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4/2017 | Produkte & Strategien
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Der Niedrigzins nagt sich durch

Depot-A-Management: Banken leiden später unter den niedrigen Zinsen als die Altersvorsorgeeinrichtungen. Nun suchen auch die Bank-Treasurer nach Lösungen.

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Die Kernaufgabe des Treasurers eines Kreditinstituts ist es, die Liquidität der Bank sicherzustellen, damit die Bank jederzeit ­zahlungsfähig ist. Erst danach kommen Renditeüberlegungen an die Reihe.

Foto: © Fotolia | KateDerr, vb esslingen

Die für den Bankensektor zuständige oberste Aufseherin der EZB, Daniele Nouy, prophezeit den Banken eine Schrumpfkur. Auf einer Tagung am 27. September in Madrid erklärte sie, dass alle Geldinstitute „ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen“ sollten. Einige Finanz­institute würden aus diesem Prozess schlanker hervorgehen, andere dürften sich zusammenschließen. „Und andere wiederum könnten dennoch scheitern.“ Am Ende werde es einen „auf das rechte Maß zurechtgestutzten Bankensektor“ geben, der weiterhin verlässlich der Wirtschaft diene.


Immer weniger Banken
Tatsächlich sind Bankenfusionen an der Tagesordnung. „Im Jahr 2017 werden von der Fiducia & GAD voraussichtlich rund 60 Verschmelzungen von Volks- und Raiffeisenbanken technisch begleitet und unterstützt“, erklärt eine Sprecherin des ­Systemanbieters Fiducia & GAD IT AG. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange: „Für 2018 wird nach derzeitigem Stand eine ähnliche Größenordnung ­erwartet“, fährt sie fort. Im Sparkassensektor sieht es ähnlich aus, wobei die Einheiten dort im Schnitt größer sind.


So gab es Ende 2016 nur noch 403 Sparkassen und 970 Volks- und Raiffeisenbanken, und per Ende 2017 werden auch diese Zahlen wieder niedriger sein. Insofern haben die Regulatoren erreicht, was sie wollten: dass die hohe Zahl der Kreditinstitute in Deutschland sinkt und die Einheiten größer werden. Ob das den europäischen Bankensektor tatsächlich sicherer macht, ist ­eine andere Frage, die von vielen Controllern der kleineren Kreditinstitute verneint wird. Immerhin musste keines der kleineren Institute nach der Finanzkrise 2007/2008 mit staatlichen Mitteln gerettet werden.


EZB und Regulatoren haben sich nach der Finanzkrise darangemacht, den Bankenmarkt zu stabilisieren und der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Die EZB hat die Zinsen nach unten geschraubt, und der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat dem Bankensektor stabilitätsfördernde Regulierungsmaßnahmen gegeben.


Warum erst jetzt?
Während das niedrige Zinsniveau für Versicherungsunternehmen und Pensionskassen schon lange für Kopfzerbrechen sorgt, gewinnt die Problematik bei den Banken erst seit etwa zwei bis drei Jahren an Dynamik. Der Grund: Banken haben ihre Kredite überwiegend über zehn, teilweise auch über mehr Jahre vergeben und verdienten daher mit ihrem Kreditbestand noch vergleichsweise gut. Allerdings müssen Kredite, die jetzt auslaufen, zu den aktuell niedrigen Zinsen erneuert werden. „Zum Glück sind wir vor rund 16 Jahren dazu übergegangen, auch 15-jährige Kredite zu vergeben. Daher liegt der durchschnittliche Zins, den wir verdienen, immer noch deutlich über dem Zinssatz, den wir unseren Kunden im Passiv­geschäft geben“, erklärt Carsten Goettel, ­Risiko-Controller der Volksbank Esslingen. „Das Risiko der Kündigung des Darlehensvertrags durch den Kunden nach zehn Jahren haben wir über kündbare Festzinsempfänger-Swaps abgesichert.“


Jürgen Ahler aus dem Bereich Treasury/Unternehmenssteuerung der PSD Bank Westfalen Lippe nennt einen weiteren Grund, warum Banken erst jetzt unter den niedrigen Zinsen leiden: ­„Altersvorsorgeeinrichtungen haben eine asymmetrische Zinssituation: Auf der Verpflichtungsseite haben sie eine langfristige Zinsgarantie abgegeben, auf der Anlageseite rutscht ihnen der Zins nach unten weg. Banken hingegen haben eher eine symmetrische Zinssituation: Wenn der Zins sinkt, refinanzieren sie sich günstiger – bis zu dem Punkt, an dem ihre Einlagen negativ verzinst werden.“ Negative Zinsen können Banken ihren Privatkunden nur sehr schwer weiterreichen – zu scharf ist hier das Echo von Presse und Verbraucherschützern. Das bedeutet, dass das untere ­Ende der Zinsstrukturkurve im Passivgeschäft abgeschnitten ist, während die Kunden im Aktiv-Geschäft die Anpassung an die niedrigen Zinsen erwarten. Das schmälert den Zinsüberschuss.


Ahler erklärt weiter: „Versicherer ­haben außerdem hohe Garantien für ihre langfristigen Kundeneinlagen vergeben. Die Einlagenseite bei den Banken ist deutlich kürzer, daher konnten wir uns dem Zinsniveau lange Zeit besser anpassen.“ Dass auch Banken Schwierigkeiten haben, wenn sie langfristige Garantien auf Kundeneinlagen vergeben, zeigen die Streitigkeiten um die hochverzinslichen Scala-Sparverträge der Sparkasse Ulm mit Zinsen bis 3,5 Prozent, die zum Teil über 25 Jahre laufen. Hier kam es zum Rechtsstreit zwischen dem Institut und ihren Kunden, als die Bank die Verträge kündigen wollte.


Es ist nicht zuletzt das Verhalten ihrer Kunden, das den Banken Probleme verursacht. „Die Kunden wollen auf der Aktivseite eine möglichst langfristige Zinsbindung – bei der Immobilienfinanzierung am liebsten zehn oder 15 Jahre. Auf der Passivseite wollen sie sich aber nicht langfristig binden, sondern lassen ihr Geld auf dem ­Tagesgeld- oder Girokonto. Sparkassen sind im Schnitt passivlastig, was früher ein Riesenvorteil war, denn hier konnten wir ­Zusatzerträge von rund 25 Basispunkten ­generieren. Heute müssen wir aufpassen, dass daraus kein negativer Beitrag entsteht. Daneben sind auch die Margen im Kreditgeschäft leicht unter Druck, weil alle Kreditinstitute Kreditgeschäft suchen und hier ein erheblicher Wettbewerb herrscht“, beschreibt Andreas Götz, Direktor der Kreissparkasse Ostalb, die Situation.


Der Deutschen Bundesbank ist diese ­Problematik bewusst. Sie schreibt in ihrem Monatsbericht vom September 2016: „Der mit der zunehmenden Konzentration auf täglich fällige Einlagenprodukte verbundenen Laufzeitverkürzung auf der Passivseite stehen Kredite mit wesentlich längeren Zinsbindungsfristen gegenüber, was für sich genommen zwar den Ertrag aus dem zinsbezogenen Geschäft stützt, aber gleichzeitig das bilanzielle Fristentransformationsrisiko weiter ansteigen lässt.“


Verschmutzungsgefahr
Mittlerweile machen die lang anhaltenden Niedrigzinsen auch den Eigenmittelverantwortlichen in den Banken zu schaffen. Das Basel-III-Regime hat ihnen nach der Finanzkrise stramme Anforderungen an die Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) auferlegt, und nun ist es für sie ärgerlich, dass sie für Liquiditätshaltung ­etwas zahlen müssen – schlimmstenfalls 0,4 Prozent bei der EZB.


Um die Liquidität anzulegen, gibt es erst wenige LCR-fähige Fonds, denn im hoch­liquiden Segment investieren viele Depot-A-Manager lieber direkt. Ein Grund dafür ist, dass es für Fonds schwierig ist, in diesem Bereich nach Kosten überhaupt eine positive Rendite zu erzielen. Außerdem muss der jeweilige Fondsmanager die re­gulatorischen Vorgaben zur Liquiditäts­deckungsanforderung für Banken genau im Blick haben. „Ein einziges nicht LCR-­fähiges Papier in einem Fonds verschmutzt den gesamten Fonds und sorgt dafür, dass er in seiner Gesamtheit nicht LCR-anrechnungsfähig ist, auch wenn 95 Prozent der Papiere im Fonds LCR-fähig sind“, erklärt Goettel.


Positive Verzinsung gesucht
Dennoch: Häuser, die den Bankenbereich gut kennen, wagen sich an die Thematik heran. So beispielsweise der Asset Manager Bantleon, der mit dieser Kundengruppe groß geworden ist. „Kreditinstitute bewegen sich in einem engen regulatorischen Korsett, das in einem ständigen Wandel ist. So bedienen wir heute zum Beispiel mit der LCR-Anrechenbarkeit standardmäßig ein komplexes Thema, das es früher nicht gab“, erklärt Jörg Schubert, Vorstand Kunden­betreuung und Leiter Investment Solutions bei Bantleon.


Auch andere Häuser, die den Bankenbereich gut kennen, springen auf den Zug auf. „Wir wollten Depot-A-Managern und anderen Investoren eine Alternative anbieten und haben letztes Jahr im Dezember den geldmarktnahen Fonds ­Antecedo Liquid Invest aufgelegt, der voll LCR-fähig ist“, erklärt Dirk Bongers, Geschäftsführer bei Antecedo ­Asset Management. „Hier können Investoren ihre kurzfristige Liquidität anlegen und steigen plus/minus null oder mit einer kleinen positiven Rendite aus statt mit minus 0,4 Prozent wie bei der EZB.“

Tatsächlich hat der Fonds in den ersten elf Monaten seiner Existenz eine Gesamtperformance von 1,01 Prozent erzielt, indem er deutsche Staatsanleihen mit längerer Laufzeit kauft und dann deren Kurschancen gegen Optionsprämien verkauft. Hierdurch erzielt der Fonds sowohl Zins- als auch Optionserträge.


Auch die BayernInvest Luxembourg S.A. legte kürzlich eine Umbrella-Struktur mit drei Teilfonds auf, die LCR-fähig sind. Hermann Boscheinen, Bereichsdirektor Sparkassen bei der BayernInvest, erklärt dazu: „Angesichts eines herausfordernden Investmentumfelds mit niedrigen oder gar negativen Renditen zählt jeder Basispunkt. Die entsprechenden Spielräume dafür sind vorhanden, müssen allerdings von den Anlegern genutzt werden.“


Zum Teil kommen hier auch Asset Manager außerhalb der Verbundunternehmen zum Zug – meist sehr spezialisierte. Sie dienen den Banken-Treasurern auch als Sparringspartner. „Der Freiraum, den der einzelne Depot-A-Manager hat, ist unterschiedlich“, beobachtet etwa Markus Pimpl, Portfoliomanager beim auf Privatmarktanlagen spezialisierten Asset Manager Partners Group. „Typischerweise suchen Depot-A-Manager bei uns Alternativen im Bereich der Anleiheninvestitionen. Dies kann beispielsweise unser Listed-Infrastructure-Fonds sein, der global in stabile Infrastrukturbetreiber investiert, die mehrheitlich inflationsgeschützte Cashflows aufweisen. Des Weiteren bieten wir mit unserem Pri­vate-Debt-Fonds ein Produkt an, das mit ­öffentlich gehandelten HY-Strategien vergleichbar ist, hingegen vergleichsweise geringere Ausfallsraten aufweist.“ Mit dieser Nische im Kreditmarkt kommt die Partners Group dann auch bei Depot-A-Managern zum Zug.


Auch die Direktbank comdirect trennt LCR-Ware und das Übrige: „Die erforderliche LCR-Ware und darüber hinausgehende Liquiditätspuffer halten wir im Direkt­bestand“, erklärt Thore Ludwig, der als Leiter Treasury bei der Direktbank comdirect ein Depot A von rund 20 Milliarden Euro verwaltet. Als seine wichtigste Aufgabe sieht er es, die tägliche Liquidität der Bank sicherzustellen, die stark davon abhängt, was die Kunden mit ihren Einlagen tun. „Die Analyse der täglichen Einlagenbewegung sowie eine adäquate Modellierung der Kundeneinlagen bezüglich ihrer Stabilität sind hier sehr wichtig. Zum einen, um ausreichend Liquidität, also hochliquide Bonds, vorzuhalten, und zum anderen, um Fristentransformation betreiben zu können.“


Bei der Anlage der Eigenmittel nutzt comdirect auch eigens aufgelegte Spezialfonds, für die konzernfremde Asset Manager mandatiert wurden. „Neben einem Rendite-Pickup tragen die Spezialfonds zur ­Diversifikation des Treasury-Portfolios bei. Darüber hinaus nutzen wir die Asset Ma­nager als Sparringspartner und zum Know-how-Austausch“, erklärt Ludwig. „Trotzdem gehen wir hier nur solche Risiken ein, die wir verstehen und die für uns beherrschbar sind. Investitionen werden ausschließlich im Investment-Grade-Bereich getätigt.“


Aussteuerungswirkung
Auch wenn die meisten Bankensteuerer wissen, dass ihr Fokus auf dem Kunden­geschäft liegt, müssen die Treasurer zusehen, dass sie trotz Einhaltung aller regulatorischen Restriktionen und der Bereitstellung der nötigen Liquidität mit den Eigenmitteln eine positive Rendite erzielen. „Wir sind historisch im Depot A sehr konservativ ausgerichtet, aber vor etwa zwei Jahren haben wir eine gewisse Modifikation in unserer Assetstruktur eingeleitet“, erklärt Kai Scholze, Mitglied des Vorstands der Kreissparkasse Esslingen-Nürtlingen, eine der G25-Sparkassen, also eines der größeren Häuser. „Während früher nahezu ausschließlich gedeckte Schuldverschreibungen gehalten wurden, allokieren wir nun auch Immobilien, Corporates und zu geringen Anteilen auch Aktien“, fährt Scholze fort. Die Zielallokation für sein Depot A liegt bei knapp 20 Prozent Immobilien und fünf ­Prozent Aktien.


Er hat auch mit dem durch die historische Entwicklung entstandenen Wildwuchs an Strukturen und Prozessen aufgeräumt. „Die LCR steuern wir selbst im Direktbestand. Hier haben wir gemeinsam eine Struktur ­erarbeitet, für welche Häuser wir welche ­Limits stellen.“ Den Rest hat er übersichtlich in zwei Spezialfondsmandaten struk­turiert. „Hier haben wir einen präzisen Anforderungskatalog geschrieben, der auch Anforderungen an die Datenlieferungen und die Bedienung unserer Schnittstellen umfasst. So können wir bis auf jedes Einzel­engagement blicken, was uns mehr Transparenz gibt, die wir aus regulatorischen Gründen auch brauchen“, so Scholze. Im Ergebnis hat er für sein Haus ein regelbasiertes, ruhiges Portfolio und eine genaue Vorstellung seines Zielportfolios, die sich aus den Ergebnisansprüchen der einzelnen Assetklassen und ihrer Gewichtung ergibt.


In Konkurrenz zur EZB
Der Eigenmittelanlage wenig zuträglich ist auch das QE-Programm der EZB. Denn es ist nicht nur der risikolose Zins verschwunden, sondern auch wenn sich Inves­toren an die Peripherie wagen, sind dort die Risikoprämien geschrumpft. Verantwortlich dafür ist insbesondere das Anleihenankaufprogramm der EZB, das nun auf monatlich 30 Milliarden Euro abgesenkt wird. Trotzdem saugt die EZB viel Material am Markt auf. Das sorgt für eine enorme Nachfrage, was die Spreads zusammenschrumpfen lässt. In der Folge sinken die Anleihenrenditen über das gesamte Laufzeitenspektrum. „Wir nehmen gern an Neuemissionen teil“, erklärt Thore Ludwig, „weil sich die Emissions-­Spreads durch das Ankaufprogramm der EZB in der Regel anschließend am Sekundärmarkt einengen.“ Auch die Geschwindigkeit ist durch die ­Regulatorik eingebremst und lässt Banken-Treasurer oft nicht zum Zuge kommen. Ein Depot-A-Manager, der nicht genannt werden möchte, erklärt: „Manchmal bieten uns Banken einen ungewöhnlichen Pfandbrief an, geben uns aber nur 30 Minuten Zeit für die Kaufentscheidung. Bei uns im Haus dauert der Prüfprozess, um ein Institut zu bewerten, gut und gern vier Tage. Bis ich dann das Okay für den Emittenten bekomme, ist das Papier längst weg, weil Herr Draghi es schon aufgekauft hat.“ Asset ­Manager können hier rascher agieren als Banken-Treasurer. Das ist zuträglich fürs Spezialfondsgeschäft – die steigenden Volumenszahlen reflektieren das.


Ein Ausweg für Investoren ist, Anleihen zu kaufen, die nicht von der EZB gekauft werden. Hier werden Treasurer unter anderem bei Emittenten aus Kanada oder Norwegen fündig, müssen dann aber sehen, wie sie mit dem Währungsrisiko umgehen, sofern das Papier nicht auf Euro lautet. Die Frage lautet also: Wo findet man gute Qualität, die nicht von der EZB gekauft wird, um kleine Pickups zu generieren?


Zu den niedrigen Risikoaufschlägen und der mangelnden Möglichkeit, an Material zu kommen, gesellt sich noch die eher flache Zinsstrukturkurve. Je flacher die Kurve, des­to weniger Gewinn können Banken durch Spielen auf der Fristen-Klaviatur erzielen. Der Effekt sind weiter sinkende Zinsüberschüsse der Banken und Anpassungen in der Konditionengestaltung – etwa die Einführung von sachgerechten Kosten für Kontoführung und Bargeldabhebungen.


