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3/2017 | Produkte & Strategien
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Nachhaltige Zinsen

Green-Bond-Fonds: Eine zunehmende Anzahl sowie erste Track Records sprechen für eine nähere ­Betrachtung. Mittlerweile stehen Investoren auch immer mehr Indexprodukte zur Verfügung. Markt­beobachter sehen dies als Zeichen, dass Green-Bond-Fonds ein ernstzunehmendes Investment werden.

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Dramatische Auswirkungen des Klimawandels wie Wirbelstürme und Überschwemmungen sorgen dafür, dass das Interesse an Green Bonds in jüngster Zeit deutlich gestiegen ist. ­Spätestens seit der Telefonhersteller Apple einen milliardenschweren Green Bond lancierte, sind grüne Anleihen und vor allem in diese investierende Investmentfonds einen näheren Blick wert.

FOTO: © MI ROVA , GMF

Green Bonds und entsprechende Fonds rücken langsam, aber sicher auf die Radarbildschirme professioneller Marktteilnehmer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Auswahl an Emissionen inzwischen breit genug ist, um auch Groß­anlegern die benötigte Diversifikation zu ­eröffnen. Was 2007 mit dem ersten „Cli­mate Awareness Bond“ der Europäischen Investitionsbank (EIB) ­begann, entwickelte sich seither zu einem Universum, das auf globaler Ebene zum letzten Jahresultimo mehr als 150 Emittenten und ein ausstehendes Volumen von rund 167 Milliarden US-Dollar umfasste. Schwung brachten beispielsweise Polen, das Ende 2016 den ersten Sovereign (staatlichen) Green Bond emittierte, oder Frankreich, das im Januar 2017 mit einer sieben Milliarden Euro schweren Benchmarkanleihe nachzog. „Für die nahe Zukunft ist damit zu rechnen, dass im Zuge des Pariser Klimaabkommens ­(Paris CoP-21) weitere Staaten dem Beispiel von Polen und Frankreich folgen werden.


Generell dürfte in den nächsten Jahren das Anlagesegment rasch expandieren, denn der Investitionsbedarf für Maßnahmen zur Überwindung der Klimaproblematik ist enorm, und Green Bonds dienen mittlerweile als bewährte Finanzierungsquelle“, prognostiziert Credit Suisse Asset Management. Aber nicht nur supranationale Organisationen wie die EIB, Förderbanken wie die KfW oder Staaten holen sich als Emittenten Geld für Klima- und Umweltschutzprojekte, auch Unternehmen emittieren ­immer öfter Green Bonds. „Obwohl alle Bereiche wachsen, übertrifft der Corporate-Bereich – mit einem Anteil von etwa 28 Prozent am Volumen aller Neuemissionen – die anderen Bereiche inzwischen deutlich“, erklärt Christopher Wigley, Portfolio Manager bei Mirova, einer SRI-Boutique im Besitz von Natixis Asset Management. Abgesehen von den Emissionen zahlreicher Versorgerunternehmen wie EdF, Iberdrola oder dem österreichischen Verbund zog 2016 insbesondere die 1,5 Milliarden US-Dollar schwere Green-Bond-Emission von Apple große Aufmerksamkeit auf sich. Das war immerhin der bislang größte von einem US-Unternehmen platzierte Green Bond. „Das Geld soll für fünf nachhaltige Zwecke verwendet werden, etwa für Projekte, die den Einsatz erneuerbarer Energien, die Energieeffizienz und die nachhaltige Wassernutzung in den Werken des Unternehmens fördern. Außerdem sollen nachhaltige Mate­rialien und das Recycling von Smartphones erforscht werden“, führt Wigley aus.


Nicht nur die USA folgen den Europäern, die auf diesem Gebiet Pioniere sind, bei der Auf­lage von Green Bonds, auch die Emerging Markets haben sich vom Green-Bond-Fieber anstecken lassen. Insbesondere China springt auf diesen Zug auf: Chinesische Banken haben bereits Green Bonds in Yuan und in US-Dollar platziert. Und auch in ­Indien gab es die ersten Green-Bond-Emissionen. Angesichts einer immer breiteren Green-Bond-Auswahl nimmt es nicht wunder, dass Investoren immer mehr in Deutschland zugelassene Green-Bond-Fonds zur Verfügung stehen. Das zeigt beispielsweise ein von Scope im Sommer 2017 veröffentlichtes Paper („Green-Bond-Fonds – Vermessung einer neuen Asset-Klasse“), auf dessen Basis Institutional Money die ­interessantesten Green-Bond-Fonds näher analysiert und bei diesen die aus dem Blickwinkel institutioneller Investoren wichtigs­ten Eckpunkte herausstreicht. Da die Scope-Studie größtenteils lediglich Retailanteilsklassen von Green-Bond-Fonds covert, hat sich Institutional Money zusätzlich die explizit für Großanleger aufgelegten Vehikel angesehen. Dabei entdeckten wir noch weitere in der Scope-Studie nicht angeführte Green-Bond-Fonds, die für große Kapitalsammelstellen jedenfalls interessant sind und daher Aufnahme in allfällige Beobachtungslisten finden sollten.


Size matters
Während Scope per Stand Ende April 2017 auf 13 in Deutschland zugelassene Green-Bond-Fonds kam, die in Summe ein Fondsvolumen in Höhe von 650 Millionen Euro aufwiesen, zählte Institutional Money per Stand Ende August 2017 – ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – 15 verschiedene Green-Bond-Fonds mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von rund 820 Millionen Euro. „Da fast alle Fonds ­einen Track Record von unter zwei Jahren aufweisen, sind die Volumina der Green-Bond-Fonds zumeist noch sehr überschaubar“, erklärt Scope-Analystin Simone Schieg, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Andre Härtel den Report verfasste. Dass Track Record und Fondsvolumina oftmals positiv miteinander korrelieren – vor allem wenn sich ein großes Finanzinstitut mit entsprechend vielen Vertriebsmöglichkeiten im Hintergrund befindet –, ist exemplarisch am Mirova Global Green Bond Fund zu sehen. Schließlich gehört Mirova aus Paris zu 100 Prozent Natixis Asset Management, und ­deren Mutter Natixis ist ihrerseits die Investmentbank der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das könnte durchaus auch eine Rolle dabei spielen, dass der in der ersten Jahreshälfte 2015 gestartete Mirova-Fonds (Portfolio Manager: Christopher Wigley) per Ende August 2017 immerhin schon ein Fondsvolumen von rund 150 Millionen Euro auf die Waage brachte und damit der größte in Deutschland zugelassene Green-Bond-Fonds ist.


Track Record ist wichtig
Nikko Asset Management kann Anlegern sogar einen noch längeren Track Record vorweisen. Der auch deutschen Investoren zugängliche Nikko AM World Bank Green Fund wurde im Februar 2014 aufgelegt und ist damit jenes Vehikel, das den längsten Track Record unserer Tour d’horizon, die sich tendenziell an der zeitlichen Reihen­folge der Fondslancierungen orientiert, aufweist. Ein vergleichbares US-Produkt lancierte Nikko AM bereits 2010. Dieser „Frühstart“ wirkt sich bis heute auf den Fondsnamen aus. Denn dieser suggeriert Anlegern auf den ersten Blick, dass der Fonds gar kein Green-Bond-Fonds sei. Auf den zweiten Blick und bei genauerer Betrachtung erhalten Investoren aber doch Green-Bond-Exposure.


Denn Fondsmanager Steven Williams investiert mindes­tens 85 Prozent in Anleihen der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development, IBRD; diese ist ein Teil der Weltbankgruppe und die Weltbank im ­engen Sinne) und dabei bevorzugt in deren Green-Bond-Emissionen. Dabei muss das Fondsportfolio mindestens zu 75 Prozent aus Green Bonds bestehen. Diese Fokussierung auf IBRD-Green-Bonds hat historische Gründe: In den Anfangsjahren der Green Bonds war die IBRD einer der wichtigsten Emittenten dieser grünen Anleihen. So begab allein seit 2008 die IBRD mehr als zehn Milliarden US-Dollar an Green Bonds. Neben Hartwährungsanleihen kauft Williams jedoch auch jene IBRD-Bonds, die in EMD-Lokalwährungen wie dem brasilianischen Real oder dem mexikanischen Peso begeben wurden. Das sorgt zwar für höhere Renditen, währungsbedingt aber auch für stärkere Schwankungen des Fonds-NAVs. Die Konzentration auf zuletzt lediglich 19 Einzeltitel und nur einen einzigen Emit­tenten könnte vielleicht viele Investoren aus Risikogesichtspunkten irritieren, sollte aber  angesichts eines seit 1959 bestehenden ­Triple-A-Ratings der IBRD hoffentlich kein Problem darstellen. Beim zweitältesten Fonds unseres Vergleichs, dem SEB Green Bond, erkennen Investoren hingegen gleich am Fondsnamen, welche Strategie hier verfolgt wird.


Der SEB Green Bond ist mittlerweile im dritten „Lebensjahr“ seines Bestehens. Seit April 2015 verfolgen Marianne Gut und ihr Team in Stockholm frei von Benchmark­restriktionen eine Green-Bond-Strategie. ­Einige der Fondstranchen haben aber zumindest aus formalrechtlicher Sicht eine noch längere Historie vorzuweisen. Das liegt daran, dass diese Fondshüllen vormals als „SEB Ökorent“ vertrieben und seit 2015 für die neue Green-Bond-Strategie ver­wendet werden. „Seither investiert das Fixed-In­come-Team der SEB in Stockholm mindes­tens 70 Prozent des Portfolios in grüne ­Anleihen. Es wird darauf geachtet, dass sich die nach Januar 2014 emittierten Anleihen als Green Bonds gemäß den Green Bond Principles qualifizieren“, erklärt Schieg, die in ihrer Analyse betont, dass ­interessanterweise vor allem 2015 viele Green-Bond-Fonds lanciert wurden. Ein Beispiel dafür sind die 2015 ausschließlich für institutionelle Investoren aufgelegten Tranchen des Allianz Green Bond Fund, die sich – um dies bereits an dieser Stelle vorwegzunehmen – bisher hervorragend entwickelt haben und auch aufgrund ihrer Ausrichtung auf die Bedürfnisse vieler VAG-­regulierter Investoren eine genauere Betrachtung verdienen.


Versicherungstöchter innovativ
Das in Luxemburg aufgelegte Gefäß von Allianz Global Investors investiert hauptsächlich in Green Bonds von Unternehmen mit Investment-Grade-Rating, darüber hinaus aber auch in Green Bonds von Staaten, supranationalen Einrichtungen und Agencies. Alle Anleihen sind in der Währung ­eines OECD-Staates denominiert. Der Anteil von Non-Investment-Grade-Bonds darf maximal fünf Prozent betragen, wobei diese zumindest beim Erwerb ein Mindestrating von „BB–“ aufweisen müssen, was insbesondere VAG-regulierten Investoren zugutekommt. Offene Fremdwährungsrisiken dürfen maximal zehn Prozent des Fondsver­mögens erreichen. Aus Diversifikationsgründen dürfen bis zu 15 Prozent Non-Green-Bonds beigemischt werden.
 

Derzeit wird diese Quote jedoch nur zu neun Prozent aus­genutzt, Tendenz fallend. Laut ­Julien Bras, der gemeinsam mit Hervé ­Dejonghe den Allianz Green Bond managt, gibt es gleich mehrere Gründe, warum ­institutionelle ­Investoren gerade den haus­eigenen Fonds kaufen sollten: erstens die globale Präsenz von Allianz Global Inves­tors, die nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Asien mit zahlreichen Analysten vertreten ist. Dies sorge für ein besseres Coverage vieler Emittenten und Emissionen. In der Folge erlaubt dies den beiden Fondsma­nagern auch eine im Vergleich zur Benchmark wesentlich höhere Gewichtung von Unternehmensanleihen (60 versus 36 Prozent in der Benchmark). Abgesehen vom höheren Renditepotenzial von Cor­porate Bonds hat diese Übergewichtung laut Bras noch einen anderen Grund: „Der betonte Fokus auf Green Bonds von Emittenten aus dem Corporate-Bereich spiegelt unsere starke Überzeugung wider, dass der Privatsektor mobilisiert werden muss, um Klimaschutz und Energiewende zu finan­zieren, da Regierungen die dafür notwendigen riesigen Beträge nicht aufbringen werden können.“ Des Weiteren erklärte Bras gegenüber Institutional Money, dass sein Haus Fondsinves­toren neuerdings auch „Impact Reportings“ liefert. Und last but not least führte Bras ­natürlich auch die zumindest im Peergroup-Vergleich gute Performance ins Feld, die er wohl aber der starken Gewichtung von Unternehmensanleihen verdankt.


