere Diversifikation sowie niedrigere Volatilitäten eine Risikoreduktion erreichen. Eine Notiz am Rande: Ein vergleichbares Ergebnis (niedrige Volatilität, Risikoreduktion) würden Investoren auch über die Smart-Beta-Strategie „Low Volatility“ erzielen, wie der Grafik „Erwünschtes Ergebnis und geeignete Strategie“ zu entnehmen ist, die auch die zeitlichen Veränderungen im Vergleich zur Vorjahresstudie zeigt.


Bei den ebenfalls zuletzt stärker in den Mittelpunkt des Interesses geratenen „Multi-Faktor-Strategien“ erhoffen sich Investoren zum einen Vorteile bei der Diversifikation und zum anderen kostengünstiges Alpha.


Implementierung
Invesco ETF hat die Investoren auch nach ihrer Herangehensweise bei der Implementierung von Smart-Beta-Strategien in ihr Gesamtportfolio interviewt. Dabei stellt sich die entscheidende Frage, ob Investoren Smart-Beta-Strategien inhouse entwickeln oder auf die Dienste beziehungsweise Produkte eines externen Asset Managers setzen. Da Smart-Beta-Ansätze von Investoren in der praktischen Umsetzung vielfach noch immer als „komplex“ erachtet werden, überrascht es nicht, dass auf europäischer Ebene im Durchschnitt nur zwölf Prozent der Investoren ausschließlich auf das hauseigene Know-how setzen. 48 Prozent der Smart-Beta-Investoren vertrauen auf extern konzipierte Smart-Beta-Strategien, und immerhin 40 Prozent setzen auf eine Kombination von intern aufgesetzten und extern zugekauften Smart-Beta-Ansätzen.  Zu den Vorreitern, was die hausinterne Expertise und Konzeption bei Smart-Beta-Strategien anbelangt, gehören im europäischen Vergleich Länder wie Frankreich (21 %), Großbritannien (17 %), und die Niederlande (14 %). Das ist vor dem Hintergrund der dort wesentlich risikofreudigeren Pensionskassenlandschaft ein Ergebnis, das zu erwarten war. Zu den Schlusslichtern betreffend die hauseigene Umsetzung von Smart-Beta-Strategien gehören Italien (7 %) und fast schon erwartungsgemäß das noch immer Rentenpapieren verbundene Deutsch­land (5 %), die lieber auf die Expertise von Drittanbietern setzen.


Zum Thema Implementierung wurde in der Umfrage darüber hinaus erhoben, woher Investoren die Gelder für neu eingegangene Smart-Beta-Engagements nehmen. 59 Prozent aller Smart-Beta-Investoren ziehen dafür Gelder vom aktiv verwalteten Teil des Portfolios ab. 29 Prozent schichten innerhalb der passiven Portfoliotangente um, und zwölf Prozent verwenden frisch eingesammelte Gelder für die Aufstockung ihrer Smart-Beta-Gewichtung.
Investoren hätten im Bereich Fixed In­come gern eine größere Auswahl an Smart-Beta-Strategien. „Ich habe über verschiedene Strategien im Anleihenbereich gelesen, aber ich habe keine Investmentprodukte ­gefunden“, zitiert Invesco ETF ­einen namentlich nicht genannt werden wollenden deutschen Großanleger. Der Marktteilnehmer ist dabei keine Minderheit: Mehr als die Hälfte aller institutionellen ­Investoren würden Smart-Beta-Strategien auch bei Renten einsetzen. Bevorzugt bei Corporate Bonds (63 %) und High Yield Bonds (60 %), gefolgt von Schwellenländeranleihen (55 %). Bei Staatsanleihen können sich ­lediglich 53 Prozent für Smart Beta ­erwärmen, was wohl daran liegt, dass ­Institutionelle diese wenig arbeitsaufwendigen Papiere aus Kostengründen tra­ditionell lieber im Direktbestand halten und sich vorwiegend auf das Durationsmanagement beschränken.


Das unzureichende Smart-Beta-Produktangebot bei Renten, aber auch die Tatsache, dass Investoren bei Faktorinvestments zuallererst an Aktien und nicht an Renten denken, zeigt sich folgerichtig auch in einem Ranking, für dessen Erstellung investierte Smart-Beta-Anleger nach ihrer „beliebtesten Assetklasse“ gefragt wurden. Die am meisten genannten Assetklassen bei der derzeitigen Umsetzung von Smart-Beta-Strategien sind „Europäische Aktien“, vor „US-Large-Caps“ und „heimischen Aktien“. Am Ende des Rankings der tatsächlich im Portfolio befindlichen Smart-Beta-Strategien liegen derzeit Fixed-Income-Segmente wie Staats-, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen.


Tendenziell sehr zufrieden
Auch wenn eine Umfrage unter überwiegend investierten Smart-Beta-Anlegern bei der Frage nach der „Zufriedenheit“ tendenziell ein positives Feedback erwarten lässt, überrascht bei der Erhebung von Invesco ETF doch der Grad der geäußerten Zufriedenheit mit Smart Beta. Beachtliche 97 Prozent gaben an, dass Smart Beta die eigenen Erwartungen erfüllt oder über­erfüllt. Erwähnenswert sind auch jene 81 Prozent, die 2017 Smart-Beta-Strategien ­anderen Inves­toren empfohlen haben. Interessant ist da­rüber hinaus, dass drei Viertel der Nutzer ­ihre Smart-Beta-Allokation in den kommenden drei Jahren erhöhen wollen. Das hat Auswirkungen auf die Portfolios: Laut Umfrage haben Investoren Smart-Beta-­Strategien zuletzt mit durchschnittlich 13 Prozent gewichtet. Bis zum Jahr 2020 soll die Gewichtung auf 23 Prozent steigen. „Die Nutzer von Smart Beta sind zwar sehr zufrieden mit ihren Anlageerfahrungen im Smart-Beta-Bereich und beabsichtigen, ihre Allokationen in Zukunft noch zu erhöhen. Sie haben aber auch hohe Erwartungen“, ­resümiert Paul. Damit diese Erwartungen nicht enttäuscht würden, müsse laut dem ­Invesco-ETF-Mann mehr Aufmerksamkeit auf die weitere Ausbildung, stetige Produktinnovationen und – insbesondere im Bereich der festverzinslichen Anlagen – den Aufbau von Partnerschaften mit Fondsanbietern gerichtet werden. „Smart Beta war einer der maßgeblichen Markttrends des letzten Jahrzehnts. Wir glauben daher, dass Smart-Beta-Strategien eine immer wichti­gere Rolle spielen werden, damit Investoren die Ergebnisse erzielen, die sie anstreben. Wenn der Markt der beste Maßstab für ­Produktqualität ist, ist klar, dass Smart Beta in der Zukunft des ­europäischen Asset ­Managements eine ­immer zentralere Rolle spielen wird.“   


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen