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2/2018 | Produkte & Strategien
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Selbst gestrickt

Was ist eigentlich ein Stiftungsfonds? Jedenfalls nicht alles, was diesen Namen auch trägt. Darüber hat sich der Vorstand der Nele Neuhaus Stiftung geärgert und beschlossen, mit einem eigenen Produkt an den Start zu gehen. Das Ergebnis ist beachtlich und könnte für Bewegung am Markt sorgen.

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Besser selbst gestrickt als von der Stange: Investoren entwickeln mit Asset Managern als Partnern perfekt adjustierte Investmentprodukte. Auf diese Weise soll so kostengünstig und ertragreich wie möglich der Stiftungszweck erfüllt werden.

Foto: © anne huneck, Vladimir Melnikov | stock.ado

Je nach persönlicher Präferenz kann man die Frage mit Gretchen oder Grönemeyer stellen – im ersteren Fall hieße sie: „Heinrich, wie hältst du’s mit dem Stiftungsfonds?“ Oder aber: „Wann ist ein Stiftungsfonds ein Stiftungsfonds?“ Die Antwort ist in jedem Fall schwierig, weil es weder national noch international eine offizielle Definition für „Stiftungsfonds“ gibt. Wie also findet man das geeignete Produkt? Einfach auf Google nach dem Wort suchen? Rolf Häßler, Geschäfts­führer des Instituts für nachhaltige Kapitalanlage, meint dazu: „Das passiert tatsächlich und ist hoch problematisch, denn die Bezeichnung Stiftungsfonds ist nicht per se ein Qualitätssiegel für aus Stiftungssicht besonders geeignete Fonds, sondern muss durch ein an den ­spezifischen Erfordernissen von Stiftungen orientiertes Konzept gerechtfertigt werden.“ Zu diesen Erfordernissen gehören regel­mäßige, planbare Ausschüttungen, ein geringes Risiko, aber auch möglichst niedrige Kosten, wie Häßler in einer Checklist zusammenfasst (siehe Infokasten im Anhang). „Bei Weitem nicht alle ,Stiftungsfonds‘ erfüllen diese Kriterien.“


Ein Marketing-Gag
Andere gehen in ihrer Kritik an den vorhandenen Produkten weiter und meinen, dass der Begriff Stiftungsfonds missbräuchlich als Marketinginstrument verwendet wird. Zu diesen Kritikern gehört Matthias Knöß, Vorstand der Nele Neuhaus Stiftung. Knöß kennt beide Seiten der Medaille. Lange Jahre war er als Private Banker tätig, bis er vor vier Jahren beschloss, diesen Job an den Nagel zu hängen. Er absolvierte den EBS-Studiengang „Stiftungsmanager“ und kümmert sich seither als Vorstand um die ­finanziellen Belange der von seiner Frau ­gegründeten Nele Neuhaus Stiftung. Von Anfang an hat ihn gestört, dass Anbieter unter dem Titel Stiftungsfonds Produkte anbieten, die „diesen Namen nicht verdienen“. Besonders geärgert hat er sich über die oft recht hohe Kostenstruktur, die es gerade kleinen Stiftungen – wie der von ihm verwalteten – schwer macht, die eigenen Gelder ertragbringend zu verwalten. Hier will der ehemalige Banker nun Abhilfe schaffen, indem er einen eigenen Stiftungsfonds herausbringt – und zwar einen, „der den Namen auch verdient“.


Als ersten Schritt hat er dabei das vorhandene Fondsuniversum gescannt und sich nach Produkten umgesehen, die seinen ­Anforderungen entsprechen. Also: aktives Management von Aktien mit geringen Drawdowns, das alles vor allem zu geringen Kosten. Fündig geworden ist er bei Frankfurt-Trust. Der Asset Manager hatte bereits Produkte am Start, die Knöß’ Anforderungen relativ nahe kommen.


Unmittelbar vor dem Launch
Es handelt sich dabei um ein Pensionsportfolio, über das rund 500 Millionen an Assets verwaltet werden – diese bestehen wiederum ausschließlich aus Aktien. Gedreht wurde vor allem an der Ausschüttungs- und Kostenfront. Der neue Fonds steht laut Angaben von Knöß relativ nahe vor dem Launch, die angepeilten 15 Millionen Euro Startkapital sind demnach so gut wie aufgestellt. Knöß rechnet damit, dass der Fonds selbst „bequem Potenzial für 200 Millionen Euro hat“.


