Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Artikel Filter

Erweiterte Suche

Produkte & Strategien

2/2020 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

DAX-Pensionswerke trotzen Zinsdruck

Die Anlagestrategien für die Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen waren gut gewählt, sodass die Portfolios von der guten Kapitalmarktentwicklung 2019 profitieren konnten. 2020 dürfte dies schwieriger werden. Aktuelle Daten liefert die Studie „DAX-Pensionswerke 2019“ von Willis Towers Watson.

1591786622_pension.jpg

Die Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen hatten 2019 ein Volumen von 276 Milliarden Euro, was etwa zwei Drittel der bestehenden Pensionsverpflichtungen entspricht.

© W I L L I S TOWERS WATSON, NOMAD SOUL | STOCK.AD
2019 war die Welt auch für die Manager der Pensionsvermögen der DAX-Konzerne noch in Ordnung. „Die Aktienmärkte ent­wickelten sich besonders in der ersten Jahreshälfte 2019 sehr positiv. Davon konnten die DAX-Unternehmen profitieren“, blickt Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson, zurück. Dass die Bilanz 2020 mit großer Wahrscheinlichkeit weniger günstig ausfallen dürfte, lässt die Tatsache vermuten, dass rund ein Fünftel der Pensionsvermögen in Aktien angelegt ist. Tatsächlich stellen die WTW-Experten schon jetzt coronabedingte Verluste fest. Bei den Kapitalanlagen von Pensionseinrichtungen zeige sich schon ein spürbarer Rückgang.
 
Betroffen sind davon immerhin Pen­sionsvermögen mit einem Volumen von rund 276 Milliarden Euro. Dieser Betrag lag 2019 um rund 12,4 Prozent höher als im Jahr davor, was bedeutet, dass er weniger stark gestiegen ist als die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen. Dieser Wert erhöhte sich nämlich 2019 um 13,7 Prozent von 366 auf 416 Milliarden Euro. Die DAX-Unternehmen mussten aus diesem Grund ihren Pensionsvermögen 2019 rund 6,5 Milliarden Euro zuführen – ein nicht unwesentlicher Betrag, aber dennoch deutlich weniger als die 11,8 Milliarden Euro, die im Jahr davor aufgebracht werden mussten. 
 
All diese Daten liefert die jüngste Studie über die Situation der DAX-Pensionswerke von Willis Towers Watson. Die Analyse zeigt auch, dass die Pensionsverpflichtungen ein deutliches Gewicht in den Bilanzsummen der DAX-Unternehmen haben: Während die Pensionsverpflichtungen im Schnitt rund 15 Prozent der Bilanzsumme ausmachen, schlagen die Pensionsvermögen mit rund zehn Prozent zu Buche. Da in Deutschland keine Pflicht zur Bildung von spezifischem Pensionsvermögen besteht, sondern die Bildung von Pensionsrückstellungen genügt, blieb der Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen – weitgehend stabil auf dem für Deutschland üblichen ­Niveau um die 66 Prozent. In anderen Ländern ist es anders: So liegt in der Schweiz (Swiss Leader Index) und in den USA (Fortune-1000) der Ausfinanzierungsgrad bei ­jeweils 84 Prozent und in Großbritannien (FTSE 350) bei 99 Prozent. WTW-Expertin Conrad meint dazu: „Insgesamt zeigt sich über die vergangenen 20 Jahre, dass die DAX-Unternehmen ihre Pensionswerke wetterfest aufgestellt und klug gemanagt haben, sodass Schwankungen des Kapitalmarktumfeldes meist gut genutzt oder gut aufgefangen werden konnten.“ 
 
Corona senkt Rechnungszins
 
Weil sich im deutschen Handelsrecht der Rechnungszins am aktuellen Marktzins orientiert, beeinflusst die Coronakrise nicht nur die Kapitalanlagen, sondern auch den Rechnungszins. Diese Grund­lage für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen sank bereits im Jahr 2019 um 81 Basispunkte auf 1,10 Prozent. Daher stiegen die Pensionsverpflichtungen 2019 stärker an als die Pensionsvermögen. „Infolge der Coronakrise sank der Rechnungszins im Januar und Februar zunächst spürbar. Im Lauf des März ­jedoch konnten die Renditen von AA-Unternehmensanleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als zehn Jahren und ­damit auch der Rechnungszins einen deutlichen Anstieg verzeichnen“, schreiben die WTW-Consultants. Von einer Trendwende könne jedoch noch nicht gesprochen werden. So könnten das von der EZB angekündigte Anleihenkaufprogramm sowie mögliche Änderungen des Ratings von Unternehmensanleihen den Rechnungszins wieder unter Druck bringen. „Die Vola­tilität des Rechnungszinses wird im Jahr 2020 vermutlich weiter anhalten“, heißt es in der Studie. Willis Towers Watson zeigt auf, wie stark der Einfluss des Rechnungszinses ist: „Eine marktbedingte Änderung des Rechnungszinses um einen Prozentpunkt führt zu einer Veränderung der Pensionsverpflichtung um rund 17 Prozent.“ Steigt der Zins, sinkt die Verpflichtung und umgekehrt. Der Einfluss der längeren Lebenserwartung ist vergleichsweise gering: „Eine um ein Jahr abweichende – angenommene – Lebenserwartung der Mitarbeiter und Betriebsrentner führt zu einer Änderung der Pensionsverpflichtung um rund drei Prozent.“
 
Alternatives wirken dämpfend
 
Insgesamt stellt WTW den Pensionseinrichtungen ein positives Zeugnis aus. „Pensionsanleger, die sich für eine höhere Governance und eine Auslagerung der Kapitalanlage entschieden haben, profitieren nun besonders von der höheren Diversifikation“, erklärt Hanne Borst, Leiterin Actuarial Consulting bei WTW. „Insbesondere illiquide Anlagen wie beispielsweise Immobilien oder Infrastruktur dürften den Wertrückgang aufgrund der Bewertungszyklen eher langsam nachvollziehen. Sie wirken daher stabi­lisierend auf Pensionsportfolios. Portfolios, die im Wesentlichen aus liquiden Aktien und Anleihen bestehen, stehen derzeit hingegen stärker unter Druck.“
 
Anke Dembowski 

Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren