Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
1/2021 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

Krypto for the People

Obwohl sehr viele Anleger nach wie vor skeptisch sind, was die langfristigen Aussichten von ­Kryptowährungen wie Bitcoin betrifft, wächst das Angebot an Instrumenten, die auch institutionellen Investoren grundsätzlich einen Einstieg ermöglichen. Ein Überblick.

1616680807_kryptoanlagen.jpg

Kryptoanlagen sind auch zehn Jahre nach „Erfindung“ des Bitcoin noch ein komplexes Thema, bei dem sich institutionelle Investoren noch am ehesten mithilfe bewährter Produktkonzepte wie beispielsweise Fonds engagieren könnten. Historie und Erfahrungswerte liegen allerdings auch hier noch nicht vor.

© Hauck & Aufhäuser Innovative Capital, Felix | st

Die Kursgewinne bei Bitcoin sowie Berichte über nennenswerte Engagements namhafter Investoren wie der US-Universitäten Harvard und Yale, des Versicherungsriesen Massachusetts Mutual oder des Elektroauto-Pioniers Tesla dürften auch bisher bezüglich der Kryptowährungen skeptische Investoren ins Grübeln bringen. Obwohl es nach wie vor nicht möglich ist, Kryptowährungen zu bewerten, scheint es doch auch sehr unwahrscheinlich, dass dieses Phänomen wieder von der Bildfläche verschwindet. Selbst die Gefahr, dass von staatlicher Seite massive Einschnitte kommen, sinkt mit dem zunehmenden Volumen dieser Märkte. Nachdem die Marktkapitalisierung von Bitcoin inzwischen die 1.000-Milliarden-US-Dollar-Marke erreicht hat, sind ein Handels- oder Besitzverbot für diese oder andere Kryptowährungen nur mehr schwer vorstellbar. Somit steigt die Zahl der Anleger, die sich eine Beimischung dieser neuen Assetklasse überlegen, weiter, und die erste Frage, die sie dabei klären müssen, lautet: Über welches Instrument soll man investieren? Selbst wenn ihre Anlagerichtlinien dies erlauben, dürfte direktes Exposure in Bitcoin oder auch anderen Kryptowährungen die meisten Investoren vor Probleme stellen. Von der Auswahl der Handelsplattform über den Erwerb bis zur vor Hackern sicheren Lagerung sind hier für die meisten Institutionellen völlig neue Fragen zu beantworten.

Der einfachste Weg

Den technisch einfachsten Weg, Bitcoin ins Depot zu nehmen, stellen Futures oder Optionen dar – diesen Weg beschritt man etwa bei den beiden BlackRock-Fonds Strategic Income Opportunities und Global Allo­cation Fund. Da aber Derivate bei vielen ­Investoren nicht oder nur zu Hedging-­Zwecken eingesetzt werden dürfen, muss die Majorität der Anleger andere Lösungen finden. Dazu gehören Schuldverschreibungen wie beispielsweise Zertifikate. Die Vorteile von Schuldverschreibungen sind der Wegfall von Wallets, kein Risiko verschwundener oder gestohlener Kryptoschlüssel sowie Handel und Preisfeststellungen auf regulierten, öffentlichen Börsen, an die man über bekannte und etablierte Broker Kauf- und Verkaufsaufträge reichen kann. Hinzu kommen Vorteile beim Reporting. Nachteilig sind das Schuldverschreibungen beziehungsweise Zertifikaten innewohnende Risiko, vom Emittenten bei Marktturbulenzen keine oder unvorteilhafte Preise gestellt zu bekommen, temporäre Premiums zum fairen Wert und vor allem das Emittentenrisiko. Letztgenanntes Problem wird aber vielfach bei der nächsten Generation an Schuldverschreibungen, den ETPs (Exchange Traded Products), aber auch ETCs und ETNs, durch eine Hinterlegung von Sicherheiten de facto eliminiert. Entsprechende Zertifikate und ETPs aufgelegt haben Emittenten wie Vontobel, XBT Provider aus Schweden, aber auch ETC Issuance, 21Shares, VanEck ETP oder WisdomTree Issuer X. Anleger können alternativ dazu neben Bitcoin-Hedgefonds (etwa der bereits 2013 gestartete, auf den Cayman-Inseln domizilierte Pantera Bitcoin Fund) in an den US-Börsen gehandelten ­Investment Trusts, beispielsweise den Gray­scale Bitcoin Trust oder den Osprey Bitcoin Trust, investieren, die ihrerseits Bitcoin für das Gesellschaftsvermögen kaufen. Bei hoher Investorennachfrage notieren diese Trusts aber mit hohen, im zweistelligen Prozentpunktbereich liegenden Kursaufschlägen (Premium) zum inneren Wert und spiegeln darüber hinaus nur eingeschränkt die Kursentwicklung von Bitcoin exakt wieder. Vorteilhaft ist aber der hochliquide Handel aufgrund der Börsennotiz.

