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1/2019 | Produkte & Strategien
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Revierkämpfe

Wer ist der erfolgreichste Asset Manager der Welt, und wie hat sich der globale Markt der Vermögens­verwalter in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Institutional Money hat ein Ranking der ­größten Player und dynamischsten Aufsteiger erstellt – mit teils überraschenden Ergebnissen.

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In den vergangenen fünf Jahren hat sich einiges getan. Die größten 15 Fondsanbieter konnten ihre ohnehin schon gewaltigen verwalteten Vermögen weiter ausbauen, während eine ­Handvoll Asset Manager in die Gruppe derer aufsteigen konnte, die mehr als 100 Milliarden verwalten.

© PUTSADA | stock.adobe.com

In der Natur gehören Kämpfe um Vormachtstellung – sei es im Hinblick auf Territorien oder die Führung eines Rudels – zum Alltag. Ein allseits verbreiteter Irrglaube herrscht in Bezug auf das wohl bekannteste Rudeltier vor: den Löwen. Die meisten Menschen sind der Ansicht, es gäbe nur einen Löwen, der das Rudel leitet. In Wahrheit ist es jedoch eine Koalition aus mehreren Männchen, die das Rudel für sich beanspruchen. Hat eine Gruppe dominanter Männchen erst einmal die Vormachtstellung inne, wird diese auf Leben und Tod verteidigt. Im Durchschnitt wechseln die dominanten Männchen eines Rudels alle zwei bis drei Jahre.

Im Gegensatz zu den Königen der Savanne dominieren die Könige der Finanzwelt ihre Umgebung auf deutlich längere Sicht: Hat eine Investmentgesellschaft erst einmal eine gewisse Größe erreicht, ist sie nicht mehr so einfach aus ihrem Revier zu verdrängen. Dies veranschaulicht ein Blick auf die beiden von der Institutional Money ­Redaktion erstellten Grafiken. Aus einem Pool von 200 namhaften Investmentgesellschaften hat die Redaktion die Top 15 – ­gemessen am verwalteten Vermögen – grafisch aufbereitet.

Einst und jetzt

Die rechte Grafik zeigt, aus welchen Unternehmen die Top 15 vor fünf Jahren, also im Jahr 2013, bestanden haben, während die linke Grafik veranschaulicht, aus welchen Unternehmen sich die Top 15 heute zusammensetzen. Die drei führenden Vermögensverwalter BlackRock, Vanguard und State Street Global Advisors stellen heute wie damals die Top Drei. Dabei konnten sie ihre Vormachtstellung nicht nur aufrecht­erhalten, sondern ihren Vorsprung zum Viertplatzierten auch noch stark ausbauen. Während 2013 die Differenz beim verwalteten Vermögen zwischen Platz drei und vier „nur“ bei etwas mehr als 100 Milliarden Euro lag, sind es 2018 bereits mehr als 700 Milliarden Euro. Doch nicht nur die ­ersten drei Plätze sind standhaft geblieben. Auch die Fondsanbieter auf den Rängen vier bis 15 geben ihre Stellung nicht so einfach auf. Zwar kommt es unter ihnen immer wieder zu Verschiebungen im Machtgefüge, sein Revier musste aber nur einer von ihnen aufgeben: Franklin Templeton (jetzt auf Platz 20). Seinen Platz unter den Top 15 hat sich jedes einzelne Unternehmen durch ­starkes Wachstum verdient. So ist es kein Zufall, dass zehn von ihnen auch in der nächsten Grafik vorkommen: dem Dynamik-Ranking.

Dynamik-Ranking

Als Basis für das Ranking haben wir die prozentuelle Veränderung der Vermögenswerte herangezogen. Im Ranking inkludiert sind alle unter den 200 ausgewerteten Investmentgesellschaften, die zum Stichtag 30. 6. 2013 mehr als 100 Mil­liarden Euro verwalteten. Insgesamt waren es 54. Da es mit steigendem Vermögen zunehmen schwierig wird, prozentual zu wachsen, wurde folgendes Scoring-System entwickelt: Das prozentuale Wachstum der letzten fünf Jahre (Zeitraum 30. 6. 2013 bis 30. 6. 2018) wird mit X multipliziert. Die Größe von X hängt davon ab, wie groß das verwaltete Vermögen ist. Bei einem verwalteten Vermögen von 100 bis 200 Milliarden Euro ist X gleich 1. Danach wird für jeden 200-Milliarden-Schritt der Multi­plikator um 0,1 erhöht. Dazu ein virtuelles ­Rechenbeispiel: Investmentgesellschaft A verwaltet 750 Milliarden Euro und konnte sein Vermögen im Vergleichszeitraum um 50 Prozent steigern. Der Multiplikator liegt bei 1,3. Damit erhält das Unternehmen ­einen IM-Score von 65.

Der Gewinner ist …

Mit dieser Systematik im Rücken konnte sich Aberdeen Standard Investments auf dem ersten Platz etablieren. Dies hat sich zum Großteil als Konsequenz der Elefantenhochzeit von Aberdeen Asset Management und Standard Life Investments ergeben. Der Mega-Merger wurde 2017 abgeschlossen. Auf Platz zwei des Dynamik-Rankings konnte sich Vanguard etablieren. Der genossenschaftlich organisierte Vermögensverwalter konnte sich nicht nur in diesem, sondern auch in allen anderen Sub-Rankings auf die starke zweite Position hieven. Das Erfolgsgeheimnis der Investmentgesellschaft aus dem ruhigen Örtchen Malvern im US-amerikanischen Pennsyl­vania: Sie kann mit jedem gesammelten Euro ihre Skaleneffekte stärker zum Tragen bringen. Denn anstatt die Gewinne in Form von Dividenden auszuschütten, werden diese dazu genutzt, die laufenden Kosten für bestehende Produkte indirekt über besagte Skalierung zu senken. Je größer das verwaltete Vermögen, umso geringer die Average Expense Ratio. In Märkten wie Deutschland, wo das institutionelle Geschäft stark von Spezialfonds dominiert wird, hat das Unternehmen es allerdings etwas schwerer. Hier verkehrt sich das Bild: Denn um die gewünschten Skaleneffekte zu erzielen, muss die Produktpalette schmal bleiben.

Starke Spezialisten

Auf den nächsten beiden Plätzen befinden sich zwei Asset Manager, die es nicht so oft in die Schlagzeilen schaffen wie die Marktdominatoren BlackRock und Van­guard: So konnte die britische Insight ­Investment ihr Vermögen über den Fünf­jahreszeitraum mehr als verdoppeln. Die Spezialisierung liegt in den Bereichen aktives Anleihenmanagement, Absolute Return und Risiko-Overlay. Seit 2009 gehört das britische Haus zur Multi-Boutiquen-Struktur von BNY Mellon.

Mit nur einem Punkt Abstand dicht hinter den Briten liegt der Vermögensverwalter ­Dimensional Fund Advisors. Die US-ame­rikanische Gesellschaft mit Sitz in Austin, Texas, setzt Anlagestrategien ein, die unter anderem auf der bahnbrechenden Forschung und Analyse des Nobelpreisträgers Professor Eugene Fama von der University of Chicago und anderen renommierten Finanzwissenschaftlern basieren. Man legt Wert auf einen streng wissenschaftlichen Ansatz.

Auf Platz fünf mit 126 Punkten befindet sich mit Amundi der größte Asset Manager Kontinentaleuropas. BlackRock ist mit ­einem Wachstum von 81 Prozent prozentuell weniger gewachsen als Goldman Sachs, das größere verwaltete Vermögen führt aber ­dazu, dass der Index-Riese vor den Goldmännern liegt. Der siebente Platz geht an die Affiliated Managers Group. Das Unternehmen kann nicht nur ein hervorragendes Wachstum vorweisen, sondern hat es in den vergangenen fünf Jahren auch als Einziges geschafft, in die Top 15 der größten Ver­mögensverwalter des Rankings aufzusteigen. Im besagten Beobachtungszeitraum konnten die Assets von 360 auf 707 Mil­liarden Euro gesteigert und somit fast verdoppelt werden.

Wie bereits erwähnt, wurde das Dynamik-Ranking erstellt, um das Wachstum der im Ranking enthaltenen Investmentgesellschaften zu analysieren, die mehr als 100 Milliarden Euro verwalten und somit der Königsklasse angehören. Während sich zum 30. 6. 2013 nur 54 Unternehmen als Mitglied dieses elitären Kreises bezeichnen durften, ist die Zahl mittlerweile (zum 30. 6. 2018) auf 67 gestiegen. In der vierten und letzten Grafik listen wir deshalb die 13 Newcomer auf, die es geschafft haben, die 100-Milliarden-Euro-Barriere zu durchbrechen: Auf dem ersten Platz liegt die 2016 entstandene Barings, die aus dem dama­ligen Zusammenschluss der vier Asset-­Ma­nage­ment-Einheiten der Massachusetts ­Mutual Life Insurance Company hervorging: Babson Capital sowie deren Tochtergesellschaften Cornerstone Real Estate und Wood Creek Capital und die ehemalige ­Baring AM formten das neue, einheitliche Unternehmen „Barings“. Dank dieser ­Fu­sion und zusätzlicher Investorengelder ­gelang Barings der stärkste Sprung unter den Investmentgesellschaften, die über 100 Milliarden Euro verwalten.

Einsteiger und Aufsteiger

Durch einen Zukauf stark gewachsen ist auch die heute zur chinesischen Fosun-Gruppe gehörende Privatbank Hauck & Aufhäuser. Ende 2017 wurde infolge der Übernahme von zwei Luxemburger Fondsservicegesellschaften von Sal. Oppenheim das betreute Fondsvermögen massiv ver­größert. Die Vermögensverwaltung der ­ehemaligen Frankfurter Privatbank rangiert nun in der Gruppe der Fondsanbieter mit mehr als 100 Milliarden Euro Assets. Ebenfalls einen guten Start in der ­„Königsklasse“ hatten Columbia Threadneedle Investments und Swisscanto Asset Management. Den Investorengeschmack getroffen hat ­offenbar auch AQR Capital Management, einer der führenden quanti­tativen Asset ­Manager. Die auf institutio­nelle Investoren spezialisierten US-Amerikaner konnten ihre Assets um 200 Prozent steigern. Stellt sich die Frage: Werden wir demnächst Investmentgesellschaften, die im „Angreifer-Ranking“ vorne liegen, unter den 15 größten Asset Managern begrüßen dürfen? Wir ­bleiben jedenfalls dran.

Azim El-Morsi


Anhang:

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