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1/2021 | Produkte & Strategien
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Passiv grün

In ESG-ETFs treffen zwei der derzeit stärksten langjährigen Trends in der Vermögensverwaltung ­aufeinander: zum einen der anhaltende Aufstieg der Indexfonds, zum anderen der immer noch ­dynamischer werdende Nachhaltigkeitsboom.

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Nachhaltig anlegende ETFs gewinnen aus vielerlei Gründen an Bedeutung. Institutionelle schätzen vor allem die feste Methodologie und die damit verbundene Transparenz der zugrunde ­liegenden Benchmarks und der entsprechenden Indexfonds.

© Lyxor AM, WoGi | stock.adobe.com

ESG-ETFs haben sich zu neuen Marktstandards entwickelt, nachdem sie noch vor wenigen Jahren als Nischenprodukte wahrgenommen wurden“, erklärt Vincent Denoiseux, Head of ETF Research and ­Solutions bei Lyxor Asset Management. Er weist darauf hin, dass sich Investoren zunehmend der Effektivität von ESG-ETFs bewusst werden, wenn es darum geht, ­Kapital in großem Umfang in eine nach­haltigere Wirtschaft umzuschichten. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird.“

Ein institutioneller Investor in ESG-ETFs ist beispielsweise Finnlands größte Rentenversicherungsgesellschaft Ilmarinen mit einem Anlagevermögen von rund 50 Milliarden Euro. Diese stellte bei der Lancierung des Amundi MSCI Emerging ESG Leaders UCITS ETF Startkapital von mehr als 500 Millionen Euro zur Verfügung. Index beziehungsweise ETF erlauben Aktien-Exposure in Firmen mit einer hohen ESG-Performance im Vergleich zu ihren Wettbewerbern aus 26 Schwellenländern. „Wir ­legen Pensionskassengelder so an, dass ihre Rendite auch die Renten künftiger Generationen sichert“, erklärte Juha ­Venäläinen, Senior Portfolio Manager bei Ilmarinen, anlässlich der Bekannt­gabe der ETF-Börsennotierung.

Der Trend in Richtung ESG-ETFs zeigt sich auch am ersten ETF-Dachfonds Deutschlands. Der 2007 von Veritas aufgelegte Dachfonds, der nunmehr von La Française Asset Management verwaltet wird, setzt seit einigen Monaten so weit wie möglich nicht mehr auf klassische ETFs, sondern bevorzugt ESG-ETFs. Mittlerweile sind 90 Prozent des Dachfondsvermögens auf grüne Indexfonds umgestellt, was den Fonds zu ­einem der ersten nachhaltigen ETF-Dachfonds hierzulande macht. Lediglich bei US-Nebenwerten oder US-Technologieaktien muss Fondsmanager Marcus Russ mangels ausreichenden ESG-ETF-Angebots auf herkömmliche Indexfonds setzen.

Historisches Jahr

Einer BlackRock-Studie zufolge war 2020 ein „historisches Jahr“ für ESG-ETFs. In in den USA und der EMEA-Region gelistete ESG-Produkte flossen letztes Jahr rund 85 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: 2019 waren es nur 28 Milliarden US-Dollar. Ein bemerkenswertes Detail ist die Tatsache, dass ESG-ETFs während des Corona-Crashs in der extremen „Risk-off“-Phase zwischen Mitte Februar und Mitte März 2020 gegen den Markttrend Neugelder in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar zuflossen – nahezu alle andere Produktklassen sahen Abflüsse. Investoren nutzten in dieser Zeit die niedrigen Aktienkurse, um ihre ESG-Gewichtung zu erhöhen. Zu Beginn der Marktkorrektur wurden Standard-ETFs veräußert, beim Wiedereinstieg in den Aktienmarkt wurden dann stattdessen ESG-ETFs gekauft. „Die Nachfrage nach Bausteinen für eine nachhaltige Geldanlage ist deutlich gestiegen, vor allem institutionelle Investoren schichten von traditionellen Indizes in ETFs auf Basis von ESG-Varianten um“, bestätigt Simon Klein, Global Head of Passive Sales bei der DWS.

