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4/2019 | Produkte & Strategien
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Ein weißer Fleck wird grün

Rohstoffe waren bis vor Kurzem das einzige Anlagesegment, bei dem Investoren keine ESG-Anlage­strategie zur Verfügung stand. Eine Investmentboutique aus Österreich hat diese Lücke nun gemeinsam mit einem auf Nachhaltigkeitsinvestments spezialisierten Beratungsunternehmen geschlossen.

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Einer der letzten weißen Flecken auf der Investorenlandkarte, für den noch keine Nachhaltigkeitsstrategie zur Verfügung stand, ist nun grün.

© samiramay | stock.adobe.com

Obwohl Nachhaltigkeit bei Investoren, Aufsicht, Bevölkerung und der Politik mittlerweile omnipräsent ist, gab es bis vor Kurzem eine Assetklasse, wo das Thema noch nicht abgedeckt war – nämlich im Bereich der Rohstoffe“, erklärte Markus Ploner, Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest, vor professionellen Marktteilnehmern in Wien anlässlich der Vorstellung der neuen Anlagestrategie des hauseigenen Rohstofffonds Strategic Commodity Fund.

Ploner sieht sein Haus daher als Pionier in diesem Bereich: „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unseres Wissens nach der erste Asset Manager sind, der im Bereich Rohstoffinvestments Nachhaltigkeit systematisch berücksichtigt.“ Dieser bis ­dato einzige, explizit „nachhaltige“ Long-only-Fonds auf die Entwicklung von Rohstoff-Futures bescherte der Investmentgesellschaft jüngst auch eine Nominierung für die „Fondsinnovation des Jahres“ durch die Ratinggesellschaft Scope.

Ob der Strategic Commodity Fund diesen Award bekam, wurde erste Ende November 2019 und damit nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe bekannt. Ploner und sein Team freuten sich aber schon davor: „Allein die Nominierung zeigt, dass es sich beim Strategic Commodity Fund um ein sehr innovatives Produkt handelt.“

Zur Orientierung beziehungsweise Abgrenzung: Was andere Asset Manager an nachhaltigen Commodity Funds bislang anbieten, sind Rohstofffonds, die aus „ethischen“ Gründen kein Exposure bei Nahrungsmitteln wie beispielsweise Weizen, Mais, Soja, Orangenmark oder Lebendvieh eingehen. Damit wollen diese Fonds Kritikern keine Angriffsfläche bieten, die entsprechende Long-Positionen als Gründe für steigende Lebensmittelpreise und als eine der Ursachen für Hungersnöte erachten.

Spängler IQAM Invest ging im Vergleich zu Mitbewerbern bei der neuen Strategie ­einen Schritt weiter und ließ für den bislang schon existierenden nahrungsmittelfreien hauseigenen Rohstofffonds von der auf Nachhaltigkeitsinvestments institutioneller Investoren spezialisierten Wiener Research-Agentur rfu einen innovativen quantitativen Nachhaltigkeitsfilter entwickeln, der bei der finalen Allokationsentscheidung des Strategic Commodity Fund eingesetzt wird. Bevor es so weit ist, muss Spängler IQAM Invest aber eine Vorselektion treffen beziehungsweise auch einen Umweg gehen.

Swap-Konstruktion

Da ein UCITS-Fonds aus regulatorischen Gründen nicht direkt in Rohstoff-Futures investieren darf, spiegelt der Strategic Commodity Fund über einen mit der Barclays Bank als Kontrahenten abgeschlossenen Swap die Entwicklung des hauseigenen IQAM Non-Food Commodity Index. Bei den im eigentlichen Fondsvermögen liegenden Wertpapieren handelt es sich um auf Euro lautende Geldmarktinstrumente und Anleihen, wobei deren Restlaufzeit maximal zwei Jahre betragen darf. Das Durchschnittsrating muss mindestens A+ sein, ­eine Beimischung von Hochzinsanleihen ist bis zu zehn Prozent möglich. Alle Anleihen müssen den von rfu geforderten Nachhaltigkeitsansprüchen genügen.

