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3/2017 | Produkte & Strategien
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Der große Durchblick

Der Fondsdatensammler und -aufbereiter Mountain View Data gewährt Einblicke in Flows und Fondsmanagement. Darin wird erkennbar, welche Fondsklassen zuletzt gesucht waren und wo Geld abfließt.

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Die Analyse der Kapitalzu- und -abflüsse bei Fondsanbietern liefert Aufschluss über die Stimmung der Anleger. Aktuell herrscht Ruhe.

Foto: © fotolia | fotomek

Gegenstand der Analysen des österreichischen Datenpro­viders Mountain View Data (MVD) sind alle zum öffent­lichen Vertrieb in Deutschland und Österreich zugelassenen Publikumsfonds inklusive institutioneller Tranchen. Ein Vergleich von Sektoraktienfonds und breit aufgestellten Aktienfonds ohne Branchenfokus zu Jahresbeginn und nun mit ihren Veränderungen zwischen Juli und August 2017 zeigt bei flüchtigem Hinsehen wenig Veränderung. Zwar ist die Summe der Fondsvermögen von 1,242 Billionen zum Jahreswechsel 2016/17 1,361 Billionen per Ende August 2017 Euro und damit um 9,57 Prozent gestiegen, aber die breit diversifizierten Aktienfonds haben einen kaum verringerten Anteil von mehr als 89 Prozent auf sich vereinigt. Auch die Monatsflows waren im August – wie übrigens auch im Januar, der hier nicht dargestellt ist – gesamthaft negativ. Diese machten im August minus 1,338 Milliarden Euro aus. Betrachtet man allerdings die einzelnen Branchen näher, so tun sich hier doch deutlichere Unterschiede auf. Während etwa im Januar 2017 drei Sektoren (Agrikultur, Gesundheit/Pharma/Biotech ­neben den Multi-Sektor-Aktienfonds) unter Mittelabflüssen litten, waren es im August neben diesen drei Branchen noch zwei weitere, nämlich Konsum/Dienstleistungen und Telekommunikation/Medien, und somit fünf. Besonders stark rückläufig war der Anteil der Branche Energie, er schmolz ­innerhalb der ersten acht Monate 2017 um ein schwaches Viertel. Um gut ein Fünftel fiel der Anteil der Versorger zurück, und auch Rohstoffe befanden sich auf dem Rückzug. Zulegen konnte das Gewicht der Branchen Infrastruktur, Konsum/Dienstleis­tungen, Ökologie/Ethik – und besonders deutlich – Telekom und vor allem die Finanz­branche. Eine mögliche Erklärung, dass Flows in Branchenfonds momentumgetrieben sind, gilt aber nicht unbeschränkt. Während die starke Performance der IT-Branche etwa im S&P von entsprechenden positiven Flows begleitet wurde, scheint es in der Finanzbranche anders zu sein. Hier underperformten US-Finanztitel und auch die im Subindex enthaltenen Banken deutlich. Trotzdem gab es Mittelzuflüsse, sodass hier der Verdacht nahe liegt, dass die Manager einen Contrarian-Ansatz verfolgen.
 

Nachdem aber im Stoxx Europe die Sub­indizes für Banken und Technologie den Stoxx Europe 600 Index year-to-date deutlich outperformt haben, lautet eine andere  mögliche Erklärung, dass hier sehr wohl auch eine positive Korrelation zwischen Performance und Flows besteht.
Während die Assets der Aktienfonds in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 9,57 Prozent gestiegen sind, fiel der Volumenzuwachs bei Rentenfonds mit 16,66 Prozent deutlich stärker aus. Allein im ­August gab es 8,7 Milliarden Euro an ­Zuflüssen. Die Vermögenswerte aller zum Vertrieb in Deutschland und Österreich zugelassenen Rentenfonds machen zum 31. 8. 2017 laut Mountain-View-Daten 1,204 Billionen Euro aus. Dabei konnten die gemischten Anleihenfonds ihren Anteil von 47,40 Prozent zu Jahresanfang über 50,07 Prozent Anfang August auf nunmehr 50,69 Prozent festigen. Die anderen vier Kategorien (Staatsanleihen, Anleihen staatenorientiert, Unternehmensanleihen, Wandelanleihen) verloren in der relativen Betrachtung sämtlich an Gewicht.


Im ETF-Bereich gab es im August die größten absoluten Zuwächse bei den Anleihen-ETFs, die 1,99 Milliarden an Inflows zu verzeichnen hatten. Bei Geldmarkt-, Aktien- und Spezial-ETFs gab es leichte Zugewinne, während ­Immobilien- und Rohstoff-ETFs mit Abflüssen fertig werden mussten. Vergleicht man bei ETFs die August- mit den Januar-Zuflüssen, fällt der August deutlich ruhiger aus, was aber wohl mehr mit der Urlaubssaison als mit dem ­generellen Interesse an ETFs zu tun hat. Entfielen im Januar gut 60 Prozent der ­Zuflüsse auf Aktien-ETFs, wurden im ­August fast nur die Anleihen-ETFs nachgefragt. In den acht Monaten stieg bei in Deutschland und Österreich zugelassenen ETFs der Anteil von Aktien-ETFs leicht von 63,95 auf 64,64 Prozent.


