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4/2025 | Produkte & Strategien

Diversifizierte Antizyklik

Der TT Contrarian Value Fonds führt vor, dass man mit konsequentem Value Investing auch bei reichlich Gegenwind seitens Growth und Magnificent Seven gute Ergebnisse erzielen kann.

Wer in der aktuellen Marktphase an den Aktienbörsen nach echten Diversifikationsinstrumenten sucht, landet fast unweigerlich bei Value-Fonds, die den „Bewertungswettlauf“ grundsätzlich vermeiden. Viele dieser Produkte liefen dem Markt zuletzt eher hinterher – es gibt aber auch Ausnahmen. 
Wer in der aktuellen Marktphase an den Aktienbörsen nach echten Diversifikationsinstrumenten sucht, landet fast unweigerlich bei Value-Fonds, die den „Bewertungswettlauf“ grundsätzlich vermeiden. Viele dieser Produkte liefen dem Markt zuletzt eher hinterher – es gibt aber auch Ausnahmen. © eyetronic | stock.adobe.com

Wer kennt beziehungsweise besitzt sie nicht, die globalen Aktienfonds, ob passiv oder aktiv, die entweder marktkapitalisierungsgetrieben eine hohe Position in US-Tech-Aktien halten oder trotz aktiven Managements nicht um eine gehörige Portion an Tech-Large- und -Mega-Caps vorbeikommen, um performancemäßig nicht den Anschluss an die führenden Indizes zu verlieren? Growth-Titel wie Palantir scheinen „priced to perfection“ zu sein, sodass nur ein kleiner Windhauch genügt, um die mit KI-Fantasie überladenen Aktien südwärts zu schicken. Ist der Hype nun bald zu Ende? Niemand weiß es. Sollte es aber zu einer Korrektur kommen, gibt es nur eine Gruppe von Aktienmarktinvestoren, die vergleichswei­­se entspannt bleiben werden: Value-Investoren, die extre­men Bewertungen grundsätzlich aus dem Weg gehen. Einer davon ist die Investmentboutique Taunus Trust. Der Vermögensverwalter mit Family-Office-DNA verfolgt den Ansatz des antizyklischen Investierens in Bezug auf ganze Märkte, Branchen und einzelne Unternehmen.

Verzicht auf Kurzfristigkeit
Auf kurzfristige Prognosen wird verzichtet, denn auch professionelle Analystenschätzungen sind nur zu oft ihr Geld nicht wert. Peter E. Huber, Urgestein des gepflegten Value Investings, gilt seit den 80er-Jahren als einer der erfolgreichsten Portfoliomanager Deutschlands. Nach dem Verkauf der von ihm gegründeten StarCapital AG trat er zu Beginn des Jahres 2020 in die Taunus Trust GmbH ein, um hier völlig seiner Leidenschaft als valueorientierter Contrarian-Port­foliomanager frönen zu können. Zusammen mit Jan David Meyer zeichnet er für den TT Contrarian Value verantwortlich, dessen institutionelle Tranche Anfang Dezember 2021 das Licht der Welt erblickte. Die hauseigene Kapitalmarktforschung weist den Weg. Vertraute Gesichter wie Norbert Keimling, schon bei StarCapital für das quantitative Research verantwortlich, leisten hier ihren Input, und so nutzt man bei Taunus Trust Rezessionsphasen aktiv für antizyklische Käufe. Diese bieten lukrative Einstiegsmöglichkeiten angesichts der Flucht aus Aktien, die durch die zyklischen Anleger erfolgt. Investoren, die seit 1990 immer in Rezessionen kauften, erzielten deutlich höhere Wertzuwächse als solche, die in Nichtrezessionszeiten investieren. Der Performanceunterschied zwischen den in Rezessionszeiten Eingestiegenen gegenüber jenen, die dies in Nicht­rezessionszeiten taten, liegt in den folgenden zwölf Monaten bei 4,9 Prozentpunkten.

