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3/2017 | Produkte & Strategien
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Mehr Risiko, breitere Diversifikation

Depot-A-Management ist ein Balanceakt der Governance geworden. Die Verbundtreue hat durch die Regulatorik zugenommen, denn Kreditinstitute sind mittlerweile abhängig von einem differenzierten Reporting.

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Die meisten Volksbanken und Sparkassen sind im Depot A eher konservativ aufgestellt. Aber Erträge brauchen die Institute trotzdem. Der Spagat, sowohl Rendite- als auch Risikoziele zu verfolgen, ist im jetzigen Marktumfeld ein besonders schwieriges Kunststück.

Foto: © fotolia | Oleg Znamenskiy, spk. bad.

Deutlich bunter ist die Welt von Depot-A-Managern geworden, seit klar ist, dass das Niedrigzinsumfeld nicht nur eine kurzfristige Erscheinung ist. Früher reichte es, die Bankeigenmittel in gut geratete zehnjährige Staatsanleihen und Pfandbriefe zu investieren, um einen auskömmlichen Ertrag zu erzielen. Aus diesen Zeiten stammt die Idee der zehn Jahre rollierenden Anlagen, die ein typisches Depot A ausgemacht haben, und die auch heute noch in einigen Häusern – zumindest in Teilen – umgesetzt wird.


Breiteres Anlagespektrum
Der Unterschied zu früher ist, dass Depot-A-Manager heute rechts und links dieser Mainstream-Anlagen auch verschiedene risikotragende Subassetklassen betrachten, mit denen sie sich früher nie befasst hätten. ­Damals hätte es geheißen, „zu riskant“ oder „zu komplex“, aber heute müssen Investoren wohl oder übel ein Stück weit ins Risiko gehen, wenn sie überhaupt positive Renditen erzielen wollen. Diese risikotragenden Subassetklassen sollen dem Depot A auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld zu einer gewissen Rendite verhelfen, dabei aber möglichst auch liquide sein.


Zwei Redakteure von Institutional Money sind den Sommer über landauf, landab gereist und haben sich mit Depot-A-Managern unterhalten – überwiegend persönlich. Etwa 100 Termine kamen zustande. Die Bandbreite reichte dabei von „Wir machen alles selbst und legen bei den risikotragenden Strategien in unseren hauseigenen Fonds an“ über „Einiges machen wir selbst, und spezielle Assetklassen lagern wir an externe Asset Manager aus“ bis hin zu „Wir geben das gesamte Depot-A-Management in die Hände eines Asset Managers“.


Bunter ist die Welt von Depot-A-Managern insofern geworden, als die Anlage bei den meisten stärker in die Breite geht und kleinteiliger ist als früher. Schließlich birgt ­jede einzelne der neu herangezogenen Subassetklassen ein größeres Risiko als topgeratete Staatsanleihen und Pfandbriefe. Um dem Rechnung zu tragen, wird breit diversifiziert. Entsprechend kleinteiliger werden die Positionen und die Trades, die Depot-A-Manager vornehmen. „Früher habe ich immer mal wieder ein Ticket von zehn Millionen Euro oder mehr für unser Depot A gehandelt; das kommt heute so gut wie nicht mehr vor. ­Inzwischen sind die Abschnitte deutlich kleiner“, erklärt Thomas Eser, Depot-A-Händler in der Kreis- und Stadtsparkasse Dillingen
a. d. Donau. Also kleinere Abschnitte, breitere Diversifikation, vielschichtigere Assets. Dadurch, dass mehr Assetklassen bedient werden, ist der Arbeitsaufwand der Depot A-Manager umfangreicher geworden und der Anspruch komplexer.


Gefragt nach der Zielsetzung beim Depot-A-Management, stutzen die meisten Treasurer zunächst. Ordentliche Erträge sollen sie erwirtschaften, ja natürlich, aber die Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen steht eindeutig im Vordergrund. Eine weitere zentrale Aufgabe des Depot-A-­Managers ist es, ausbalancierend zu wirken, und dafür zu sorgen, Liquidität und Stabilität der Bank sicherzustellen.


Schließlich ist das Depot A eine Residualgröße: Der Teil der Bilanzsumme, die gerade nicht als Darlehen an Kunden vergeben werden kann oder anderweitig Verwendung findet, wird im Depot A angelegt. So kommt es, dass genossenschaftliche Banken oder Sparkassen, die in Boomregionen wie München, Stuttgart oder Köln angesiedelt sind, in Relation zu ihrer Bilanzsumme ein relativ kleines Depot-A aufweisen, denn sie können viele Kredite an Häuselbauer und Firmenkunden vergeben. In den neuen Bundesländern oder in ländlichen Regionen, die keine so hohe wirtschaftliche Aktivität aufweisen, ist das Depot A größer. „In unserem Haus macht das Depot A über 34 Prozent der Bilanzsumme aus. Sparkassen im Einzugsgebiet von München haben im Depot A aufgrund der starken Immobilliennachfrage oft relativ zur Bilanzsumme geringere Depot-A-Volumina“, erklärt Eser.