Diverse Filter

Das dem Strategic Commodity Fund zugrunde liegende 15 Rohstoffe umfassende Anlageuniversum schließt Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe wie beispielsweise Baumwolle aus und beinhaltet folgende drei Sektoren sowie die darin subsumierten Rohstoffe: ­Industriemetalle (Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Palladium, Zink), Energie (Heizöl, Erdgas, Benzin bleifrei, Gasöl, Rohöl Brent, Rohöl WTI) und Edelmetalle (Gold, Silber, Platin).
Spängler IQM Invest sucht in einem ersten Schritt beim IQAM Non-Food Commodity Index beziehungsweise beim darauf basierenden Fonds auf Basis eines rein quantitativen ­Ansatzes über Parameter wie „Value“ und „Sentiment“ die aussichtsreichsten zehn Rohstoffe aus. „Das Universum, bestehend aus 15 Rohstoffen, wird mittels Scoring auf die Faktoren Value und Sentiment auf zehn Rohstoffe reduziert“, erklärt Mag. Thomas Kaiser, Asset Manager bei Spängler IQAM Invest, auf Anfrage von Institutional Money. Value bedeutet in diesem Fall, dass versucht wird, eine positive Rollrendite zu erzielen. Im Fall von Sentiment wird in jene Rohstoffe inves­tiert, die eine Aufwärtsbewegung zeigen, um von deren Momentum zu profitieren. Für jeden der verfügbaren Rohstoffe aus dem Universum werden auf diese Weise Sentiment- und Value-Werte eruiert und damit einmal im Monat die zehn Rohstoffe mit dem höchsten Gesamtscore ausgewählt. Hinzu kommt in einem zweiten Schritt eine strategische Positionierung auf der Terminkurve, um das Ganze noch weiter zu optimieren.

Nachhaltige Gewichtung

Wirklich innovativ und für Nachhaltigkeitsinvestoren wohl am interessantesten ist der dritte Schritt des Portfoliomanagements: Denn die Gewichtung der zehn ausgewählten Rohstoffe basiert ausschließlich auf den von rfu vergebenen Nachhaltigkeitsratings. Dabei gewichtet Spängler IQAM Invest den von rfu am besten bewerteten Rohstoff mit 14,5 Prozent, den zweitbesten mit 13,5 Prozent – und am Ende der Bewertungsskala wird der am wenigsten nachhaltige Rohstoff als Nummer zehn lediglich mit 5,5 Prozent berücksichtigt. Damit können ESG-Investoren laut rfu-Geschäftsführer Mag. Reinhard Friesenbichler sicher sein, zumindest im Vergleich zu anderen Rohstoffindizes beziehungsweise -portfolios etwas nachhaltiger in Rohstoffen inves­tiert zu sein. Ein hundertprozentiger ESG-Investmentansatz ist bei Rohstoffen nicht möglich: „Uns ist bewusst, der Rohstofffonds ist kein streng nachhaltiges Produkt – das ist kein Windkraftfonds“, räumte der rfu-Chef auf der Spängler-IQAM-Invest-Veranstaltung im Rahmen seines Vortrags „Rohstoffe am Nachhaltigkeits-Prüfstand“ ein.

Problematisches Segment

Für Friesenbichler müssen sich Rohstoffinvestoren der davon ausgehenden  inhärenten ESG-Risiken bewusst sein – etwa der Verletzung von Menschenrechten, beispielsweise in Form von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, sowie der Vertreibung indigener Völker von der Rohstoffquelle, oder auch „nur“ der Korruption, um an die begehrten Bodenschätze überhaupt heranzukommen. Das liegt daran, dass Rohstofflagerstätten meistens in Entwicklungsländern liegen, die auf den verschiedensten Ebenen keine westlichen Standards aufweisen. Hinzu kommt die Problematik, dass die Lagerstätten in vielen Fällen nicht lokalen, sondern ausländischen (westlichen) ­Investoren gehören, die den aus diesen Rohstoffquellen stammenden Reichtum abschöpfen, ohne dass dieser der heimischen Bevölkerung zur eigenen Weiterentwicklung zugutekommt.

