Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Institutioneller schreibt Mid-/Large-Cap-Mandat aus

Ad

Asset Manager für Mid- & Large-Caps gesucht: Das ausgeschriebene Volumen beträgt zwischen 10 und 25 Millionen Euro. Mehr Informationen zum Mandat erhalten nur registrierte User. Mehr erfahren >>

Anzeige
2/2018 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

Langfristige Trends

Der Fondsdatenspezialist Mountain-View Data bereitet monatsweise Fondsflows und -volumina auf. So wird sichtbar, welche Anlageklassen gesucht waren und wo Geld hinfloss.

1529484460_teaserbild17.jpg

Idyllische Lage des Firmensitzes: Die Zentrale von Mountain-View liegt in einer Kärntner Landschaft, die einen perfekten Ausgleich zum Datensammeln und -aufbereiten darstellt, für eine ­entspannende Umgebung sorgt und die Kreativität fördert.

Foto: © mountain view

Gegenstand der Analysen des österreichischen Datenproviders Mountain-View Data (MVD) sind alle zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland und Österreich zugelassenen Publikumsfonds inklusive der institutionellen Tranchen. Der Blick aus der Vogelperspektive (siehe Tabelle „Aktiensektoren – Anleihensegmente – ETF-Kategorien“) eröffnet interessante Einblicke in die Entwicklung der letzten Monate. Gegenübergestellt wurden die Werte von Anfang Juli 2017, dem Jahresanfang 2018 und dem 1. März 2018, wobei dieser die Veränderungen im kritischen Monat Februar 2018 umfasst. Bekanntlich war es ja in der ers­ten Februarwoche 2018 zu einem radikalen Anstieg des zuvor ­extrem niedrigen Volatilitäts­niveaus bei Aktien und einer Korrektur der Januar-Hausse ­gekommen. Mountain-View hat die Methodik bei den Aktienbranchen insofern geändert, als zwei zusätzliche Segmente (Bio­technologie und Edelmetalle) eingeführt wurden, die Anfang Juli 2017 noch nicht bestückt wurden.


Aktienfonds
Was die Flows anbelangt, so haben sich diese aktienfondsseitig im März 2018 gegenüber Januar 2018 deutlich auf weniger als ein Viertel von 16,1 auf 3,9 Milliarden Euro verlangsamt. Bei den März-Aktienfondsflows fielen insbesondere Zuwächse in den Branchen Telekom/Medien, Finanzen und Tech/IT (vorletzte Spalte der Tabelle) auf. Wie es scheint, werden von den Fondsmanagern die Aussichten in diesen Sektoren besonders positiv beurteilt, was auf eine gewisse Antizyklik im Verhalten schließen lässt, wurden doch IT-Werte im Zuge der Marktkorrektur besonders gebeutelt. Auch Telekoms galten lange Zeit nicht als Lieblinge der Investmentprofis, da große Investi­tionen in 5G-Netze anstehen und Regu­lato­ren in Europa entgeltsenkende Eingriffe planen. Finanztitel sind in einem Umfeld steigender Zinsen in den USA sinnvoll, während dies in Europa kurzfristig noch nicht zu erkennen ist. Marktteilnehmer erwarten aber, dass sich im Herbst die Rhetorik der EZB ändern könnte, sodass eine Positionierung in europäischen Bankaktien vorausschauend der richtige Schritt sein kann.


Ein – hier nicht abgedruckter – Vergleich zwischen Anfang Juli 2017 und Anfang März 2018 zeigt, dass Branchenfonds zulas­ten der breit diversifizierten Aktienansätze (Rubrik Branchenmix) insgesamt etwas an Gewicht gewonnen haben, ist deren Anteil doch um 10 Basispunkte von in Summe 11,05 auf 11,15 Prozent gestiegen. Entsprechend sind die diversifizierten Fondsansätze von 88,95 auf 88,85 Prozent des gesamten Aktienfondsvolumens leicht zurückgegangen. Betrachtet man die einzelnen Branchen und ihre Branchenfonds, so wird ersichtlich, dass Agrikultur, Energie, Gesundheit/Pharma, Infrastruktur, diverse Rohstoffe – selbst unter Einschluss der Edelmetalle – und Versorger, deren Anteil unter 0,01 Prozent der gesamten Aktienfondsvolumina gefallen ist, Marktanteile verloren haben, während umgekehrt Branchenfonds in den Sektoren ­Finanzen, Industrie, Konsum/Dienstleis­tungen, Ökologie/Ethik, Technologie/IT und Telekommunikation/Medien zulegen konnten.


