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1/2022 | Produkte & Strategien
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Neuer Marktteilnehmer

Die Bundesregierung macht Ernst mit der Einführung der teilweisen Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente. Die Basis für den Kapitalstock steht fest, viele Detailfragen sind aber noch zu klären. Für die ­Vermögensverwaltungsbranche steht aber schon fest, dass hier ein neuer Markteilnehmer entsteht.

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Ehe man sich versieht, ist es 2025, und die „doppelte Haltelinie“ gilt nur bis 2025. Insofern ist es weitsichtig, das Thema Rentenpolitik anzugehen und zu überlegen, wie Generationen­gerechtigkeit in der Rentenpolitik langfristig gewahrt werden kann.

© Skagen Funds, Hyejin Kang | stock.adobe.com
Die Rente muss verlässlich und auskömmlich sein, darum sichern wir das Rentenniveau und ergänzen sie um kapitalgedeckte Elemente“, steht im Koalitionsvertrag, und dieser Satz stellt eine Zäsur in der zuletzt auf dem Umlageverfahren basierenden deutschen Altersvorsorge dar. Theoretiker diskutieren seit Langem über die Vorzüge und Nachteile der konkurrierenden Systeme, eine finale Antwort konnte niemand liefern. Grundsätzlich erscheint es aber sinnvoll, Umlageverfahren mit einem kapitalgedeckten Element zu kombinieren. Bis man so weit ist, müssen allerdings noch etliche Fragen beantwortet werden, sie reichen von „Wie soll das Geld investiert werden?“ bis „Wer wird den Topf managen, und wer überwacht ihn?“.
 
Zunächst die Grundidee: Die jetzt noch geburtenstarken Jahrgänge sollen aus ihrem Steueraufkommen und daraus finanzierten staatlichen Zuschüssen einen Kapitalstock aufbauen. Aus diesem lässt sich später zehren, wenn die Babyboomer-Generation von einer geburtenschwachen Kohorte zu versorgen ist. Insofern werden die künftig Aktiven von der Notwendigkeit allzu stark steigender Beitragssätze verschont, sodass die kapitalgedeckte Altersvorsorge einen Beitrag zur Generationengerechtigkeit darstellt: Die jetzt noch Aktiven ­bauen selbst einen Puffer auf, um bei der Finanzierung ihrer künftigen Rentenzahlungen mitzuhelfen.
 
Der Koalitionsvertrag 2021 bis 2025 formuliert dazu relativ konkret: Wir werden „zur langfristigen Stabilisierung von Rentenniveau und Rentenbeitragssatz in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen. Diese teilweise Kapitaldeckung soll als dauerhafter Fonds von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet werden und global anlegen.“
 
Beginn mit zehn Milliarden
Wie hoch das Anfangskapital sein soll, sagt der Koalitionsvertrag auch: Wir werden „in einem ersten Schritt der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2022 aus Haushaltsmitteln einen Kapitalstock von zehn Milliarden Euro zuführen.“ 
 
Um einen Größenvergleich zu haben: Die gesamten Ausgaben des Bundes im Jahr 2022 betragen laut Bundesministerium für Finanzen 443 Milliarden Euro. Davon fließen etwa 100 Milliarden Euro Bundeszuschuss in die gesetzliche Rentenversicherung. Derzeit zahlt die Deutsche Rentenversicherung zirka 330 Milliarden Euro jährlich an die Rentner aus. Der Bundeszuschuss ist notwendig, um die Bilanz des umlagefinanzierten Systems auszugleichen.
 
Vor diesem Hintergrund scheinen die zehn Milliarden, mit denen man den Kapitalstock starten will, gut zu stemmen zu sein. Dass dem Kapitalstock künftig weitere Mittel zugeführt werden müssen, versteht sich, denn die Beitragszahler werden weniger und die Rentenempfänger mehr. Um aber zunächst die Rahmenbedingungen zu gestalten und den Kapitaltopf einzurichten, muss der Betrag für den Anfang nicht größer sein.
 
Bei staatlichen Kapitaltöpfen schwingt immer die Befürchtung mit, dass er in Zeiten knapper Kassen Begehrlichkeiten schafft und dann mit im Staatshaushalt zerrieben wird. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele im Ausland (z. B. 2015 in Argentinien), aber auch in Deutschland. Zuletzt kündigte das Bundesland Bremen an, die verbliebene Versorgungsrücklage von etwa 80 Millionen Euro, die ursprünglich für die Beamtenversorgung vorgesehen war, im Doppelhaushalt 2020/2021 zu verbrauchen. Zuvor wurden bereits 2017 Versorgungsrücklagen der Länder Brandenburg und Rheinland-Pfalz aufgelöst.
 
Angesichts solcher Erfahrungen will die Regierungskoalition den jetzt geplanten Topf zweckgebunden für die gesetzliche Rentenversicherung halten und entsprechend schützen: „Der kapitalgedeckte Teil der gesetzlichen Rente muss für das Kol­lektiv der Beitragszahler dauerhaft eigentumsgeschützt sein“, steht im Koalitions­vertrag.
 
Noch keine Leitplanken
Bildlich gesprochen ist die Straße der teilkapitalgedeckten gesetzlichen Rente in Deutschland geplant, aber der Straßenverlauf steht noch nicht genau fest, und Leitplanken gibt es ebenfalls noch nicht. So ist zu klären, wer die Gelder verwaltet und welche Anlagerichtlinien es dafür geben soll. Hier bleibt der Koalitionsvertrag vage: „Wir werden der Deutschen Rentenversicherung auch ermöglichen, ihre Reserven am Kapitalmarkt reguliert anzulegen.“ Ein Hinweis, dass das Geld rentierlich angelegt werden könnte, findet sich im Passus über die betriebliche Altersversorgung. Diese soll gestärkt werden, „unter anderem durch die Erlaubnis von Anlagemöglichkeiten mit ­höheren Renditen“. Womöglich gilt das auch für die Gelder der gesetzlichen Rente. Eine höhere Allokation in höherrentierliche Anlagen wäre zu begrüßen, zumal der bereits ­bestehende „Versorgungsfonds des Bundes“ – er dient der Finanzierung der Versorgungsausgaben für Beamte, Richter und ­Berufssoldaten – nur zu maximal zehn Prozent in Aktien investieren darf, und zwar „im Rahmen eines passiven, indexorientierten Managements“.
 
„Sinnvolle Maßnahme“
„Dass auch ein kapitalgedeckter Teil in die gesetzliche Rente in Deutschland ein­geführt wird, halte ich für sehr sinnvoll“, meint Josef Scarfone, Geschäftsführer Deutschland für Skagen Funds. Er kennt sich gut mit den Altersvorsorgemodellen in Skandinavien aus. „In meinen Augen könnte – ähnlich wie in Norwegen und vor allem Schweden – auch eine staatliche Verwaltungsstelle hierbei eine Rolle spielen, jedoch sollte der Staat eher kein aktives Stock­picking betreiben, sondern passive Anlagelösungen bereitstellen. Das Angebot sollte gleichberechtigt ergänzt werden um aktive Fonds und Anlagelösungen von spezialisierten Vermögensverwaltern beziehungsweise Fondsgesellschaften, sodass die Beitragszahler eine für ihre Bedürfnisse passende Auswahl vornehmen und die verschiedenen Bausteine kombinieren können.“ 
 
Preisgestaltung
Die Preisgestaltung für die Verwaltung des Topfes könne man regulatorisch vor­geben, ausschlaggebend seien in erster ­Linie jedoch die Expertise und eine passende Infrastruktur, meint Scarfone, und Nachhaltigkeitskriterien seien angesichts der Langfristigkeit eines solchen Konzepts ­natürlich auch zu berücksichtigen. Eine Vorstellung von der notwendigen Größenordnung des Kapitaltopfes hat Scarfone auch: „Ein Grundstock von zehn Milliarden Euro mag für den ersten Testbetrieb gut sein, aber als langfristige Systemergänzung reicht dieser Betrag bei Weitem nicht aus. Um dem schwedischen Modell nahezukommen, müssten einmalig etwa 200 Milliarden Euro als Kapitalstock zugeführt werden, der dann aus Beitragseinnahmen jährlich um zirka 30 Milliarden Euro aufzustocken ist.“ Politischer Wille vorausgesetzt, sei das nicht utopisch, wenn man bedenkt, dass der Bundeszuschuss aktuell bei etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr liege, ist Scarfone optimistisch. Wer genau hinsieht, findet im Koa­litionsvertrag sogar Hinweise auf einen weiteren staatlichen Topf, der im Bereich der privaten Altersvorsorge entstehen könnte: „Wir werden das bisherige System der privaten Altersvorsorge grundlegend reformieren. Wir werden dazu das Angebot eines ­öffentlich verantworteten Fonds mit einem effektiven und kostengünstigen Angebot mit Abwahlmöglichkeit prüfen.“ Daneben will die neue Regierung die gesetzliche Anerken­nung privater Anlageprodukte mit höheren Renditen als Riester prüfen. Es stellt sich die Frage, welche Stelle diese staatlichen Töpfe managen könnte. Anja Mikus, Vorstandsvorsitzende des KENFO – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung – bringt dafür den KENFO ins Gespräch (siehe Interview mit Anja Mikus).
 
Anke Dembowski

Anhang:

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