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3/2017 | Produkte & Strategien
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Recycling von Problemschulden

Die Debitos-Forderungsbörse ermöglicht eine schnellere, standardisierte, transparente und ­kostengünstige Verwertung von Non-Performing Loans.

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Die Gruppe potenzieller Käufer und Verkäufer von in Verzug geratenen Forderungen ist ebenso groß, wie ihre Motive unterschiedlich sind. Was für eine Seite eine Belastung darstellt, sehen andere als Chance. Ein liquider und transparenter Handelsplatz für Non-Performing Loans hat daher Zukunft.

Foto: © GMF, debitos

Als Timur Peters die Debitos GmbH gründete, lag der ­Begriff „Fintech“ noch in weiter Ferne. Der Erfolgs­geschichte des Forderungsmarktplatzes in Frankfurt tat dies aber keinen Abbruch. Das Zusammenführen von Käufern und Verkäufern von notleidenden Krediten mit ungewisser Rückzahlung (Non-Performing ­Loans, NPLs) über die Onlinebörse Debitos fand auch ohne das Label „Fintech“ genug Interessierte. Gläubiger können dadurch offene Rechnungen schneller als auf konventionellem Weg in Cash verwandeln. Debitos ist in Deutschland seit 2013 aktiv, aktuell läuft die Expansion auf den europäischen Markt. 2016 wurde eine Zweigstelle in London eröffnet, weitere Filialen in Spanien und Italien sollen in Kürze folgen.

Bis dato sind mehr als 500 Investoren aus Großbritannien, den USA und ganz Kontinentaleuropa auf der Plattform registriert und bieten auf die über Debitos angebotenen NPLs. Peters: „Bislang wurden schon faule Kredite im Wert von etwa 1,7 Milliar­den Euro über unsere Plattform veräußert.“ Unter den Anbietern finden sich mehr als 40 europäische Banken, Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sowie börsengelistete Firmen (Corporates). Insbesondere für Letztere bietet Debitos einen früher nicht gekannten Weg, um notleidende Forderungen weiterreichen zu können.


Ausbaupläne
Laut dem Bericht „Navigating the Italian Credit Opportunity“ (https://go.ey.com/ 2sNWwro) von der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young) gab es in Italien Ende 2016 zirka 329 Milliarden Euro an NPLs. 198 Milliarden Euro davon waren sogenannte faule Kredite, was etwa 18 Prozent des gesamten italienischen Kreditmarktes entspricht. Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Kreditportfolios von italienischen Finanzinstituten an Investoren verkauft. Doch die Probleme sind noch lange nicht gelöst. Mit einem ­Büro in Mailand ist Debitos in Kürze vor Ort. Laut EY würden neue Dienstleistungsmodelle als zusätzliche Hebel wirken, um den hohen NPL-Stand schnellstmöglich zu verringern. Der Technologiedienstleister Debitos sieht sich bestens gerüstet, um hier einen nennenswerten Beitrag zum schnel­leren „Recycling“ der Problemschulden zu leisten. Da sieht man sich konkurrenzlos. Peters: „Wir sind der einzige Anbieter in Europa, der den Forderungsverkauf vollständig digital durchführt – von der Investorenansprache bis zum Verkauf.“ Immerhin wurden bis dato bereits italienische Kredite mit einem Transaktionsvolumen von zwei Milliarden Euro Nominalwert auf der Debitos-Plattform zum Verkauf eingestellt.


Im Dezember 2016 öffnete das Finanzunternehmen seinen Onlinemarktplatz auch für „Third Party Advisors“. Das bedeutet, dass ab sofort Drittanbieter wie Mitarbeiter von Unternehmensberatungen – hier sind beispielsweise die Big Four zu nennen – oder Investmentbanken die Debitos-Lösung selbstständig nutzen und Portfolios von Kunden verkaufen können. Third Party Advisors seien dadurch in der Lage, die Debitos-Forderungsbörse quasi als White-Label-Lösung für ihren eigenen Forderungsverkauf einzusetzen. So komme zusätzlich Bewegung in den NPL-Markt, erklärt Peters. Die Rolle der Third Party Advisors hat sich früher, als die Verkaufsprozesse von NPLs ausschließlich manuell und ohne Auktionsprozess liefen, etabliert. Sie sind auch heute nach wie vor wichtige Player im Markt.


Bis Ende 2017 will die Debitos-Plattform die meisten europäischen Jurisdiktionen ­abgedeckt haben und strebt die Schaffung eines paneuropäischen Marktplatzes für jegliche Form illiquider Forderungen bis 2019 an. Derzeit verfügt man über eine Lizenz zum Vermitteln von Immobilien; eine zum Betrieb dieses elektronischen Zweitmarktes braucht man nicht. Allerdings darf Debitos – noch – keine Wertpapiere in Default handeln, dazu bräuchte man entweder eine Brokerlizenz oder eine Konzession zum Betrieb einer Börse. Aktuell befindet sich Debitos laut Peters in sehr frühen Gesprächen mit der britischen Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority). Angesichts des drohenden Brexit gibt es hier jedoch noch viele Fragezeichen, und Peters denkt darüber nach, ob nicht eine entsprechende Bewilligung am Kontinent – etwa in Deutschland – gesucht werden sollte.


Liquide Investoren
Neuer Treibstoff für die Debitos-Plattform ist jedenfalls reichlich vorhanden. Das Ergebnis einer Umfrage vom Sommer unter den gut 500 registrierten Investoren aus 14 Staaten bestätigt, dass diese kurzfristige ­Liquidität von mehr als elf Milliarden Euro besitzen, die Anlagen in offenen Forderungen sucht. Weiters stellte sich heraus, dass besonders Non-Performing Loans aus dem südeuropäischen Raum im Zentrum des Inter­esses stehen. Je ein Drittel der Teilnehmer gab an, zukünftig verstärkt in den italienischen und spanischen Kreditmarkt investieren zu wollen. Die Umfrage unter den Investoren habe ganz klar gezeigt, so CEO Peters, dass die Kaufinteressenten über ausreichend Liquidität verfügten, um kurzfris­tig die Wirtschaft in den Problemländern Italien und Spanien durch den Aufkauf offe­ner Forderungen zu unterstützen. Peters weiter: „In diesen Märkten ist viel Bewegung, denn dort ist der Druck auf Banken- und Unternehmensseite groß, sich schnellstmöglich von offenen Forderungen zu trennen. Aber auch Deutschland bleibt trotz sinkender Renditen im Fokus der Anleger.“


Die Nachfrage ist also vorhanden, nur das Angebot ist im Verhältnis dazu noch deutlich geringer. Deshalb halten sich auch die großen Player in Distressed Credits – die Hedgefonds wie LoneStar und Fortress – auf der Debitos-Plattform noch zurück. Sie sind es gewohnt, 100-Millionen-Investments am Stück zu tätigen. Wenn man dabei bedenkt, dass die im Auktionsprozess siegreichen Angebote in der Höhe von drei bis 20 Prozent der Forderung samt Nebenansprüchen ausmachen, kann man sich leicht ausrechnen, welche Forderungsnominalwerte nötig sind, damit die tiefen Taschen Gebote abgeben, nämlich 500 Millionen bis drei Milliarden Euro. Interessenten, die mit dem Gedanken spielen, ihre Forderungen erstmalig über die ­Debitos-Plattform anzubieten, macht das Haus ein spezielles Angebot: Man kann Unterlagen zu seiner Forderung hochladen, und Debitos bewertet diese aufgrund ihres Wissens­standes approximativ, um dem Gläubiger mit einer Preisspanne eine Indikation zu ­geben, was als Erlös einer Auktion in ähnlich gelagerten Fällen möglich ist. Wie sich der Prozess überblicksweise für den Ver­käufer gestaltet, zeigt die Grafik „Mit den Augen des Verkäufers“.


Als Verkäufer muss man zur Einstellung einer Forderung auf der Debitos-Seite lediglich eine gültige Firmenanschrift, einen vertretungsberechtigten Ansprechpartner und eine valide E-Mail-Adresse vorweisen. Die eingegebenen Daten werden mit öffentlichen Registern wie der Bürgel Datenbank abgeglichen. Damit wird gewährleistet, dass es sich tatsächlich um seriöse Geschäftspartner handelt. Für Verkäufer bietet Debitos eine Vielzahl von Hilfsmitteln an, um den Prozess so einfach wie möglich zu gestalten. So kann der Kunde einerseits einen Mindestpreis für seine Forderungen fest­legen, andererseits lässt sich aber auch die Laufzeit der Auktion bestimmen. Für die Kunden, die ganze Forderungspakete versteigern möchten, bietet das Unternehmen zudem eine spezielle Betreuung an. Dazu zählen ein kostenloser Scan-Service und die Aufbereitung der Forderungsdaten in einem kompatiblen Format. Diese Daten werden dem Verkäufer als E-Mail zugesandt.


Alles aus einem Guss
Debitos wickelt den gesamten Prozess, beginnend mit Investorenansprache, der Preisfindung bis zum Vertragsabschluss, digital ab. „Anders als im klassischen Inkasso bieten wir auch keinen Einzug von Forderungen im Namen Dritter an, sondern bringen Verkäufer und Käufer direkt zusammen“, fasst Peters zusammen. Wie bei jeder anderen Versteigerung gilt auch bei Debitos: Das höchste Gebot sticht. Die Vorteile für den Verkäufer liegen auf der Hand, muss er sich doch in diesem bislang intransparenten Markt nicht mit dem Preis eines von ihm direkt angesprochenen Interessenten zufriedengeben, sondern kann bei einem entsprechend interessanten Angebot beobachten, wie verschiedene Marktteilnehmer für seine zur Veräußerung anstehenden NPLs Gebote abgeben. Somit besteht die berechtigte Chance, einen möglichst hohen Marktpreis zu erzielen. Zudem ist der Verkaufsprozess deutlich verkürzt, er dauert im Schnitt nur drei bis vier Wochen. Auch Crossborder-Transaktionen sind möglich. Somit erschließen sich dem Verkäufer potenzielle neue Käufer, mit denen er von sich aus vielleicht gar nicht in Kontakt getreten wäre, wenn er den konventionellen manuellen Weg eingeschlagen hätte. Die Grafik „Debitos aus Käufersicht“ zeigt die Vorgangsweise bis zum Abschluss, zerlegt in mehrere Stufen.


Für Banken hat das Set-up den Vorteil, dass sie die NPLs losschlagen können. Diese würden, so sie auf den Büchern bleiben, viel Kapital binden, das ansonsten für das Neukreditgeschäft zur Verfügung stünde, und die Bilanz verlängern. Außerdem werden durch einen zügigen Onlineverkaufsprozess interne Ressourcen frei, die man ansonsten auf das Monitoring und die Betreibung der in Verzug geratenen Forderungen verwenden müsste. Auch wenn Banken diese Dienstleistungen der Forderungsbetreibung und des Forderungsmanagements der Problemkredite auslagern, entstehen hohe Kos­ten, die man sich durch einen Abverkauf an Investoren, die auf „Distressed Credit“ und dessen Verwertung spezialisiert sind, ersparen kann.


Aber auch Unternehmen als Gläubiger haben unbestreitbare Vorteile von in Verzug geratenen Forderungen, die über Debitos verkauft werden. In der Bilanz müssen bei Zahlungsstörungen nämlich Rückstellungen gebildet und ebenfalls Mitarbeiter für die Forderungsbetreibung abgestellt werden. Im Fall eines Konkurses drohen Intransparenz be­züglich der zu erwartenden Quote und ­eine lange Verfahrensdauer. Auch hier schafft ein Forderungsverkauf eine rasche Problemlösung. Auch Insol­venz­verwalter sind unter den Verkäufern.