Dieser Trend könnte noch länger andauern, zeigte eine Invesco-Umfrage speziell zu ESG-Investments im Sommer 2020 unter mehr als 100 europäischen institutionellen Investoren. Mehr als die Hälfte (55 %) der befragten Profianleger gehen davon aus, dass sie ihre ESG-Investments in den nächsten fünf Jahren mehrheitlich mithilfe von passiven Produkten wie ETFs umsetzen werden. Großanleger mit ESG-Anlagen in ihren Portfolios gaben an, dass im Schnitt ein Fünftel (21 %) dieser Anlagewerte in ETFs gehalten werden. Knapp die Hälfte (45 %) dieser Investoren wollen innerhalb von zwei Jahren mehr Geld in ESG-ETFs investieren. Nur fünf Prozent beabsichtigen, den Anteil ihrer passiven Investments zu reduzieren. Die gegenüber ESG-ETFs positiv eingestellten Investoren ließen ihren Ankündigungen im Sommer im Spätherbst auch Taten folgen. Der Auslöser war die US-Präsidentschaftswahl.

Weiterer Rückenwind

Spätestens nachdem vergangenes Jahr immer wahrscheinlicher wurde, dass in den USA die Demokraten und Joe Biden die Wahl gewinnen und auch die US-Politik den Nachhaltigkeitstrend fördern würden, gewannen die weltweiten Zuflüsse in ESG-ETFs zusätzlichen Schwung. Dabei wurde vor allem am europäischen ETF-Markt gegen Jahresende hin mit beschleunigter Tendenz in ESG-Fonds investiert (siehe Grafik „ESG-ETFs bei Anlegern beliebt“). Unterm Strich erhielten ESG-ETFs 2020 mit 51 Prozent den Löwenanteil aller europäischen ETF-Zuflüsse, berichtet Lyxors ETF-Research in ihrem „Aktiv-Passiv-Navigator“. Diesem Report zufolge haben sich ESG-ETFs für Nachhaltigkeitsanleger gerechnet. Über alle von Lyxor untersuchten Anlageklassen hinweg erzielten ESG-ETFs 2020 eine durchschnittliche Überrendite von 1,4 Prozent gegenüber ihren jeweiligen Konkurrenten. Das bestätigt zwei Entwicklungen, die schon seit einigen Jahren zu beobachten sind: Einerseits schlagen Indexfonds beziehungsweise ETFs bei der Performance auf lange Sicht die meisten aktiven Fondsmanager. Andererseits entwickeln sich seit einigen Jahren ESG-Strategien in den meisten analysierten Anlageregionen und Zeitfenstern besser als klassische, nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtete Anlagelösungen.

Auch wenn ESG-Ansätze höchstwahrscheinlich zu einem Teil aufgrund einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“ beziehungsweise der in dieses Segment üppig fließenden Gelder outperformen: Diese Entwicklung könnte noch viele Jahre andauern. Zu stark ist der Druck der Politik und anderer Stakeholder, damit Real- und Finanzwirtschaft und mit ihnen institutionelle Investments nachhaltig sind beziehungsweise werden. Vor diesem Hintergrund könnte es für viele Anleger rational sein, zumindest bei der Investition neu anzulegender Gelder statt auf klassische Fonds lieber auf ESG-Strategien zu setzen, um von diesem Rückenwind bestmöglich zu profitieren. „Für die wachsende Zahl der Investoren, die in Fonds mit ESG-Ansatz anlegen möchten, ist klar, dass ETFs hierfür zunehmend wichtig werden“, hält Gary Buxton, Head of EMEA ETFs and ­Indexed Strategies bei Invesco, fest.

