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4/2017 | Produkte & Strategien
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Der zweite Streich

Metis Invest, der Vermögensverwaltungsarm der Grazer Merkur Versicherung, sucht Co-Investoren aus der Assekuranz für seinen zweiten Corporate-Bond-Fonds, diesmal mit ESG-Fokus.

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Die Berücksichtigung von Umwelt, Arbeitsrecht und verantwortungsvoller Unternehmensführung gewinnt auch bei Renteninvestoren an Bedeutung. Die dadurch verringerte Auswahl an investierbaren Titeln stellt allerdings besondere Anforderungen an Fondsmanager.

Foto: © metis; Fotolia | alphaspirit

Dass man als Versicherungsgesellschaft über umfangreiches Investment-Know-how verfügt, liegt auf der Hand. Und dass man diese Expertise durchaus erfolgreich parallel zum Kerngeschäft vermarkten kann, haben Konzerne wie Allianz, Munich Re, Ergo und auch der Talanx-Konzern mit ihren Töchtern Allianz Global Investors, MEAG und AmpegaGerling überzeugend vorgelebt. Und dazu muss man auch kein Versicherungsriese sein, wie die im Marktvergleich eher mittelgroße Merkur Versicherung seit 2015 zeigt. Sie bietet seit damals mit ihrem Fonds Sirius 25 institutionellen Anlegern ein Corporate-Bond-Produkt im Mantel eines Publikumsfonds. Bis dato hat das Team um die Geschäftsführer Bernhard Tollay und Markus Zahrnhofer, die auch für die Kapitalanlagen der Versicherungsmutter verantwortlich zeichnen, für diesen Fonds Drittmittel von vier Versicherern und Banken in Höhe von rund 41 Millionen Euro gewonnen. Insgesamt liegt das Fondsvolumen nun bei 352 Millionen Euro. Nach diesem Ersterfolg plant man nun den nächsten Schritt.


Pragmatischer ESG-Ansatz
Tollay dazu: „Bei unseren Gesprächen mit anderen Versicherern mussten wir feststellen, dass dem Thema ESG beim Bondmanagement immer mehr Bedeutung beigemessen wird, weswegen wir uns entschlossen haben, einen weiteren global ausgerichteten, Euro-denominierten Investment-Grade-Unternehmensanleihenfonds aufzulegen, doch diesmal mit einem Nachhaltigkeitsfokus.“ Partner für den „Metis Bond Euro Corporate ESG Fonds“ sind die Semper Constantia Privatbank als Depotbank und die Semper Constantia Invest GmbH, die als Verwaltungsgesellschaft agiert. Die Semper Constantia Gruppe verwaltet mehr als 230 Fonds mit rund 85 Fremdmanagern und hat sich auf Kooperationen mit institutionellen Investoren spezialisiert. Dritter Partner ist The Value Group mit Sitz in München, ein Researchunternehmen, das finanzielle und extrafinanzielle Faktoren – Soft Facts wie Patente und Markenrechte– in einem eigenen Ansatz mit­einander verknüpft und bereits seit einigen Jahren erfolgreich mit Semper Constantia zusammenarbeitet. The Value Group verfügt über eine große Datenbank mit Unternehmensdaten, die für ESG nutzbar sind, und deckt ein Researchuniversum von 2.000 Unternehmen weltweit ab. Dazu kommt noch ein zusätzliches ESG-Modul mit einem Universum von an die 6.000 Firmen. Das Unternehmen verknüpft unter besonderer Berücksichtigung des Nachhaltigkeitskriteriums performancerelevante qualitative und quantitative Faktoren zu einer Gesamtbewertung als Quality Rating. Die Ergebnisse können flexibel in Investmentprozesse integriert werden. Dabei bildet das eigene und unabhängige Research das Fundament von Value Groups Produkten und Dienstleistungen.