LCR als Kostentreiber
Bei der Einhaltung der regulatorischen Anforderungen empfinden die meisten ­Depot-A-Manager, mit denen unsere Redak­teure gesprochen haben, die Einhaltung der Liquidity Coverage Ratio (LCR) als stärkste Einschränkung. Sie soll sicherstellen, dass ein Kre­ditinstitut einen ausreichenden Bestand an lastenfreien, erstklassigen liquiden Aktiva hält, der liquidiert werden kann, um auch unter ungünstigen Umständen den Liquiditätsbedarf für mindestens 30 Kalendertage zu decken. Während dieser Zeit können dann Vorstand oder Aufsicht über weitere, längerfristige Maßnahmen entscheiden.


Die gesetzlich geforderte Mindestliquiditätsquote wurde sukzessive hochgefahren: Seit 1. Oktober 2015 müssen Europas Kreditinstitute eine LCR-Quote von 60 Prozent erfüllen, seit Januar 2016 70 Prozent, seit Januar 2017 80 Prozent, und ab 1. Januar 2018 sind 100 Prozent zu erfüllen. Für LCR-Ware gelten strenge Regeln, und je nach Bonität des Emittenten ist die Anrechnungsquote 100 Prozent, oder es gibt einen Haircut.


Als LCR-Ware müssen die Depot-A-Manager Staats- und Länderan­leihen, Supranationals und Covered Bonds halten, aber natürlich ist damit derzeit nicht viel Ertrag zu holen. Immerhin bringt ein achtjähriger deutscher Pfandbrief aktuell 0,6 Prozent, während eine acht Jahre laufende Staatsanleihe nur 0,4 Prozent bietet. Um wenigstens ein wenig Yield zu generieren, kommen in letzter Zeit auch Covered Bonds ausländischer Aussteller, etwa aus Österreich, Dänemark, Schweden oder Frankreich, ins Blickfeld der Banken-Treasurer, da sie etwas höhere Kupons aufweisen als die deutschen. „Die schauen wir erst seit Einführung der LCR im Jahr 2015 an; wir wollen einfach breiter streuen und setzen daher nicht allein auf deutsche Pfandbriefe. Allerdings erfordert dies, dass wir uns stärker mit der jeweiligen Ländergesetzgebung für Covered Bonds auseinandersetzen. Beispielsweise kann die Insolvenztrennung im Ausland ganz anders sein als bei deutschen Pfandbriefen“, erklärt Eser.
Ganz so homogen, wie man denken könnte, sind auch die LCR-Anteile im Depot A nicht. Einige Manager bevorzugen Covered Bonds, andere eher supranationale Emittenten. So steht beispielsweise bei zehnjährigen Anleihen des European Stability Mechanism (ESM) oder bei der französischen Sozialversicherung mehr Kupon drauf als bei einem deutschen Bundesland.
Treasurer können ihre LCR-Papiere entweder direkt halten – das tun die meisten – oder über einen Fonds, was seltener ist, aber insbesondere bei spezielleren Subassetklassen wie zum Beispiel ausländischen Co­vered Bonds der Fall ist. Jürgen Ahler, Treasurer der PSD Bank Westfalen Lippe in Münster, erklärt, warum Fondslösungen für LCR-Ware eher selten vorkommen: „Im ­aktuellen Zinsumfeld ist LCR-Ware so gering verzinst, dass es sich kaum lohnt, dafür einen Manager zu bezahlen. Wir halten unse­re LCR-Papiere im Direktbestand und managen sie selbst.“


Nur wenige LCR-fähige Fonds
Das erklärt auch, warum es nur sehr wenige LCR-fähige Fonds gibt. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld, in dem man bei liquiden, gut gerateten Papieren froh sein muss, überhaupt einen positiven Yield zu erzielen, schlagen die Kosten für die Administration und das Management eines solchen Fonds besonders stark zu Buche.


Oft kommt bei der LCR-Ware noch die Idee der rollierenden zehn Jahre zum Tragen. Angesichts der immer wahrscheinlicheren Möglichkeit, dass die Zinsen steigen, sind einige Depot-A-Manager zu deutlich kürzeren rollierenden Zeiträumen übergegangen. „Bei unserem Direktbestand in Anleihen bevorzugen wir fünf Jahre rollierende Zeiträume“, erklärt Regina Reitter, Vorstand der Walser Privatbank in Riezlern. Bei vielen Häusern ist die durchschnittliche Laufzeit im Depot A noch kürzer, weil sie auch in variabel verzinsliche Anleihen investieren. Um geeignete Produkte für den Direktbestand zu finden, bieten sich die Spitzeninstitute wie DZ-Bank oder die Landesbanken an. „Wir können den Sparkassen Schuldscheindarlehen und Pfandbriefe als Kreditersatzgeschäft anbieten und verfügen hier über Expertise und gute Kontakte“, erklärt Uwe-Jens Werner, Leiter Sales bei der HSH Nordbank. „Wir wissen genau, welche Sparkasse welchen Appetit hat, für welche Branche oder welche Region es noch Bedarf gibt. ­Eine gute Streuung in diesem Bereich ist für die Sparkassen wichtig, da sie ja sonst ein strenges Regionalprinzip haben.“ Werner fährt fort: „Außerdem fühlen wir uns im Bereich Solva Null wohl. Wenn beispielsweise ein Depot-A-Manager eine zehn- oder eine sechsjährige Anleihe deutscher Länder sucht, liefern wir exakt, was er benötigt. In diesem Segment sind wir in der Origination stark. Auf der Asset-Management-Seite sind wir hingegen nicht mehr unterwegs, das macht bei uns im Verbund die Deka.“


Nicht ganz freiwillig
Ganz freiwillig halten die Depot-A-Lenker die extrem niedrig verzinsten Papiere nicht. „Etwa zwei Drittel unseres jetzigen LCR-Bestands würden wir auch ohne aktu­el­le Regulatorik halten, sozusagen aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen, einfach um nicht zahlungsun­fähig zu werden“, schätzt ­Ahler von der PSD Bank Westfalen Lippe. „Aber ein Drittel müssen wir halten, obwohl wir es aus unternehmerischer Sicht nicht tun würden – hier sprechen wir von LCR-Kosten, die wir durch aktives Management möglichst gering halten.“


Im Übrigen muss die Mindest-LCR täglich erfüllt sein, wobei es sich bei dieser Größe um ein Moving Target handelt, da es unter anderem von der Höhe der Kundeneinlagen abhängt. „Das Kundengeschäft wirkt sich ebenfalls auf das Liquiditätserfordernis aus, daher kann die LCR-Quote schon mal um 25 bis 30 Prozent innerhalb eines Monats schwanken. Damit wir entsprechend steuern können, sind unsere Kundenberater gehalten, Bescheid zu geben, wenn ein Liquiditätsbetrag von drei Millionen Euro oder mehr zu- oder abfließen soll“, erklärt Peter Neubert, Treasurer der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau. „Sowieso überprüfen wir fortlaufend, ob wir genügend Puffer zu den hausinternen LCR-Vorgaben haben. Unser Ziel ist derzeit eine LCR-­Quote von 110 Prozent; nächstes Jahr wird es mehr, weil dann die gesetzliche Mindestanforderung auf 100 Prozent angehoben wird.“ Andere Treasurer achten darauf, ihre LCR-Puffer geringer zu halten. „Wir bemühen uns, dass wir die LCR nicht übererfüllen, denn dabei würden wir Rendite liegen lassen“, sagt Eser. Ohne Zwang nimmt keiner die LCR-Kosten in Kauf.


Außerhalb des LCR-Bestands können Depot-A-Manager dann freier investieren. Dennoch halten sich konservative Häuser von allen risikotragenden Assetklassen fern, und an Credit Linked Notes (CLN), Private Equity etc. verschwenden sie keinen Gedanken. „Manche Banken-Treasurer kaufen jetzt Dinge, die sie vor drei Jahren nicht mit dem Stock angefasst hätten“, bemängeln konservative Depot-A-Steuerer. Allerdings ist nur jenseits von Staatsanleihen und Pfandbriefen Rendite zu holen, wenn auch die Pick-ups nicht gewaltig sind.


„Als Asset Manager stellen wir fest, dass Banken im Depot-A-Management mehr und mehr zu einer Barbell-Struktur tendieren. Die Depot-A-Steuerer investieren dabei vor allem an den beiden Enden des Risikospektrums. Auf der einen Seite sind Anlagen zur Erfüllung der LCR-Quote wie Staatsanleihen oder konservative Rentenprodukte gefragt und daneben Anlagen zur Erzielung von Erträgen“, beobachtet Benjamin Wendel, Relationship Manager bei Lupus alpha.


Einfallsreich
Tatsächlich lassen sich Banken-Treasurer, die Neuem aufgeschlossen sind, inzwischen einiges einfallen, um innerhalb ihrer regulatorischen Leitplanken Rendite zu erzielen. „Wir machen Wertpapierleihgeschäfte auf unseren LCR-Bestand,“ erklärt Neubert. „Wenn es sich um 1A-Ware handelt, können wir dadurch einen Zusatzertrag von 0,14 bis 0,16 Prozent erzielen – aufs Jahr gesehen.“ Die Wertpapierleihe wickelt er über eine verbundeigene Landesbank oder die DekaBank ab. „Da wir hier im Regelfall sogenannte b.a.w.-Geschäfte plus 32 Tage machen, sind die Papiere schon zwei Tage nach Ausspruch der Kündigung wieder LCR-anrechnungsfähig“, verrät Neubert.


Daneben investiert er auch in High Yields. „Studien zeigen, dass High Yields langfristig besser performen als Aktien, daher investieren wir lieber in High Yields. Hier sind nämlich die Erträge besser planbar als bei Aktien. Opportunistisch gehen wir dann aber durchaus auch mal in Aktien, wobei hierbei ein langfristiger Anlagehorizont mit dividendenstarken Aktientiteln im Vordergrund steht“, so Neubert, „beispielsweise haben wir unsere Aktienquote letztes Jahr nach dem Brexit-Votum erhöht.“


Auf eine andere Spezialität ist ­Ahler gestoßen und allokiert sie in seinem Haus fast mit der Hälfte des Depot-A-Volumens: negative und positive Basistrades. „Derzeit leiden Investoren unter dem Anleihenkaufprogramm der EZB, denn die Zentralbank kauft bestimmte Anleihen in großem Stil auf und drückt damit die Renditen auf ein Minimum“, so Ahler. Weil viele Investoren dorthin ausweichen müssen, steigt auch die Nachfrage nach Anleihen, die die EZB nicht ankauft. So erwirbt die EZB nur Anleihen von europäischen Emittenten. Damit sind beispielsweise kanadische, US-amerikanische oder norwegische Anleihen nicht direkt davon tangiert, und diese Länder emittieren teilweise sogar Euro-Anleihen. „Aber auch hier wird man als Investor nicht angemessen für das eingegangene Risiko bezahlt“, findet Ahler. Anstatt über diese ­Situation zu jammern, dreht er den Spieß einfach um und zieht einen Vorteil aus den Marktverwerfungen, die sich durch das ­Anleihenkaufprogramm der EZB ergeben. Er investiert in Kreditversicherungen als ­Sicherungsgeber und erhält eine jährliche Prämie dafür, so wie man es bei Kupons von Anleihen kennt. Hier investiert die Bank ausschließlich in gute bis sehr gute Bonitäten, die im Vergleich zu Anleihen der gleichen Emittenten deutlich höhere Risikoprämien abwerfen. Das Risiko von Anleihen, die die EZB ankauft, wird aktuell nicht mehr dem tatsächlichen Risiko entsprechend bezahlt. Umgekehrt geht Ahler bei den „negativen Basistrades“ vor: Er inves­tiert in eine Kombination aus Unternehmensanleihen und Kreditversicherung (Credit Default Swap – CDS) und Zins- und Währungsabsicherung. „Wir können damit nicht reich werden, aber negative Basis­trades liefern uns einen planbaren Ertrag, und die Erträge liegen rund 150 Basispunkte über denen einer Bundesanleihe.“ Auch in diesem Marktsegment verzichtet Ahler nicht auf Risikostreuung. Zum einen sucht er selbst mit seinem Team nach negativen Basistrades. „Wir haben unter anderem dafür ein Bloomberg-Terminal angeschafft“, so Ahler. Daneben setzt er aber auch auf ­einen entsprechend ausgerichteten Fonds von Nordix und auf einen von XAIA.


Beliebig skalierbar ist die Strategie der negativen Basistrades nicht. „Es gibt höchs­tens zwei oder auch mal drei Trades pro Woche, die Sie finden können“, so Ahler. Daher sind die ganz großen Investoren nicht dabei, aber für mittelgroße Banken sind sie offenbar ein geeigneter Baustein, um mit risi­koarmen und eigenkapitalschonenden Geschäften gute Zusatzerträge zu erzielen.