Möglich wäre das, wenn der Fonds die ambitionierten Ziele, die er sich selbst gesteckt hat, auch tatsächlich ­erreicht. Er strebt über den Investitionszyklus hinweg eine Bruttorendite an, die per annum beim Drei-Monats-Euribor plus fünf Prozent liegen soll.


Behaupten lässt sich bei einem Neustart natürlich viel, tatsächlich muss man aber sagen, dass dem neuen Fonds ein Produkt zugrunde liegt, das über ­einen Track Record von rund 14 Jahren verfügt. Wenn die vorgelegten Zahlen stimmen – der Name des Referenzprodukts wurde bis Redaktionsschluss nicht publik gemacht –, konnte das ­Management von Frankfurt-Trust seit Auflage eine Bruttorendite von jährlich 6,4 Prozent ausweisen – und das bei laufenden Kosten, die pro Jahr bei 0,55 Prozent liegen sollen. „Dieser Fonds ist disruptiv“, fasst Knöß selbstbewusst ­zusammen.


Starke Performance
Tatsächlich zeigt ein Vergleich mit stiftungstauglichen Fonds, dass sich das Stiftungsprodukt nicht verstecken muss. Wir haben als neutrale Quelle die Datenbank von Renditewerk.at zurate gezogen und diese nach den höchsten Erträgen des Vorjahres sortiert. Entnommen haben wir die zehn besten Fonds, die eine Historie von zumindest fünf Jahren ausweisen. Der einzige Fonds, der performance- und kostentechnisch mit dem Neuhaus-Referenzprodukt mithalten kann, ist der Flossbach von Storch Stiftung SI (siehe Infokäs­ten „Ertragsranking von Stiftungsfonds“ und „Wie der Do-it-yourself-Fonds funktioniert“). Andere Produkte weisen laufende Kosten aus, die bis zu doppelt so hoch sind wie der neue Fonds, der möglicherweise unter dem Namen „Nele Neuhaus Stiftungs- und Versorgungsfonds“ firmieren wird.


Doch wie soll das in der Praxis funktionieren? Der Fonds soll hochaktiv gemanagt werden. Das zeigt sich allein an der Tatsache, dass die Aktienquote von null bis 100 Prozent reichen kann. Derartiges Management erfordert Know-how – und das muss normalerweise entsprechend bezahlt werden. Die 0,55 Prozent würden aber eher die Kosten für ein passives Produkt abbilden. Knöß argumentiert die niedrigen Kosten über drei Motive: Das erste ist ein altruistisches: „Es handelt sich um den Beitrag zur Unterstützung des gemeinnützigen Sektors.“ Die Gesellschaft habe demnach die sozialisierten Verluste der Finanzkrise getragen, jetzt sei es Zeit, auch die Gewinne zu sozialisieren – etwa über niedrigere Gebühren für Stiftungen. Ein zweites Motiv läuft darauf hinaus, dass „Asset Manager die niedrigen Gebühren als Teil ihres Marketingbudgets verstehen können. Anstatt in ein Golfturnier zu investieren, können sie eine Stiftung indirekt unterstützen und so ihr Image aufpolieren“, meint der ehemalige Banker. Und als drittes Argument führt Knöß an, dass Produkte wie der Neuhaus-Fonds als Türöffner fungieren können. „Drei, vier Jahre ist man sicher unter Wasser. Aber wenn das Produkt einmal läuft und genügend Volumina angezogen hat, könnte das dem Manager das Stiftungs­geschäft öffnen.“ Also eine Investition nicht nur in die Gesellschaft, sondern auch in das eigene Geschäftsmodell.


Ganz so leicht war die Fondsindustrie ­jedoch nicht davon zu überzeugen. Bereits 2017 hätte man einen Partner zur Lancierung des Fonds gefunden, eine Genehmigung durch die Bafin war innerhalb von drei Wochen erfolgt – was selbst für Knöß überraschend schnell und reibungslos vonstattengegangen war. Alles war also startklar, kurz vor der Lancierung sprang der Partner dann aber doch noch ab.


Neuer Partner
Mit Frankfurt-Trust hat man nun ein Haus gefunden, das der Argumentation von Knöß offenbar bis zum Ende gefolgt ist. Ob ihm ein solcher Wurf auch ein paar Jahre früher gelungen wäre? Möglicherweise nicht, „der Leidensdruck war damals weder für die Fondsindustrie noch für die Investoren hoch genug“, meint der Stiftungsvorstand. Aus Investorensicht reichte es, sich Anleihen ins Portfolio zu legen, die Erträge waren relativ risikolos und hoch. Die Fondsmanager konnten entsprechend leicht relativ hohe Gebühren verlangen. Mit dem Niedrigzinsniveau, den daraus resultierenden sinkenden festverzinslichen Erträgen und dem inzwischen proverbialen Anlagenotstand ist aber von Seiten der Investoren das Kostenbewusstsein gestiegen. Mit eine Rolle hat aus Knöß’ Sicht Mifid II gespielt. „Die Banken mussten strippen, plötzlich hat man gesehen, wo die Margen herkommen.“


Komplexes Projekt
Dass das Projekt „eigener Stiftungsfonds“ trotz unterstützender Rahmenbedingungen ein Kinderspiel gewesen wäre, kann man aber trotzdem nicht behaupten. Denn, um auf der Managerseite einen Partner zu gewinnen, musste er natürlich auch demonstrieren, dass von Stiftungsseite Nachfrage besteht. Also wurden Gespräche mit mehr als hundert Stiftungsvertretern geführt. Zielgruppe sind vor allem kleinere Stiftungen wie eben die Nele Neuhaus Stiftung, die ein Vermögen von 300.000 Euro verwaltet. Gerade solche Einrichtungen können sich weder ein sophistiziertes Anlageteam noch hohe Gebühren für ihre Produkte leis­ten. Entsprechend beginnt das Veranlagungsinteresse bei 50.000 Euro. Zusagen gibt es aber auch für Volumina von bis zu zwei Millionen Euro.


Doch was sagen neutrale Beobachter wie Häßler zu diesem Vorstoß? Wir haben ihm die Eckdaten des Neuhaus-Fonds vorgelegt. Anhand der vorliegenden Kennzahlen sollte er eine generelle Einschätzung vornehmen, ob der Stiftungsfonds tatsächlich seinen ­Namen verdient, wie das Knöß ja behauptet. Tatsächlich schneidet der Fonds nach Häßlers Kurzdiagnose ziemlich gut ab. Dem ­Institutsleiter gefallen vor allem die regelmäßige Ausschüttung sowie die geringen Kosten. „Gerade die Ausschüttung ist wichtig, wenn man dazu verpflichtet ist, stetig Erträge auszuweisen. Die niedrigen Kosten spielen wiederum indirekt in die Performance hinein.“ Tatsächlich würden sich viele Stiftungsfonds von hohen potenziellen Bruttoperformances blenden lassen. „Da gibt es am Ende manchmal ein böses Erwachen.“ Häßler goutiert auch, dass es einen nachweislichen Track Record gibt.


Die Fokussierung auf Aktien ermögliche wiederum eine einfache Kontrolle der ­Anlagestrategie. „Sonst weiß man nie, wo man gerade steckt – Aktien, Anleihen, ­Derivate? Deshalb bin ich im Stiftungsbereich auch eher gegen Mischfonds. Die Alloka­tion wird dann sehr schnell viel zu unübersichtlich.“ Nicht ganz so begeistert zeigt sich Häßler von der Sharpe Ratio. „Die würde ich gern kontinuierlich über eins ­sehen.“


Insgesamt befürwortet Häßler die Initiative – insbesondere weil sie auf kleinere und mittlere Player im Stiftungsuniversum ausgelegt ist. „Man darf nicht vergessen, dass 80 Prozent aller Stiftungen ein Vermögen von maximal einer Million Euro verwalten. Solche Einrichtungen können gar nicht über eine ausreichende Expertise zum Thema Kapitalmarkt verfügen.“
Letzten Endes ist kleineren Stiftungen aber nur dann geholfen, wenn die angebotenen Produkte mit den Zielen und Vorgaben des Stiftungszwecks vereinbar sind. Diese sind in der Regel sehr spezifisch und machen die Bildung von Investitionsclus­tern schwierig. Häßler erinnert sich an ein Projekt, bei dem es darum gegangen sei, ein Produkt zu gestalten, das sowohl für die evangelische als auch die katholische Kirche funktionieren sollte. Am Ende ist man gescheitert, weil man bei den Ausschließungskriterien rund um die Themen Abtreibung und die Hersteller einschlägiger Pharmazeutika oder auch Gentechnik auf keinen gemeinsamen Nenner kommen konnte.


Anhang:

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