Aber nicht nur die Fondstochter der ­Allianz-Versicherung ging 2015 mit einem Green-Bond-Fonds an den Start, auch der Asset Manager der AXA Group zeigte ­Flagge und lancierte ebenfalls im November 2015 den AXA World Funds – Planet Bonds.


Fondsmanager Olivier Vietti inves­tiert weltweit in Green Bonds mit Investment-Grade-Rating, darf aber zur Renditesteigerung sogar bis zu 30 Prozent grüne Anleihen unterhalb von Investment Grade beimischen. „In der bisherigen Historie seit Fondsauflage hat das High-Yield-Bond-­Exposure aber nie mehr als sechs Prozent betragen“, relativiert Vietti. So lag laut einer Institutional Money vorliegenden Produktpräsentation diese Quote beispielsweise ­Ende Mai 2017 bei lediglich ein Prozent. Apropos Quote: Wie bei AGI und allen anderen Green-Bond-Fonds nimmt auch bei AXA IM der Green-Bond-Anteil seit Fondsauf­lage laufend zu und lag bei den Franzosen zuletzt bei 96 Prozent. „Der Fonds ist überwiegend in Green Bonds investiert“, betont ­Vietti und erinnert an dieser Stelle an die Wichtigkeit und den Nutzen von grünen Anleihen im Kampf gegen den Klimawandel – ohne dass Investoren auf Rendite verzichten müssten: „Green Bonds bieten die gleichen Renditen wie vergleichbare konventionelle Anleihen, haben aber darüber hinaus den Vorteil, auf transparente Art und Weise Projekte mit einem Nutzen für die Umwelt zu fördern.“


Während beispielsweise die beiden AGI- und AXA-IM-Fonds – trotz ihrer unter­schied­lichen Herangehensweise – fast schon ein dreistelliges Millionen-Euro-Volumen er­reichen, stehen andere Fonds dieses Jahrgangs aufgrund von Auszehrung unmittelbar vor ihrem Ableben.


Tod durch Auszehrung
Ein im Jahr 2015 an den Start gegan­genes Green-Bond-Vehikel hat sich inzwischen als wenig nachhaltig ­erwiesen. Das liegt aber weni­ger an einem vermeintlichen „Green Wa­shing“, sondern am zumindest temporär verloren gegangenen Inves­toreninteresse. Machen wir ­einen Blick zurück: Im Frühling 2015 informierte State Street Global Advisors (SSGA) Investoren über die Auflage des ersten UCITS-Publikumsfonds, der den Barclays MSCI Green Bond Index abbildet. Angeboten wurde respektive wird der State Street Global Green Bond Indexfonds über eine luxemburgische SICAV. Zwei Jahre später steht in der Scope-Studie beim Fondsvolumen: „Fonds hält derzeit keine Assets.“ Ein Kontrollblick in das Bloomberg-Terminal in unserer Redaktion zeigt, dass seit Ende 2016 keine Daten-Updates stattfanden, beim Fonds­namen steht „Liquidated“. Institutional ­Money fragte daher bei SSGA nach.


Als Grund für die Liquidierung aller im Fonds gehaltenen grünen Anleihen nannte ein SSGA-Sprecher „eine Veränderung in der strategischen Asset Allocation des größten Anteilseigners“ und die damit zusam­menhängende Rückgabe aller Fondsanteile. „Da der Index Fund nach der Redemp­tion die ursprünglich gesetzten Investitionsziele nicht mehr hätte erfüllen können, beschloss der Vorstand, zeitgleich auch die restlichen Anteile an die verbliebenen Investoren ­zurückzugeben.“ Interessanterweise wird der State Street Global Green Bond Indexfonds trotz dieser Auszehrung nicht ter­miniert, sondern noch immer „künstlich“ am Leben gehalten, wie die weitere Antwort zeigt: „Dennoch ist der Fonds noch über die SSGA Luxembourg SICAV erhältlich.“


