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2/2017 | Produkte & Strategien
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In der regulatorischen Klemme

Kleinen und mittelgroßen Regionalbanken fällt es zunehmend schwer, die weiter wachsende Zahl an regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Spezialisierte Berater wie Subsidium helfen.

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Banken sind durch die Regulatorik gezwungen, in schlecht oder negativ rentierende Papiere zu investieren. Auf der Suche nach Rendite bleiben Depot-A-Manager aber gern bei den Risikoklassen, die man in Banken kennt.

Mittlerweile ist die Bankenregulierung derart engmaschig, dass auch bei der – vermeintlich einfachen – Eigenveranlagung in Form von Fonds dicke Ordner produziert werden müssen, um allen Due-Diligence-, Risikomanagement- und sonstigen Anforderungen gerecht zu werden. „Insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Banken belastet der Aufwand, der dafür betrieben werden muss, die laufende Organisation. Schließlich gibt es nicht immer spezialisierte Neuprodukt-Teams. Sowohl im Markt als auch in den Marktfolgebereichen muss die Arbeit als Add-on im Tagesgeschäft erledigt werden“, skizziert Thomas Linke die aktuelle Situation kleinerer Banken.


Vor einem guten Jahr hat sich Linke mit seiner Subsidium Consulting GmbH selbstständig gemacht und berät jetzt kleine bis mittelgroße Regionalkreditinstitute bei der Veranlagung ihrer Eigenmittel. Zuvor war er lange Jahre bei der dem österreichischen Raiff­eisensektor zugehörigen Walser-Privatbank AG beschäftigt, wo er nach Stationen im Asset Management die Gesamtbanksteuerung aufgebaut und zuletzt als Leiter Treasury die in zwei Spezialfonds konzentrierte Eigenveranlagung verantwortet hat.


Hohe Liquiditätsanforderungen
„In den letzten Jahren hatten die meisten Banken entweder einen Liquiditäts- oder einen Risikotragfähigkeitsengpass, was die Eigenveranlagung betrifft“, sind Linkes Erfahrungen. Eigenkapital ist für Banken ein knappes Gut. Das war schon zu Zeiten von Basel II so, aber durch Basel III wurden neben höheren Eigenkapitalerfordernissen noch anspruchsvolle Liquiditätsvorschriften hinzugefügt. Das Handling dafür ist komplex. Beispielsweise sind die Institute gezwungen, zur Ansteuerung der Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) in Relation zu ihrem Nettoabfluss innerhalb der nächs­ten 30 Tage hochliquide Aktiva vorzuhalten. Linke erklärt, warum: „Die Banken müssen zu den Papieren, die sie im HQLA-Bestand halten, die Eignung und Liquidität revi­sions­fest dokumentieren – ein nicht zu ­unterschätzender Aufwand, der für kleinere Häuser praktisch kaum darstellbar ist –, insbesondere wenn es um die – durchaus zulässige – Beimischung von Aktien geht. Als HQLA (High Quality Liquid Assets) wird der Liquiditätspuffer bezeichnet.


Zudem müssen regelmäßig Testgeschäfte durchgeführt werden, um darzustellen, dass die Marktliquidität existiert. Meistens werden HQLA-Bestände im Direktbestand ­gehalten. Die Integration dieser Prüftätigkeiten in die Anlagerichtlinien eines Spe­zialfonds ist möglich, aber komplex. Kleinere Institute benötigen hier aber deutlich geringere Einstiegsvolumina, was durchaus möglich ist.“


Ertragsprobleme
Aus der Ausrichtung an die aufsichtsrechtlichen Anforderungen ergibt sich für viele Institute mittlerweile ein Ertragsproblem, denn die regulatorisch optimale Gestaltung des HQLA macht es erforderlich, dass hier im Wesentlichen defensive Papiere mit exzellentem Rating erworben werden, also Staatsanleihen, Pfandbriefe und dergleichen. „Aus Sicht des Regulators ist das vernünftig, denn die HQLA sollen ja in ­erster Linie Illiquidität abfedern“, erklärt Linke. „Daher will man dort bewusst Papiere haben, die sich besonders gut am Markt veräußern lassen und notfalls auch zur Refinanzierung an die Notenbank eingereicht werden können.


