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4/2017 | Produkte & Strategien
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Ertragsstarkes Studiengeld

Wer auf der Suche nach zu Aktien und Anleihen unkorrelierten Investitionsalternativen ist, sollte die ­Finanzierung von Hochschulbildung ins Auge fassen. Immerhin winken sechs Prozent Rendite.

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Dass sich ein Investment in Bildung in aller Regel rechnet, eröffnet auch institutionellen Anlegern attraktive Anlagemöglichkeiten. Über ­Bildungsfonds kann man am späteren beruflichen Erfolg der unterstützten Studenten partizipieren.

Foto: © brain capital, FotoliA | rawpixel.com

Während im angelsächsischen Raum, aber auch in Ländern wie Südkorea, Japan oder Israel auch der Besuch öffentlicher Universitäten jährlich zwischen 3.000 und 8.000 US-Dollar kostet, sind (hohe) Studiengebühren und damit auch Studienkredite hierzulande an ­öffentlichen Hochschulen unüblich. An privaten Bildungseinrichtungen sieht die Sache schon anders aus, hier liegen die Kosten pro Semester bei ­einigen tausend Euro, womit für Studierende mit finanzschwachem Hintergrund ein Finanzierungsproblem entsteht. Da aber Studiengebühren grundsätzlich die Ausnahme sind, gibt es dafür – anders als etwa in den USA, wo Studienkredite gang und gäbe sind – auch kaum Finanzierungsangebote. Zu den Vorreitern zählt hier die Brain Capi­tal GmbH.


Die Idee, eine private Finanzierung der Studiengebühren anzubieten und damit die soziale Durchmischung an privaten Hochschulen zu fördern, wurde erstmalig an der privaten Wirtschaftsuniversität WHU – Otto Beisheim School geboren. „Alles begann 2005 mit einer studentischen Initiative zur Lösung des Problems der Studien­gebühren und der sozialen Selektion“, erinnert sich Johannes Frankenfeld, Geschäftsführer des Bildungsfondsanbieters. Mittlerweile wurde aus der Idee ein Unternehmen mit 15 Mitarbeitern, das in 18 studentischen Bildungsfonds zirka 110 Millionen Euro Kreditkapital verwaltet. Mehr als 2.300 Studenten an 18 privaten Hochschulen haben über Förderverträge Kredite zur Abdeckung der Studiengebühren erhalten, über 1.100 davon befinden sich bereits nach Abschluss ­ihres Studiums in der Rückzahlungsphase ihrer Darlehen beziehungsweise haben ihre Schuld schon getilgt. 16 institutionelle Investoren, davon sind zehn Stiftungen und sechs Altersvorsorgeeinrichtungen, sind neben 190 Privaten bis dato als Kapitalgeber aufgetreten. Das Thema ist ein institutionelles, kamen doch bislang fast 90 Prozent der Gelder von dieser Seite.


Die Studiengebührenforderungen der Partnerhochschulen gegenüber den Studenten werden vom jeweiligen Bildungsfonds übernommen und in ihrer Fälligkeit und Höhe umgewandelt. Die Studenten verpflichten sich nicht zur Rückzahlung eines Fixbetrags sowie der Zinsen, sondern zu einkommensabhängigen Zahlungen nach Studienende. Obwohl schon Milton Friedman, der sich gegen staatliche Subventionen für ­Studenten aussprach, der Ansicht war, dass die einkommensabhängige Finanzierung über das spätere Erwerbseinkommen die beste Lösung sei, ist diese Variante auch in den USA wesentlich seltener anzutreffen als die klassischen Student Loans. So müssen für den Bachelor mit einem Finanzierungsvolumen von 30.000 Euro zehn Jahre hindurch jeweils sechs bis zehn Prozent der positiven Bruttoeinkünfte – der exakte Prozentsatz hängt von der Partnerhochschule ab – von den Absolventen zurückgezahlt werden. Dabei gibt es einen Cap der Rückzahlung, der beim Doppelten der geförderten Studiengebühren zuzüglich der Abgeltung der Inflation liegt. Sollte das Einkommen unterhalb von 30.000 Euro pro Jahr liegen, kommt es für diese Zeit zu einer Stundung der Rückzahlungsverpflichtung, aus der dann eine entsprechende kongruente Verlängerung der Zahlungsverpflichtung resultiert. Nach 20 Jahren ist aber so oder so Schluss mit der Rückzahlungsverpflichtung. Dazu kommt, dass nach ­bisheriger Erfahrung eine steuerliche Absetzbarkeit der Rückzahlungen als Ausbildungskosten in Deutschland, auch für die Erstausbildung, möglich ist. Das Gleiche gilt für die Schweiz.


Die Investorensicht
Für jeden institutionellen Investor wird eine eigene Studierendenfördergesellschaft in GmbH-Form (SFG) eingerichtet, der der Investor Förderkapital in Form eines Schuldscheindarlehens zur Verfügung stellt. Brain Capital übernimmt die komplette Abwicklung des Modells. Der Investor erhält keine fixe Verzinsung, sondern die Rückflüsse aus dem Fördergeschäft abzüglich der Kosten von zwei Prozent auf das kontrahierte Förderkapital durchgereicht. Der ­Investor hat somit die Chancen auf die ­Upside, so die Empfänger bei überdurchschnittlichen Karrierepfaden deutlich mehr zurückzahlen, als sie seinerzeit empfangen hatten, und dazu einen Inflationsschutz. Die jährliche Verzinsung (Internal Rate of Return, IRR) beläuft sich auf zirka sechs Prozent jährlich und ist von der Inflation abhängig. Bei null Prozent Inflation liegt die IRR bei 5,5 Prozent, sie kann aber bei einer dreiprozentigen Inflationierung der Gehälter in Richtung 6,9 bis 7,0 Prozent steigen, versichert Frankenfeld. Der Schuldschein ist depotbankfähig und hat typischerweise eine Laufzeit von 15 Jahren. „Unsere Verträge sind bereits mehrfach durch institutionelle Investoren und die BaFin geprüft worden“, weiß Frankenfeld. „Zudem haben die Gesellschafter der SFG umfangreiche Durchsetzungsrechte ihrer Interessen.“ Das Konzept ist erprobt, und es bestehen langjährige Erfahrungswerte, war doch der älteste Fonds bereits im Jahr 2000 am Start. Eine Betrachtung des Cashflow-Stroms erinnert stark an Private-Equity-Muster, gibt es doch auch bei der Bildungsfinanzierung den
J-Curve-Effekt. Schließlich müssen die Gebühren für einen dreijährigen (Bachelor) bis fünfjährigen (Master) Anfangszeitraum geleistet werden, wobei allerdings bereits ab dem Jahr vier von den Neu-Bachelors die ersten Rückzahlungen einsetzen. Für den Investor erfolgt der Kapitalabruf gemäß dem Studienfortschritt. Brain Capital führt einmal jährlich Abstimmungsgespräche mit den Investoren durch und reportet regel­mäßig. Ein Rating ist im Übrigen möglich, wobei die Creditreform diese Anlage mit ­einem „BBB“ klassifiziert.


Das Charmante ist neben der sozialen Rendite, die vor allem Stiftungen interessiert, die pekuniäre, da diese die doch sehr stabile Lohnentwicklung der Akademiker in Deutschland – sie liegt historisch oberhalb der Inflationsrate – im Verhältnis eins zu eins an die Investoren durchreicht. Die ­Arbeitslosigkeit bei Akademikern bewegt sich in Deutschland um die zwei Prozent. Korrelationen zu traditionellen Assetklassen sind so gut wie keine vorhanden, manchmal ist diese sogar negativ (siehe Grafiken „Bruttoverdienstentwicklung und traditionelle Assetklassen“). Somit eignet sich eine solche Anlage unter Diversifikationsgesichtspunkten hervorragend.


Ein nicht zu unterschätzendes Argument für die gute Zahlungsmoral der Absolventen sind die Alumni-Clubs, die dabei helfen, nicht mehr greifbare Absolventen aufzu­spüren und an ihre Rückzahlungspflicht zu erinnern. Frankenfeld dazu: „Das war bisher gar nicht notwendig, wir hatten erst einen Fall einer Berufsunfähigkeit, die aber wie alle biometrischen Risiken prognostizierbar und in der Zielrendite berücksichtigt ist. ­Dazu gab es einen Gerichtsstreit mit einem Absolventen, der die Forderung zwar nicht dem Grunde, aber der Höhe nach in Bezug auf die Verzinsung des Förderbetrags bestritt, jedoch nach verlorenem erstinstanzlichem Verfahren gegen das Urteil die Berufung zurückzog.“ Die rechtliche Konstruktion hat also ihre Feuertaufe bestanden. Die Töpfe erreichen durch das Gesetz der großen Zahlen ihren Erwartungswert in puncto Rendite, und da es sich um Absolventen ­privater Hochschulen handelt, sind auch die Karrieren gut prognostizierbar. Nachdem Akademikerinnen im Schnitt mit 32 Jahren Kinder bekommen, ist bis zu diesem Zeitpunkt meist schon ein Großteil des Darlehens rückgeführt. Zudem greift dann die Verlängerung um die Karenzjahre. Die Studien ermuntern die Absolventen auch dazu, sich selbstständig zu machen. Geht hievon eine Gefahr für die Rückzahlungen aus? Frankenfeld dazu: „Auch hierfür sind im Modell Quoten je nach Studiengang eingeplant. Das einkommensabhängige Modell soll jedoch genau diese Freiheit bieten, dass man als junger Mensch die Möglichkeit hat, sich selbstständig zu machen, und erst einmal ein geringes Einkommen in Kauf nehmen kann. Im Durchschnitt wird dies kompensiert durch die sehr erfolgreichen Selbstständigen. Diese verdienen teilweise deutlich über den klassischen Karrieren wie etwa in der Unternehmensberatung.“


Die Fokussierung auf private Hochschulen bedeutet bereits eine positive Selektion, wobei jeder vierte bis fünfte Student an den Partnerhochschulen durch einen Fördervertrag finanziert wird. Wie wichtig diese Finanzierung des Zugangs ist, kommt dadurch zum Ausdruck, dass 90 Prozent der Geförderten glaubhaft machen, dass sie ohne diese Finanzierungsoption an der jeweiligen Privathochschule kein Studium begonnen hätten.


Der erste Bildungsfonds für Institutionelle wurde 2007 gestartet. Im Jahr zuvor wurden 40 Förderverträge ausgereicht, die drei Bakk- und zwei Master-Studien betrafen, wobei immerhin fünf dieser 40 Absolventen das Doppelte der Kreditsumme zurückgezahlt haben. Die Konstruktion in den frühen Jahren erfolgte über Zerobonds mit abge­sichertem Nominal, seit 2013 werden die Mittel zur Gänze in Studentenfördergelder investiert.


Unter den frühen Investoren war übrigens Dr. Bettina Nürk, damals Leiterin Altersversorgung und Vorstand der deutschen Nestlé Versorgungseinrichtungen, die 13 Millionen Euro in das Thema Bildungsfonds bei Brain Capital investierten. Die Nestlé Versorgungseinrichtungen investieren nun weitere 13 Millionen Euro. Das zeigt die Freude an dieser Form von Investments bei Nestlé.


Aktuell befinde sich die neunte SFG in der Platzierungsphase mit einem geplanten Volumen von 20 Millionen Euro für ein Studienjahr, die Studierendenfördergesellschaft könne aber auch auf zwei Studien­jahre und somit das doppelte Volumen konzipiert werden, merkt Frankenfeld an. Das Hochschulportfolio ist zudem sehr stark über bestehende Partnerhochschulen und nicht nur in Deutschland diversifiziert (siehe Grafik „Breite Streuung“).


Derzeit beträgt die qualifizierte Nachfrage seitens privater Hochschulen, denen selbst an der sozialen Durchmischung der Studiosi gelegen ist, 30 bis 40 Millionen Euro im Jahr. Aber Frankenfeld denkt weiter, etwa auch in Richtung staatlicher Hochschulen. Mit den Apothekerkammern gibt es Gespräche über die Finanzierung des Apothekerstudium mit 1.000 Euro pro Monat, die Fühler werden nach Frankreich (INSEAD) und auch Österreich ausgestreckt und die Idee damit weiter ausgerollt. Bei Großbritannien ist Frankenfeld zurückhaltend, einmal wegen der Volatilität des Pfunds, zum anderen wegen der Brexit-Diskussion, die Unsicher­heiten auch in Bezug auf die Anerkennung von Abschlüssen und die Durchsetzbarkeit von Verträgen beinhaltet. Jedenfalls wird eine Erweiterung des Hochschulportfolios angestrebt, wie man anhand der neunten SFG unschwer erkennen kann. Diversifikation über Branchen steht neben der regionalen weit oben auf der Agenda, wobei es aber schwer zu überwindende Hemmnisse gibt, da etwa keine private Ingenieur-Hochschulausbildung in Deutschland existiert.


Das Thema hat Charme, wenngleich es für große Institutionelle wegen der doch noch relativ übersichtlichen Volumina nicht in Frage kommt, da der Ergebnisbeitrag zu gering ausfällt. Für auf Nachhaltigkeit ausgerichtete kleinere und mittelgroße Institutionelle, Stiftungen und auch Family Offices sind die Diversifikations- und Renditeeigenschaften der Brain-Capital-Bildungsfonds allerdings nicht zu verachten.   


Anhang:

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