Daneben spielen Corporate-Schuldscheindarlehen im Treasury eine immer bedeutendere Rolle. Für die Unternehmen ist dies eine angenehme Art der Finanzierung, weil die Mindestgröße geringer ist als bei der Emission einer Anleihe, und auch die Dokumentation ist deutlich weniger aufwendig. Für die Kreditinstitute ist dies Kreditersatzgeschäft, wobei auch die Häuser, die in der Kreditvergabe auf eine bestimmte Region festgelegt sind, solche Geschäfte überregional tätigen können. Im Fokus steht bei Schuldscheindarlehen die Emittentenanalyse, die in den Häusern entweder von der Kreditabteilung oder vom Treasury vorgenommen wird. „Schuldscheindarlehen sind für uns im Depot A ein charmantes Investment. Der Ablauf ist relativ schlank und die Dokumentation überschaubar. Für die Schuldscheindarlehen machen wir das kreditseitige Markt-Votum im Depot A, während dies in anderen Häusern oft von der Firmenkunden-Abteilung gemacht wird. So glauben wir, schneller auf die Vielzahl der Angebote reagieren zu können“, erklärt Eser. Auch gebündelte Immobilienfinanzierungen, die mittlerweile über Fonds angeboten werden, sind Kreditersatzgeschäft und kommen im Depot A zum Einsatz.


Aktien nur in kleinen Dosen
Sowohl Non-Investment-Grade-Anlagen als auch Aktienexposure genehmigen einige Treasurer ihrem Depot A in kleinen Prisen – dann aber am liebsten breit ­gestreut und professionell gemanagt über Fondslösungen. Über zehn Prozent Aktienquote gehen die wenigsten Depot-A-Manager; die meis­ten liegen deutlich darunter, ­einige ­haben gar keine Aktien. Überraschend war zu hören, dass einige ihr Aktienexposure mittels monatlicher Sparpläne in entsprechenden Fonds aufbauen. Aber es leuchtet ein: Wenn der Cost-Average-Effekt bei Privatanlegern funktioniert, warum nicht auch bei der Eigenanlage einer Bank? „Auf diese Weise halten wir uns das Timingproblem vom Leib“, erklärt ein Depot-A-Manager einer mittelgroßen Sparkasse.


Anderen Treasurern reicht das Aktien­exposure, das sie über die Investition in ­Asset-Allocation-Fonds haben. Mit Risikominimierung oder als Absolute-Return-Strategie werden solche Fonds von Banken-Treasurern besonders bevorzugt.


Immobilien kommen ebenfalls zum Tragen. Einige Treasurer erwerben diese direkt – dann meistens in der Region –, aber die meisten decken gezielt die ihnen erfolgreich erscheinenden Immobiliensegmente über Fonds ab. „Wir arbeiten hier mit Realis, ­einer Tochter der Bayern-LB, und mit ­Patricia zusammen“, erklärt Eser. „Von diesen Anbietern bekommen wir die Risikokennzahlen, die speziell für Immobilieninvestments benötigt werden, geliefert.“


Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen die meisten Depot-A-Manager nicht explizit bei der Anlage der Eigenmittel. Viele winken ab: „Noch mehr Restriktionen brauchen wir wirklich nicht!“ Einige genossenschaftliche Institute erklären aber, dass sie Spekulationen mit Lebensmittelrohstoffen ausschließen, weil dies zu den Ursprüngen der genossenschaftlichen Ideale passe. Hier ist allerdings anzumerken, dass dieser Ausschluss kein schmerzhafter ist, da Rohstoffinvestments (außer hier und da mal ein Edelmetallengagement) im Depot A ohnehin kaum zum Tragen kommen.


Einige wenige Institute setzen allerdings stark auf den Nachhaltigkeitsansatz und ­ziehen dies auch bei der Anlage der Eigenmittel durch: Dazu zählen beispielsweise die Kirchenbanken, die bei ihren Investitionen auch christliche Werte berücksichtigen, und auch die Sparda-Bank München. Deren Treasurer Clemens Quast erklärt: „Der Nachhaltigkeitsansatz zieht sich bei uns durch das gesamte Bankgeschäft und macht auch vor dem Depot A nicht halt. Dabei ­sehen wir nachhaltiges Investment nicht als zusätzliche lästige Restriktion, sondern wir sind der Meinung, dass beispielsweise eine gute Governance bei Unternehmen auch für eine gute Aktienkursentwicklung sorgt.“ Beim Carbon-Footprint mag dieser Zusammenhang womöglich nicht ganz so deutlich sein. Als zu stark empfindet Quast aber die Einschränkung nicht: „Dadurch, dass wir den Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, fällt etwa ein Drittel der Emittenten heraus, die wir als investierbares Universum ansehen. Damit können wir gut leben.“


Zum Nachhaltigkeitsansatz gehört für die Sparda-Bank München auch größtmögliche Transparenz, daher findet sich das gesamte Depot A auf der Unternehmenswebsite. Hier ist zum Beispiel auch zu sehen, dass die Bank einige offene Immobilienfonds wie SEB Immoinvest, AXA Immoselect, CS Euroreal und Grundinvest im Depot A hat. „Wir haben die Anteile größtenteils mit erheblichen Abschlägen zu ihrem inneren Wert über die Börse gekauft“, erklärt Quast. Ein Private-Equity-Fonds von Unigestion ist ebenso dabei wie der hauseigene nachhaltige vermögensverwaltende Fonds, den die Sparda-Bank München exklusiv für ihre Kunden und sich selbst aufgelegt hat. Berater ist hier J. Safra Sarasin, die Fondsverwaltung Monega KAG.


Gefragt haben wir in unseren Gesprächen mit den Depot-A-Managern auch nach der Verbundtreue. Gegenüber früheren Unter­suchungen von Institutional Money hat die Verbundtreue deutlich zugenommen, auch wenn immer noch Fremdprodukte zum Einsatz kommen – insbesondere bei den größeren Häusern mit mehr Researchkapazität. Ansonsten gilt, dass sich die Sparkassen


auf Produkte von Deka, Helaba, LBBW, ­Bayern-LB etc. fokussieren und sich Volks- und Raiffeisenbanken an die DZ-Bank und an Union Investment halten. Bei ihren ­Zentralinstituten können die Banken dann auch ihre Liquidität etwas günstiger parken als zu minus 0,4 Prozent.
Dass die Verbundtreue zugenommen hat, liegt an der Regulatorik. Kreditinstitute sind mittlerweile sehr abhängig von einem differenzierten Reporting, das die Verbundinstitute offenbar zuverlässiger zusagen können als externe Asset Manager. Ein Depot-A-Manager, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt: „Außerhalb des Verbundes ist die Datenlage für das Meldewesen und das Risikocontrolling deutlich schwieriger. Daten von den verbundeigenen Partnern sind für uns viel leichter weiterzuverarbeiten.“ Und wenn bereits ein Kollege von einem anderen Institut einen bestimmten Asset Manager mandatiert hat, macht ­eine solche Referenz die weiteren Gespräche ebenfalls leichter.


Reporting ist essenziell
Man muss bedenken, dass sich in vielen Häusern nur zwei Mitarbeiter um das Depot A kümmern. Klar hilft es dann, wenn Asset Manager das Reporting für die Anlagen schrankfertig liefern. Dabei geht es nicht nur um die Daten an sich, sondern sie sollten möglichst auch gleich im richtigen Format in die passenden Schnittstellen geliefert werden, um vom Risikomanagement und dem Controlling übernommen werden zu können. Die genossenschaftlichen Institute nutzen hier überwiegend das System der hauseigenen IT-Gesellschaft Fiducia & GAD beziehungsweise die Informationsplattform Egon (EigenGeschäfte online) von der DZ-Bank, die Sparkassen verwenden überwiegend SymCorp Dimension.
So sind auch Fondsanbieter außerhalb der Verbünde gezwungen, das Reporting zu liefern, das Banken benötigen, wenn sie diese Zielgruppe angehen wollen. Unter anderem brauchen die verantwortlichen Bankrisikomanager bei Fonds die volle Durchschau, denn die Emittentengrenzen gelten gemeinsam für das Kreditgeschäft, die Papiere im Direktbestand und für Papiere, die indirekt über einen Fonds gehalten werden.


Trotz der hohen Reporting-Ansprüche wagen sich einige verbundfremde Asset Manager an das Geschäft mit Depot-A-Managern. So etwa Michael Fink, der seit mehr als zehn Jahren institutionelle Kunden für Robeco Deutschland betreut. „Früher habe ich bei der WGZ-Bank (mittlerweile DZ-Bank) gearbeitet, wo ich das eigene Portfoliomanagement mit aufgebaut habe. Daher kenne ich mich mit den Bedürfnissen der Depot-A-Manager sehr gut aus und kann mich in deren Situation hineinver­setzen“, meint Fink. Er erklärt, was sich ­gegenüber früher geändert hat: „Seit der Finanzkrise und der Lehman-Pleite 2008 kam die Asset Allocation im Depot A vielfach zum Erliegen. Die dann folgende Regulierung hat dazu geführt, dass viele Volksbanken und Sparkassen nicht mehr richtig in der Asset Allocation tätig sind oder sein können. Das Depot-A-Geschäft hat an ­Bedeutung verloren, und Banken setzen verstärkt auf Provisionserträge mit Privatkunden.“ Seiner Beobachtung nach vergeben – trotz aller Einschränkungen – überwiegend die größeren Kreditinstitute Mandate außerhalb des Verbundes. „Große Volksbanken und Sparkassen haben über ­ihre Master-KVG durchaus unterschiedliche Asset Manager in der Anbindung. Die können wir ansprechen“, so Fink. „Die vergeben teilweise auch sehr spezielle Mandate, die wir gut abdecken können, beispielsweise Emerging Market Debt oder marktneutrale Strategien.“