Die proprietäre Kapitalmarktforschung liefert aber noch mehr, was den Contrarian-Ansatz wissenschaftlich untermauert. Da ist der Zusammenhang zwischen Bewertung und Rendite anhand der Shiller-CAPE Ratio zu nennen. Robert Shiller hat das zyklisch geglättete, bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) geschaffen, das sehr gut bestimmt, wie teuer ein Aktienmarkt ist. Wenn man sich über die letzten Jahrzehnte ansieht, wie hoch die (reale) jährliche Rendite in den folgenden zehn bis 15 Jahren in Abhängigkeit von der CAPE Ratio ausfällt, dann zeigt sich sehr deutlich, dass ein CAPE von um die 30 zu einem jährlichen Realertrag von nur wenig über null Prozent führt. Daraus folgt, dass man bei Taunus Trust in attraktiv bewertete Aktienmärkte investiert, denn der Fair Value ist die Basis der Allokationsentscheidungen. Feinheiten wie Sektoradjustierungen und der Einschluss von Kurs-Buchwert geben Signale, wann ein Markt billig ist – zuletzt so gewesen in Deutschland 2022, als Peter E. Huber signifikant deutsche Aktien für den TT Contrarian Value einkaufte. Bekanntlich liegt der Segen des Kaufmanns – und auch des Portfoliomanagers – im Einkauf. Trotz der hohen Indexstände gibt es aber noch genug (Value-)Aktienmaterial für Huber und Co., das günstig zu haben ist. Der Bewertungsaufschlag von Growth hat nämlich nach einer langen Phase sehr niedriger Inflationsraten Extremniveaus erreicht, aber bei den Zinsen zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Der Barwert der weit in der Zukunft liegenden und abzuzinsenden Gewinne wird früher oder später sinken, und Value-Werte, die die letzten 13 Jahre bis auf wenige kurze Intermezzi kein leichtes Leben hatten, sollten vor einer Renaissance stehen. Vergleicht man nämlich das tatsächlich realisierte Gewinnwachstum von Growth- und Value-Unternehmen über fünf Jahrzehnte, so fällt auf, dass Wachstumsaktien am Ende des Tages nur zirka ein Prozent pro Jahr mehr Gewinn erzielen können als Value-Aktien. Wachstumsstarke Weltmarktführer zu kaufen, erscheint oft selbstverständlich, und trotzdem ist es grob falsch – man denke nur an den Fall Cisco, wo die Aktie ein Vierteljahrhundert nach dem Kursgipfel noch immer 30 Prozent unter dem seinerzeitigen Hoch steht. Mit dem Contrarian-Ansatz umschifft man das – oft unterschätzte – Klumpenrisiko und ist dadurch breiter diversifiziert. Anstatt zu gut 70 Prozent in den USA investiert zu sein, sind es beim TT Contrarian Value lediglich zehn Prozent US-Exposure.

Mit einem Shiller-KGV, das noch vor Kurzem nahe seinem Allzeit-Tief war und mit Werten von um die 20 zirka 40 Prozent unter dem langjährigen Bewertungsdurchschnitt lag, ist Asien noch immer interessant, genauso wie der Energie- und Rohstoffsektor. Eingebrochene Explorationsausgaben bei Öl und Gas, aber auch bei vielen Industriemetallen lassen angesichts des hohen Verbrauchs zur Erreichung der Klimaneutralität Chancen bei ausgewählten Rohstoffaktien zutage treten. Die absehbar stark steigende Stromnachfrage erfordert grundlastfähige Parallelstrukturen, wo Uran und Gas ins Spiel kommen.

Beim TT Contrarian Value liegt der Active-Share-Anteil bei zirka 90 Prozent. Das beweist, dass man hier für sein Geld wirklich aktives, benchmarkfernes Management bekommt. Die Performance-Attribution des laufenden Jahres legt offen, woher das Alpha tatsächlich kommt: Es ist die Aktienselektion, wobei das in Europa gehobene Alpha in etwa doppelt so hoch ausfällt wie die Summe des Alphas aus Nordamerika und Asien zusammen. Eine Länder- und Branchenattribution zeigt, dass in diesem Jahr vor allem die Übergewichtung in den Ländern Deutschland, Frankreich und Kanada heraussticht, während bei der Sektorbetrachtung Finanzwerte, Rohstoffe und Industrietitel deutlich stärker gewichtet waren und die größten Performancebeiträge erwirtschafteten. Wie gut der TT Contrarian Value als Diversifikator ist, zeigt die Korrelation der monatlichen Überrenditen mit dem iShares MSCI ACWI World ETF mit dem Wert von 0,49. Investoren mit einem Core-Satellite-Ansatz sollten darüber nachdenken, ob nicht neben der Core-Position im iShares MSCI ACWI World ETF der TT Contrarian Value als Satelliteninvestment eingesetzt werden sollte: Schließlich sind die Risiko-Ertrags-Eigenschaften eines solchen 50/50-Portfolios durch die Bank überzeugend, wie die Tabelle „Perfekte Ergänzung“ darlegt.

Die Performance der institutionellen Tranche vom 1. Dezember 2021 bis zum 7. November 2025 illustriert die Leistung: Mit 14,68 Prozent annualisiertem Ertrag nach Kosten schlägt man dem MSCI World Net Total Return EUR, der im gleichen Zeitraum 10,01 Prozent einspielte, um 467 Basispunkte pro Jahr. Der MSCI World Value Net Return EUR Index erzielte im selben Zeitraum eine jähr­liche Rendite von 9,09 Prozent (siehe Grafik „Outperformance“). Der Ansatz des TT Contrarian Value Fonds ver­spricht Anlegern echte Diversifikation in einer Aktien­­­tangente, die meist dank passiver Core-Investments eine gehörige Portion Magnificent-Seven-Aktien aufweist. Mit einem Volumen von knapp 130 Millionen Euro zum 7. November 2025 hat der Fonds eine Volumensgrenze überschritten, die ihn auch für Institutionelle in dieser Form oder auch als Spezialfonds investierbar macht. Die proprietäre Kapitalmarktanalyse, die bisher ein attraktives Alpha produziert hat, macht den Fonds für Investoren, die im Aktienbereich auf der Suche nach Diversifikationsmöglichkeiten sind, zu einer prüfenswerten Option.

Dr. Kurt Becker

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