Aber nicht nur die Rohstofflagerstätten selbst sorgen für Konflikt- und Diskussionspotenzial. Sondern auch die Extraktion und vor allem die Weiterverarbeitung von Rohstoffen bergen Probleme beziehungsweise zumindest Risiken. Friesenbichler sieht hier Gefahren für die Umwelt, insbesondere für die Gewässer oder die Biodiversität. Weitere Problemfelder sind beispielsweise die „Humanökologie“, lange Transportwege oder eine klimaschädliche Energieintensität bei der Weiterverarbeitung, die alle einen hohen und vor allem negativen „Umwelt-Impact“ aufweisen. So wird bei der Goldgewinnung oftmals Quecksilber oder Zyanid eingesetzt, was sich verheerend auf die Natur und auch die menschliche Gesundheit auswirkt. Ganz verdammen sollten Nachhaltigkeitsinvestoren Rohstoffe jedoch nicht. Denn Commodities bergen nicht nur Risiken, sondern eröffnen auch Chancen.

Viel Potenzial

Einerseits können Rohstofflagerstätten für Entwicklungsländer eine potenzielle Wohlstandsquelle sein und diesen den wirtschaftlichen Anschluss an die westliche Wohlstandsgesellschaft ermöglichen. Darüber hinaus vermeiden inzwischen neu entwickel­te Technologien viele negative Effekte nicht nur bei der Extraktion, sondern auch bei der Weiterverarbeitung von Rohstoffen. Eine bessere „Kreislaufführung“, beispielsweise durch hohe Recyclingquoten und vor allem „höherwertige Anwendungen“ können im Idealfall dafür sorgen, dass „dreckige“ beziehungsweise aus sozialer Sicht bedenk­liche Rohstoffe teilweise ein etwas besseres ESG-Ranking erhalten und damit zumindest aus ökologischer Sicht einen höheren Stellenwert ­beziehungsweise Gewichtung in ­einem Rohstofffonds haben sollten. Ein Beispiel dafür ist Nickel, das für die Herstellung von rostfreiem und damit lang haltbarem Stahl benötigt wird.

Tiefgehende Analyse

Der rfu-Methodik ist zugute zu halten, dass diese für alle 15 Rohstoffe des Spängler-IQAM-Invest-Universums die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Betracht zieht. Diese reicht vom Abbau über die Veredelungs- und Verarbeitungsprozesse bis hin zur Nutzung der Rohstoffe im Rahmen unterschiedlichster Produkte und Anwendungen. Das rfu-Team analysiert und bewertet beispielsweise auf der Angebotsseite die Verhaltensweise der marktführenden Unternehmen wie auch die Umweltwirkungen der für Abbau und Erzeugung eingesetzten Technologien einschließlich des Einsatzes von Sekundärrohstoffen über Recyclingprozesse. Evaluiert werden auch der Anwendungsmix von Rohstoffen in Endprodukten und deren ökologische und soziale Effekte. In Summe werden etwa 400 Faktoren berücksichtigt.

Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Edelmetallen in der Medizintechnik. So ist es laut rfu ethisch eher vertretbar, wenn das dem Boden mit großen negativen Umweltauswirkungen entrissene Gold für ein medizinisches Implantat verwendet wird, statt einfach nur als Goldbarren in einem Tresor zu verschwinden und damit der ­Gesellschaft keinen weiteren Nutzen zu bringen. Aus diesem Grund wird beispielsweise auch Silber, das für die Solarindustrie essenziell ist, besser als Gold bewertet.

All diese Aspekte und Überlegungen lässt rfu in einem aufwendigen quantitativen Bewertungsprozess einfließen. Pro Rohstoff gibt es die vier Ebenen „E“ (Abbau & Erzeugung), „N“ (Nutzung), „Ö“ (Ökologie) und „S“ Soziales. Jede dieser vier Ebenen wird anhand verschiedenster ESG-Kriterien im Rahmen eines „Scoring“-Ansatzes zwischen +10 und –10 Punkten bewertet (Friesenbichler: „Das erleichtert das Rechnen“), und diese Ergebnisse werden in eine von neun Ratingklassen in einer Bandbreite zwischen „A+“ und „C–“ transformiert.

Die vier erhaltenen Resultate führen – mit unterschiedlicher Gewichtung – zu einem Gesamtrating“ (alle zwischen „B–“ und „C+“ und damit leicht unterdurchschnittlich) und einem „Score“, der zwischen minus 0,6 für Nickel und minus 3,7 für Gold liegt. Wie dieser Vorgang anhand eines Beispiels funktioniert, finden Sie ausführlich erläutert in der Grafik „Gold verblasst im ESG-Scheinwerferlicht“.

Anton Altendorfer


Anhang:

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