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3/2019 | Produkte & Strategien
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Erzwungen nachhaltig

Eine Umfrage der KAS-Bank unter betrieblichen Pensionseinrichtungen zeigt, dass zwar viele ­Einrichtungen bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie eingeführt haben, dies aber eher unter ­regulatorischem und gesellschaftlichem Druck als aus Überzeugung geschehen ist.

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Grundsätzlich ist jeder für Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage. In der Praxis ist es aber nicht primär Idealismus, der ­Großanleger in diese Richtung drängt, sondern vielmehr der von mehreren Seiten her aufgebaute Druck.

© Hardy Welsch | KAS Bank , patpitchaya | stock.ad

Alle Zeichen für Altersvor­sorgeeinrichtungen stehen auf Nachhaltigkeit: Bereits die EbAV-II-Richtlinie, die am 13. Januar 2019 in nationales Recht ­umzusetzen war, enthielt die Aufforderung an Pensionseinrichtungen, ESG-Risiken ­explizit im Risikomanagement zu berücksichtigen und ein ESG-Reporting aufzubauen.

Thema nimmt Fahrt auf

Kurz darauf ging eine der vier EIOPA-Stellungnahmen vom 10. Juli 2019 zur Umsetzung der EbAV-II-Richtlinie speziell auf die Berücksichtigung von ESG-Risiken ein, und auch das SIPP-Rundschreiben der BaFin (Statement of Investment Policy Principles), das Anfang nächsten Jahres erwartet wird, wird Hinweise zur Nachhaltigkeit der Kapitalanlagen von Pensionseinrichtungen beinhalten.

Im Zusammenhang mit der ­immer konkreter werdenden ESG-Regulierung hat die KAS Bank ­eine Umfrage unter Investoren zu ihrem Fortschritt beim nachhaltigen Investieren durchgeführt. Befragt wurden Trägerunternehmen, Pensionskassen und berufsständische Versorgungswerke, aber auch kommunale Altersversorgungseinrichtungen, Pensionsfonds, Lebensversicherer und U-Kassen wurden in die Umfrage mit einbezogen.

Die Ergebnisse zeigen, dass ­immerhin 71 Prozent der Pensionskassen bereits eine Nachhaltig­keits­strategie haben beziehungsweise eine solche gerade entwickeln. Hingegen verfügen nur 33 Prozent der Trägerunternehmen über eine Nachhaltigkeitsstrategie.
Als wichtigsten Grund für die Einführung ihrer ESG-Strategie nannten die Befragten den externen Druck, und erst danach kamen Gründe wie „Zukunftsabsicherung“ oder „regulatorische Anforderungen“. Dass sie aus Überzeugung handelten, gaben die wenigsten als Antwort an.

Als die beiden wichtigsten Ziele wurden von denjenigen, die bereits eine ESG-Strategie eingeführt haben, genannt, dass man zum einen Risiken begrenzen und Reputationsschäden vermeiden wollte, zum anderen werde sinnvolles und verantwortungs­bewusstes Investieren als zeitgemäß ange­sehen. Weniger wichtig waren den Studien­teilnehmern hingegen die Möglichkeit der Einflussnahme durch Engagement und ­Voting sowie die Optimierung des Carbon Footprint. Die Investoren scheinen also eher dem regulatorischen und gesellschaftlichen Zeitgeist zu folgen, als aus innerer Überzeugung zu handeln, die Welt zu einem besseren Lebensort machen zu wollen.

Einfach machen!

Auch diejenigen, die noch keine Nachhaltigkeitsstrategie hatten, nannten ihre Gründe für die Nichteinführung: Hier rangierten der ­hohe Aufwand, eine niedrige Priorität für das Thema und der „Mangel an objektiven Kriterien“ ganz oben. Trotzdem wird aber offenbar auch von den bisherigen Nachhaltigkeits-Zögerern die Notwendigkeit gesehen: Ein Drittel der Teilnehmer, die bisher noch keine Nachhaltigkeitsstrategie haben, plant, eine solche innerhalb der nächsten zwei Jahre einzuführen. Frank Vogel, Geschäftsleiter der KAS Bank in Deutschland, ermuntert Investoren, angesichts der ESG-Regulatorik, von der sich ohnehin abzeichnet, dass sie kommen wird, einfach eine ESG-Strategie zu entwickeln, auch wenn daran in Zukunft eventuell noch gefeilt werden muss: „Mein Tipp an Pensionskassen und Pensionsfonds: Einfach machen! Oftmals fehlt ein prag­matischer Ansatz, sich diesem wichtigen Thema zu nähern und es einfach zu machen.“

Offenbar ist die Mehrheit der befragten Investoren aber doch recht pragmatisch vorgegangen. Von denjenigen, die bereits eine ESG-Strategie eingeführt haben, haben die meisten (über 60 Prozent respektive über 50 Prozent) zunächst die relativ einfach zu bewerkstelligenden Möglichkeiten gewählt: Der überwiegende Teil schließt Unternehmen mit umstrittenem Verhalten aus oder unterstützt bestimmte Richtlinien wie z. B. Global Impact (siehe Grafik „Bevorzugte ESG-Instrumente“). Bei diesen Maßnahmen muss noch nicht der gesamte Investmentprozess auf das Thema Nachhaltigkeit umgestellt werden.

Erst etwas weniger als 40 Prozent sind bereits einen Schritt weiter und ­gehen tiefer in die Unternehmensana­lyse hinein. Sie haben dann einen „Best in Class“-Ansatz gewählt, schließen ­bestimmte Geschäftsaktivitäten (z. B. Tabak, Öl) aus und betreiben „Engagement“, treten also mit den Unternehmen aus ihrem Portfolio in einen Dialog, um auf diese Weise Einfluss zu nehmen. Den Weg der Ausübung ihrer Stimmrechte bei den Hauptversammlungen oder das Eingehen spezieller nachhaltiger Themeninvestments gehen erst wenige Pensionseinrichtungen.

Anleger holen Hilfe

Es wäre zu viel verlangt, die gesamten Aktivitäten und die teilweise komplexen Analysen und Sonderaufgaben für eine nachhaltige Investmentstrategie allein auf die Schultern der Investo­ren zu legen. Gerade die betrieblichen Pensionseinrichtungen sind zum Teil personell und technisch knapp ausgestattet und könnten sich nicht um alle Details einer nachhaltigen Investmentstrategie kümmern und ihre Stimmrechte auf jeder Hauptversammlung ausüben. Daher lassen sich die Anlageverantwortlichen unterstützen (siehe Grafik „Investoren lassen sich helfen“).

Bei der Entwicklung geplanter Nachhaltigkeitsstrategien sind insbesondere die Kapitalverwaltungsgesellschaften (33 Prozent) und die Asset Manager (33 Prozent) wichtig. Sie werden diejenigen sein, die Zugriff auf spezielle Nachhaltigkeitsdatenbanken haben, um die jeweils festgelegten ­Ziele umsetzen zu können. Aber auch die Verantwortlichen für Corporate Social ­Responsibility (CSR) in den Trägerunternehmen wirken hier mit (17 Prozent). Immerhin sechs Prozent lassen auch die Versorgungsberechtigten selbst mitbestimmen, welche ESG-Ziele ihnen wichtig sind, die dann in der Investmentstrategie berücksichtigt werden sollen.

Tu Gutes und rede drüber!

Offenbar ist das Thema Nachhaltigkeit ­einem guten Teil der Versorgungsberechtigten wichtig. Immerhin geben 27 Prozent der Befragten an, dass die Mitglieder schon einmal Forderungen nach einer nachhaltigen Kapitalanlage an sie herangetragen haben. Etwas wirklich einfordern oder informiert werden zu wollen sind dabei zwei Paar ­unterschiedliche Schuhe. 38 Prozent der ­befragten EbAVs geben an, dass die Mitglieder zumindest Informationen zu Nachhaltigkeitsstrategien nachfragen.

Aber warum sollten die Einrichtungen nicht über ihre Nachhaltigkeitsstrategie in­for­mieren, wenn sie bereits eine entwickelt und implementiert haben? Mehr als die Hälfte der EbAVs (54 Prozent) informieren ihre Versorgungsberechtigten über ihre Nachhaltigkeitsstrategie. Hier stellt sich die Frage, warum die übrigen 46 Prozent ihren Versorgungsberechtigten diese Information vorenthalten, aber darüber steht in der Studie nichts.

Messung der Ziel­erreichung schwierig

Nach der Entwicklung und Verfolgung einer Strategie müssen ­natürlich auch die Ergebnisse ­gemessen werden, um gegebenenfalls die taktische Ausrichtung nachzujustieren; das ist bei Nachhaltigkeitsstrategien nicht anders als bei traditionellen Investmentstrategien. Was bei der reinen Performance- und Risikoanalyse bereits gut funktioniert, fällt im Nachhaltigkeitsbereich aber offenbar noch schwer. 38 Prozent der Teilnehmer messen die Ergebnisse ihrer ESG-Strategie bisher noch nicht. 31 Prozent messen sie in-house, und 23 Prozent überlassen die Messung der ESG-Ergebnisse lieber einem Beratungsunternehmen.

Die KAS-Bank fragte in ihrer Studie auch danach, wie häufig die Nachhaltigkeitsstrategie auf der Agenda steht. Bei 67 Prozent der Befragten kommt die ESG-Strategie jährlich auf die Agenda, und bei 33 Prozent sogar quartalsweise. Monatlich kommt sie bei keinem der Befragten auf die Agenda.

Es gibt auch Hürden

Bei allen Fortschritten, die beim nachhaltigen Investieren bereits erzielt werden konnten, gibt es immer noch Hürden, die Investoren in der Praxis davon abhalten, ­eine Nachhaltigkeitsstrategie einzuführen. Folgende drei Barrieren werden hierzu am häufigsten genannt: a) Bei aller Leidenschaft für Nachhaltigkeitsthemen ist den Versorgungsberechtigten die Performance wichtiger, b) sind die entsprechenden Vorschriften auf nationaler und europäischer Ebene noch relativ unklar und c) mangelt es an der Zeit, sich eingehend mit der ­Materie zu befassen (siehe Grafik „Barrieren für Nachhaltigkeitsstrategien“).

Rund 27 Prozent ­geben als weiteren Hinderungsgrund an, dass die erzielten Ergebnisse im ESG-Bereich nicht direkt sichtbar sind, was darauf hindeutet, dass die Nachhaltigkeitsmessung ein durchaus wichtiges Thema darstellt und Fortschritte in diesem Bereich zur Verbreitung von Nachhaltigkeitsstrategien beitragen könnten.

Lieber Freiwilligkeit

Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass das Thema Nachhaltigkeit von den ­Investoren ambivalent wahrgenommen wird  – sie scheinen zwischen Einsicht, Abneigung vor Zwangsmaßnahmen und einem Gefühl der Überfrachtung hin und her zu pendeln. Immerhin lehnen 82 Prozent der Studienteilnehmer ab, dass es in der bAV-Kapitalanlage zu ESG-Verpflichtungen kommt. Auf freiwilliger Basis sind aber mehr als die Hälfte – 59 Prozent – bereit, ESG-Faktoren bei ihrer Kapitalanlage zu berücksichtigen.

Allerdings verschließen die Verantwort­lichen in den Pensionseinrichtungen ihren Blick für die Realität nicht: 77 Prozent gehen davon aus, dass verantwortungsbewusste Investments zukünftig gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen und sogar als „Must-have“ angesehen werden. Offenbar herrscht auch eine gewisse Angst davor, zwischen der Pflicht zur Erzielung auskömmlicher Renditen und der Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen aufgerieben zu werden. Diese Vermutung liegt nahe, weil 68 Prozent der Studienteilnehmer eine treuhänderische Pflicht auch in Form einer nachhaltigen Kapitalanlage fordern. Um klarere Guidelines zu haben, würden 59 Prozent ESG-Transparenzvorschriften in der ­europäischen und nationalen Gesetzgebung begrüßen.

Insgesamt lassen die Studien­ergebnisse den Schluss zu, dass die Verantwortlichen von betrieb­­li­chen Pensionseinrichtungen durchaus zur Implementierung ­einer Nachhaltigkeitsstrategie bereit sind, dass es aber noch genauere Parameter oder einfach mehr Erfahrung im Umgang mit Nachhaltigkeitszielen braucht.

Anke Dembowski


Anhang:

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