Das Haus führt eigene Studien durch, wertet externes Unternehmens- und Marktresearch aus und entwickelt eigene Bewertungsinstrumente. Warum die Wahl auf diesen ESG-Berater und nicht etwa auf andere, bekanntere Namen fiel? Tollay: „Uns gefällt, dass individuelle Parameter definierbar sind und generell ein pragmatischer Zugang zum Thema besteht. Bei anderen Anbietern wird oft Massenware geboten.“ Dazu kommt die Möglichkeit eines „Quick Checks“, die gerade bei ­einem Fondsmanagement, das sich regelmäßig am Primärmarkt nach ­interessanten Emissions-Spreads etwa von neuen Namen aus Asien oder Amerika umsieht, die bisher noch nicht mit Euro-Emissionen am Markt waren und daher den berühmten Schnaps mehr bieten müssen, besonders ins Gewicht fällt. Versicherer, die mit ruhiger Hand agieren, erfreuen sich oft durchaus hoher Zuteilungen bei Neuemissionen, da sie als Langfristinves­toren gelten. Hier kann Metis Invest den Bid-Ask Spread einsparen und dank des Quick Checks eine Vorabbeurteilung eines neuen Namens erhalten, sodass man den Yield Pickup am Primärmarkt mitnehmen kann, ohne auf das endgültige Urteil über den Emittenten warten zu müssen. Diese schnelle, pragmatische Vorgehensweise bei neuen Emittenten bedeutet einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil für die beiden Metis-Fondsprodukte. So sind am Primärmarkt schnell einmal 50 bis 80 Basispunkte zu machen, wenn es in den Tagen und Wochen nach der Platzierung zu Spread-Einengungen kommt.


Begehrtes Umweltzeichen
Die Auswahlkriterien für Fonds, die sich für den Erhalt des Umweltzeichens qualifizieren, sind klar definiert und werden von fondsinternen Einrichtungen oder externen Organisationen überprüft. Ausgeschlossen sind Fonds, die in Atomkraft, Rüstungsgüter oder in den Handel damit investieren. Aktivitäten im Bereich Gentechnik werden ebenfalls überprüft und können gegebenenfalls zu einem Ausschluss führen. Ebenso ausgeschlossen sind Investitionen in Unternehmen oder Einrichtungen, die systematisch Men­schen- oder Arbeitsrechte sowie zentrale politische, soziale oder Umweltstandards verletzen. Der Auswahlprozess muss geeignet sein, Unternehmen zu identifizieren, die tatsächlich positive Leistungen für Umwelt und Soziales bringen. Um das zu gewährleisten, ist ein definierter Qualitätsstandard einzuhalten, heißt es in den Leitlinien. Die Umsetzung des ESG-Ansatzes von The Value Group im Metis Bond Euro Corporate ESG Fonds fand Gnade vor den Augen des Umweltzeichen-Gutachters Mag. Reinhard Friesenbichler, sodass der Metis Bond Euro Corporate ESG kürzlich das Umweltzeichen UZ ­49 als nachhaltige Fondsanlage erhalten hat. Dieses öffnet Türen bei Investoren, die der Nachhaltigkeit ihrer Vermögensanlagen ­einen hohen Stellenwert einräumen.


Investiert wird in nachhaltige Qualität durch einen aktiven Managementprozess, wobei hier Top-down-Elemente bei der Zins- und Spread-Positionierung mit Bottom-up-Elementen, dem Screening der Unternehmen unter Einbeziehung der ESG-Kriterien, kombiniert werden. Dazu kommt die Teilnahme am Primärmarkt.


Metis kann Credit
Wie die Ergebnisse des Anfang 2010 übernommenen Sirius 25 zeigen, konnte man seit Managementübernahme bis 20. 10. 2017 in gut 7 ¾ Jahren annualisiert eine Performance von 6,04 Prozent jährlich erreichen und damit den iBoxx Euro Corporates Overall Total Return ­Index um beachtliche 141 Basispunkte pro Jahr beziehungsweise den Bloomberg Barclays (früher: Lehman) Euro Aggregate Corporate Total Return Index um 140 Basispunkte ausstechen. Dies zeigt der Chart „Unbestrittene Kompetenz“. Selbst wenn man nur den schwierigen Zeitraum von 8. Juni 2016, den Beginn des Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) der EZB, bis 20. Oktober 2017 betrachtet, so konnte hier noch ­immer eine Outperformance von annualisiert gut 60 Basispunkten nach Kosten dem Markt abgerungen werden.