Mit 76,6 Milliarden Euro machen die ­Publikums-Nachhaltigkeitsfonds gerade einmal 2,06 Prozent des Volumens der nicht unter der Nachhaltigkeitsflagge segelnden Fonds - diese kommen auf 3,72 Billionen Euro - aus. ­Jedoch sind deren Zuflüsse in der Year-to-Date-­Betrachtung mit einem Plus von 20 Prozent deutlich stärker gewachsen als die Assets der nicht nachhaltigen Fonds, deren Volumina seit Jahresanfang um 12,5 Prozent ­zulegten. Den größten prozentuellen Zuwachs innerhalb des nachhaltigen Fondsuniversums erreichten nachhaltige ETFs, deren Vermögen in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres um beachtliche 56,23 Prozent anstieg. Nichtsdestotrotz bleiben sie mit 5,04 Prozent das mit Abstand kleinste Teilsegment. Verglichen mit dem Jahres­ultimo, wo ihr Anteil erst 3,87 Prozent betrug, ist die Zunahme jedoch beachtenswert. Innerhalb der nachhaltigen Fonds hatten die zweitgrößte Steigerungsrate der Assets im YTD-Vergleich – nach den ETFs – Anleihenfonds (+27,29 Prozent) zu verzeichnen. Danach folgen nachhaltige Aktienfonds mit einem Plus von 17,08 Prozent sowie Mischfonds (+13,75 Prozent).


Im nicht nachhaltigen Fondsbereich fiel die Steigerung der Vermögenswerte über die letzten acht Monate bei Anleihenfonds am deutlichsten aus (+17,67 Prozent).


Anleihen-Durchblick
Ein Abriss der Top-50-Anleihen-Positionen (siehe gleichlautende Tabelle) zeigt, dass im August 2017 der Anteil an Schwellenländeranleihen ausgebaut wurde. Insbesondere brasilianische Staatsanleihen gehören mit vier Anleihen unter den Top Seven zu den bemerkenswertesten Positionierungen, wobei hier den Laufzeiten zwischen vier und zehn Jahren der Vorzug gegeben wurde. Diese Positionen sind nicht nur unter den größten, sie haben auch mit hohen zweistelligen Prozentsätzen gegenüber dem 31. 7. 2017 zugelegt. Nachdem der brasilianische Real gegenüber dem Euro im August leicht nachgab, sind am steigenden Gewicht sicherlich keine Währungseffekte schuld. In den Top 50 finden sich mit Mexiko, Argentinien und Kolumbien drei weitere lateinamerikanische Länder, deren Anleihen gleich mehrfach zu finden sind. Unter den Top-Rentenpositionen fallen zwölf neue Anleihen auf, von denen – wenig überraschend, weil es der größte Rentenmarkt der Welt ist – vier US-Treasuries und eine Fannie-Mae-Emission sind, während die rest­lichen sieben alle aus den Emerging Markets und hier wiederum ausschließlich aus Lateinamerika kommen. Diesen Befund könnte man dahingehend interpretieren, dass der Appetit der Fonds auf europäische Staatsanleihen entweder aus Renditegründen (Deutschland und andere Kerneuropa-Staaten) oder Qualitätsaspekten (Oliven­staaten) mit relativ geringen Spreads endenwollend ist. Zudem lässt sich ein Shift hin zu Schwellenländeranleihen beobachten, die von vielen Asset Managern als „Sweetspot“ des Rentenmarktes betrachtet werden. Neben Anleihen lateinamerikanischer Schuldner waren auch Anleihen von Indien und ­Indonesien – zwei Rising Stars aus Asien – gesucht.


Bei der Analyse der Top-50-Aktientitel (siehe Tabelle im Anhang) fällt die Troika an der Spitze auf, die aus Schweizer SMI-Titeln besteht (Nestlé, Roche und Novartis). Deren An­teile an den Fondsvermögen wurde im ­August weiter ausgebaut. Auf den weiteren Spitzenplätzen folgt eine geballte Ladung an IT- und E-Commerce-Titeln aus Asien (Tencent und Alibaba aus China, dazu Taiwan Semiconductor und die koreanische Samsung Electronics) sowie aus der Alten Welt mit SAP und Microsoft. Auf den Plätzen zehn und elf finden sich zwei deutsche Schwergewichte (Allianz, Bayer), bevor sich dann mit Apple, Alphabet (Google), Facebook und Amazon wieder vier Werte, die von der digitalen Transformation profitieren, in den Top 20 finden. Neu sind im August mit UBS und Richemont zwei weitere Schweizer SMI-Titel und der chinesische Versicherer Ping An. Es fällt auf, dass die größten britischen Aktienpositionen schrumpfen. Das betrifft die Konsumtitel British American Tobacco und Reckitt Benckiser. Das kann mit den Brexit-Verhandlungen, aber auch mit der erwarteten Konsumschwäche der Briten zu tun haben. Gleichwohl handelt es sich bei beiden um global aufgestellte Konzerne.    


Anhang:

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