Mehr Aussichten für die Langlebigkeit
Laut einer aktuellen Fidelity-Studie unterschätzen die Menschen ihre Lebensdauer um zehn Jahre. Für die Gestaltung der Altersvorsorge hat dies große Bedeutung. Es ist daher an der Zeit, dass sich Produktanbieter auch bei der Gestaltung der Rentenphase gute Lösungen einfallen lassen.

Dass die Menschen tendenziell immer länger leben, ist grundsätzlich eine gute Nachricht; für jene Akteure, die daran mitwirken, dass dieser längere Lebensabend auch finanziell erfreulich verläuft, stellt das jedoch auch eine Herausforderung dar. Weil Änderungen in der Lebenserwartung für alle Formen der Altersvorsorgeplanung höchst relevant sind, werden regelmäßig Untersuchungen über diese Entwicklung angestellt. Aktuell liegt auf diesem Thema auch noch besonderes Augenmerk, weil das sogenannte „Altersvorsorgedepot“ (AVD) vor der Türe steht. Bei diesem Weg der dritten Säule der Altersvorsorge sind sowohl versicherungsförmige Wege als auch Anlagen in Investmentfonds möglich. Dementsprechend bringen sich die beiden großen Altersvorsorge-Anbieter – Versicherer und Asset Manager – in Stellung.
In diesem Licht ist auch die von Fidelity International kürzlich durchgeführte Untersuchung „The Longevity Revolution: Preparing for a New Reality“ zu sehen. Sie basiert auf einer internationalen Studie, durchgeführt in 13 Märkten und basierend auf der detaillierten Befragung von mehr als 11.800 Teilnehmern ab 50 Jahren. Eine der Erkenntnisse besteht darin, dass 42 Prozent der Menschen ab 50 Jahren weltweit eine Rentenlücke von mindestens einem Jahrzehnt haben, das heißt, sie planen ihre Altersvorsorge um zehn Jahre zu kurz. Diese Zehnjahreslücke wurde ermittelt, indem die Lebenserwartung im jeweiligen Land mit der Erwartung der Befragten, wie lang ihre Altersvorsorge reicht, verglichen wurde. „Weltweit planen 42 Prozent um mindestens zehn Jahre zu kurz; in Deutschland sind es sogar mehr als die Hälfte, 54 Prozent“, sagt Susanna Wooders, Country Head Germany bei Fidelity International.
Laut Schätzungen des Pew Research Centre werden bis 2050 weltweit voraussichtlich 3,67 Millionen Menschen das Alter von 100 Jahren erreichen. Legt man eine potenzielle Lebensspanne von 100 Jahren zugrunde, haben sogar fast vier von fünf Menschen ab 50 Jahren (81 Prozent) eine Lücke von mehr als einem Jahrzehnt.
Fehleinschätzung wächst mit steigender Lebenserwartung
„Im Schnitt werden Frauen heute 83 Jahre alt, Männer 79. Das ändert sich allerdings drastisch. Mädchen, die 2023 geboren sind, können bereits damit rechnen, ein Alter zwischen 85 und 93 Jahren zu erreichen. Eine aktuelle Studie aus Dänemark kommt sogar zu dem Ergebnis, dass 50 Prozent der heute in den westlichen Ländern geborenen Babys 100 Jahre alt werden“, erklärt Wooders die Entwicklung. „Die Mehrzahl der Studien prognostiziert eine steigende Lebenserwartung, wobei vieles darauf hindeutet, dass sich der Verlängerungseffekt verlangsamt“, sagt Aktuarin Susanne Demski, Bereichsleiterin Aktuariat Personen bei der R+V Lebensversicherung. Noch spannender für Vorsorgefragen sei die Lebenserwartung ab 65. „Die hat sich von 1870 bis heute verdoppelt“, so Demski.
Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist in seiner Initiative „7 Jahre länger“ darauf hin, dass die Menschen ihr erreichbares Alter zu gering einschätzen. Die Versicherungswirtschaft argumentiert, dass die Menschen besser fahren, wenn sie eine Leibrente abschließen. „Was ist, wenn Sie mit 85 Jahren noch leben und Ihre Ausgaben gleich bleiben oder sogar steigen?“, fragt Demski. „Fakt ist, dass Lebensversicherer ein Leben lang zahlen, auch dann, wenn Kunden ihre Lebenserwartung unterschätzen.“
Frühzeitiges Handeln gefragt
Es besteht die Gefahr, dass viele schlecht vorbereitet sind. „Die gesetzliche Rente in Deutschland und Österreich zahlt lebenslang. Aber das dort angewandte Umlagesystem gerät ins Wanken. Während 1992 noch 2,7 Einzahlende auf einen Rentner kamen, sind es heute 1,8, und in 15 Jahren werden es 1,5 sein. Auch die bAV hilft beim Problem der Langlebigkeit nur teilweise weiter, da insbesondere viele kleine Unternehmen keine anbieten. Darüber hinaus werden hier inzwischen oft Zeitrenten über fünf, zehn oder 15 Jahre gezahlt. Und bei der privaten Vorsorge bereiten sich die wenigsten auf ein mögliches Alter von 100 Jahren vor, sondern rechnen mit einer zu kurzen Lebensdauer“, sagt Wooders. Sie bedauert, dass erst jetzt die Frühstart-Rente und das Altersvorsorgedepot eingeführt werden. „Beides sind wichtige Schritte, aber solche Ansparsysteme funktionieren am besten mit langen Ansparphasen. Da haben wir in Deutschland viele Jahre verpasst“, so Wooders. Die Menschen müssten selbst mehr tun, und das sei auch ein Problem der Kommunikation. „Die dritte Säule sollte viel mehr gepusht werden, da muss einfach viel mehr Geld hineinfließen; in die zweite Säule auch. Es geht darum, auch kleinere Betriebe anzubinden, die bAV für sie attraktiv und weniger komplex zu machen. Warum sollen Firmen nicht das Altersvorsorgedepot nutzen und ihren Mitarbeitern Gelder dort einzahlen?“, fragt Wooders. „Steuerbegünstigte Drittzahlungen wären sinnvoll, sowohl für das Altersvorsorgedepot als auch für die Frühstart-Rente“.
In der Forderung, dass mehr Geld in die Altersvorsorge fließen muss, sind sich Versicherer und Asset Manager einig. In der Gestaltung der Anspar- und der Auszahlphase gehen die Meinungen jedoch auseinander. „Für einen Menschen, der bis zu seinem Rentenbeginn noch viel Zeit hat, ist es wichtig, im Kapitalmarkt investiert zu sein. Über die letzten 30 Jahre haben Aktien im S&P 500 im Schnitt mit rund zehn Prozent per annum performt, nach Inflation waren es sieben bis acht Prozent. Bonds haben in der Zeit nur vier bis fünf Prozent gebracht – vor Inflation. Wir alle wissen, wie eine Differenz von fünf bis sechs Prozent unter dem Zinseszinseffekt wirkt“, betont Wooders die Vorteile des Aktienmarktes. Sie plädiert für lang laufende Aktiensparpläne in der Ansparphase, weil damit deutlich höhere Ausgangssummen für die späteren Rentenzahlungen generiert werden können.
Lebensversicherer betonen die konservative Sicht: „In repräsentativen Umfragen kommt heraus, dass die Menschen in Deutschland bei der privaten Vorsorge großen Wert auf Sicherheit legen“, sagt Demski. Sie glaubt, dass nur wenige Menschen nennenswerte Risiken bei der Altersvorsorge eingehen wollen. „Wer als Individuum in Aktien anspart, trägt das Risiko eines Totalverlustes. Kritisch bei der Altersvorsorge ist, dass der Kunde das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt“, sagt Demski. Versicherer können das Langlebigkeitsrisiko über ihr Kollektiv poolen, während individuelle Anleger es allein tragen. Ob die dafür anfallenden Kosten durch die Sicherheit gerechtfertigt werden, hängt allerdings stark von der erzielbaren Rendite ab. Die Kölner Ratingagentur Assekurata nennt bei einem Pressegespräch zu ihrer jährlichen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien konkrete Zahlen: „Die hohe Sicherheit schlägt sich in den erzielbaren Renditen nieder. In der klassischen Rentenversicherung beträgt die laufende Verzinsung für 2026 im Branchendurchschnitt 2,62 Prozent, inklusive Schlussüberschüssen sind es 3,23 Prozent. Bei Indexpolicen liegt der deklarierte laufende Überschusszins im Schnitt bei 3,07 Prozent“, erklärt Lars Heermann, Assekuratas Bereichsleiter Analyse und Bewertung.
Gebremste Fondspolicen
Selbst bei fondsgebundenen Tarifen können – zumindest in der Rentenphase – kaum bessere Renditen erzielt werden. „Im Moment sind die Regelungen so, dass bei einer Fondspolice mit Rentenbeginn der komplette Betrag aus den Fonds ins Sicherungsvermögen überführt wird“, erklärt Demski. Das sei notwendig, um die Stabilität der Rentenzahlungen zu gewährleisten. „Die Kunden partizipieren dann an der gemischten Kapitalanlage des Sicherungsvermögens. An den Überschüssen werden unsere Kunden beteiligt, auch während der Rentenphase.“
Menschen erwarten 4,9 Prozent
Wooders rät, die private Altersvorsorge direkt über Fonds zu gestalten und so lange wie möglich im Aktienmarkt zu bleiben, auch nach Renteneintritt. Zumindest würde das zu der Renditeerwartung von 4,9 Prozent passen, die die Umfrageteilnehmer im Schnitt von ihrer Altersvorsorge erwarten. „Ohne ein deutliches Aktien-Exposure wird das nicht machbar sein“, so Wooders, und das sei bei einem erwarteten Zeithorizont von über 25 Jahren auch durchführbar. Fidelity bietet hierfür Target Date Funds an, die über Gleitpfade ihr Risikoprofil langsam von Aktien- in Richtung Renteninvestments verändern. „Unsere Gleitpfadspezialisten sagen, dass das Renditeprofil nicht nennenswert belastet wird, wenn man peu à peu vom Aktienmarkt in Fixed Income umschichtet“, so Wooders.
Bis dato bietet Fidelity solche Target Date Funds lediglich für die Ansparphase an. „Wir schauen uns aktuell an, wie wir solche Lebenszykluslösungen auch für die Auszahlphase anbieten können. Diese laufen dann nach ähnlichem Prinzip wie für die Ansparphase. Zusätzlich zu Bonds kommen hier auch Dividendenstrategien zum Tragen. Diese sorgen dann für regelmäßige, planbare Auszahlungen“, verrät Wooders. Asset Manager überlegen also derzeit intensiv, wie sie eine gute Balance zwischen Rendite und stabilem Einkommen für Rentenlösungen bieten können.
Das rät Heermann auch den Versicherern: „In der Gestaltung der Ansparphase haben Versicherer sich in den vergangenen Jahren einige Innovationen einfallen lassen, aber bei der Gestaltung der Rentenphase gibt es noch viel zu tun.“ Er rät Versicherern, sich künftig auch gute Lösungen für die Rentenphase bereitzustellen: „Gerade hier können sie sich unterscheiden.“
Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Bildung der Bevölkerung. Hier herrscht Einigkeit, dass es damit nicht weit her ist. Viele Menschen tun sich schwer damit, eine Kapitalsumme in eine Rente oder einen Auszahlplan umzurechnen. „Inzwischen gibt es zahlreiche Rechner, die frei im Internet verfügbar sind“, meint Wooders. „Damit lässt sich ermitteln, wie viel man monatlich entnehmen kann, wenn man zum Beispiel 30 Jahre lang versorgt sein will. Bei Fidelity International haben wir bereits vor einigen Jahren Richtlinien zur Gestaltung der Auszahlphase mit konkreten Rechenbeispielen erstellt.“
Auch den Lebensversicherern macht die mangelhafte Finanzbildung zu schaffen, denn „der große argumentative Vorteil der Versicherer, dass sie eine lebenslange Rente zahlen, kommt bei den Kunden kaum an“, meint Heermann. Dazu zitiert er eine aktuelle Studie der FH Dortmund: „In einem Laborversuch entscheiden sich Menschen deutlich weniger für eine lebenslange Rente, selbst wenn der Rentenfaktor extrem hoch angenommen wird und fast so hoch ist wie die Rente aus einer Zeitrente, die mit 85 Jahren ausläuft“, so Heermann. Als Grund für dieses irrationale Verhalten nennt er unter anderem die Unterschätzung des Langlebigkeitsrisikos.