Am Ende des Tages wollen viele Großanleger doch eine Fondslösung. „Der einzige Weg, um von dieser neuen Assetklasse zu profitieren, ist entweder eine direkte Bitcoin-Beteiligung über die Blockchain oder ein Fonds. Alle anderen Vehikel bergen Credit-Risiken und gewähren keinen garantierten Zugang bei Aufsplittungen“, nennt Yves Choueifaty, Präsident, Gründer und CIO von TOBAM, gegenüber Institutional ­Money einen wichtigen Fondsvorteil. Die französische Boutique, an der CalPERS und Amundi Minderheitsbeteiligungen halten, ging 2017 mit dem ersten europäischen Bitcoin-Fonds an den Start. Fondsmanager Nicolas Begorre investiert direkt in die Bitcoin-Blockchain, um an allfälligen „Forks“ partizipieren zu können und kein Credit-Risiko zu tragen. Choueifaty zufolge darf sein Haus für den Fonds aus regulatorischen Gründen nicht breit in der Öffentlichkeit werben. Investoren steht der Fonds daher nur auf Nachfrage zur Verfügung. Unabhängig davon ist der TOBAM Bitcoin Fund auch für deutsche Profianleger ­verfügbar. Diese Zurückhaltung beim Vertrieb sowie eine leichte Underperformance gegenüber Bitcoin (die zum Teil an den Gebühren liegt) erklären, warum der Alternative Investment Fund (AIF) derzeit nur ein Volumen von lediglich neun Millionen Euro aufweist.

Franzosen haben offenbar ein Faible für Bitcoin-Fonds: Ende 2019 ging Napo­leon AM ebenfalls mit einem Bitcoin-Fonds in der Rechtsform eines „Fonds Professionel Spécialisé“ (FPS) an den Start. Dieser geht Bitcoin-Exposure synthetisch ein und hat derzeit nur ein Volumen von knapp drei Millionen Euro.

Deutsche Lösung

Hiesige Investoren, die ihr Geld lieber ­einer deutschen Fondsgesellschaft anver­trauen und ohne allfällige Sprachbarrieren kommunizieren wollen, können dies ab diesem Januar. Der neue Krypto-Spezialfonds HAIC Digital Asset Fund I ist ein Gemeinschaftsprojekt der von Hauck & Aufhäuser gegründeten Hauck & Aufhäuser Innovative Capital GmbH und des Berliner Fintechs Kapilendo. Dabei agiert Hauck & Aufhäuser Innovative Capital als Kapitalverwaltungsgesellschaft und verantwortet das Portfoliomanagement, Kapilendo übernimmt die Funktion der Kryptoverwahrstelle.

„Der HAIC Digital Asset Fund I ist der erste in Deutschland zugelassene Kryptofonds eines etablierten Finanzdienstleisters“, sagt Patrick Karb, Geschäftsführer von Hauck & Aufhäuser Innovative Capital, auf Anfrage von Institutional Money. „Bereits kurz nach Ankündigung unseres Vorhabens haben wir großes Interesse für den Fonds verzeichnet. Die Nachfrage der Kunden – von kleinen semiprofessionellen Anlegern über Versorgungswerke, Pensionskassen und andere Investmentfonds bis hin zu MDAX-Konzernen – ist enorm. Dieses ­Interesse ist bis heute ungebrochen.“

Der thesaurierende Fonds investiert vornehmlich in hochliquide Kryptowerte mit einer hohen Marktkapitalisierung und Bekanntheit, zum Beispiel Bitcoin oder Ether, aber auch Stellar und Chainlink. Darüber hinaus müssen die ausgewählten Assets ­einen Track Record von mindestens 24 ­Monaten haben. Neben Kryptowährungen (Payment Token) können auch Utility  und Investment Token erworben werden. Unterm Strich deckt der Fonds über 85 Prozent des Gesamtmarktes (ohne Stable Coins) an Krypto-Assets ab. Hebelprodukte, Short-Positionen oder Derivate kommen nicht zum Einsatz. Die ­Allokation der passiven Anlagestrategie richtet sich nach der Marktkapitalisierung. Durch einen mehrstufigen quantitativen und qualitativen Investmentprozess soll laut Gesellschaftsangaben eine gleichbleibend hohe Qualität des Port­folios sichergestellt und somit eine Übergewichtung von Kryptowährungen mit hoher Marktkapitalisierung vermieden werden. Einzelwerte in Payment und Utility Token dürfen bis zu 70 Prozent des Portfolios ausmachen. Bitcoin ist derzeit auch das Asset mit der höchsten Gewichtung und bewegt sich knapp über 50 Prozent, wie Karb erläutert. „Trotzdem streben wir stets eine Risikomischung an und versuchen, einzelnen Werten in der Allokation kein Übergewicht zu geben.“

Einige Hürden

Vor der Lancierung des Gefäßes mussten einige Hürden gemeistert werden. Immerhin sind die bestehenden Prozesse aus dem klassischen Wertpapierbereich nicht für digi­tale Assets ausgelegt. So kann beispielsweise der Handel der Assets nicht über die üblichen Handelspartner und Wege abgewickelt werden. „Auch eine Lagerung im konventionellen Sinne existiert nicht. Bei Kryptowährungen – so auch bei unserem Fonds – bedeutet Lagerung die Sicherung der Private Keys und nicht der Assets selbst“, sagt Karb. Deshalb wurde für die Spezial-AIF-Struktur die Rechtsform einer GmbH & Co. KG gewählt. Trotz dieser aus dem Bereich der geschlossenen Fonds bekannten Struktur soll der Fonds, für den täglich ein Net Asset Value (NAV) berechnet wird, Investoren immer offenstehen. „Durch die offene Struktur des Produkts sind permanente Beitrittsmöglichkeit und Rückgaben gewährleistet“, betont Karb. Die Zeichnung ist ausschließlich über Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und Kapilendo Invest möglich, die Mindestanlagesumme beträgt 200.000 Euro. Zeichnungsberechtigt sind laut Vertriebs­unterlagen professionelle Anleger im Sinne von § 1 Abs. 19 Nr. 32 KAGB und semi-professionelle Anleger im Sinne von § 1 Abs. 19 Nr. 33 KAGB. Der Beitritt der ­Investoren in die KG erfolgt mittelbar über einen Treuhänder. Beitritt und Rückgabe der Spezial-AIF-Anteile sind monatlich möglich, es besteht aber eine Mindesthaltedauer von sechs Monaten. Die Gesamtgebühren belaufen sich auf 2,05 Prozent jährlich auf das Fondsvolumen. Es gibt eine Zeichnungsgebühr (Agio) von bis zu drei Prozent. Die Performance Fee beträgt 20 Prozent, die High Water Mark sieben Prozent. Bei Aufstockungen und Rückgaben fallen keine Kosten an.

Volatilitätsprämien kassieren

Anleger, denen ein pures Bitcoin-Investment zu volatil ist, die aber trotzdem über einen Fonds zumindest partiell vom Krypto­währungsboom profitieren wollen, könnten den Incrementum Digital & Physical Gold Fund interessant finden. Denn bei dem verfolgten Investmentansatz wird unter anderem die hohe Bitcoin-Volatilität genutzt.