Anleihenfonds
Bei Betrachtung der Tabelle fällt zu allererst auf, dass Anleihenfonds im März Mittelabflüsse in der Größenordnung von 6,2 Milliarden Euro zu beklagen hatten. Anscheinend schätzen viele die Zinsängste ­höher ein als die Vorteile einer Flucht in den Rentenmarkt, die als Folge der erhöhten ­Volatilität an den Aktienmärkten logisch erscheint. Betrachtet man aber die Teilaggregate, so fällt auf, dass Staatsanleihen sehr wohl im Monat März 905 Millionen an ­Assets hinzugewinnen konnten, was einer gewissen Safe-Haven-Positionierung entspricht. Die positiven Flows im März in ­Aktienfonds spiegeln sich in den positiven Flows bei Wandelanleihenfonds wider, die 275 Millionen Euro an Assets hinzugewannen. Das Gros der Rückgaben spielte sich im März auf dem Gebiet der Unternehmensanleihen ab, da offensichtlich die Angst vor einer Konjunkturabschwächung oder einer Rezession beziehungsweise dem baldige Ende der Unternehmensanleihenkäufe der EZB zunahm. Den daraus resultierenden Druck auf Credit antizipierten die Fondsmanager. Im Januar 2018 flossen in Anleihenfonds noch 9,66 Milliarden Euro, wobei 6,68 Milliarden Euro auf gemischte Anleihenfonds entfielen.


ETFs
Hier waren im März 2018 aggregierte Zuflüsse in Aktien-ETFs und Geldmarkt-ETFs zu beobachten, wobei die meisten Mittel ­allerdings (418 Millionen Euro netto) in sogenannte Spezial-ETFs flossen. Darunter sind unter anderem Strategie-ETFs zu subsumieren. Abflüsse waren hingegen in den Kategorien Renten-, Immobilien- und Rohstoff-ETFs zu beklagen. Betrachtet man die gesamten ETF-Flows, so tendierten diese im März gegen null (328 Millionen Euro), während sie etwa im Januar 2018 im Zuge der Jahresanfangseuphorie noch 12,7 Mil­liarden Euro betragen hatten. 90 Prozent ­davon ­kamen hier Aktien-ETFs zugute. Diese Bild deckt sich mit den Zuflüssen bei Aktienfonds im Januar, die mit 3,86 Milliarden kräftig ausgefallen waren, in absoluter Höhe jedoch weit hinter jenen in Aktien-ETFs ­zurückblieben. Dies kann – neben der steigenden Beliebtheit von ETFs – sehr wohl damit zu tun haben, dass viele institutionelle Inves­toren zu Jahresanfang im Zuge von ­Allokationsänderungen Exposure via ETFs aufnehmen wollen, um ihre Anlagequote zu erreichen, ehe sie dann im weiteren Jahresverlauf etwa in Spezialfonds umschichten.


Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeitsfonds in allen Hauptassetklassen werden von Mountain-View gesondert erfasst und ermöglichen einen Blick in deren Entwicklung im Vergleich zu Fonds, die kein Sustainability-Etikett besitzen. Trotz aller Bemühungen der Politik ist Nachhaltigkeit noch immer eine Nische, die zwar leicht Marktanteile gewinnt, insgesamt aber nur einen geringen Prozentsatz der ­Assets ausmacht. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass Nachhaltigkeits-Aktienfonds Anfang März 2018 3,10 Prozent (plus 8 Basispunkte Marktanteil seit Jahresmitte 2017) des Volumens der nicht nachhaltig agierenden Aktienfonds ausmachen, allerdings ein schwaches Zehntel der Volumenzuwächse im Monat März 2018 auf sich vereinigen können. Hier stehen 335 Millionen an Inflows 3,71 Milliarden Euro bei nicht nachhaltigen Aktienfonds einander gegenüber. Der Anteil der Nachhaltigkeitsfonds bei Rentenfonds ist mit 1,91 Prozent noch niedriger als bei Aktienfonds, Mischfonds liegen mit einer Nachhaltigkeitsquote von 2,75 Prozent in der Mitte. Die Grafik „Monatsweise Entwicklung der Assets und Flows“ zeigt von Juli 2017 bis inklusive März 2018 im jeweils linken Teil die Entwicklung der aggregierten Volumina respektive im rechten Teil die monatsweisen Flows auf Nettobasis des jeweiligen Aktienaggregats.


