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3/2019 | Produkte & Strategien
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Schlecht genutzte Freiheit

FLOP. Ohne Einschränkungen und damit „unconstrained“ zu investieren ist der Traum jedes Asset ­Managers. Der kann jedoch – wie im Fall des Anima Star Bond – zum Albtraum werden.

Die Anima Holding ist der größte unabhängige italienische Vermögensverwalter mit Assets under Management von mehr als 184 Milliarden Euro. Ihr Anima Star Bond Fund, ein irischer UCITS-Fonds, ist gut siebeneinhalb Jahre alt und wird seit Start von Mario ­Pavan und Luca Felli, Head of Fixed In­come & Forex bei Anima, von Mailand aus verwaltet. Das Fondsreglement sieht ein global diversifiziertes Rentenportfolio mit Anleihen aus Industriestaaten und Schwellenländern inklusive Derivaten vor. Die Corporate-Bond-Tangente darf nicht mehr als 20 Prozent des Nettofondsvermögens betragen. Morningstar reiht den Fonds in die Kategorie „EUR Flexible Bond“ ein und vergleicht ihn mit dem Bloomberg ­Barclays Euro Aggregated Bond Total Return Index Value Unhedged EUR (Bloomberg ID: LECPTREU). Wenn man nun den Fonds seit Start bis zum 5. September 2019 in Relation dazu setzt, wird das Desaster ­offenkundig: Der Fonds konnte nicht annähernd dem Index folgen.

Rentenhausse verschlafen

Es grenzt fast schon an eine hohe Kunst, die Rentenhausse der letzten Jahre komplett zu verschlafen. Besonders krass sind dabei 2018 und das laufende Jahr zu betrachten. Während der Vergleichsindex im Wesentlichen im vergangenen Jahr auf der Stelle trat und der Index gerade einmal ­einen Total Return von 0,41 Prozent erzielte, legte der Anima Star Bond I satte 5,56 Prozent ab. Nun war 2018 auch tatsächlich kein einfaches Bond-Jahr. So konnte man viel Geld an den Schwellenländern versenken, man denke nur an die Problemfälle Argentinien, Venezuela, Brasilien und die Türkei. Viele Emerging-Markets-Währungen – inklusive des russischen Rubels aus politischen Gründen – ent­wickelten sich ebenfalls schwach. Ein starker Dollar und die Aussicht auf Zinssteigerungen taten das Übrige. Spreadausweitungen gab es in den Corporate-Bond- und High-Yield-Märkten in den Industriestaaten, auch bei den Staatsanleihenmärkten in den Industriestaaten lief es nicht überall rund. So stiegen etwa die Renditen zehnjähriger Italien-Bonds um 65 Basispunkte im Jahresverlauf 2018. Bei einer Allokation im Fonds vom 18 Prozent zum Jahresende tat das schon weh. Der Jahresbericht zeigt, dass der Fonds in Inflation-Linker investiert. Nun sank die US-Inflation im zweiten Halbjahr 2018 deutlich, und die TIIS (Treasury-Inflation-Indexed Securities) gaben bei Laufzeiten fünf bis zehn Prozentpunkte im Kurs ab. Auch eine fünfprozentige Südafrika-Anleihentangente war nicht performanceförderlich.

2019 im gleichen Stil

In den ersten acht Monaten lief alles noch schlechter: Während der Euro Aggregate ­Index bis inklusive 5. September um 8,23 Prozent anzog, waren es beim Anima Star Bond I magere zehn Basispunkte. Mangels Koopera­tion seitens des Fondsmanagements ist man bei der Suche nach den Ursachen auf sich allein gestellt. Nachdem sich noch immer italienische Staatsanleihen und TIIS prominent im Portfolio befinden, sollte man 2019 doch profitieren können. Da der Fonds aber eine Long/Short-Strategie bei Bonds fährt und laut Morningstar-Daten zum 30. Juni die Brutto-Anleihen-Position von gut 80 Prozent des Fondsvermögens durch Shorts auf die Hälfte reduziert wurde und diese Netto-Anleihen-Position laut Fact Sheet von Ende August 2019 auf 33,4 Prozent zurückgefahren wurde, wird ein guter Teil der Performancedifferenz erklärbar, insbesondere dann, wenn man gut performende ­Papiere shortet und Schlecht-Performer kauft.

Die Investoren werden jedenfalls zunehmend ungeduldig. Betrugen die Assets des Fonds 2017 noch mehr als 500 Millionen Euro, sind sie bis dato auf 287,26 Millionen Euro geschrumpft. Neben dem Performanceproblem (siehe Chart „Desaströse Performance seit Start“) ist auch die Kostenstruktur ein Thema. Die hedgefondsartigen Fees erscheinen angesichts der gezeigten Leis­tung unangemessen. Überhaupt erhebt sich die Frage, ob nicht die Fondsmanager ausgewechselt werden müssten, Sie verantworten laut Bloomberg 18 beziehungsweise 19 Fonds.     

Dr. Kurt Becker


Anhang:

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