Die von der liechtensteinischen Incrementum lancierte aktiv verwaltete Strategie kombiniert Gold und Silber (Zielgröße: 75 Prozent in Summe) mit Kryptoinvestments (derzeit überwiegend Bitcoin), auch andere Kryptowährungen wie Bitcoin Cash und ­Litecoin können beigemischt werden (gemeinsame Zielgröße: 25 Prozent). „Aus Portfoliogesichtspunkten ist diese Kombination ideal, weil Kryptoanlagen zu Gold und Silber wenig korreliert sind und man somit das Gesamtrisiko des Fonds massiv reduzieren kann“, erklärt Harald Steinbichler, ­Managing Partner des für den Vertrieb zuständigen Third Party Marketers axessum. Um flexibel zu bleiben, wird das Krypto-Exposure zwischen zehn und 40 Prozent aktiv gesteuert, bei der Edelmetallallokation kann Silber bis zu 20 Prozent beigemischt werden. Die Edelmetalle werden physisch gelagert (Bank Frick), die Krypto-Assets werden ebenfalls mittels „Cold Storage“ bei der Depotbank verwahrt.

Incrementum-Fondsmanager Mark Valek nutzt im Rahmen einer proprietären „Vol-Harvesting-Strategie“ die hohen Volatili­täten des Kryptomarktes zur Performancesteigerung, in dem er Optionen auf Bitcoin verkauft (schreibt). „Diese systematische Optionsstratege bringt stetige Cashflows“, betont Steinbichler. „Darüber hinaus bleibt das asymmetrische, rechtsschiefe Risiko-Ertrags-Profil bestehen.“ Des Weiteren erfolgt ein eventbasiertes Rebalancing, das die Risiko-Ertrags-Eigenschaften des Fonds auf die strategischen Vorgaben allokiert. Bei Unterschreiten eines zehnprozentigen Krypto-Exposures kauft Valek Bitcoins und verkauft Gold, bei Erreichen eines 40-prozentigen Exposures von Bitcoin verkauft Valek Bitcoin und kauft Gold. Seit Fondsauflage im Februar 2020 erfolgte im November 2020 und Februar 2021 ein Rebalancing – immer zugunsten von Goldkäufen.

Bislang hat die Strategie des im Februar 2020 an den Start gegangenen Incrementum Digital & Physical Gold Fund gut funktioniert, wie die 81 Prozent Performance im Rumpfjahr 2020 beweisen. Eine Attribu­tionsanalyse für diesen Zeitraum zeigt, dass das zugrunde liegende Edelmetall-Bitcoin-Portfolio 49,6 Prozent Performance brachte. Das eventbasierte Rebalancing beziehungsweise aktive Über- und Untergewichtungen und auch die taktische Silberposition brachten zusätzlich 17,0 Prozent und die gesammelten Optionsprämien 14,4 Prozent. „Die Volatilität des Fonds betrug ,nur‘ 24 Prozent, das entspricht in etwa auch der Volatilität von Gold. Darauf sind wir sehr stolz, die Sharpe Ratio ist weit über vier“, merkt Steinbichler an. Der Spezial-AIF ist wöchentlich handelbar. Die Gebühr für Administration und Verwahrung beträgt 0,30 Prozent. Die Fondsverwaltungsgebühr beträgt abhängig von der Anteilsklasse zwischen 0,5 und 1,0 Prozent. Falls die High Water Mark übertroffen wird, wird eine Performance Fee von zehn Prozent verrechnet. Die Hurdle Rate beträgt ebenfalls zehn Prozent. Ausgabe- und Rücknahmeabschläge gibt es keine. Da der Fonds seit Kurzem ­einen einjährigen Track Record vorweisen kann, wird sich höchstwahrscheinlich auch das derzeitige Fondsvolumen von etwas mehr als 13 Millionen Euro bald nach oben entwickeln.

Seit 8. März 2021 steht Investoren ein ähnlicher Fonds zur Verfügung. Es ist ein UCITS-Fonds mit Retail- und institutionellen Anteilsklassen. Der neue Incrementum Crypto Gold Fonds allokiert jeweils zu ­einem Drittel in Gold, Silber und Kryptowährungen. „Dieser UCITS-Fonds investiert in Metallkonten und in Wertpapiere, die das Underlying abbilden. Die Vol-Harvesting-Strategie wird hier über das Verkaufen von Optionen auf Minenwerte gemacht, die haben auch eine sehr hohe Volatilität“, sagt Steinbichler.    

Anton Altendorfer


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren