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4/2019 | Produkte & Strategien
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Familiäre Vorbilder

Asiatische Family Offices haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr Ertrag erwirtschaftet als ihre Konterparts in den USA und Europa. Geschafft haben sie das über eine Strategie, die nach ­konventioneller Sichtweise als paradox bezeichnet werden darf.

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Family Offices erfreuen sich im 21. Jahrhundert steigender Beliebtheit. Da sie frei von regulatorischen Zwängen agieren können, liefern ihre Strategien gute Anhaltspunkte dafür, was im ­institutionellen Bereich alles möglich wäre. Aus dem aktuellen „Global Family Office Report“ geht jedenfalls hervor, dass die Verwaltung von Familienvermögen schon mal einfacher war.

© GMF, blantiag+darkbird | stock.adobe.com

Es waren keine einfachen zwölf Monate, die dem Beobachtungszeitraum des „Global ­Family Office Report 2019“, zugrunde liegen. Der Bericht, der von UBS und Campden Research erstellt wird, ist bereits in seiner 5. Auflage erschienen. Dabei werden nicht nur die Performances von Jahresmitte zu Jahresmitte gemessen, sondern auch auskunftswillige Vertreter dieser Inves­torenschicht zu ihrer generellen Einschätzung des Marktes befragt. Der Beobachtungszeitraum umfasst somit auch die schwierigen Wochen Ende 2018. Diese haben nicht unwesentlich zu dem beigetragen, was Sara Ferrari, Head UBS Global Family Offices Group, recht euphemistisch als eine „Abkühlung der Erträge auf 5,4 Prozent“ beschreibt. Tatsächlich weist der Report aus dem Jahr zuvor einen durchschnittlichen ­Ertrag von 15,5 Prozent aus, es wäre also durchaus legitim, von einem „Einbrechen“ der Performance zu sprechen.

Dabei gibt es ein Caveat: UBS und Campden haben in der aktuellen Ausgabe des Reports an der Methodologie gefeilt. In früheren Ausgaben wurde in Kalenderjahren abgerechnet. Um die Aktualität der Daten zu erhöhen, haben die Autoren für den Report 2019 aber, wie erwähnt, von Halbjahr zu Halbjahr gemessen. Würde man die alte Methodologie fortführen und per Kalenderjahr kalkulieren, läge der Ertrag 2017 bei besagten 15,5 Prozent, während für 2018 ein durchschnittlicher Verlust von 4,0 Prozent zu Buche stünde.

Geht man von der aktualisierten und sinnvolleren Methode aus, hat Europa im regionalen Vergleich mit einem Plus von 4,3 Prozent unterdurchschnittlich performt. Am bes­ten schneiden Asien und die Emerging Markets mit plus 6,2 Prozent ab. Angesichts dieser Differenz erscheint es natürlich interessant, was asiatische Family Offices anders gemacht haben als europäische (siehe Grafiken „Wie sich europäische Family Offices schlagen“ und „Wie sich asiatische Family Offices schlagen“). Emerging Markets bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt, da sie in der geografischen Definition des Reports bezüglich der Gesamtkapitalisierung kaum relevant sind. So wird Russland etwa zu Europa ­gezählt, Indien zu Asien.

Vergleicht man unter diesen Rahmenbedingungen also Asien mit Europa, so fällt auf, dass bereits der grundsätzliche Port­folioansatz unterschiedlich ist. Asiatische Investoren sind offenbar stärker aus dem Risiko gegangen, haben die Ausrichtung „Wachstum“ beherzt reduziert und stattdessen verstärkt auf „Vermögensbewahrung“ gesetzt. Europäer verstärkten zwar auch ihre Positionen, die auf „Vermögensbewahrung“ hinauslaufen, sie behielten ihr Exposure Richtung „Wachstum“ aber mehr oder weniger konstant bei, was im jüngeren Marktumfeld wohl etwas zu ambitioniert war.

Ein weiterer Erkenntnisgewinn ergibt sich, wenn man die Realloka­tionen in den einzel­nen Assetklassen untersucht. Hier zeigt sich, dass im asiatischen Raum vor allem die Hedgefondspostionen zurückgefahren wurden – und zwar deutlich aggressiver als im Vergleich zu Europa oder zum globalen Durchschnitt. Auch Private Equity, eine Assetklasse, die gern zu Diversifikationszwecken und somit zur Risikostreuung verwendet wird, wurde im Gegensatz zur europäischen Strategie deutlich reduziert. Markant aufgestockt haben asiatische Family Offices jedoch ihr – aus westlicher Sicht vermeintlich riskanteres – Emerging-Market- Exposure, das in Europa wiederum reduziert wurde. Man kann also den Schluss ziehen, dass asiatische Investoren ein anderes Verständnis von „risikoträchtig“ haben als ihre europäischen Konterparts – und ­damit in komplizierten Marktsituationen ­offenbar besser fahren.
Bemerkenswert erscheint auch, dass asiatische Offices die größten Aufstockungen in Assetklassen vorgenommen haben, die ESG-kompatibel sind, und die Europäer in diesem Bereich sogar überholt haben.

Globaler Generationswechsel

Was die softeren und global geltenden Fakten betrifft, so steht für mehr als die Hälfte der Family Offices ein Generationswechsel ins Haus. Die neuen und jüngeren Führungsriegen verfügen über einen subjektiv längeren Investmenthorizont, was es laut Studienautoren durchaus möglich erscheinen lässt, dass man mittelfristig bereit ist, das Risiko – etwa hinsichtlich der Aktien­allokation – wieder zu erhöhen.

Prinzipiell sind die Vertreter der Family Offices weltweit auf ein ruppiges Markt­umfeld eingestellt und planen, ihre Assets weiter zu diversifizieren und Marktrisiken zu streuen.
Dieser Trend zur globalen Risikostreuung hat für Ferrari unter anderem dazu geführt, „dass immer mehr Family Offices dazu übergehen, direkt zu investieren, und dabei die operative Kontrolle übernehmen“. Beeindruckende 28 Prozent des Portfolios werden inzwischen über Direktinvestitionen bestritten (siehe Grafik „Selbst ist die Fami­lie“).

Alarm für Hedgefonds

Im Gegenzug hat sich die durchschnittliche Aktienquote in der Zeit weltweit um rund ein Prozent reduziert. Ebenfalls bergab ging es für Hedgefonds. Das Exposure in dieser Assetklasse ging um 0,7 Prozent ­zurück und darf für die Branche als eines von mittlerweile vielen Alarmzeichen gelten. Ein anonymisierter Portfolio Analyst ­eines nordamerikanischen Family Offices gab in diesem Zusammenhang an, dass „die Allokation Richtung Hedgefonds abgenommen hat. Die Gebühren ergeben angesichts der tatsächlichen Performance schlicht keinen Sinn.“

Die Private-Equity-Investitionen hielten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in etwa die Waage. Ob es hier in Zukunft zu großen Wachstumsraten kommen kann, sei dahingestellt – nimmt man nämlich die ­direkten PEs und die PE-Fonds zusammen, macht diese schwer zugängliche und relativ illiquide Assetklasse recht beachtliche 18,6 Prozent des Portfolios aus.

Da Private-Equity-Strategien generell im institutionellen Bereich gerade en vogue sind, aber gerade von großen Playern wie Pensionsfonds oder Versicherungen oft nicht in derart großem Stil eingesetzt werden können, lohnt sich ein Blick auf die ­aggressivere PE-Strategie der Family Offi­ces, die ja in der Regel ohne große regu­latorische Beschränkungen agieren kön­nen. Da ist bemerkenswert, dass bei der ­allgemeinen Strategieausrichtung 75 Prozent der Offices einen „ausbalancierten“ oder „vermögensbewahrenden“ Stil anwenden. Nur 25 Prozent agieren „wachstum­s­orientiert“.

Wachstumsgetrieben

Geht es jedoch im Speziellen um Private Equity, so verfolgen – je nach Region – zwischen 55 und 77 Prozent der Family ­Offices wachstumsgetriebene Ansätze (siehe Grafik „Private Equity vor allem als Wachstumsstrategie“).

Die PE-Strategien sind dabei hoch diver­-sifiziert, was den Schluss zulässt, dass sich ein großer Teil der Family Offices auch komplexe Investmentstrategien zutraut. So fährt im Durchschnitt in etwa jedes zweite Family Office eine Buy-out-Strategie, bei Sachwerten, zu denen der Marktzugang oft schwierig ist, verhält es sich ähnlich.

Hans Weitmayr


Anhang:

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