Konkurrenz nutzt Situation
Die Lücke, die SSGA bei Green-Bond-­Indexfonds hinterließ, blieb nicht lange bestehen. Sowohl Lyxor ETF als auch BlackRock legten im ersten Quartal dieses Jahres einen ETF respektive einen Indexfonds auf grüne Anleihen auf. „Wir sehen von Seiten unserer Kunden ein starkes Interesse an Green Bonds. Denn unsere Kunden wollen sich an klimafreundlichen Anlagemöglichkeiten mit positivem Umweltbeitrag beteiligen, ohne dabei große Veränderungen hinsichtlich ihrer Sektorallokation und bezüglich der Liquidität ihrer Positionen vornehmen zu müssen“, erklärte BlackRocks Ashley Schulten, Director und Head of ­Climate Solutions (Fixed Income) sowie ­gemeinsam mit Darren Wills Co-Managerin des BlackRock Green Bond Index Fund, ­anlässlich der Lancierung.


Wie das SSGA-Produkt basiert der BlackRock-Indexfonds auf dem Barclays MSCI Green Bond Index. Wichtiges Detail: Beim BlackRock-Vehikel handelt es sich explizit um einen Indexfonds, nicht um einen börsengehandelten ETF, und die Fondsbenchmark ist eine gegenüber dem Euro ­gehedgte Variante des Barclays MSCI Green Bond Index. BlackRock, das übrigens Mitglied im Executive Committee der Green Bonds Principles ist, setzt beim Tracken des mehr als 150 Anleihen umfassenden Barclays MSCI Green Bond Index, der nur Green Bonds mit Investment-Grade-Bonität umfasst, nicht auf eine 1:1-Abbildung, also den Erwerb jeder einzelnen ­grünen Anleihe, sondern auch aus Kostengründen auf einen in der ETF-Branche bei breiteren Rentenbenchmarks üblichen „Optimierungsansatz“ bei der Indexrepli­zierung. Dabei soll der Ex-ante-Tra­cking-Error nicht mehr als 30 Basispunkte per annum betragen. Ob das gelingt, ist angesichts der noch zu kurzen Historie noch nicht feststellbar. Die Ma­nagement­gebühren sind jedenfalls niedrig. Diese belaufen sich auf 18 Basispunkte per annum (plus fünf Basispunkte „Fixed ­Expense“) und sind laut BlackRock bei „großen Investments“ verhandelbar. Bislang musste BlackRock wohl noch keine Zugeständ­nisse bei den Gebühren machen, denn das Volumen des Indexfonds betrug Ende ­August 2017 lediglich 26 Millionen Euro. Vielleicht hilft ein zusätz­licher ­Service. Wie AGI versucht BlackRock mit Spezial-Reporting bei Nachhaltigkeitsinvestoren zu punkten. Schulten: „Eines der aussagekräftigsten Instrumente aus dem Bereich der grünen Anlagefonds ist das Reporting zu den quantifizierbaren positiven Umweltauswirkungen der Projekte, in die wir inves­tieren. Wir erhalten Feedback von ­einer ausreichend kritischen Masse an Emittenten, sodass wir nun einen Bericht über die ­Umweltauswirkung und -verträglichkeit (Impact Report) unseres BLK Green Bond Fonds vorlegen können, der recht klar den Nutzen einer Investition ­verdeutlicht.“


Erster Green-Bond-ETF
Großanleger, die über einen ETF in grüne Anleihen investieren wollen, steht ab dem ersten Quartal dieses Jahres der Lyxor Green Bond (DR) UCITS ETF zur Verfügung. Das in Deutschland und Österreich zum Vertrieb zugelassene, auf eine direkte Replikation (darum das „DR“ im Fondsnamen, die Indexabbildung erfolgt jedoch über eine „Sampling“-Methode) setzende Vehikel notiert aber nicht an der Frankfurter Börse, sondern nur in Paris, London sowie inter­essan­terweise an der Berliner Börse.


Institutionelle Investoren kaufen aber in der Praxis ETFs – wie viele andere Wertpapiere auch – aufgrund der großen Volumina sowieso nur im Direkthandel mit dem Market Maker, sodass eine deutsche Bör­sen­notiz von ETFs nur zweitrangig ist.


Die Benchmark des Lyxor-ETFs ist der Solactive Green Bond EUR USD IG Index. Dieser seit 2014 berechnete Index beinhaltet Green Bonds mit Investment-Grade-Rating, die von ­Staaten, multinationalen Unternehmen oder Entwicklungsbanken ausgegeben werden und in Euro oder US-Dollar denominiert sind. Die ETF-Managementgebühr beträgt 0,25 Prozent per annum, das Fondsvolumen beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro und ist damit jedenfalls noch ausbaufähig.


Interessant sind die relativ hohe Duration von 7,4 sowie die niedrige Durchschnittsrendite von 1,2 per Ende August 2017. Ein Grund dafür könnte die mit mehr als neun Prozent übermäßig hohe Gewichtung eines französischen Green-Bond-Fonds sein, der lediglich einen Kupon von 1,75 Prozent bei einer Laufzeit bis 2039 aufweist.


Hohe Bonitäten, lange Laufzeiten respektive hohe Durationen haben wohl auch dafür gesorgt, dass der Lyxor-ETF vor dem Hintergrund einer möglichen Zinswende und steigenden Sekundärmarktrenditen in den ersten Monaten seines Bestehens eine negative Performance von 1,74 Prozent aufweist.


CS und Union Investment aktiv
2017 brachte aber keineswegs nur passive Indexlösungen im Bereich grüne Anleihen. Credit Suisse (CS) und Union Investment gingen mit zwei aktiv verwalteten Green-Bond-Fonds an den Start. „Vielen Investoren ist es zunehmend ein Anliegen, ihre ­finanziellen Interessen – eine ansprechende Kapitalmarktrendite zu erzielen – mit einem direkten Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu verknüpfen. Aus diesem Grund hat Credit Suisse Asset Management beschlossen, den Credit Suisse (Lux) Sustain­able Bond Fund als Green-Bond-Fonds zu positionieren und den Fondsnamen entsprechend anzupassen“, begründet Susanne Kunkel, Relationship Manager für institutionelle Kunden bei Credit Suisse Asset Management in Deutschland, die Markteinführung des CS (Lux) Green Bond Fund. Dominik Scheck, der Fondsmanager des per Anfang Juni 2017 umgestellten Rentenfonds bleibt, investiert weltweit in Green Bonds, deren Emittenten sowohl aus den OECD- als auch aus den Schwellenländern kommen können. HY-Bonds werden beigemischt, die durchschnitt­liche Bonität soll dabei aber ein ­Investment-Grade-Rating (Mindestrating: BBB–) aufweisen.


Das Mindestrating einer Einzelanlage muss mindestens „CCC–“ sein. Laut dem aktuellsten Factsheet waren aber nur 4,3 Prozent des Portfolios in Hochzinsanleihen investiert. Deren Bonität lag mit „BB“ im „Cross­over“-Bereich. Scheck orientiert sich am Bloomberg Barclays MSCI Global Green Bond Index, den er bei einer Zielrendite von etwa drei Prozent mit einer jährlichen Vola­tilität zwischen drei und sechs Prozent übertreffen will. Trotz einer Orientierung an einem dezidierten Green Bond Index enthält das Portefeuille nicht nur Green Bonds, sondern auch noch andere Nachhaltigkeitsanleihen. Die Green-Bond-Quote ist aber im Steigen begriffen, erklärt Kunkel: „Zum 31. Juli 2017 waren 76 Prozent des Portfolios in Green Bonds investiert. Per Ende August 2017 sind es rund 80 Prozent. Das heißt, wir bauen den Anteil permanent aus mit dem Ziel, nur Green Bonds im Portfolio zu halten, die den Bloomberg-Barclays-MSCI-Kriterien entsprechen.“


Nicht nur Credit Suisse AM ist gerade dabei, den Anteil an Green Bonds in seinem „neuen“ Green-Bond-Fonds zu erhöhen. Auch ­Michael Kobel von Union Investment ist zurzeit damit beschäftigt. Kobel ist Portfoliomanager des im Frühsommer 2017 aufgelegten UniInstitutional Green Bonds und inves­tiert überwiegend (Mindestquote: 51 Prozent) in Green Bonds internationaler Emittenten. Zusätzlich mischt Kobel jedoch auch Corporate Bonds bei, deren Geschäftsfelder im Einklang mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (u. a. Ökologie, soziale Projekte) stehen. Kobel will damit vor dem Hintergrund des noch jungen Green-Bond-Universums eine höhere Portfoliodiversifikation erreichen. Alle Anleihen müssen aber noch den hauseigenen Nachhaltigkeitsfilter von Union Investment passieren: Damit werden beispielsweise Emissionen ausgeschlossen, die gegen Menschenrechte verstoßen oder Nuklearenergie produzieren. Das gilt auch für Green Bonds dieser Unternehmen. „Der Nachhaltigkeitsfilter schließt Emittenten mit kontroversen Geschäftspraktiken, aus kontroversen Geschäftsfeldern und mit signi­fikanten Reputationsrisiken aus“, betont Kobel. HY-Bonds dürfen maximal zehn Prozent des Fondsvermögens ausmachen, das Durchschnittsrating muss mindestens „BBB–“ betragen. Auf Einzeltitelebene liegt das Erwerbslimit bei „BB–“, das Bestandslimit bei „B–“. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden vollständig abgesichert. Der Fonds hat zumindest offiziell derzeit keine Benchmark, da Kobel gerade dabei ist, die Green-Bond-Quote von zuletzt rund 65 Prozent in Richtung 100 Prozent zu erhöhen. Eine „Orientierung“ erfolgt jedoch am BofA ML Green Bond Index. Da derzeit die Abweichungen zwischen Fondsvermögen und Index signifikant seien, ist der ­Index für Kobel in der Startphase als harte externe Benchmark nicht tauglich.


Performancevergleich
Wie unsere Analyse zeigt, gleicht kein Green-Bond-Fonds dem anderen. Unterschiede bestehen hinsichtlich der jeweiligen Benchmark sowie der Benchmark-Treue des Fondsmanagements. Aber auch bei der Höhe der beigemischten Hochzinsanleihen (obwohl fast alle Green-Bond-Indizes nur Investment-Grade-Anleihen umfassen) sowie der Beimischung von „Green-Bond-Cousins“ wie Social Bonds oder Climate Awareness Bonds etc. differenzieren die Strategieansätze, um nicht nur die Diversifikation, sondern vor allem um die Rendite zu erhöhen. Hinzu kommt oftmals eine ­unterschiedliche Herangehensweise bei der Absicherung von Fremdwährungsrisiken. Das erschwert oder verunmöglicht im Grunde Investoren einen Performancevergleich – vor allem vor dem Hintergrund der erst kurzen Historie der Green-Bond-Fonds.


Das zeigt sich exemplarisch am Erste ­Responsible Bond Global Impact von Erste Asset Management in Wien. Fondsmanager Martin Cech kauft nicht nur Green Bonds, sondern auch Social und Climate Awareness Bonds, deren Emissionserlöse nachhaltigen Projekten zugutekommen. Hinzu kommen High Yields und nicht geratete Anleihen.


 Zur Performance: Nach einem guten Jahr 2016 mit plus 3,45 Prozent gestaltet das laufende Anlagejahr weniger gut. Ein Blick auf die YTD-Performance per Ende August 2017 zeigt laut Bloomberg-Daten ein Minus von 2,99 Prozent. Dies sieht auf den ersten Blick vor allem im Vergleich zu den anderen Green-Bond-Fonds in der Liste nicht wirklich gut aus. Auf den zweiten Blick und mit dem Wissen, dass der Fonds als Benchmark den BofA ML Green Bond Index auf Lokalwährungsbasis verwendet, der dieses Jahr prozentual noch stärker unter Wasser ist, sieht es schon besser aus. „Absolut gesehen verläuft dieses Jahr für den Fonds enttäuschend, relativ zur Benchmark konnte eine leichte Outperformance erzielt werden“, erklärt Fondsmanager ­Martin Cech auf Anfrage.


Wenn man den Beobachtungshorizont etwas erweitert und die Gesamtperformance von Anfang 2016 bis Ende August 2017 misst, hat der Allianz Global Bond gegenüber seiner Peergroup die Nase vorn und vor allem in jedem der beiden betrachteten Jahre positiv performt. Das ist vor dem Hintergrund der beginnenden Zinswende ein Kunststück, das nicht alle Green- Bond-Fonds schafften.


Wichtig wird aus Sicht vieler Anbieter und Investoren das kommende Jahr. Fitch spricht sogar von einem „Schlüsseljahr“. Denn dann werden viele der oben be­schriebenen Fonds einen Track Record von mehr als drei Jahren aufweisen und damit für viele Investoren ein entscheidendes ­Anlagekriterium erfüllen.


Anhang:

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