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3/2018 | Produkte & Strategien
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Sinnvoller Garantie verzicht

Eine Studie der Bocconi School of Management im Auftrag des europäischen Fondsverbandes EFAMA zeigt: Bei der Altersvorsorge sind Lebenszyklusstrategien einer Garantiestrategie deutlich überlegen.

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Die vom europäischen Fondsverband EFAMA in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Garantien im „New Normal“-Umfeld bei langfristigen Sparprozessen die Rendite erheblich schmälern. Die EFAMA empfiehlt daher Lebenszyklusstrategien für Pensionsprodukte.

M&G, Coloures-Pic | stock.adobe.com

Wie man es auch dreht und wendet, Garantien ­blockieren Kapital beziehungsweise sind teuer. Um herauszufinden, wie teuer genau, hat der europäische Fondsverband EFAMA ­eine Studie bei der Mailänder Bocconi School of Management in Auftrag gegeben. Ziel war es herauszufinden, ob anstatt mit einem Garantieprodukt auch mit einer Multi-Asset-Lebenszyklusstrategie ein ausreichend hohes Sicherheitsniveau für langfristige Sparprozesse, wie sie bei Altersvorsorgethemenstellungen auftreten, erzielt werden kann.

Die Ergebnisse zeigen, dass Life-Cycle-Strategien in 99,9 Prozent der Fälle sicherstellen, dass Kunden ein kumuliertes Rentenvermögen erwirtschaften können, das größer ist als die inflationsbereinigten Einzahlungen. Dies konnte sowohl für eine 40- als auch für eine 20-jährige Akkumulationsperiode festgestellt werden.

Europäische Pensionsprodukte

Hintergrund der Studie mit dem Titel „Consumer protection and the design of the default option of a pan-European Personal Pension Product“ sind Über­legungen auf EU-Ebene, ob man eine Standardoption für paneuropäische Pensionsprodukte wie PEPPs einführen soll, die keine feste Garantie beinhaltet, sondern auf einer Lebenszyklusstrategie beruht. Hierbei wird der Anteil risikotragender Assetklassen reduziert, je näher das Renteneintrittsalter rückt.

Die Untersuchung wurde unter der Leitung von Claudio Tebaldi, Professor an der Bocconi School of Management, zusammen mit Andrea Berardi und ­Fabio Trojani durchgeführt. Die Forscher führten eine Reihe von Simulationen auf der Grundlage historischer Renditedaten für zwei Zeiträume durch. Der ­erste erstreckt sich von 1969 bis 2012. Diese Periode ist gekennzeichnet durch zwei Ölschocks sowie steigende und fallende Zinsen und Inflationsraten und steht für eine Zeit, die auch als „Old Normal“ bezeichnet wird. Die zweite Periode reicht von 1992 bis 2012 und ist charakterisiert durch fallende Zinsen und sinkende Inflationsraten und wird als „New Normal“ bezeichnet.

Verglichen wurden jeweils eine Garantie- und verschiedene Lebenszyklusstrategien, die auf den jeweiligen Zeitraum zugeschnitten waren. In der „Old Normal“-Periode (1969–2012) erzielte das Garantieprodukt 3,3 Prozent pro Jahr, und die Lebenszyklusstrategien im Schnitt 5,9 Prozent. Differenz: 2,6 Prozent per annum.

In der „New Normal“-Periode (1992–2012) hinterließ die Niedrigzinsphase noch deutlichere Spuren. Hier brachte das Garantieprodukt im Schnitt jährlich nur noch 1,2 Prozent und die Lebenszyklusstrategien 5,1 Prozent, eine Differenz von 3,9 Prozent jährlich.

Damit betrug die Realrendite im „New Normal“-Szenario mit der Garantiestrategie in 50 Prozent der Fälle 1,4 Prozent, verglichen mit 5,8 Prozent bei den Lebenszyklusstrategien. Eine Verkürzung der Akkumulierungsperioden hatte keine signifi­kante Änderung der Ergebnisse zur Folge.

In der Zusammenfassung des Papiers heißt es: „Die Studienergebnisse machen deutlich, dass die Entstehung des ,New Normal‘ in der Wirtschafts- und Finanzlandschaft nach der globalen Finanzkrise in Verbindung mit den Auflagen durch Solvency II eine erhebliche Beeinträchtigung der Renditen von Lebensversicherungsprodukten zur Folge hatte.“

Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Vorteile, die Lebenszykluslösungen in Bezug auf Risikominderung und Performancesteigerung bieten können.

Robuster Schutz

EFAMA-Präsident William Nott schließt daraus: „Das Niveau des Kapitalschutzes durch Lebenszyklusstrategien ist sehr robust. Die Bocconi-Studie bestätigt, dass Lebenszyklusstrategien ein wirkungsvolles Instrument sind, um hohe Realrenditen zu erzielen und Risiken zu managen – nicht nur das Anlage-, sondern auch das ­Inflationsrisiko. Wir sind der festen Überzeugung, dass Lebenszyklusstrategien als Default-Option für PEPPs gelten sollten.“

In der Praxis handelt es sich bei der Renditedifferenz der beiden Strategien in Höhe von 2,6 beziehungsweise 3,9 Prozent per annum um Garantiekosten, denn sowohl die Garantie- als auch die Lebenszyklusstrategie eignen sich für Zwecke der Altersvorsorge. Hochgerechnet auf eine Ansparperio­de, wie sie in der Altersvorsorge üblich ist, bewirkt ein jährlicher Renditeunterschied von 2,6 beziehungsweise 3,9 Prozent eine enorme Spreizung in der Endsumme (siehe Charts). Auch wenn Endkunden Garantien sehr schätzen, ist zu hinterfragen, ob sie ihnen tatsächlich dermaßen lieb und teuer sind.

Politik und Anbieter reagieren

Die deutsche Regierung hatte bei der Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungs­gesetzes offenbar die hohen Kosten, die ­Garantien verursachen, im Hinterkopf. „An dem neuen Gesetz finde ich ausgesprochen bemerkenswert, dass aus dem Sozialminis­terium heraus das Thema Garantien zurückgenommen wurde und die Gewerkschaften das mittragen. Es ist schön, dass dort verstanden wird, dass Garantien Geld kosten und diese in langfristigen

Sparprozessen ­eigentlich nichts verloren haben“, sagt Amundis Deutschland-Chefin Evi Vogl im Interview mit Institutional Money (siehe Seite 234).

Die Fondsbranche, die in den 90er-Jahren ebenfalls mit Garantieprodukten aufwartete, ist davon mittlerweile abgekommen. Per 30. Juni 2018 belief sich das Volumen der wertgesicherten Fonds laut BVI-Statistik auf nur noch 19,9 Milliarden Euro, was 1,9 Prozent des Volumens an offenen Publikumsfonds in Deutschland ausmacht.

Und auch die Versicherungsbranche hat angesichts des „New Normal“-Umfelds reagiert. Sie bietet heute überwiegend Produkte mit geringeren Garantien („kapitalmarkt­nähere“ Produkte) oder ganz ohne Garantieversprechen (fondsgebundene Lebensversicherungen) an.         

ANKE Dembowski


Anhang:

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