Anleihen-Durchblick
Verglichen werden die Bestände von ­Ende Juli 2017, dem ältesten Wert dieser Auswertungsreihe, mit jenen von Ende ­Januar 2018, als die Aktienwelt noch in Ordnung war und die Volatilität noch nahe his­torischer Tiefs verharrte, und den Werten per Ende des ersten Quartals, um zu sehen, ob hier nach dem Volatilitätsanstieg Anfang Februar eine Repositionierung auch im ­Anleihenbereich in den Fonds eingesetzt hat. Ein Abriss der Top-50-Anleihen-Positionen (siehe gleichlautende Tabelle) zeigt, dass die größte Position ein kurzlaufender JGB (Japanese Government Bond) als Geldmarktsurrogat ist, der sich erst seit ­Kurzem in den Portfolios befindet. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen dann vier ­brasilianische Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen drei und neun Jahren, wobei die neunjährige seit der Rückkehr der Volatilität um fast die Hälfte aufgestockt wurde. Hier locken in Lokalwährung Renditen von um die 9,7 Prozent im hohen Non-Investment-Grade-Bereich, wie überhaupt die große Anzahl an Namen aus dem Emerging-Markets-Bereich unter den Staatsanleihen unter den Top 50 zeigt, dass das Thema Emerging Markets Debt die Fondsmanager umtreibt. Vor allem lateinamerikanische Namen wie Kolumbien, Mexiko und Argentinien sind in der Aufstellung zu finden, auch fällt die relativ hohe Dichte an indonesischen Staatspapieren auf. Diese ist nicht nur dem Interesse am Exposure zu diesem südostasiatischen Wachstumsmarkt geschuldet, sondern sichtbarer Ausdruck der relativen Knappheit an Papieren, gibt es doch laut Bloomberg nur 41 indonesische Staatspapiere, die auf Lokalwährung lauten. Außer einer indischen Anleihe ist kein Material des Subkontinents führend vertreten. Das scheint insofern bemerkenswert, als indische Staatsanleihen von vielen Asset Managern als der „place to be“ apostrophiert ­werden.


Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass ein großer Anteil der Top-Posi­tionen auf den größten Rentenmarkt der Welt, den US-Treasury-Markt, entfällt. Die Laufzeiten liegen hier zwischen zwei und neun Jahren. Ultralange US-Treasuries sucht man hier vergebens, was wohl den Aussichten auf weiter steigende US-Zinsen geschuldet ist. Was Europa anbelangt, so fallen hier nur ­spanische und italienische Staatsanleihen auf, Top-Quality mit ihren überaus unattraktiven Renditen bleibt offensichtlich außen vor. Die Renditejagd scheint also munter weiterzu­gehen. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die meisten der Top-50-Positonen seit Ende Januar und damit im Zweimonats­abstand an Gewicht verloren ­haben. Das scheint dafür zu sprechen, dass sich die Fondsmanager im Rentenbereich breiter aufstellen und mehr Diversifikation anstreben.


Laufzeiten und Bonitäten
Die Entwicklung der Laufzeiten der Staatsanleihen in den zum Vertrieb in Deutschland und Österreich zugelassenen Fonds zeigt ein interessantes Bild. So haben die unterjährigen Laufzeiten zugenommen, während bei den ultralangen Laufzeiten keine wesentlichen Änderungen bei der Fondsdurchschau zu bemerken sind. Zuletzt bergab ging es mit den kurzen, mittleren und langen Laufzeiten. Jedoch ist festzuhalten, dass im Abstand zum 31. Juli 2017 kurze und mittlere Laufzeiten zulegen können, was für eine mittelfristig vorsichtige Haltung der professionellen Rentenmanager spricht. Anleihen ohne fixen Fälligkeits­termin (Perpetuals) konnten ihren gering­fügigen Anteil jedoch im Wesentlichen über die Zeit steigern. Das muss kein Widerspruch zur vorsichtigen Positionierung im gegenwärtigen Zinsumfeld sein, denn viele Nachränge mit einer Fix-to-Floater-Struktur haben mittlerweile ein Alter erreicht, in dem sie zu variabel verzinsten Anleihen mutiert sind und damit – abgesehen vom Kredit­risiko – für Zeiten steigender Geldmarkt­zinsen gerüstet sind.


Was die Bonitätsanalyse anbelangt, bei der Mountain-View eine eigene Bonitätsskala verwendet, die bei MVD-A1 (entspricht AAA-Rating) beginnt und bei MVD-C3 (Single-C-Rating) endet, so ist hier auf mittlere Sicht eine Ausweitung von BBB-, BB- und B-Qualitäten zu erkennen, während AAA und AA abgenommen haben. Die stark ausgeweiteten High-Yield-Qualitäten im BB- und B-Bereich waren im März allerdings rückläufig, während der Trend zu BBB und Single A anhielt. BBB ist seit ­November 2017 in den in Deutschland und Österreich zum Vertrieb zugelassenen Fonds das stärkste Bonitätssegment geworden und hat diesen Vorsprung auf AA ­zuletzt weiter ausbauen können.


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen