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4/2007 | Produkte & Strategien
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Fonds für leidensfähige Anleger

FLOP Wie der CONVEST 21 VL Fonds der Commerzbanktochter cominvest Asset Management GmbH noch immer 230 Millionen Euro schwer sein kann und über Jahre hinaus chronisch underperformt, ist schwer verständlich und wohl nur dem Langmut der Investoren zuzuschreiben.

Angesichts der Tatsache, dass der Convest 21 VL Fonds seit Mitte Februar 1996 aktiv ist, kann man ihn beinahe schon als Urgestein bezeichnen. Als typischer globaler Growth Fund konzipiert, konnte er am Boom der späten 90er Jahre und der Jahrtausendwende erfolgreich mitnaschen, verlor aber seine gesamte Outperformance in der ersten Hälfte des Börsenabstiegs bis Mitte des Jahres 2001. Seither geht es in Schüben nur noch südwärts.

Nach einem kurzen Aufflackern nur mehr schlecht
Das magere Resultat der Bewertungen diverser Ratinghäuser: ein „E“-Rating bei Feri und ein ganzer Stern bei Morningstar. Während Feri den Fonds mit dem klassischen MSCI World vergleicht, wollen wir gnädiger sein und den Convest 21 VL am – in den letzten Jahren schwächer performenden – MSCI Daily Total Return Net Growth World Index messen.

Oftmaliger Managerwechsel
Viel Positives lässt sich über ihn nicht berichten, mehrere Manager haben sich an ihm in den letzten fünf Jahren versucht, und keinem ist es bis dato gelungen, auch nur zum Durchschnitt aufzuschließen (siehe Chart). Nach Gudrun Hofer kam Carsten Römheld, der im September 2003 übernahm, dann bemühte sich Jens Kummer gemeinsam mit seinem Kollegen Xiaohu Zhou, und seit wenigen Wochen zeichnet nun Zhou für den Convest 21 VL als Fondsmanager allein verantwortlich, was sich zwar bis in die hauseigenen Unterlagen fortpflanzt, aber andere Publikationen noch nicht erreicht hat.

Das Portfolio besteht laut Hausmitteilung aus weltweiten Wachstumstiteln, die aufgrund eines quantitativen Investmentprozesses ausgewählt werden. Maximal 30 Prozent der Titel dürfen aus Deutschland stammen, ein Prozentsatz, der in der jüngeren Vergangenheit bei weitem nicht ausgeschöpft wurde. Aktuell sind sieben Prozent des Portfolios in deutschen Aktien angelegt.

Style Drift
Wie so oft, wenn ein Investmentvehikel schwächelt, wird nichts unversucht gelassen, um den Fonds zu reanimieren. Dazu zählt oft ein sogenannter „Style Drift“, also beispielsweise ein Wechsel von groß zu klein kapitalisierten Werten oder auch von Growth nach Value. So wird der Convest 21 VL, der in der Fondsinformation der Cominvest von Ende Oktober 2007 in einer Stylebox, wie wir sie von Morningstar kennen, als Large Cap Growth ausgewiesen, in Wahrheit hat er sich klammheimlich in den Bereich von „Blend“ (ausgewogen) zu „Core Value“ bewegt. Dies zeigt das für diese Art von Analysen hervorragend geeignete Tool von Morningstar Direct (siehe Grafiken unten). Weiters dürfte dem Fondsmanagement die Schneid abgekauft worden sein, wie man an der Entwicklung des Tracking Errors ablesen kann (Grafik „Trauerspiel“). Die Information Ratio hat sich zwar verbessert, liegt aber noch immer im negativen Terrain.

Was hat die Cominvest mit dem Fonds vor?
Unsere Redaktion versuchte vergeblich, ein Gespräch mit dem Fondsmanager zu führen. Leider war man dazu nicht bereit, denn wir hätten zu gern gewusst, was man bei der Fondstochter der Commerzbank mit dem Vehikel plant, ob man etwa den angewandten quantitativen Investmentprozess überdenkt oder den Fonds mit einem anderen fusionieren möchte, denn ein Kopf-in-den-Sand-Stecken rettet hier nichts. Auch die Pressestelle teilte uns gleichzeitig mit der Übermittlung eines zweiseitigen Allerwelts-Kurzporträts mit, dass „… weitergehende Vertriebs- oder Marketingunterlagen zu diesem Produkt leider nicht vorliegen“.

Licht am Ende des Tunnels?
Der einzige Lichtblick in der Unterlage ist der Umstand, dass es dem Fonds im September gelungen ist, seine Benchmark zu schlagen. Auch im Oktober (Stand: 30. 10.) scheint das im Bereich des Möglichen. Ist das vielleicht das viel zitierte Licht am Ende des Tunnels? Den Style Drift sollte man auf jeden Fall den Investoren mitteilen und die Fondsunterlagen darauf ausrichten, denn von Large Cap Growth ist der Convest 21 VL ein schönes Stück entfernt. Die Investoren scheinen jedenfalls zunehmend die Geduld verloren zu haben und entzogen dem Fonds in den letzten eineinhalb Jahren gut 120 Millionen Euro.

Fazit: Nur für ausgesprochen leidensfähige Investoren geeignet.

Die kumulative Underperformance des Convest 21 VL schien sich im Jahr 2006 stabilisiert zu haben, erhielt aber in den letzten Monaten einen weiteren Schub nach unten. Quelle: Bloomberg


Das Fondsmanagement hat in den letzten Jahren sukzessive weniger aktives Risiko genommen. Die negative Information Ratio zeigt, dass in einer rollierenden 36-Monats-Betrachtung je aktiver Risikoeinheit eine negative aktive Rendite erzielt wird. Quelle: Bloomberg

Aufbau der Mid Cap und Value Exposure: Gegen die ursprüngliche Idee eines Growth-Fonds wurden Value-Engagements sowohl bei Large als auch bei Mid Caps aufgebaut. Quelle: Morningstar Direct

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