Dass die Konzentration auf regulatorische Optimierung angesichts der Zinspolitik und insbesondere durch die Bond-Ankaufprogramme der EZB einen gravierenden Nachteil mit sich bringt, liegt auf der Hand. „Die Banken haben ihre Liquidity Coverage Ratio zwar ausgesteuert, aber sie verdienen mit den Papieren kein Geld beziehungsweise haben sogar Liquiditätskosten, die sie tragen müssen“, verdeutlicht Linke das Dilemma. Verschärft wird die Situation noch durch die lange Dauer der Niedrigzinsphase, die auch den passivischen Konditionsbeitrag praktisch abgeschafft hat. Nach und nach reifen gute Kupons ab, und deutsche Bundesanleihen, in die die Banken-Treasurer neu inves­tieren, rentieren erst ab acht oder neun Jahren Laufzeit positiv; alle anderen kosten einen gewissen Beitrag und belasten somit die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV). Auf die zu starke Abhängigkeit vom Zinsergebnis ist mittlerweile auch die Aufsicht aufmerksam geworden. Linke verweist auf die Umfragen zur ­Ertragslage und Widerstandsfähigkeit deutscher Kreditinstitute. Bundesbank und Bafin haben auch die notwendige Anpassung in den Geschäftsmodellen im Niedrigzinsumfeld eingefordert.


Die Depot-A-Manager stehen daher vor der Aufgabenstellung, eine Vermögensstruktur zu schaffen, mit der sie zum einen die regulatorischen Vorschriften einhalten und zum anderen trotzdem einen ­gewissen Mehrertrag für die Zukunft erzielen können. Schließlich soll auch das Depot A zum Ergebnis beitragen, weil bei den Banken die Zinsmargen sinken und bei ­vielen Häusern hinzukommt, dass durch die MiFID-II-Regulierung auch das Provisionsergebnis bedroht ist. Zu wenige wagen auf der Ebene der Ausrichtung des Geschäftsmodells die Ansprache neuer Zielkunden, beispielsweise im Private Banking, obwohl es eine ganze Reihe von Regionalbanken gibt, die diesen Weg erfolgreich beschritten haben.


„Im Zuge unserer Geschäftsausrichtung wollen wir uns auf unsere Kernprozesse konzentrieren. Unser Depot A betrachten wir dabei nicht als Kerngeschäft, weshalb wir die damit in Verbindung stehenden ­Tätigkeiten so weit wie möglich an Herrn Linke auslagern“, erklärt Regina Reitter, die bei der Walser Privatbank im Vorstand für den Bereich Treasury zuständig ist. Sie fährt fort: „Er unterstützt uns hier insbesondere in Fragen der Asset Allocation. Dort erfasst er für uns die gesamten Kontextfaktoren und berät uns einmal jährlich bei der Festlegung der strategischen Asset Allocation und quartalsweise bei der taktischen Asset Allo­cation.“ Außerdem berät Linke das Haus bei der Selektion externer Fondspartner. „Hier setzen wir auf Stildiversifikation“, so Reitter. „Dazu wollen wir im Detail wissen: Was ist das für ein Manager? Ist sein Investmentstil nachvollziehbar und transparent? Ergänzt er die anderen Stile, die wir im Portfolio haben? Das Markt-Screening und die Due Diligence lagern wir an Herrn Linke aus.“


90 Prozent Anleihen
Aber allzu weit gehen die Banker derzeit nicht in unbekanntes Risikoterrain. Ein typisches Depot A besteht weiterhin zu rund 90 Prozent aus verzinslichen Papieren. Linke erklärt, warum: „Typischerweise bleiben Banken in bekannten Risikoarten, die eine gewisse Nähe zum Kerngeschäft aufweisen. Das sind Zinsänderungs- und Kreditrisi­ken. Immobilien sind meistens ebenfalls im Bestand. Die Planbarkeit der Erträge und die eingespielten Steuerungsprozesse machen es einfacher, im Kreditgeschäft zu wachsen beziehungsweise den Zinsbuchhebel zu erhöhen. Aber gerade beim Einstieg in Aktien tut man sich sehr schwer, und erst recht mit alternativen Assetklassen. Die Erstellung ­einer Asset Allocation mit dem erforderlichen Gesamtbankbezug ist nicht nur komplex, auch sind Neuproduktprozesse durchzuführen und die Geschäfts- und Risikostra­tegien anzupassen.“


Die Konsequenz daraus war, dass sich ein Depot-A-Manager im Regelfall dazu entschieden hat, mehr Credit- und Spreadrisiken zu nehmen, wenn er seine Asset Allocation verbreitern wollte. Man bewegte sich also von sicheren Staatsanleihen und Pfandbriefen in Richtung Investment Grade Corporates. „Einige wenige gehen vielleicht noch in den High-Yield-Bereich, aber seit der Finanzmarktkrise ist das schwer zu argumentieren“, meint Linke.


Das macht den Pool aus Lösungen für das Dilemma klein. Am ehesten integrieren lassen sich in die Bankendepots Absolute-Return-Konzepte, die auf liquiden Assetklassen beruhen. Der Vorteil solcher meist als Multi-Asset-Strategie aufgesetzten Konzepte ist, dass sie keine hohen Bündelrisiken beinhalten. Für Banken, die eine knappe Eigenkapitalbasis haben, kommen solche Konzepte kaum in Frage. „Um einen möglichen Durchschlag auf die GuV zu begrenzen, wollen Kunden oft zusätzlich zur Diversifikation gern ein gewisses Risiko-Overlay, also eine Verlust­begrenzung, darüberlegen“, beobachtet Linke.