Grundsatzentscheidung

Nachdem Investoren grundsätzlich einmal für sich selbst entschieden haben, was sie unter „Nachhaltigkeit“ verstehen und wie weit sie dabei unter Berücksichtigung von Kriterien wie insbesondere Tracking-Error-Risiken von traditionellen Benchmarks abweichen wollen oder gemäß Anlagerichtli­nien dürfen, stellt sich die Frage nach dem „passenden“ Index und den entsprechenden Produkten. Während für die einen Investoren „Nachhaltigkeit“ lediglich exkludierenden Charakter hat und ein paar kontroverse Unternehmen wie beispielsweise Hersteller von Anti-Personen-Minen oder Kohleförderer ausgeschlossen werden, gehen andere Anleger bei ihren Nachhaltigkeitsbemühungen einen oder gar mehrere Schritte weiter. Für welches Nachhaltigkeitsniveau sich Investoren schlussendlich auch immer entscheiden, mittlerweile stehen für fast alle ESG-Ansprüche passende Indizes und in der Regel auch ETFs zur Auswahl. „Das Angebot an ESG-ETFs wird immer größer. Dadurch erhalten Investoren Zugang zu hervorragenden, kostengünstigen und ­liquiden Anlageinstrumenten, um das ihren individuellen Bedürfnissen und Präferenzen entsprechende ESG-Engagement umzusetzen“, sagt Invescos Buxton. Er fügt an: „Beispielsweise können Anleger Unter­nehmen aus bestimmten Branchen oder mit einem schlechten ESG-Profil ausschließen; alternativ können sie aber auch gezielt in Unternehmen investieren, die bei bestimmten ESG-Themen führend in ihrer Branche sind.“

Festes Regelwerk

Ein immer größeres beziehungsweise von Investoren auch über Käufe angenommenes Angebot an ESG-ETFs hat mehrere Ursachen. Zuallererst bauen ESG-ETFs beziehungsweise die zugrunde liegenden Nachhaltigkeits-Benchmarks in der Regel in ihrer ursprünglichen Methodologie auf den gleichen, branchenweit bekannten und anerkannten Indizes auf, die von Profianlegern seit vielen Jahren verwendet werden. Nennenswert sind hier die Anbieter MSCI, S&P oder auch FTSE, die zusätzlich zu den „klassischen“ Indizes auch ESG-Varianten anbieten. Investoren können dadurch relativ leicht eine Nachhaltigkeitsstrategie implementieren, ohne die grundsätzliche Port­foliostruktur ändern zu müssen.

Aber auch das Bedürfnis institutioneller Investoren nach „Kontrolle“ wird über Indizes beziehungsweise ETFs in hohem Ausmaß befriedigt. Dieses grundsätzlich für alle Indexanlagen geltende Prinzip ist insbesondere bei Nachhaltigkeit für Anleger von besonderer Bedeutung, da auf diesem Terrain immer wieder Fallstricke und Reputationsrisiken drohen, wenn im Portfolio von der Öffentlichkeit verdammte Firmen publik werden. Bei Indexanlagen wissen ESG-Investoren zu jedem Zeitpunkt, welche Unternehmen im Index und damit im Portfolio sind. Das ist bei aktiv gemanagten Fonds nicht immer der Fall, auch deren Bestands-Reporting erfolgt vielfach zeitversetzt. Profianleger schätzen bei ESG-Indexanlagen darüber hinaus auch deren „Konsistenz“, da Einzeltitel regelbasiert gekauft oder verkauft werden, die eingesetzten Filter und die Methoden zur ESG-Integration wiederholbar sind.

ESG-Daten

Darüber hinaus bieten ESG-Indizes und damit ETFs hohe Transparenz hinsichtlich Kriterien wie beispielsweise Tracking Error zur ursprünglichen (Mutter)-Benchmark, CO2-Bilanz oder ESG-Rating. Aktuelle Werte zu diesen drei genannten Kriterien führt beispielsweise BlackRocks ETF-Sparte iShares bei allen ihren Nachhaltigkeit-ETFs an und erleichtert damit Investoren das Reporting, aber auch die Entscheidungsfindung, welches Produkt geeignet sein könnte. Damit wird ein langjähriger Kritikpunkt an ESG-ETFs entkräftet.