Zur Orientierung für die Rentenphase verweist Wooders auf Daumenregeln, die helfen, eine ungefähre Vorstellung von der Größenordnung zu bekommen. „Wer in Deutschland lebt, braucht etwa das Zehnfache seines letzten Bruttoeinkommens, um im Rentenalter gut leben zu können. Daraus kann man dann jährlich 4,6 Prozent entnehmen“, so Wooders. Bei einem angesparten Betrag von 400.000 Euro wären das 18.400 Euro jährlich, das ist angesichts der konservativen Sparkultur im deutschsprachigen Raum gelinde gesagt optimistisch. Wer konservativ anlegt, müsste entweder mehr ansparen oder weniger entnehmen – ein Spannungsfeld, das Wooders’ eigene Langlebigkeitswarnung noch verschärft. Noch sind solche Strategien zum Vermögensverzehr aber kaum bekannt. Bei der Berechnung einer privaten Rente sollten Frauen heutzutage mit einer Lebensdauer von mindestens 90, besser mit 100 Jahren rechnen. Männer könnten vier bis fünf Jahre weniger zugrunde legen. „Damit hat man einen guten Puffer eingebaut, und wenn man früher verstirbt, kann man etwas vererben. Bei einer Leibrente enden die Zahlungen mit dem Tod der berechtigten Person; ob Restkapital verbleibt, hängt von der Vertragsgestaltung ab“, stellt Wooders die Vorteile der fondsbasierten Vorsorge heraus.
Erbschaftsteuerdiskussion
Ein Nebenaspekt, der die Vorsorgebereitschaft beeinflusst, ist die Steuerdiskussion. Wooders argumentiert, dass Erbschaft- oder Vermögensteuern den Anreiz zur privaten Vorsorge schmälern, und verweist auf Großbritannien, wo geplante Verschärfungen bei der Besteuerung ausländischer Vermögender nach breitem Widerstand teilweise zurückgenommen wurden. „Bei Überlegungen zur Steuer muss man aufpassen, dass man keine falschen Anreize setzt. Schließlich will man, dass sich die Menschen ein gutes Finanzpolster aufbauen. Das hilft auch dem Staat, weil er dann weniger soziale Leistungen bezahlen muss“, wägt Wooders ab. Es sei daher wichtig, Barrieren abzuschaffen: bei der Transparenz, bei der Besteuerung, beim Wechsel von einem Produkt in ein anderes. Sie verweist auf die „Self-Invested Personal Pension“ (SIPP) in Großbritannien. „Hier können die Menschen sehr frei gestalten und sich ihre Fondsdepots selbst zusammenstellen. Die Einzahlungen sind steuerlich begünstigt – mit einer hohen jährlichen Obergrenze. Transferierbar ist das Ganze auch.“ An dieser Flexibilität solle man sich auch in Deutschland orientieren, findet sie. Rentner sind am Ende recht optimistisch. Die Fidelity-Studie zeigt, dass es den Menschen trotz Widrigkeiten am Ende gelingt, sich mit ihrer Finanzplanung im Alter einzurichten, denn die Ergebnisse zeigen bei jenen, die bereits im Ruhestand sind, einen gewissen Optimismus. 68 Prozent der Rentner beschreiben ihre Einstellung diesbezüglich als positiv, bei Noch-nicht-Rentnern sind es 56 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Zuversicht wächst, wenn die Menschen in den Ruhestand eingetreten sind.
Profitieren von der Langlebigkeit
Während die längere Lebenserwartung auf der Passivseite von Altersversorgungseinrichtungen steht, bietet es sich an, Longevity als Vorteil auf ihrer Investmentseite zu nutzen.