Carlos Böhles, Leiter des institutionellen Geschäfts bei Schroders, stimmt dem zu: „Wenn wir als Schroders eine Sparkasse ­ansprechen, sind wir Konkurrenten der Verbundunternehmen, die aus politischen Gründen bevorzugt werden. Schon allein der Neue-Produkte-Prozess (NPP) ist komplex. Laut MaRisk muss dazu eine Art ­Exposée geschrieben werden. Dabei helfen wir den Banken. Beispielsweise haben wir mithilfe eines Consultants einen eigenen Leitfaden für unseren Wandelanleihenfonds geschrieben, den wir Banken anbieten.“


Böhles unterstreicht, dass neben einem guten Asset Management das Reporting ­gerade bei der Zielgruppe Banken ein Riesenthema ist. „Hier müssen Sie alles liefern können, denn die Depot-A-Manager stehen unter einem gewissen Rechtfertigungszwang, wenn sie größere Mandate außerhalb des Verbunds vergeben. Sie müssen die Kennzahlen in einer Art und Weise liefern können, die schnell abrufbar ist. Daher liefern wir die Zahlen gleich an WM Datenservice. Dazu geben wir vieles raus an externe Serviceprovider“, so Böhles. Hier stehen unter anderen PwC, KPMG, Deloitte & Touche und SeQuantis zur Verfügung. Sie helfen, das bankenspezifische Reporting zu er­stellen, das durch Basel III und die daraus resultierenden EU-Regulierungen geprägt ist. „Dazu gehören Solvabilitätsreports, Großkredit-Reporting, Kennziffern zur ­Capital Requirements Regulation (CRR) oder die Berechnung des Credit Valuation Adjustment Requirements, einer Kennziffer, die bei OTC-Derivaten zum Einsatz kommt“, nennt Böhles einige. „Daneben gibt es auch Verbund-Reportings wie bestimmte Stresstests: Wenn wir einen bestimmten Shift im Zinsniveau haben, welche Auswirkungen hat dies auf die VaR-Kennzahlen?“


Robeco-Mann Fink meint, dass Banken derzeit die am stärksten regulierte Investorengruppe sind. „Die müssen schon seit fünf oder sechs Jahren jedes Detail eines Fonds kennen. Für Versicherungen fängt das ­eigentlich erst jetzt an.“ Um die Banken entsprechend bedienen zu können, lagert Robeco das Reporting für Banken und auch die VaR-Berechnung an PwC aus. Fink ­resümiert: „Im Vertriebsprozess wenden wir uns nicht nur an Vorstand und Treasury, sondern mittlerweile muss ich auch den Controller überzeugen, dass er die für ihn wichtigen Daten rechtzeitig erhält.“


Überraschend verstreut ist für manch ausländischen Asset Manager das Bankengeschäft in Deutschland. Insbesondere durch das fragmentierte Private Banking sind für die Banken Erträge im Depot-A-Geschäft von wesentlicher Bedeutung. Und dies wurde durch die starke Regulierung und das Niedrigzinsumfeld deutlich erschwert. „In den meisten Ländern haben die fünf größten Banken einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent. In Deutschland sind es nur 20 bis 30 Prozent. Das Konstrukt mit 900 Volksbanken und 450 Sparkassen gibt es sonst in keinem Land“, so Fink. Böhles stimmt ihm zu: „Da müssen Sie zum Teil auch erst mal kleine Brötchen backen und fangen bei einem neuen Bankkunden mit Tickets von fünf oder zehn Millionen an.“ Letztendlich sei das eine Sache der Ressourcen. Bei Schroders in Frankfurt kümmert sich ­allein ein Sales-Mitarbeiter zu 50 Prozent nur um Sparkassen und Genossenschaftsbanken. „Wir können hier nur auf die größeren Häuser zugehen, denn das Geschäft ist nun mal sehr kleinteilig. Wir gehen insbesondere mit unseren ertragsstarken Stra­tegien an diese Zielgruppe, mit denen die Einkommenskomponente betont wird.“ Schließlich ist die Erwirtschaftung von ­ordentlichen Erträgen eine wichtige Maßgröße für das Depot A.


Renditeziel an zweiter Stelle
Auf der Bankenseite ist man aber gezwungen, die erforderlichen Reportings zu verlangen, denn kein Vorstand möchte mit seinem Depot A auffällig werden. Stimmt etwas nicht mit einer der regulatorischen Kennziffern, gibt es ernste Gespräche mit der internen und der externen Revision. Mindestens einmal jährlich gibt es ein bankaufsichtliches Gespräch mit der Bundesbank, und dabei wird die Risikosituation besprochen. Als Maßnahme kann die Bundesbank je nach Wichtigkeit des Instituts und Erfüllungsgrad der Risikokennzahlen eine tiefere Prüfung anordnen oder Eigenkapitalzuschläge fordern – beides ist unangenehm. Daher heißt es, alle Risiken auszubalancieren und unbedingt alle Kennziffern zu erfüllen. Ob dabei ein halbes Prozent mehr oder weniger Performance unterm Strich steht und in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) eingeht, wird vielleicht nicht zur ­Nebensache – Erträge benötigen die Banken mehr denn je –, aber das Renditeziel steht beim Depot-A-Management thematisch eindeutig hinter den Risikoüberlegungen. Entsprechend niedrig sind die Erträge. Eine direkte Renditezahl können die meis­ten Depot-A-Manager nicht nennen, da hierzu verschiedene Teilportfolios zusammengerechnet werden müssten. Aber grosso modo rangiert die Rendite zwischen ein und drei Prozent, abhängig von den eingegan­genen Risiken. Die meisten Banker geben an, dass das Kreditgeschäft nach wie vor ihr Brot-und-Butter-Geschäft ist, dafür seien sie da. Ins Depot A kommen daher nur die ­Beträge, die im Kreditgeschäft nicht untergebracht werden können.


Organisation
Interessant ist, wie Banken ihr Depot A organisieren. Die meisten haben ihre LCR-Papiere im Direktbestand und halten sie im Regelfall bis zur Fälligkeit. „Hat man zu viele Trades, kommt die Aufsicht und sagt, dass dies nicht vereinbar ist mit dem Anlagebuch und man dazu Handelsbuch sein muss. Um aber ein Handelsbuch einzurichten, benötigt man einen sechsstelligen Betrag und laufend eine volle Personalkapazität – das lohnt sich nicht für uns“, erklärt Regina Reitter, Vorstand der Walser Privatbank, Riezlern, Kleinwalsertal. Assetklassen, bei denen ein aktiveres Management sinnvoll ist, deckt sie jetzt lieber über Fonds ab.
Die darüber hinausgehenden Anlagen halten die Depot-A-Steuerer entweder im Direktbestand oder in verschiedenen Fonds oder in einem eigenen Spezialfonds. Eigens aufgelegte Spezialfonds haben für die Banken den Vorteil, dass sie hier die Ausschüttungen so steuern können, wie sie es für ­ihre GuV benötigen, und außerdem gleichen sich Gewinne und Verluste aus, sodass eine gewisse Ergebnisglättung erreicht wird. Allerdings ist ein Mindestvolumen von ­etwa 25 Millionen Euro erforderlich, um ­einen eigenen Spezialfonds aufzulegen, und Kosten verursacht die Fondshülle auch.


„Viele Häuser setzen wie wir auf das ­Masterfondskonzept: Zum 31. August 2017 fusionieren wir unsere sechs Wertpapier-Spezialfonds zu einem einzigen Masterfonds“, erklärt Andreas Götz, Direktor der Kreissparkasse Ostalb. „Wir versprechen uns davon dreierlei: a) ein einheitliches Reporting, b) eine erleichterte Durchschau und c) eine bessere Limit- und Risikosteuerung.“ Auch seine Bestände an Immobilienfonds möchte Götz künftig eventuell in ­einem Masterfonds zusammenfassen. Hier arbeitet er mit den beiden Verbundpartnern Deka und Realis und mit dem freien Partner Patrizia aus Augsburg zusammen.


Auf das Risiko schaut Götz sehr genau. „All unsere Spezialfonds fahren wir mit Absolute-Return-Konzepten, einer Zielrendite und einer maximalen Verlustobergrenze auf Jahressicht.“ Sollte der maximale Verlust ­erreicht werden, muss der Fonds zu zehn Prozent in Liquidität gehen.


Als Fazit bleibt: Treasurer brauchen sich derzeit keine Sorgen über ihre berufliche Zukunft zu machen. Ihr Job ist vielseitiger und interessanter geworden, und der Personalvermittlungsexperte Michael Page, der Ende Juli seine Gehaltsübersicht veröffentlichte, meint, dass auch der Brexit die ­Gehälter von Treasurern positiv beeinflussen könnte. Das durchschnittliche Fixgehalt eines Leiters Treasury gibt er in der aktu­ellen Gehaltsübersicht mit 90.000 Euro an, ­inklusive Zusätzen mit 110.000 Euro. Auch wenn womöglich andere Bankmitarbeiter abgebaut werden, wird im Treasury und im Controlling eher aufgestockt. Einen Tipp verrät Christoph Trauttenberg, Director von Michael Page in Österreich: „Controller sollten sich beispielsweise verstärkt als ­‚Berater‘ der Geschäftsführung entwickeln – und sich auch in diese Richtung weiterbilden.“

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