Die oftmals bei ESG-Indexanlagen geäußerte Kritik, die die unzureichende Qualität der von den Unternehmen gelieferten Nachhaltigkeitsdaten adressiert, ist beziehungsweise war zwar berechtigt, verliert jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Die in ESG-Indizes einfließenden Daten werden aus zwei Gründen besser: Einerseits veröffentlichen Firmen immer mehr ESG-Kennzahlen, um über ihre Nachhaltigkeitsfortschritte zu informieren und damit sowohl in der Öffentlichkeit, aber auch bei Investoren besser dazustehen. Auf der anderen Seite werden diese Informationen zunehmend in standardisierter Form geliefert, um Finanzmarkt­akteuren und den ESG-Ratingagenturen den Vergleich zu erleichtern und in der Folge Ratings zu vergeben. Deren Skalierung reicht beispielsweise bei MSCI von AAA bis CCC–, während S&P Dow Jones Indexes Nachhaltigkeit auf einer Skala von null bis 100 Punkte beurteilt.

Die hohe Investorennachfrage nach ESG-Investments hat dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren die Indexrechner ihr Angebot an Nachhaltigkeitsindizes massiv ausgebaut haben. Nennenswert ist hier MSCI, der auf Basis seiner klassischen Indizes mittlerweile mehr als 1.500 ESG-Varianten berechnet und damit auch auf diesem Gebiet der Marktführer ist. Hinzu kommen unzählige, vielfach ähnlich konzipierte ESG-Benchmarks anderer Indexrechner. Da es der ETF-Branche nur schwer möglich ist, für die vielen Indizes jeweils eigene Indexfonds aufzulegen und mit ausreichend hohen Fondsvolumen auch gewinnbringend am Leben zu erhalten, fokussieren sich die Produktanbieter zumindest bislang auf eine noch überschaubare Anzahl an ESG-Index-Familien.

Hell- bis dunkelgrün

Die meisten großen ETF-Häuser kooperieren bei ihren ESG-ETFs mit MSCI. So auch BlackRock: Die US-Amerikaner bieten Investoren – abgesehen von fokussierten ESG-Themenfonds (beispielsweise auf „saubere“ Technologien) oder speziellen Impact-Investing-ETFs – grundsätzlich nachfolgende drei ESG-Spielarten über die wichtigsten Welt-Anlageregionen auf Basis der MSCI-ESG-Methodologie an: Bei „ESG Screened“ werden lediglich Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken ausgeschlossen. Strenger ist „ESG Enhanced“: Hier versucht der jeweilige Nachhaltigkeitsindex ähnliche Erträge wie die zugrunde liegende klassische Benchmark zu erzielen, strebt aber hohe ESG-Wertungen an. Am strengsten ist die „SRI“-Variante. In diese ­konzentrierten Indizes werden nur jene Unternehmen aufgenommen, die Spitzenbewertungen im Bereich ESG erhalten haben (mehr Details dazu finden Sie im Textkasten „ESG-Indizes und deren Methodologie“). Wie sehr sich bei Nachhaltigkeits-ETFs ein möglichst strenger Ansatz und damit eine Fokussierung auf dezidierte SRI-Indizes beziehungsweise Produkte in den vergangenen Jahren ausgezahlt haben, zeigt eine von Institutional Money erstellte Übersicht interessanter ESG-ETFs für das Anlageuniversum „Entwickelte Welt“ (siehe Tabelle „Angebot an ESG-ETFs gewinnt an Dynamik“). Im Spitzenfeld des Rankings sind vorwiegend jene Indexfonds, die auf SRI-Indizes setzen, während ETFs, die ­weniger „streng“ sind beziehungsweise lediglich ein paar kontroverse Unternehmen exkludieren, tendenziell die hinteren Tabellenplätze belegen.