Kleinere Banken bevorzugen Einproduktlösungen, aber hier ist das Angebot knapp, denn noch werden speziell auf Banken zugeschnittene Produkte nur von wenigen ­Asset Managern angeboten. Die verbundeigenen Fondsgesellschaften haben natürlich das banken­spezifische Know-how und bieten ­einen ganzen Satz von Serviceleis­tungen für ihre Verbundinstitute an. „Aber Manager und KVGs, die keinen starken Fokus auf die Bankenbranche haben, tun sich schwer, in diesen Zielmarkt einzutreten“, so Linke. Erst jetzt kämen ers­te HQLA-Fonds auf den Markt, die gezielt auch die notwendigen Prüfprozesse von Banken integrieren. Obwohl beispielsweise auch Aktien unter bestimmten Bedingungen als HQLA verwendet werden können, hat sich hier noch kein breites Produktangebot entwickelt.


Spezialisierte Boutiquen
„Neu am Markt sind hier zum Beispiel Fonds, die in negative Basis-Trades inves­tieren, die Renditen der erworbenen Anleihen sind höher als die Versicherungsprä­mien der Kreditausfallversicherung (CDS)“, so Linke. Ein Anbieter in diesem Bereich ist die Fixed-Income-Boutique NordIX AG aus Hamburg, die sich auf Strategien konzentriert, die sich für das Depot-A-Geschäft eignen. NordIX-Vorstand Claus Tumbrägel erklärt: „Die Eintrittsbarrieren in das Depot-A-Geschäft sind hoch, denn es bedarf viel Zeit und Know-how, die speziellen Anforderungen zu erfüllen.“ Tumbrägel verrät, in welchen Bereichen er sich von Linke unterstützen lässt: „Unsere Strategien müssen innerhalb der Banken umgesetzt werden. Dabei greifen wir auf die Subsi­dium GmbH zurück – beispielsweise bei der Einführung der Produkte und der Schulung der Bankmitarbeiter.“


Linke schätzt den Fonds positiv ein und glaubt, dass er bei den Banken gut ankommen wird: „Das Konzept ist konsequent auf Banken mit knapper Eigenkapitalausstattung ausgelegt und kann einen Quick Win bedeuten, denn hier können durchaus Erträge von bis zu zwei Prozent herauskommen, obwohl bei dieser Strategie die Kredit-, Zinsänderungs- und Fremdwährungsrisiken abgesichert sind. Wichtig für die Regulatorik, die Depot-A-Manager beachten müssen, ist aber auch die Unterstützung im Neuproduktprozess.“


Spezielles Reporting für Banken
Speziell ist auch das Reporting, das Banken benötigen. „Es gibt viel mehr KVGs, die dies in Bezug auf Solvency II bereitstellen, als solche, die ein Reporting in Bezug auf Basel III und die MaRisk abdecken können. Nur wenige Asset Manager kennen die spezifischen Bedürfnisse von Banken – speziell von kleinen Banken, die nicht alle Prozesse inhouse durchführen können“, weiß Linke und nennt einige wichtige Bestandteile: „Für die Anforderungen der CRR bezüglich Großkrediten brauchen Banken eine Transparenzdarstellung inklusive der Durchschau durch Zielfonds. Bei der Verwendung von OTC-Derivaten ist die Bereitstellung der Credit Value Adjustments wichtig. Fremdwährungsbestände müssen direkt abgreifbar sein, ebenso wie die nachvollziehbare Ermittlung der Eigenkapitalabzugspositionen von Emittenten aus der Finanzbranche gewährleistet sein muss. Für die Anrechnung von Fonds als HQLA wird ein LCR-Reporting benötigt. Auch eine bankenkonforme VaR-Berechnung einschließlich Back- und Stresstesting ist im Hinblick auf die MaRisk wichtig. Dabei ist die transparente Dokumentation der Verfahren ebenso notwendig wie die Bereitstellung von Reports, die eine Quervalidierung ermöglichen.“ In jedem Neuproduktprozess werden Depot-A-Manager genau nach solchen Reporting-Details fragen müssen, und wenn ein Asset Manager darauf nicht zufriedenstellend antworten kann, hilft auch eine gute Rendite nur bedingt weiter.

„Insbesondere kleinere Banken benötigen eine vorgelagerte Prüfung, was sie vom Asset Manager geliefert bekommen. Dies ist zentraler Punkt in der bankspezifischen Due Diligence“, weiß Linke.


Man darf gespannt sein, welche weiteren Produkte demnächst aufgelegt werden, die speziell auf die Bedürfnisse von Depot-A-Managern zugeschnitten sind und deren ­Anbieter auch ein zielgruppengerechtes ­Reporting anbieten.


Anhang:

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