Schnellerer Durchlauf
Zeit ist Geld, und Zeit wird durch den systematisierten elektronischen Verkaufsprozess in den unterschiedlichen Etappen des Prozesses  jede Menge gespart. Beispielsweise schätzt Debitos die Zeitersparnis in der Verkaufsvor­bereitung auf bis zu 40 Prozent gegenüber einem klassischen Off­line-Verkaufsprozess. So gibt es standardisierte Data Tapes für jede Assetklasse und vorgefertigte Vertragsschablonen für Vertraulichkeitsvereinbarungen, die sogenannten NDAs (Abkürzung für Non-Disclosure Agreements) sowie SPAs (Sales and Purchase Agreements; Vereinbarungen über den Kauf von Forderungen). Das über die Onlinebörse stattfindende ­Zusammenführen von Verkaufs- und Kaufwilligen spart Schätzungen zufolge gar 90 Prozent der Zeit eines herkömmlichen Verkaufsvorgangs von NPLs; findet doch ein automatischer Abgleich der Interessen von Verkäufern und Kaufwilligen statt. So kann ein potenzieller Käufer festlegen, an welchem Typus von Forderungen aus welcher Region und welcher Größe er interessiert ist. Kommt dann ein passendes Verkaufsangebot herein, wird er automatisch benachrichtigt. Bei sensiblen Transaktionen besteht umgekehrt auch die Möglichkeit für den Verkäufer, nur bestimmte registrierte Investoren zum Bieten einzuladen. Diese Form von ­geschlossenen Transaktionen wird man als Verkäufer dann wählen, wenn nicht jedermann wissen soll, dass man auf der Geberseite bei bestimmten Krediten (etwa besicherten Immobilienkrediten) ist. Debitos ­berät den potenziellen Verkäufer, ­welche Adressen zum Tender eingeladen werden sollten, und schöpft dabei aus seiner Erfahrung bei ähnlich gelagerten Fällen. Denkbar ist auch, dass etwa eine spanische Bank wiederum nur regis­trierte spanische Investoren einladen möch­te, am Bieterprozess beispielsweise für spanische notleidende Immo­bilienkredite teilzunehmen. In diesen Fällen spricht man von sogenannten „Invitation only“-Transaktionen. Auch eine automatisierte Long-/Short-List-Funktionalität steht dem Verkäufer zur Verfügung.


Koordinationsaufwand
In der Due-Diligence-Phase, wo NDAs und SPAs heruntergeladen, unterfertigt beziehungsweise diskutiert und dann wieder hochgeladen werden, gibt es eine Zeitersparnis um zirka die Hälfte. Ein standardisierter Q&A-Prozess mit Real-time-Ver­ständigungen bei Fortschritten in Bezug auf Fragen und Antworten sowie Dokumenten vervollständigt das Bild.
Eine elektronische Handelsplattform für Forderungen hat nicht nur die Standardisierung der Assetklassen und Dokumentation inklusive der NDAs und SPAs auf ihrer ­Habenseite zu verbuchen. Hinzu kommt die dealspezifische Onlineinformation und Präsentation in einem konsistenten, userfreundlichen Format, die Real-time-Online-Auktionsplattform mit der erst vor Kurzem eingeführten „Buy now“-Funktionalität. Des Weiteren sind Informationen über die Forderungsportfolios in einem virtuellen Datenraum verfügbar. Rechtsdokumente können angesehen, verändert und online vorgelegt werden. Dazu kommen Online-Analytik- und Bewertungstools, die Model­lierungen von Cashflows zulassen, eine Deal-Rating- und Scoring-­Methodik, Online-Pricing und Market Intelligence wie Liquiditätsanalysen und anderes mehr. Alle großen ­Arten von illiquiden Forderungsinstrumenten wie Kredite, Schadenersatzansprüche, Debitoren – und in Zukunft wohl auch Wertpapiere – werden abgedeckt. Nicht zu vergessen sind die erwähnte Zulassung von Third Party Transaction Advisors und die Integration mit anderen Content-Anbietern. Debitos will nicht nur eine Trans­ak­tionsplattform mit Onlinefunktionalität anbieten, sondern darüber hinaus als Referenzpunkt für all jene, die eine vertiefte Markteinsicht genauso wie indikative Preise und Bewertungstools suchen, wahrgenommen werden.


Der Bieterprozess im engeren Sinne ­geschieht ebenfalls mit einer Zeitersparnis von rund 90 Prozent, sagen die Plattformbetreiber. So kann man in den Markt hineinhorchen und Investoren um indikative, nicht bindende blinde Kaufangebote bitten. Dann gibt es das Modell der britischen Auktion mit bindenden öffentlichen Offerten, das sich über die Debitos-Plattform genauso abbilden lässt wie eine „Buy now“-Offerte mit bindendem Kaufpreisangebot seitens eines Kaufinteressenten. Sehr gute Resultate erzielt ein Verkäufer mit Real-­time-Auktionen, da der Bieterwettstreit zu einer Lizitation der abgegebenen Offerten führt, was im Sinne des Verkäufers ist. „Tatsächlich sind die zu beobachtenden Preise im Durchschnitt um 15 bis 30 Prozent höher, als wenn man auf konventionellem Weg versucht, NPLs an den Mann zu bringen“, weiß Peters.


Heterogene Käuferschar
Zur Käuferseite zählen Banken, Investmentfonds, Dienstleister aus dem Forderungssektor (Servicer) wie beispielsweise Immobilienverwerter, Family Offices sowie lokale spezialisierte Investoren. Zu dieser Gruppe zählen etwa Anwaltsfirmen, Private Equity Developers, die eine bestimmte Liegenschaft erwerben möchten, um ein bereits geplantes Projekt darauf zu errichten, und kleine Investmentfirmen. Was die Verkaufsseite anbelangt, so umfasst diese Banken, Unternehmen, Konkursliquidatoren und Dienstleister sowie Asset Manager. Gegenwärtig kann Debitos noch keine Wertpapiere handeln, wohl aber Kredite (besicherte und unbesicherte), Schadenersatzansprüche, Unternehmens- und Konkursforderungen.


Eine klare Vision
Peters und sein Team verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen Marktführer beim Übergang von Offline- zu Online-Trans­aktionen für das Business mit offenen Forderungen werden. Das Geschäft ist skalierbar, und Debitos verdient einen gewissen Prozentsatz an den tatsächlich abgeschlossenen Geschäften, die über die Plattform getätigt werden. Es ist also keine Einstell­- oder Teilnahmegebühr seitens der Kauf­willigen zu entrichten, sondern nur eine ­Erfolgskomponente auf Seiten des Verkäufers. Peters dazu: „Unsere Gebühren fallen bei erfolgreichem Auktionsabschluss in der Höhe von 0,5 bis 7,0 Prozent des Verkaufsvolumens an. Um das an einem Beispiel zu zeigen: Wenn eine Kreditforderung von 100 Millionen für zehn Prozent, das sind zehn Millionen Euro, gekauft wird, fallen für den Käufer 2,7 Prozent Fee – somit also 270.000 Euro – an.“


Geschäftsfeld Performing Loans
In letzter Zeit ist laut Peters zu beobachten, dass Banken zunehmend auch Performing Loans in Form von immobilienbesicherten Krediten über die Debitos-Plattform anbieten. Diese sind für die Zielgruppe der Versicherer, Versorgungswerke und Pen­sionskassen wiederum interessant, die langfristige, ertragbringende Anlagen nicht zuletzt wegen des Duration-Matchings suchen und für immobilienbesicherte Kredite nur wenig Kapital vorhalten müssen. Dieses ­Segment wird wohl bei Debitos perspektivisch ausgeweitet.


Das Team
Das Kernteam besteht aus drei Mitgliedern: Neben dem Unternehmensgründer ­Timur Peters, der über mehr als zehn Jahre Erfahrung im IT-Sektor und in der Finanzindustrie sowie über ein Diplom in Finance und einen Abschluss in Rechtswissenschaften verfügt, ist hier der Debitos-Partner ­Lorenzo Guidi in London zu nennen. Guidi war zuvor als Head of Illiquid Structural Debt beim Hedgefonds Och-Ziff. Davor gründete und leitete er Harvip als CEO, ­eine Distressed-Credit-Investment-Management-Boutique, und war als Managing ­Director bei der Fortress Investment Group tätig. Das Team komplettiert Peter Riedel als Managing Director, der über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Aufbereitung und im Verkauf von Distressed Loans verfügt. Der über eine deutsche Anwaltslizenz verfügende Riedel ist derzeit verantwortlich für Transaktionen in besicherten Krediten in Deutschland und wird bald den Österreich-/CEE-Desk leiten. Seine Karrierestationen umfassen die Hypo Alpe Adria Bank, PWC, die Heta Asset Resolution (Abwicklungs­gesellschaft der Hypo Alpe Adria), LoanStar und Bank of America Merrill Lynch. Dazu kommen zehn weitere Teammitglieder aus sechs Nationen, die sieben verschiedene Sprachen sprechen, sowie IT- und Sales-Professionals, Kundendienstleister und Blogger.


Stark besetzter Beirat
Prominent besetzt ist auch der Beirat: mit Prof. Dr. Mark Wahrenburg, Inhaber des Lehrstuhls für Banking und Finance an der Frankfurter Goethe-Universität; Professor Dr. Axel Wieandt, der frühere CEO der HRE Holding und Valovis Bank, der auch einmal Mitglied des Divisional Board der Deutschen Bank war; und Dr. Jochen Gutbrod, CEO der Raffay & Cie GmbH und ehemaliger CFO von Holtzbrinck. Seit April dieses Jahres ist Debitos assoziiertes Mitglied der European Fintech Alliance (EFA), der wichtigsten europäischen Allianz für Startups der Finanzszene. Die EFA vertritt seit Oktober 2016 europaweit die Interessen ­aller beteiligten Fintech-Unternehmen gegenüber Wirtschaft, Politik und Regulierungsbehörden.


Erfolgreicher Nischenplayer
Debitos hat sich zu einem erfolgreichen Nischenplayer als Zweitmarkt für offene Forderungen mit Zahlungsstörungen entwickelt. Diese wichtige Recyclingfunktion für NPLs kann mithelfen, die große Zahl an faulen Krediten, die als Menetekel im ­globalen Finanzsystem hängen, abzubauen. Als Early Mover hat man hier die Nase vorn, durch das Vorantreiben der Internationalisierung sollte man diese Leader-Position verteidigen können, selbst wenn Konkurrenz am Horizont auftauchen sollte. Sollte es im Euroraum zu Zinserhöhungen kommen und sollten einige Unternehmen, die sich bisher nur aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus am Leben erhalten konnten, pleite gehen, ist für jede Menge Stoff für die Debitos-Plattform gesorgt.


Das Thema des NPL-Ankaufs kann auch für institutionelle Investoren, die wohl in ­aller Regel „Distressed Credit“-Fondslösungen vorziehen werden, sowie Family Offi­ces interessant sein, während der Verkauf notleidender Forderungen für Corporates – angefangen bei Kleinunternehmen über den deutschen Mittelstand bis hin zu Konzernen – eine neue Möglichkeit darstellt, alten Ballast systematisch, rasch, transparent und zu vertretbaren Kosten abzuwerfen. Performing Loans auf der Debitos-Plattform hingegen sind ein Thema für Versicherer, Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrich­tungen.


Anhang:

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