Wichtiger Roll-down-Effekt
Je steiler die Renditekurven ausfallen, des­to deutlicher macht sich der Roll-down-Effekt in der Rendite bemerkbar. Tatsächlich hat sich die Euro-Swap-Kurve im Jahresvergleich zum 20. Oktober gegenüber dem Vorjahr deutlich versteilert (siehe Grafik „Mehr Steile, höherer Roll-down“). Aber nicht nur die Zinskurve ist steiler geworden – bei Metis erwartet man im Übrigen, dass sich diese Tendenz noch weiter fortsetzen wird –, das Gleiche gilt auch für die Credit-Kurve. Der Kasten „Salz und Pfeffer in der Suppe“ zeigt idealtypisch, wie die beiden Strategieelemente, nämlich der Roll-down-Effekt und der Yield Pickup, am Primärmarkt die Fondsrendite verbessern helfen.


Das breiter gewordene Investment-Grade-Anleihenuniversum eröffnet Metis mehr Chancen bei der Auswahl der Credits und die Vielfalt der emittierten Laufzeiten auch die Möglichkeit zur aktiven Durationssteuerung in den Fonds. Mittlerweile nutzen viele Corporate-Emittenten das gesamte Laufzeitenspektrum zwischen drei und 20 Jahren. Bei Metis wird die Steilheit der Yield Curve sowohl einzelner Emittenten als auch auf Sektorebene berücksichtigt. In der Titelselektion werden Anleihen unter anderem im Hinblick auf Credit, Sektor und Duration miteinander verglichen um die relative Werthaltigkeit einer potenziellen (Tausch-)
Transaktion zu bestimmen. Die zunehmende Steilheit der Zinskurve im Euroraum und ihre Auswirkungen auf die einzelnen Corporate-Sektoren und Emittenten werden ­dahingehend genutzt, um selektiv Roll­gewinne zu realisieren, ohne dabei das ­strategische Durationsziel im Fonds zu verletzen.


Eine solche Strategie führt unweigerlich zu einem höheren Portfolioumschlag und damit zu Transaktionskosten durch den Bid-Ask Spread am Sekundärmarkt. Hier hilft aber ein Engagement am Neuemissionsmarkt, der ein effizientes und kostengünstiges Investment in neu platzierte Anleihen ermöglicht.


Signifikante Mehrerträge
Zudem werden Anleihen üblicherweise mit einem Attraktivitätsbonus in Form eines Spread-Aufschlags (Pick-up) zur interpolierten Sekundärmarktkurve des Emittenten ausgestattet, um die Emission für die Investoren attraktiv zu gestalten. Der Primärmarkt-Pick­up führt in Kombination mit den so vermiedenen Transaktionskosten dazu, dass die dynamische Durationssteuerung anhand des Primärmarktes im Corporate-Bond-Management zu signifikanten Mehrerträgen im Vergleich zu einer statischen Positionierung anhand der klassischen Zielduration führt.


Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Konzept am Markt auf Nachfrage stoßen wird, ist hoch, denn das Metis-Team hat gezeigt, dass es erfolgreich Investment Grade Corporates managen kann. Durch die Integration der ESG-Komponente in den Anlageprozess hat man nun auf einen aktuellen Trend reagiert und einen attraktiven zweiten Pfeil im Anlageköcher. Dieser ist zwar etwas teurer als der Sirius 25 mit einer Verwaltungsgebühr von 25 Basispunkten pro Jahr, diese Mehrkos­ten sind aber durch den Mehraufwand aufgrund des ESG-Fokus gerechtfertigt.


Anhang:

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