Belastungen für kleine Häuser
Kleinere Häuser bekommen die Fülle der Vorschriften und der zu erfüllenden Kennzahlen besonders hart zu spüren, denn sie müssen mit geringer Personalzahl dieselben regulatorischen Bedingungen erfüllen wie die Großen. Es gehört aber zur DNA der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen, vor Ort und damit dezentral aufgestellt zu sein. Oft sind in derart kleinen Häusern nur zwei oder drei Personen mit dem Depot-A-Management befasst, und dann auch oft nur mit einem Teil ihrer Kapazität, während die Treasury-Abteilung bei großen Häusern schon mal 20 und mehr Personen umfassen kann. Allein das Lesen der oft mehrere 100 Seiten umfassenden regulatorischen Texte – teilweise in englischer Sprache – verschlingt wertvolle Arbeitszeit.


„An die LCR-Quote haben wir uns ja schon gewöhnt“, erklärt Gerald Mauer, Wertpapierspezialist und Depot-A-Manager bei der Sparkasse Oberland im bayerischen Weilheim, „aber die MiFID-II-Richtlinie bringt ab 2018 mit dem Thema Transpa­renz­anforderungen (Einordnung der Institute und der damit verbundenen Vorhandels- und Nachhandelstransparenz) noch Herausforderungen für die Banken-Treasurer“. Die ebenfalls in MiFID II enthaltene Verpflichtung zum Unbundling der Researchleistungen hat er hingegen nicht als sehr arbeits­intensiv empfunden. Dennoch meint Mauer: „Ich hoffe, wir können uns bald wieder auf unser klassisches Geschäft fokussieren.“


Wenn zu all diesen Herausforderungen noch Sonderaufgaben – beispielsweise eine Sonderprüfung gemäß § 44 KWG oder ein IT-Migrationsprojekt – hinzukommen, ist die Ressourcenkapazität schon mal am ­Anschlag.


Dekas Marketingstrategie
Angesichts der engen Ressourcen und des hohen Aufwands fürchten einige Depot-A-Manager, dass ihre Jobs in der länger­fristigen Zukunft verschwinden. Denkbar wäre, dass in einigen Jahren das Depot A von kleinen Einheiten nur noch von einigen wenigen spezialisierten Instituten gesteuert wird. Insbesondere Union Investment und DekaBank kämen hier in Frage.


Das ist nicht abwegig, hat doch die Deka­Bank eine intelligente Betreuungsstrategie entwickelt, die sich am nach Lösungen suchenden Kunden orientiert, um ihn mit smarten Impulsen und daraus resultierend mit Nutzen zu versorgen. Matthias Kowallik, Leiter Institutionelle Kunden – Sparkassen und Finanzinstitute bei der DekaBank, dazu: „Wir helfen den Sparkassen beim ­Abgleich und der Analyse ihrer eigenen Kennzahlen mit denen von Instituten vergleichbarer Größe und Ausrichtung.“ Dazu führt die Deka jährlich Datenerhebungen und Strategiegespräche mit den deutschen Kreditinstituten durch und verdichtet die Ausgangslage im „Deka Treasury Kompass“. Die dort verarbeiteten Daten bereitet sie individuell auf, verbindet sie mit der Geld- und Kapitalmarktsicht und kann jedem Institut eine punktgenaue Darstellung ihrer Ist-Situation, der Bilanzstruktur, des Depot A und der Refinanzierung liefern – im Vergleich zu den Peers. Hinzu kommen die üblichen Infrastrukturleistungen wie Marktliquiditätstests, Marktgerechtigkeitsprüfungen und Nachhaltigkeitstests der Portfolios. Daher weiß die DekaBank beispielweise, wie genau die Cashflows auf Gesamtbankebene aussehen, wie das Depot A als Steuerung genutzt wird und welche Risikoneigung und Präferenzen vorliegen.


„Mit unserem ganzheitlichen Betreuungsansatz und den Lösungsimpulsen sind wir ein gefragter Partner für Bankensteuerer. Im ersten Schritt erstellen wir eine strukturierte Aufbereitung der Ausgangslage und identifizieren die individuellen Bedürfnisse, was Instrumente, Laufzeitenstrukturen und Assetklassen betrifft. Daraus entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit der Partnerbank Steuerungsanregungen“, so Kowallik. So lassen sich dann gleich auch die passenden Lösungen erarbeiten, die ein Haus wie die DekaBank natürlich liefern kann. „Mithilfe unserer Plattformtechnik können wir die Lösungen sehr kosteneffizient anbieten“, ­erklärt Kowallik.


Anhang:

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