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1/2020 | Produkte & Strategien
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Überschätzte Familien?

Vor der Finanzkrise wurden etliche Fonds aufgelegt, die sich auf familiengeführte Unternehmen ­konzentrieren wollten, weil man deren Managern besondere Qualitäten zusprach. Ein Rückblick zeigt, dass die Grundannahmen des Konzepts teilweise doch zu simpel waren.

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Familiengeführte Unternehmen unterscheiden sich grundsätzlich von Konzernen, die von angestellten Managern geleitet werden – hier wird nicht in Quartalen gedacht und agiert, sondern in Generationen. Fonds, die in diese Firmen investieren, könnten daher langfristig outperformen. Dass das nicht so einfach ist, wie es sich anhört, zeigt ein Überblick über Fonds, die es versuchen.

© GS&P, BOJAN | STOCK.ADOBE.COM

Eine aktuelle Studie von UBS und PwC zeigt, dass von Milliardären kontrollierte Aktiengesellschaften den MSCI World All Country Index über die letzten 15 Jahre hinweg um 870 Basispunkte pro Jahr geschlagen haben (siehe Artikel Seite 202). Da drängt sich die Frage auf, wie familiengeführte Unternehmen relativ dazu abschneiden. Unterstellt man, dass die Outperformance von Zuckerberg, Bezos und Co. auch damit zu tun hat, dass sie die Eigentümer ­ihrer AGs sind, liegt die Annahme nahe, dass familiengeführte Firmen generell besser laufen als der Markt. Ältere Marktteilnehmer werden sich auch daran erinnern, dass diese „Anlageidee“ vor etwas mehr als einem Jahrzehnt von einigen ­Investmenthäusern auch in Fonds verpackt und vermarktet wurde. Es liegen also ausreichend lange Zeitreihen vor, um zu prüfen, ob das funktioniert. Ein erster Blick zeigt jedoch: Ganz so einfach ist die Sache leider nicht. So laufen etwa Wachstumswerte – von kurzen Unterbrechungen einmal abgesehen – seit zehn Jahren besser als „Value-An­sätze“. Auch der Small-Cap-Effekt will sich angesichts des disruptiven Wandels, der Large Caps wie Amazon bevorzugt, nicht mehr regel­mäßig einstellen.

Familienunternehmen, die durch ihre konservative Ausrichtung, geringeren Leverage und Beständigkeit punkten, unterlagen auch 2019 ­einem strukturellen Wandel. In vielen Familienunternehmen – etwa bei Fielmann und Sixt – wird die Gründergeneration gerade schrittweise von der nächsten Generation abgelöst – und das geht nicht immer ohne Friktionen ab. Man ist der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen, bevorzugt den Online- gegenüber dem stationären Handel, will in die Herausforderungen der Zukunft wie künstliche Intelligenz investieren und vielleicht erst einmal viel Geld in die Hand nehmen, wodurch die Gewinne zumindest temporär gedrückt werden. Dazu kommt, wie Christoph Schlienkamp, der kürzlich bei der GS&P KAG im Luxemburg anheuerte, ausführt, dass das klassische Nachfolgemodell, wonach ein Familienmitglied die alleinige Verantwortung in der Geschäftsführung übernimmt, an Bedeutung verliert. Um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, nähmen die Nachfolger kulturelle Unterschiede zwischen Start-ups und Familienunternehmen bewusst in Kauf. In diesem Spannungsverhältnis sind Familienunternehmen besonders gefordert, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dazu kommen disruptive Elemente in Branchen wie in der Automobilindustrie, wo nicht nur die Hersteller selbst, sondern auch die Zulieferer, unter denen sich viele familiengeführten Unternehmen befinden, vor Herausforderungen sind. Alles in allem also nicht mehr das stabile Umfeld früherer Zeiten, in denen der Wandel langsam vor sich ging und Familien die nötigen Vorkehrungen problemlos treffen konnten. Damit ist auch nicht mehr sicher, dass das Thema „Familiengeführte Unternehmen“ eine sichere Bank im Hinblick auf eine Outperformance des breiten Marktes darstellt.

