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4/2018 | Produkte & Strategien
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Meinung: Nachhaltigkeit, aber wie?

Meinungs-Radar: Dass Sustainability dank politischen und regulatorischen Drucks eine immer wichtigere Rolle in institutionellen Portfolios einnimmt, ist evident. Doch die Umsetzung ist herausfordernd.

Das Ergebnis einer Meta-Analyse von Friede, Busch und Bassen aus dem Jahr 2015, die mehr als 2.000 Studien untersuchte und im „Journal of Sustainable Finance & Investment“ veröffentlicht wurde, zeigt eher gemischte Ergebnisse bezüglich dem Zusammenspiel zwischen ESG und Performance. Stand der Wissenschaft ist jetzt, dass ESG mehr von der Risiko- als rein von der Renditeseite her betrachtet wird. Wir wollten von institutionellen Inves­toren wissen, wie sie mit den gestiegenen Anforderungen im Bereich nachhaltiges Investieren und dessen Dokumentation umgehen. Schließlich müssen interne Prozesse neu definiert, Handbücher umgeschrieben und Know-how erworben werden, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Auch ­Kooperationspartner wollen gefunden sein, damit bestimmte Kontrollfunktionen im Hinblick auf die Einhaltung von Nachhaltigkeitszielen und -ratings speziell bei von dritter Seite gemanagten Assets wahrgenommen werden. Auch wenn bis dato noch keine Nachhaltigkeitsdefinition seitens Brüssel vorliegt und das Kapitel der Nachhaltigkeitsbenchmarks bis dato nicht vielmehr als eine Überschrift darstellt, ist man als institutioneller Investor gut beraten, sich damit zu beschäftigen. Diffizil wird es aber auch, wenn man einen integrierten ESG-Ansatz in seiner Anlagepolitik über alle Assetklassen umsetzt.     

Monika Reisinger | Dr. Kurt Becker


Fragestellung: „Wie gehen Sie das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage an? Welche Maßnahmen haben Sie schon umgesetzt, was haben Sie angesichts der neuen Regulierungen geplant? Für welche Assetklassen haben Sie einen Nachhaltigkeitsansatz implementiert, was sind Ihre Ausschlusskriterien?

Ewald Stephan, Vorstand, VERKA VK Kirchliche Vorsorge VVaG

»Für die VERKA als institutionellem Investor mit kirchlichem Hintergrund bildet die auf christlichen Werten ­basierte Nachhaltigkeit der Anlage die Grundlage aller Anlageentscheidungen. In den letzten zehn Jahren wurden sämtliche Anlageklassen unter der Mindestanforderung der Berücksichtigung der Richtlinien des ›Leitfadens für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche‹ entsprechend auf das Fundament der Nachhaltigkeit umgestellt. Zunächst beginnend mit Ausschlusskriterien hinsichtlich kontroverser Geschäftspraktiken für Unternehmensanleihen und Aktien ­sowie einheitlicher Kriterien für Staatsanleihen, haben heute sämtliche Anlagen in allen Anlageklassen rigide ESG-Kriterien zu erfüllen. Basierend auf fest definierten Ausschlüssen kommt ein Best-in-Class-Ansatz zur Anwendung, der die 17 Sustainable Development Goals und fest definierte Klimaziele miteinbezieht. Abgerundet wird die Nachhaltigkeitsstrategie durch Themeninvestments (Impact-Investments z. B. erneuerbare Energien) sowie Engagement-Aktivitäten (vornehmlich im Finanzdienstleistungsbereich und im Klimaschutz). «

Dr. Wolfram ­Gerdes, Vorstand ­Kapitalanlagen und ­Finanzen, Kirchliche ­Zusatzversorgungskasse Rheinland-Westfalen

»Nachhaltigkeit ist nicht klar definiert und muss erst ­konkretisiert werden. Dazu haben sich Investoren im ­›Arbeitskreis Kirchlicher Investoren‹ zusammengeschlossen, der nun sein Zehnjahresjubiläum feiert. Dieser publiziert einen Leitfaden mit Positionen zu wichtigen Anlagethemen und sowohl Ausschluss- als auch Positivkriterien für Einzelinvestments. Ausgeschlossen sind u. a. Unternehmen, die unwürdige Arbeitsbedingungen tolerieren, Rüstungsgüter oder Produkte herstellen, die sich gegen die Menschenwürde richten oder aber auch die Finanzierung von Staaten mit praktizierter Todesstrafe. In ­unseren Kassen wird das ganze weltweite Vermögen von rund 12 Milliarden Euro gefiltert. Zur Vermeidung beziehungsweise Minimierung von Verstößen sind Datenzulieferer, die eine weltweite Nachhaltigkeitsbewertung auf Einzelunternehmensebene ermöglichen, ebenso unverzichtbar wie Nachhaltigkeitsideen unterstützende Partner. Die UNPRI-Unterzeichnung für Port­foliomanager ist quasi Voraussetzung, aber nur Mindestbedingung. Für die Überprüfung der Zielerreichung ist ein regelmäßiger Check aller Investments auf Verstöße hin wichtig. «

Mag. Markus Zeilinger, Vorstandsvorsitzender & Gründer, fair-finance Vorsorgekasse AG

»Wir sehen uns als Pionier und haben uns zu einer zu 100 Prozent nachhaltigen Anlage verpflichtet. Ausschlusskriterien reduzieren das Universum um 25 Prozent. Mittels Best-in-Class fallen mindestens 50 Prozent der ESG-schlechtes­ten Emittenten weg. Dann fokussieren wir auf impactstarke Themen (Mikrofinanz, alternative Energie, Auffors­tung und ­Social-Business-Finanzierung). Einzigartig ist auch das von uns erarbeitete Ratingsystem für nachhaltige Immobilien. Wir ­messen und verbessern auch die CO2-Bilanz laufend, betreiben aktives Engagement und versuchen uns auf hohem Niveau laufend zu verbessern, wobei uns die bevorstehende Regelung inhaltlich in keinster Weise trifft. Wir übererfüllen sämtliche Anforderungen. Sorge bereiten mir ­eine drohende Einschränkung des Nachhaltigkeitsbegriffs auf Umweltthemen und die Skepsis der Aufsicht. Wir haben derzeit 19 Ausschlusskriterien für Unternehmen, 13 für Länder und 14 für Immobilien definiert und sehen uns als wertorientierter Investor. Dazu lassen wir unser Gesamtportfolio quartalsweise extern prüfen und stehen in laufendem Diskurs mit unseren Asset Managern.«

Michael Dittrich, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, DBU

»Wir haben schon 2005 Nachhaltigkeitskriterien in unsere Anlagerichtlinien integriert. So müssen 80 Prozent unserer Aktien und Unternehmensanleihen in einem der ­gängigen Nachhaltigkeitsindizes enthalten sein oder von Nachhaltigkeitsagenturen als investierbar eingestuft werden. Das bedeutet nicht, dass die übrigen Titel nicht nachhaltig sind. Unser Universum in der Direktanlage ist der Stoxx Europe 600, und nicht alle Titel dort werden von den Indizes erfasst oder den Agenturen gecovert. Zudem investieren wir seit 2006 in Microfinance und bauen unsere Investments in Green Bonds aus. Heute unterliegen über 90  Prozent unserer Anlagen einer Nachhaltigkeitsbetrachtung. 2016 haben wir ein Divestment im Bereich Kohle begonnen. Wir investieren stattdessen verstärkt in erneuerbare Energien und Energie­effizienz. Künftig wird die Frage des CO2-Footprints der ­Kapitalanlage an Bedeutung gewinnen. Dies zeigen auch die Aktivitäten der EU wie der Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen.«

Dr. Stefan Nellshen, Bayer-Pensionskasse VVaG

»Die Bayer-Pensionskasse selbst verfügt über global inves­tierte Kapitalanlagen in Höhe von zirka 9 Milliarden Euro. Unser Investmentteam betreut darüber hinaus auch die in anderen Bayer zuzuordnenden (Defined Benefit) Pensionseinrichtungen befindlichen Assets und überblickt damit aktuell zirka 23 Milliarden Euro. Aus rechtlichen Gründen und zum Schutz unserer Anwärter und Pensionäre geschieht dies in rechtlich vom Konzern separierten Vehikeln im In- und Ausland. Dabei halten wir uns streng an die für die jeweilige Einrichtung lokal geltenden Gesetze und Richtlinien, z. B. das deutsche Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), den Pension Protection Act (PPA) in den USA und entsprechende Gesetze in anderen Ländern. Unser oberstes Ziel muss es sein, die Leis­tungen, die wir unseren Anwärtern und Betriebsrentnern fest zugesagt haben, unter Inkaufnahme möglichst geringer Risiken nachhaltig zu erwirtschaften. Aus diesem Grunde sind die Investmentansätze unserer Pensionseinrichtungen strikt an der Risikostruktur der übernommenen Pensionsverpflichtungen und an der jeweils vorhandenen Risikotragfähigkeit ausgerichtet. Teilweise finden je nach Anlagesegment auch explizit risiko­bud­getierte Ansätze Verwendung. Letztere gelingen umso besser, je mehr sich das betreffende Portfolio von seiner Zusammensetzung her an liquiden Marktindizes ausrichtet. Deshalb finden passive Investmentstile im Interesse unserer Begünstigten in diesen Fällen besondere Berücksichtigung. Selbstverständlich werden auch Aspekte des ethischen, sozialen und ökologischen (ESG) Investierens in der Kapitalanlage unserer Pensionseinrichtungen konkret berücksichtigt, können jedoch – insbesondere aus den oben ausgeführten Gründen – unmöglich als alleiniges oder dominierendes Investmentkriterium fungieren. Für die großen von uns betreuten Pensionseinrichtungen gelten definierte Rahmenverhaltensweisen, die die Berücksichtigung von ESG-Aspekten in der Umsetzung der Kapital­anlage definieren. Diese orientieren sich zum einen an den UNPRI-Prinzipien (United Nations Principles for Responsible ­Investment), wobei eine Eins-zu-eins-Übernahme der UNPRI-Prinzipien aus Gründen der Praktikabilität und aus den bereits oben erläuterten Zusammenhängen nicht erfolgt ist. Zum ­anderen enthalten sie teilweise konkrete Vorgaben für einzelne Assetklassen, beispielsweise welche Nutzungen wir unseren Mietern in direkt gehaltenen Gewerbeimmobilien gestatten, welche bautechnischen Standards zu verwenden sind, ESG-­Kriterien, die bei der Vergabe von Investmentmandaten an Dritte sowie bei der Bestellung externer Dienstleister zu berücksichtigen sind etc. Somit sind ESG-Aspekte zwar kein dominierendes Kriterium, aber dennoch gut und prominent in unsere – generell auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtete – Investmentphilosophie integriert. «

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