Während die steigende Lebenserwartung für Pensionskassen und Rentenversicherungen eine Herausforderung darstellt, die letztlich zu niedrigeren Rentenzahlungen führt, gibt es gleichzeitig die Möglichkeit, von der steigenden Lebenserwartung zu profitieren: auf der Investmentseite. „Die Menschen werden immer älter und haben als Senioren ein anderes Nutzungsverhalten als junge Menschen. Genau davon können bestimmte Unternehmen profitieren“, meint Serge Nussbaumer, der als Head of Public Solutions beim Wertpapierhaus Maverix Securities als Kapitalmarktexperte Investmentideen generiert. „Dass Menschen in der westlichen Welt eine höhere Lebenserwartung haben und dass der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung steigt, ist ein Megatrend, der uns weiter verfolgen wird. Wir bauen diesen sicheren Trend als Satellit in die Portfolios unserer Kunden ein, weil wir ihn für marktrelevant halten“, so Nussbaumer.
Hedge auf der Investmentseite
Gerade bei Pensionskassen sieht er den Bedarf, auf der Investmentseite nach einem Ausgleich zu suchen: „Altersversorgungswerke sollten Longevity als Vorteil auf ihrer Investmentseite nutzen, weil die längere Lebenserwartung auf ihrer Passivseite als Kostenfaktor steht“, so sein Kalkül. Neben der längeren Rentenzahldauer, die schon jetzt deutlich wird, müssten viele Investoren damit rechnen, dass es immer weniger Erwerbstätige gibt, die Einzahlungen leisten, und immer mehr Rentner, die Leistungen beziehen. „Hier nach einem Hedge zu suchen, ist wichtig“, meint Nussbaumer.
Augen auf bei der Indexwahl!
Er verweist darauf, dass bei solchen Überlegungen die Indexauswahl eine Rolle spielt, weil hinter einem vermeintlich klaren Anlagethema manchmal ein breit gestreutes Sammelbecken verschiedener Branchen steht, die teilweise nur lose mit der beworbenen Idee verknüpft sind. So basiert der iSTOXX Europe Long-
evity Select 50 Index auf 50 Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600, die von der demografischen Alterung Europas profitieren. Als Telekom-Unternehmen nimmt Swisscom eine der größten Positionen in diesem Index ein. „Das liegt daran, dass für den Index Unternehmen aus sieben Branchen ausgewählt werden, darunter Telekommunikation, Medien, Pharma, Freizeit und Luxus.“ Er verweist darauf, dass dies eine Schwäche solcher thematischer Indexkonstrukte sein kann. „Sicher, Telekommunikation als Branche profitiert insofern von der Alterung der Bevölkerung, als eine zuverlässige Kommunikationsinfrastruktur und digitale Dienstleistungen für ältere Bevölkerungsgruppen zunehmend wichtiger werden. Aber man kann sich fragen, ob dies gleich zu einem Branchengewicht im Index von 18,2 Prozent führen sollte“, gibt Nussbaumer zu bedenken. Allein der Titel Swisscom habe einen Anteil von 2,7 Prozent. „Oft sind die Indexregeln so allgemein gefasst, dass auch einige Werte darin enthalten sind, die nur am Rande mit dem eigentlichen Thema zu tun haben.“
Wenn aber ein passender Index beziehungsweise gute Einzelinvestments gefunden wurden, die vom Langlebigkeitsthema profitieren, könnten sich Investoren manchmal über weitere Vorteile freuen: „Menschen, die 50+ alt sind, nutzen häufig etablierte Traditionsunternehmen, deren Namen sie schon lange kennen. Nicht selten weisen diese einen höheren Cashflow auf und zahlen höhere Dividenden als ganz junge Unternehmen“, sieht Nussbaumer einen weiteren Nutzen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass solche Unternehmen alternative Lösungen in verschiedenen Lebensbereichen anbieten und damit im Bereich Social und Governance punkten. Damit ließen sich Longevity-Themen auch im Rahmen von ESG-Strategien gut spielen. „Wir sehen viele Vorteile darin, auf Unternehmen zu setzen, die von der Alterung der Bevölkerung profitieren. Daher setzen wir dieses Thema ganz bewusst ein“, resümiert Nussbaumer.
Anke Dembowski