Eines der Urgesteine war der von Friedrich Diel durchgängig gemanagte und mit 15. Dezember 2006 aufgelegte FT UnternehmerWerte Fonds (ISIN: DE000A1XDYH7), der sich dem Thema annahm. Man verfolgte einen regelgebundenen und quanti­tativ gestützten Investmentprozess, dazu kam der vom Fondsmanagement angewendete Gleichgewichtungsansatz. Um als Aktie zum in­ves­tierbaren Universum zugelassen zu werden, waren mindestens 300 Millionen Euro Marktkapitalisierung nötig, der Free Float musste zumindest 100 Millionen Euro betragen. Bei der Beurteilung des Eigentümereinflusses verwies man auf speziell für Frankfurt-Trust (FT) angefertigte Analysen. Als Schlüsselkriterium für die Aufnahme einer Gesellschaft galt, dass eine Schachtelbeteiligung, verbunden mit der aktiven Einflussnahme durch Sitz in Vorstand oder Aufsichtsrat, vorliegen musste. Weiters hatte FT ein ­maximales Länder- und Sektoren­gewicht von jeweils 25 Prozent definiert. Man betrieb klassische Fundamentalanalyse inklusive Unternehmensbesuchen, um die Investitionsziele aufzuspüren. Illiquide Titel wurden zur Vermeidung von Market Impacts ausgeschlossen. 

Übernahme

Doch dann verleibte sich Oddo 2017 die BHF Bank und deren Fondstochter Frankfurt-Trust ein. Mit der Eingliederung per 30. April 2018 war die Marke FT Geschichte, und ihre Fondspalette wurde „durchforstet“. Der relativ kleine FT UnternehmerWerte Fonds – er schwankte volumenmäßig seit der Finanzkrise meist zwischen 20 und 60 Millionen Euro und kam nie über die 100-Millionen-Schwelle hinaus – blieb dabei auf der Strecke, obwohl seine Performance keineswegs schlecht war (siehe Chart „Performance eines ganzen Fondslebens“). Er blieb auf der Strecke, weil Oddo BHF Asset Management über ein ähnliches Produkt verfügt, in dem deutlich mehr Geld steckt. Der zuletzt fast 49 Millionen Euro schwere FT UnternehmerWerte ging per 12. 10. 2018 im ­Oddo BHF Algo Europe auf. Warum ausgerechnet dieser auf europäische Werte konzentrierte Quantfonds als Zielfonds für die Fondspalettenbereinigung im Zuge der Übernahme gewählt wurde, wissen wohl nur die Juristen des Hauses. Man darf vermuten, dass der Umstand, dass es sich um einen europäischen Aktienfonds handelte, ausschlaggebend war und auf den Anlagestil keine Rücksicht genommen wurde. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Oddo BHF AM mit dem am 17. Juni 1996 lancierten Oddo BHF Génération Fonds über einen „passenderen“ ­Fusionskandidaten verfügt. Der seit 6. März 2006 in einer institutionellen Anteilsklasse erhältliche Fonds investiert ebenfalls in europäische Aktien und soll laut Fondsbestimmungen „in – oftmals in Familienbesitz befindliche – Unternehmen mit einer stabilen und dauerhaften Aktionärsstruktur investieren“. Die Integration des FT UnternehmerWerte in diesen zum Zeitpunkt der Übertragung 831 Millionen Euro schweren Oddo-Fonds hätte sich angeboten, blieb aber ­dennoch aus. Fondsmanager Diel blieb im Übrigen bei Oddo BHF AM und managte dort den hervorragend performenden Postbank Megatrend Fonds, ehe er letztes Jahr in Rente ging. 

Oddos Chamäleon 

Der Oddo BHF Génération spielt das Thema „Family-Run Businesses“ zwar nicht puristisch, liegt aber im Zeitfenster der Lebenszeit des FT UnternehmerWerte Fonds voran, wie der Chart „Oddo BHF Génération versus FT UnternehmerWerte“ belegt. Einer annualisierten Performance des FT UnternehmerWerte von 4,57 Prozent pro Jahr stehen beim Génération je nach Tranche zwischen 5,30 und 6,44 Prozent gegenüber. Die beiden unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Performance Fee: Während diese in der CR-Anteilsklasse 20 Prozent beträgt, liegt sie in der institutionellen Tranche bei zehn Prozent. Dazu gesellt sich noch in beiden Fällen eine fixe Managementgebühr von zwei Prozent pro Jahr, sodass man an Hedgefondskonditionen erinnert wird. Zum Vergleich: Der FT UnternehmerWerte wies eine fixe Managementgebühr von 1,25 Prozent auf, die jüngere institutionelle Anteilsklasse eine von 0,65 Prozent. Beim genaueren Hinsehen stellt man fest, dass der Oddo BHF Génération bereits einige Male die Benchmark geändert hat, was die Aussagekraft des Vergleichs mit dem FT UnternehmerWerte wieder relativiert. Offensichtlich hatte der Oddo Fonds vor dem 4. August 2011 den Oddo Sociétés Familiales mit reinvestierten Dividenden als Benchmark, was für seine damalige Spezialisierung auf französische ­familiengeführte Firmen spricht. Dann maß er sich am SBF 120 Index bis 10. Januar 2014, ehe der MSCI France Net Return als Benchmark installiert wurde. Seit 4. Mai 2015 ist es nun der MSCI EMU Net Return EUR Index. 

H&A Lux ­Unternehmerfonds

Mitte 2007 ging Hauck & Aufhäuser Asset Management mit dem H&A Lux Unternehmerfonds (ISIN: LU0294541163) an den Start, Ende 2008 wurde auch eine ausschüttende Tranche aufgelegt. Der Fonds wird aktiv gemanagt und misst seinen Erfolg am Euro Stoxx 50 Performanceindex. Trotz seiner herzeigbaren Leistung (siehe Grafik „Guter Marathonläufer“), die allerdings schon etwas länger zurückliegt, blieb das Volumen gering, aktuell verwaltet der Fonds 13,55 Millionen Euro. Annualisiert liegt er noch immer mit 340 Basispunkten pro Jahr vor dem Euro Stoxx 50 – in den letzten drei Jahren schnitt er allerdings schlechter ab als seine Benchmark. Darüber, ob der Euro Stoxx 50 wirklich die passende Messlatte für den H&A Unternehmerfonds Europa darstellt, könnte man diskutieren. Erstens sind Nicht-Euroländer im Fonds vertreten, statt dem dann meist dominierenden Großbritannien ist die Schweiz mit Abstand der wichtigste Anlagemarkt ­außerhalb der Eurozone. Auch branchenmäßig gibt es deutliche Unterschiede: Sektoren, die besonders kapitalintensiv sind, wie Energieversorger, Ölförderer oder Telekommunikations- und Stromnetzbetreiber, weisen wegen des mit solchen Milliardeninves­titionen verbundenen Risikos kaum private Großaktionäre auf. Gleiches gilt für Finanzwerte. Im H&A Unternehmerfonds Europa hingegen spielen konsumnahe Titel eine wesentlich größere Rolle. Deren höhere Stetigkeit schlägt sich auch in der geringeren Volatilität des Fonds nieder. Vergleicht man die Wertentwicklung mit europäischen Mid-Cap-ETFs sieht man, dass die Entwicklung eher jener dieser Fonds ähnelt.

GS&P Family Business 

Ein Fonds der ersten Generation, den es heute noch gibt, der aber in den letzten ­Jahren eher enttäuschend performte, ist der als Retailtranche mit 19. November 2003 gestartete Kapitalfonds L.K. – Family Business (ISIN: LU0179106683). Angeboten wird er von der GS&P Kapitalanlagegesellschaft S.A. in Luxemburg, die von dem Fonds ab 19. April 2007 auch eine institutionelle Tranche (ISIN: LU0288437980) bereithält. Seit Jahresultimo 2012 findet man ihn in den Fondsdatenbanken unter der Bezeichnung „GS&P Fonds Family Business“. Sein Anlageschwerpunkt sind europäische, familiengeführte Unternehmen. Als Benchmark dient dem Management der Stoxx Europe 600 Index, wobei er sich auf Ein-, Drei- und Fünfjahressicht im letzten Quartil seiner Vergleichsgruppe findet. Das war nicht immer so: In seinen ersten Lebensjahren präsentierte sich der Fonds als Outperformer (siehe Grafik „Vom Highflyer zum Nachzügler“), das Volumen stieg Ende Februar 2012 auf mehr als 265 Millionen Euro an. Das ist allerdings lange her. Seit diesem Höhepunkt ist das Volumen um 80 Prozent gesunken und hält per 25. Februar 2020 bei 53,44 Millionen Euro. Was war geschehen? Sehr viel, denn die GSP&P KAG wurde Ende 2018 von den Initiatoren des Publikumsfonds Deutsche Aktien Total Return (DATR) übernommen. Albrecht von Witzleben und Christian Krahe sind selbst Fondsmanager und sehen sich als Spezialis­ten für Nischenprodukte. Verstärkung bekamen die erfolgreichen Stockpicker Anfang Oktober des Vorjahres mit Christoph Schlienkamp. Der wechselte nach mehr als 20 Jahren als Analyst beim Bankhaus Lampe zur GS&P Kapitalanlagegesellschaft S.A. in Luxemburg. Dort unterstützt er die beiden neuen Firmeninhaber bei der Aktienselektion. Schlienkamp verfügt über eine besondere Expertise im Segment der Small und Mid Caps und gilt vor allem als ausgewiesener Kenner des deutschen Aktienmarktes. Daneben ist Schlienkamp Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e. V. (DVFA) und dort auch Vorsitzender der Kommission Unternehmensanalyse. Man darf also hoffen, dass der Fonds wieder zu seiner alten Stärke ­zurückfindet, obgleich das derzeit nicht so einfach ist. Schlienkamp, der die Probleme der familiengeführten Unternehmen – Stichwort: Nachfolgeregelung, Digitalisierung, verbunden mit hohen Investitionen – kennt, sagt: „Wir sind davon überzeugt, dass es im Universum der Familienunternehmen noch etliche Gesellschaften mit nachvollziehbarem, überzeugendem Wachstumspotenzial und/oder berechenbaren Erträgen und attrak­tiven Dividendenrenditen zu angemessenen Bewertungen gibt.“

Bellevue: breite Fondspalette 

Die Bellevue Group aus der Schweiz kann gleich mit mehreren Fonds zum Thema ­aufwarten. Der BB Entrepreneur Europe IE EUR Fonds (ISIN: LU0415391944) inves­tiert in börsennotierte eigentümergeführte Unternehmen in Europa, die von einem Unter­nehmer oder einer Unternehmerfamilie mit mindestens 20 Prozent der Stimmrechtsanteile kontrolliert werden. Die Eigenschaften solcher Unternehmen – fokussiertes Geschäftsmodell, kurze Entscheidungswege, nachhaltige Geschäftspolitik und starke Unternehmerkultur – führen zu Innovationseffizienz, hoher Produktqualität sowie starker Kundenbindung und wirken sich nachweislich positiv auf den Aktienkurs aus, ist das Fondsmanagement von Bellevue Asset Management um Brigitte Olsen, die den Fonds seit dessen Auflage am 30. April 2009 managt, überzeugt. Mittels eines fundamentalen Bottom-up-Ansatzes identifiziert man die ­attraktivsten eigentümergeführten Unternehmen mit mittlerer als auch großer Marktkapitalisierung ­und konstruiert aus 40 bis 50 Titeln ein über Länder und Sektoren diversifiziertes Portfolio. 71,83 Millionen Euro ist der Fonds per 25. Februar 2020 schwer, seit Start liegt er noch knapp vor seiner Benchmark, dem Stoxx 600 Europe. Allerdings lief es in den letzten eineinhalb Jahren nicht so toll, weil die stattliche kumulierte Outperformance fast zur Gänze wieder abgegeben wurde (siehe Chart „Wie gewonnen, so zerronnen“). 

Weitere Bellevue-Fonds zum Thema familiengeführte Unternehmen sind der BB Entrepreneur Switzerland, der BB Entrepreneur Europe Small sowie der BB Entrepreneur Swiss Small & Mid. Vom Standpunkt der ­relativen Performance zur Benchmark aus betrachtet sieht der BB Entrepreneur Switzerland als Outperformer des SPI Index am ­besten aus, während der BB Entrepreneur Europe Small sehr benchmarknah einläuft. Problemkind ist der kleinste und jüngste Fonds dieser Themengruppe, der BB Entrepreneur Swiss Small & Mid, der nach dem Start im November 2016 noch gut mit dem SPI Extra Index mitlief, in der zweiten Jahres­hälfte 2018 aber überproportional zurückfiel und dies bis dato nicht aufholen konnte.

Neuere Player

Mit 27. Januar 2014 ging der erste physische ETF auf den deutschen Mittelstand an den Markt. Es handelt sich dabei um den db x-trackers Mittelstand & MidCap Germany UCITS ETF (ISIN: IE00B9 MRJJ36), der mit einer günstigen Kostenbelastung von 0,40 Prozent pro Jahr die Nachbildung eines Solactive Index, nämlich des Solactive Mittelstand Deutschland Index (Bloomberg ID: MTTLSTRN Index), durchführt. Dazu investiert der ETF in alle 70 Titel des zugrunde liegenden Index und bildet damit deutsche Nebenwerte und den Mittelstand breiter ab als andere Indizes. So besteht der MDAX beispielsweise aus nur 60 Titeln und umfasst nur die größeren ­Nebenwerte. Der abgebildete Index besteht zu rund 30 Prozent aus Unternehmen, bei denen mindestens fünf Prozent des Grundkapitals beim Gründer oder beim Management liegen. In solchen Unternehmen kann davon ausgegangen werden, dass die Gründerfamilie noch einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung hat. Weitere 50 Prozent des Index bestehen aus Unternehmen, bei denen in der Firmenhistorie die Gründerfamilie einen bedeutenden Anteil gehabt hat und das Unternehmen durch eine mittelständische „DNA“ geprägt ist. Der verbleibende Rest des Index bestehe aus weiteren Aktien mit mittelgroßer Markt­kapitalisierung, um eine jederzeitige Handelbarkeit des Indexportfolios sicherzustellen. Außerdem müssen Aktien, die in den vom Frankfurter Indexanbieter Solactive berechneten Mittelstand & Midcap Deutschland Index aufgenommen werden, bestimmte Mindestgrenzen an Börsenwert und -handelsvolumen überschreiten. Der Mittelstand & MidCap Germany UCITS ETF decke alle Branchen außer den ­Finanzsektor ab. Das größte Gewicht im ­Index haben der Industrie- und der Konsumgütersektor. So weit, so gut. Analysiert man hingegen die Performance seit Auflage, erschließt sich dem Betrachter nicht die Notwendigkeit eines solchen Barometers. Zwar performt der ETF um 210 Basispunkte pro Jahr annualisiert besser als der DAX und liegt auch 83 Basispunkte vor dem HDAX, jedoch fehlen im 208 Basispunkte pro Jahr auf den SDAX und 170 Basispunkte auf den MDAX. Eine Mischung aus SDAX und MDAX hätte vor Kosten 189 Basispunkte Mehrertrag pro Jahr gebracht (siehe Chart „Nett, aber auch nicht mehr“). Das dürften auch die Investoren erkannt haben, jedenfalls ist der db x-trackers Mittelstand & MidCap Germany UCITS ETF am 24. Februar 2020 nur 65,66 Millionen Euro schwer, Ende April 2018 war es auch schon einmal das Doppelte.

Berenberg mischt vorn mit

Der am 4. Dezember 2015 aufgelegte ­Berenberg-1590-Aktien Mittelstand Fonds ist seit Start in einer institutionellen Tranche (ISIN: DE000A14XN42) verfügbar und fokus­siert sich auf Nebenwerte aus dem deutschsprachigen Raum, die zum Kaufzeitpunkt weniger als fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung und maximal drei Milliarden Euro Jahresumsatz auf die Waage brachten. Der Fonds misst sich am MDAX, setzt sich aus 25 bis 45 Einzeltiteln zusammen und wird von Andreas Strobl und Sebas­tian Leigh mit ruhiger Hand geführt, liegt doch der Portfolioumschlag unter 30 Prozent pro Jahr. Die Mehrzahl der Positionen sind solche in familiengeführten Unternehmen. ­Jedenfalls gelang es dem Duo, gegenüber dem MDAX eine solide Outperformance zu erarbeiten, die bei 401 Basispunkten jährlich liegt (siehe Chart „MDAX klar geschlagen“). Das Reinheitsgebot wird allerdings nicht ganz eingehalten.

Dekabank 

Seit 29. November 2019 ist die Dekabank mit dem Aktienfonds Deka-Unternehmerstrategie Europa (ISIN: LU1876154029) am Start, der seinen Fokus auf familiengeführte und -kontrollierte Unternehmen richtet und mittlerweile 76,87 Millionen Euro einsammeln konnte. Das Fondsmanagement inves­tiert überwiegend in europäische Aktien­gesellschaften, die maßgeblich von einem Unternehmer oder einer Unternehmerfamilie beeinflusst werden. Das wird dann als gegeben angesehen, wenn mindestens 20 Prozent der Stimmrechte oder zehn Prozent der Stimmrechte und ein Aufsichtsrats- oder Vorstandsposten in Familienhand sind. So ergibt sich ein Anlageuniversum von 800 Unternehmen ohne Sektorenbeschränkung. In den Fonds aufgenommen werden nur diejenigen Unternehmen, die auch in der Fundamentalanalyse überzeugen. Der Schwerpunkt liegt auf Small und Mid Caps. Manager des Fonds ist Philipp Schmiederer. Für ihn ist klar: „Familienunternehmen denken in Generationen und nicht in Quartalen. Für sie steht die konsequente Umsetzung von langfristigen Wachstumsstrategien im Vordergrund und nicht die kurzfristige ­Gewinnmaximierung. Das ist gerade in ­Zeiten volatiler Märkte eine Stärke und ­damit eine verlässliche Investitionsbasis für den Fonds.“ Zudem seien Familienunternehmen meist konservativer finanziert und hätten weniger Schulden. Das mache sie krisenresistenter und gebe ihnen die Möglichkeit, ihre Gewinne effektiver und vor ­allem auch antizyklisch zu investieren.

Die Umbrüche der Wirtschaft, insbesondere der strukturelle Wandel, stellen eine große Herausforderung für familienkontrollierte Firmen dar. Am besten scheinen sich jene Fonds zu schlagen, die das Thema zwar bespielen, den Fokus aber nicht zu eng fassen. Wegen des geschilderten Wandels, der Megainvestitionen erfordert, die meist die finanziellen Spielräume familiengeführter Firmen übersteigen, wird der Mittelstand wahrscheinlich gegenüber den milliardärsgeführten Unternehmen ins Hintertreffen geraten. Das heißt nicht, dass man den ­Bereich meiden muss, denn Small Caps werden früher oder später wieder eine ­Renaissance erleben. Unter Kostenge­sichtspunkten beachtenswert sind zwei HVB-Zertifikate auf den DAXplus Family 30 TR Index. Das ältere der beiden aus dem Jahr 2010 (ISIN: DE000HV1DB41) ist das günsti­gere. Seine Verwaltungsgebühr beträgt mit 25 Basispunkten ein Viertel dessen, was das jüngere aus dem Jahr 2018 (ISIN: DE000HX4P6D1) kostet. 

Dr. Kurt Becker


Indizes oft vor dem Markt

Das legen auch die Indizes nahe, etwa wenn man den DAXplus Family Index und den fokussierteren DAXplus Family 30 Index betrachtet. Beides Indizes für Familienunternehmen, bildet der DAXplus Family Index die Entwicklung von börsennotierten Familienunternehmen ab und umfasst die deutschen und internationalen Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, bei denen die Gründerfamilie mindestens einen 25-prozentigen Stimmrechtsanteil besitzt oder in Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt und mindestens einen Stimmrechtsanteil von fünf Prozent hält. Der DAXplus Family 30 Index umfasst die 30 größten und liquidesten Werte des DAXplus Family Index und soll auch als Indikator für mittelständische Familienunternehmen dienen, die auf dem Weg an die Börse sind. Die Gewichtung erfolgt gemäß der Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien, der Anteil eines Wertes am DAXplus Family Index ist auf maximal zehn Prozent beschränkt. Der DAXplus Family 30 Index wird minütlich als Kurs- und Performanceindex berechnet. Seine Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft.

GEX – eine Fehlkonstruktion?

Zu nennen ist hier auch der GEX (German Entrepreneurial Index) als Indikator für die Wertentwicklung von Familienunternehmen an der deutschen Börse. Er wird von dieser seit dem 3. Januar 2005 als Performanceindex und als Kursindex berechnet und publiziert. Entwickelt und zusammengesetzt wurde der GEX vom Center for Entrepreneurial and Financials Studies (CEFS) der TU München. Der GEX umfasst alle eigentümergeführten Unternehmen, die im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind und deren  Börsengang nicht länger als zehn Jahre zurückliegt.

Als eigentümergeführt gelten Unternehmen, wenn Vorstände, Aufsichtsratsmitglieder oder  deren Familien zwischen 25 und 75 Prozent der Stimmrechte besitzen. Dieser kann sehr stark vom DAX abweichen, und zwar in beide Richtungen. Erwähnenswert ist etwa der Dreijahreszeitraum 2010 bis 2012, in dem der GEX 41 Prozent an Wert verlor, während der  DAX um 25 Prozent zulegen konnte. Die Zahl der gelisteten Unternehmen ist von anfangs rund 120 bis 2013 auf 35 gesunken. Eine weitere Abnahme erfolgte 2018 auf 19, nun sind es wieder 26 Titel. Die Gewichtung der Aktien im GEX wird gemäß der Marktkapitalisierung des Free Floats berechnet und vierteljährlich überprüft. Der Anteil eines einzelnen Wertes am GEX ist auf maximal zehn Prozent beschränkt.

DAXplus Family Indizes outperformen

Die Grafik „Familienindizes im Vergleich“ stellt den DAX, den DAXplus Family sowie den DAXplus Family 30 und den GEX als Total-Return-Indizes einander über 15 Jahre gegenüber. Während die beiden Familienindizes der DAX-Familie den DAX selbst um zirka vier Prozent pro Jahr hinter sich lassen, ist der GEX hier eindeutig das Schlusslicht: Ihm fehlen annualisiert 1,41 Prozent auf den DAX und jeweils mehr als fünf Prozent jährlich auf die DAXplus Family Indizes. Hätte man nur die letzten fünf Jahre betrachtet, wäre der GEX allen anderen Indizes vorausgeeilt. Seine hohe Volatilität, die Abhängigkeit von Neuemissionen von Familienunter nehmen und die dadurch stark schwankende Besetzung sowie das obligatorische Ausscheiden nach zehn Jahren, das wie ein Cap wirken kann, lassen ihn als Fehlkonstruktion erscheinen. Er ist das hässliche Entlein unter den Familienindizes.


Anhang:

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