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1/2019 | Produkte & Strategien
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Gestrandet

FLOP. Der Amundi Absolute Volatility World Equities war zu seiner besten Zeit der Wal ­unter den Volatilitätsfonds. Aber wer sich nur mit hohen Aktienvolatilitäten wohl fühlt wie ein Fisch im Wasser, musste in den letzten Jahren von magerer Kost leben. Gibt es ein Revival?

Der Amundi Absolute Volatility World Equities Fund (ISIN für die US-Dollar-I-Tranche: LU0319686829) ist seit Mitte November 2007 aktiv und konzentriert sich auf Long/Short-Volatilitäts-Plays. In der Zeit nach der Auflage lief alles prächtig. Ein „kräftiger Rückenwind“ bescherte der institutionellen US-Dollar-Tranche im Jahr 2008 einen Wertzuwachs von 25,76 Prozent nach oben. Ein perfekter Start: Der Fonds (wie auch der Amundi Absolute Volatility Euro Equities) spielte in der Finanz- und Wirtschaftskrise seine Rolle als Portfoliodiversifikator vorbildlich. Auch in den Jahren 2009 bis 2011 – der Griechenlandkrise sei Dank – ging es jeweils einstellig nach oben, die Assets wuchsen, und für die Fondsmanager Gilbert Kaskin und Eric Hermitte war die Welt in Ordnung. Doch auch das Leben ­eines Vola-Fonds-Managers verläuft nicht immer wie ein Rosamunde-Pilcher-Roman. 2013 wurden die Amundi-Manager von der Realität eingeholt, und zwar in Gestalt zweistelliger Verluste. Und 2017 schlug das Schicksal neuerlich zu, diesmal gingen 17 Prozent verloren. Blickt man als Inhaber des Amundi Absolute Volatility World Equities Fund heute rund zwölf Jahre zurück (31. 12. 2007 bis 7. 3. 2019), so liegt das Plus nur noch bei 2,365 Prozent – und zwar nicht annualisiert, sondern kumuliert.

Die Grundidee bestand darin, long zu gehen, wenn die Volatilitäten in den drei Kernmärkten USA, Europa und Japan unter dem langjährigen Durchschnitt liegen, hohe Volas sollten hingegen leer verkauft werden. Der Annahme, dass man auf diese Weise von der Rückkehr der Volatilitätswerte zu den längerfristigen Durchschnitten Geld verdienen sollte, kann man kaum widersprechen. Und wie erwähnt hat das zu Beginn auch geklappt. Die zweite Strategie, von Volatilitätsschwankungen (Vega) innerhalb eines Korridors mit kurzfristigen Optionen zu verdienen, entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Logik. Bewegt sich die Volatilität innerhalb des Korridors nach oben, verringert der Fondsmanager die Position, bewegt sie sich nach unten, baut er die Position wieder aus. Auch die Streuung über die drei entwickelten Regionen der Welt als Risikoausgleich spricht für das Fondskonzept. Was lief ­also schief? Kurz gesagt, krankt das System am Volatilitätsmangel. 2012 würgte ETB-Chef Draghi mit „Whatever it takes“ heftigere Marktschwankungen ab, 2013 tat es ihm Fed-Chef Bernanke gleich, als er nach einer heftigen Korrektur den Tapering-Prozess stoppte – beides war Gift für die Amundi-Fonds. 2013 und 2017 fiel die Aktienmarktvolatilität auf his­torische Tiefstände; für eine Strategie, die Bewegung an den Märkten benötigt, ein Worst-Case-Szenario. Dass sie grundsätzlich funktioniert, konnte man 2018 beim Welt-Fonds gut beobachten: Sowohl die ­Volatilitätsspitze Anfang Februar als auch die Turbulenzen während des letzten Quartals wurden genutzt.

Die Amundi-Manager haben also nichts falsch gemacht, sind aber trotzdem gescheitert. Ihre Produkte wuchsen einfach ins falsche Zeitfenster hinein. Und solange sich das Umfeld, bestehend aus dauerhaften Niedrigzinsen und permanenten Notenbankeingriffen à la QE nicht ändert, dürfte es auch für dieses Investmentkonzept schwierig bleiben. Anhänger des Konzepts verweisen zwar zu Recht auf die Quasi-Wiederauferstehung im Vorjahr, allerdings ist hier bereits Anfang 2019 infolge der neuer­lichen Vola-Rückgänge einiges Terrain verloren gegangen. Ob der Amundi Absolute Volatility World Equities ein erfolgversprechendes Produkt für die Zukunft darstellt, wird davon abhängen, ob sich das Marktverhalten in weiterer Folge „normalisiert“. Vorläufig muss er hoffen, dass sich die infolge der Marktmanipulationen durch die Notenbanken trüben Gewässer wieder in einen sauberen Ozean verwandeln, aus dem er wie in seinen ­Anfängen das benötigte Plankton in Gestalt vieler kleiner Volatilitätsprämien abschöpfen kann. Wer engagiert bleibt, besitzt ein Produkt, das zu klassischen Volatilitätsfonds (Short-Gamma-Playern), die die Volatilitätsrisikoprämie ernten, negativ korreliert ist.

Was die von vielen Institutio­nellen erwünschte Teamstabilität betrifft, kann man den Amundi-Produkten ein „Befriedigend“ geben. Es gab in dem verantwortlichen Team zwar Veränderungen - ein Manager schied aus, zwei traten hinzu -, die erwiesene Kompetenz des Amundi-Teams ging dabei aber nicht ver­loren.    

Dr. Kurt Becker


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