Den Platz an der Sonne im Einjahreszeitfenster per Stand Ende Januar 2021 in Euro belegt ein Fonds von BNP Paribas Asset Management. Der vollständig physisch replizierte, thesaurierende BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series 5% Capped UCITS ETF EUR Acc baut auf der besonders restriktiven MSCI World SRI S Series auf. Trotz Ausschluss zahlreicher Unternehmen will der 358 Aktien umfassende Index MSCI World SRI S-Series 5% Capped eine ähnliche Branchen- und Regionsrepräsen­tation aufweisen wie der klassische MSCI World Index mit 1.585 Positionen. Das maximale Gewicht eines Unternehmens in der SRI-Variante beträgt fünf Prozent bei jeder Neuausrichtung. Ein Blick auf die Top-­Five-Werte des SRI-Produkts zeigt, dass im Vergleich zum MSCI World Index Unternehmen wie beispielsweise Apple, Amazon, Facebook oder Google-Mutter Alphabet fehlen. Die zwei größten Aktien sind Microsoft und die 2020 stark gestiegene Tesla mit knapp über fünf Prozent Gewichtung, gefolgt von Nvidia, Procter & Gamble und Walt Disney. Der Trend bei ESG-ETFs in Richtung mehr Strenge und damit strikterem SRI-Filter spiegelt sich auch bei diesem ETF wider: Bis September 2019 war der Referenzindex „nur“ der MSCI World ex Controversial Weapons (NTR), und die Fondsbezeichnung lautete MSCI World ex CW. Dies ­erklärt den Ex-post-Tracking-Error von 0,41 Prozent. Morningstar hat den BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series 5% Capped UCITS ETF EUR Acc mit fünf Sternen ausgezeichnet.

Auf Platz zwei im Ranking liegt der ebenso wie das französische Produkt im Jahr 2017 lancierte iShares MSCI World SRI UCITS ETF EUR (Acc). Referenzindex des mittlerweile fast 2,2 Milliarden Euro schweren, auf Basis einer physischen Replikation (Optimierung) verwalteten ETFs ist der MSCI World SRI Select ­Reduced Fossil Fuel Index. Im Ein­j­ahresvergleich erzielte das iShares-Vehikel eine Performance von 10,10 Prozent. Im Dreijahresvergleich weist der ETF mit 41,95 Prozent die höchste Performance seiner Vergleichsgruppe auf. Beim Vergleich der Top-Ten-Positionen fällt auf, dass das iShares-Produkt dieselben Aktien in ähnlicher Gewichtung allokiert wie der erstgereihte BNP-Paribas-Fonds. Beim iShares-ETF liegt aber Tesla vor Microsoft und auf Platz sieben die Schweizer Roche Holding, die bei den Franzosen nicht in den Top Ten ist.

Schweizer Schwergewicht

Der von der schweizerischen UBS Asset Management aufgelegte UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis hat den längsten Track Record unter all jenen ESG-ETFs, die auf MSCI-Benchmarks beruhen. Dies und die überdurchschnittlich gute Performance auf Sicht von drei und fünf Jahren mit 37,96 und 77,95 Prozent sind wohl die Gründe ­dafür, dass das Gefäß mit mehr als 2,6 Milliarden Euro der größte in der DACH-Re­gion registrierte ESG-ETF ist. Referenzindex ist der 327 Aktien umfassende MSCI World SRI Low Carbon Select 5% Issuer Capped Total Return Net. Beim angeführten iShares-ETF und beim UBS-ETF sind die Top-Ten-Aktien in gleicher Reihenfolge ­gewichtet. Bei der UBS sind die einzelnen Titel aufgrund weniger Indexkomponenten aber etwas höher gewichtet. Die Schweizer setzen im Gegensatz zu iShares (Optimierung) beim ETF auf eine vollständige Replizierung. Dadurch belief sich der Tracking Error (ex post) in den vergangenen Jahren lediglich zwischen niedrigen 0,04 und 0,05 Prozent.

Zusammenfassend kann man den Schluss ziehen, dass sich fokussierte, strengere Nachhaltigkeitsansätze zumindest in den jüngsten beobachteten Zeitfenstern besser schlugen als breitere ESG-Indizes oder die klassische MSCI-World-Benchmark im Performancevergleich. Erklärbar ist diese Outperformance durch die hohen kurstreibenden Flows in ESG-Aktien, aber auch die in den letzten Jahren zur Kursschwäche neigenden Öl- und Rohstoffaktien, die in ESG-Indizes in der Regel nicht- oder nur untergewichtet sind.

Im Fall einer möglichen von Inflationsängsten befeuerten Rohstoffrallye wird sich zeigen, ob Nachhaltigkeits-ETFs weiterhin mit Outperformance glänzen oder das Nachsehen haben.

Anton Altendorfer


ESG-Indizes und deren Methodologie

Nachhaltigkeitsindizes können vielfältig konzipiert sein und erlauben Engagements von „hellgrün“ bis „dunkelgrün“.

MSCI ist der unumstrittene Branchenprimus bei ESG-ETF-Benchmarks und bietet Produktanbietern wie auch Investoren zahlreiche Nachhaltigkeitsindizes zur Ausrichtung ihrer Portfolios an. Diese ESG-Indizes versuchen über verschiedene Restriktionsniveaus die unterschiedlichen Anlegeranforderungen zu erfüllen. Nachfolgend eine kleine Auswahl jener ESG-Indizes, auf die bislang ESG-ETFs aufgelegt worden sind.

+ESG Screened: Auf Basis der regionalen Ausgangsindizes (z. B. MSCI World, MSCI Europe) exkludiert MSCI bei der MSCI-ESG-Screened-Reihe Unternehmen mit Umsätzen in den Bereichen Tabak, Waffen, Kraftwerkskohle, Ölsande und alle Firmen, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact (UNGC) und vergleichbare Regeln verstoßen. Dabei gilt ein Schwellenwert bei den Umsätzen von fünf Prozent. Hersteller von kontroversen Waffen und Atomwaffen sind stets ausgeschlossen. Die verbleibenden Unternehmen (ca. 90 %) werden nach ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtet. Das hat den Vorteil, dass diese Indizes relativ wenig von der Gesamtmarkt-Benchmark abweichen.

+ESG Enhanced Focus: Wie bei der ESG-Screened-Indexreihe werden von MSCI bei der ESG-Enhanced-Focus-Serie zahlreiche Branchen beziehungsweise Unternehmen ausgeschlossen. Die Gewichtung der verbleibenden Indexmitglieder erfolgt dann aber nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach der Erfüllung von ESG-Kriterien. Musterschüler werden dabei stärker gewichtet. Darüber hinaus strebt der Index eine Reduktion der CO2-Emissionen und anderer Treibhausgase um 30 Prozent im Vergleich zum Ausgangsindex an.

+ESG Leaders: Die MSCI-ESG-Leaders-Indizes streben eine 50-prozentige Ab­deckung aller Sektoren des Mutterindex an. Dabei werden auf Basis des hauseigenen MSCI-ESG-Ratings nur jene Unternehmen berücksichtigt, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe sehr hohe Bewertungen erhalten. Darüber hinaus fließt in die Bewertung ein, wie sich das ESG-Profil im Zeitablauf ändert. Auch bei der ESG-Leaders-Variante werden viele Unternehmen aus bedenklichen Sektoren in Analogie zum „Screened“-Ansatz ausgeschlossen. Die Indexgewichtung erfolgt nach der klassischen Marktkapitalisierung.

+SRI Indizes: Die MSCI-SRI-Indizes streben danach, 25 Prozent der nachhaltigsten Unternehmen jedes Sektors des ursprünglichen Index zu enthalten. Die Gewichtung erfolgt nach Marktkapitalisierung. Darüber hinaus werden Unternehmen mit Umsätzen in Bereichen wie Alkohol, Tabak, Waffen, Glücksspiel, Pornografie, Kernenergie, Kraftwerkskohle, Gentechnik oder Verstößen gegen die UN-Global-Compact-Prinzipien ausgeschlossen. Bei diesen Ausschlüssen ist der SRI-Ansatz strenger als die Methodologie der bislang beschriebenen Indizes. Im Rahmen der SRI-Familie geht es aber noch restriktiver: Bei einigen SRI-Subindizes werden weitere Unternehmen ausgeschlossen beziehungsweise untergewichtet, etwa Unternehmen aus dem Öl- oder Gassektor. Beispiele dafür sind die SRI-S-Series-Indizes, Low- Carbon-SRI-Leaders- oder SRI-Select-Reduced/Filtered-Fossil-Fuels-Indizes.


Anhang:

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