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2/2018 | Produkte & Strategien
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Ausweich strategie

Dem Besuch der Finanzmarktaufsicht folgt die Gründung einer Asset-Management-Tochter in Malta – die österreichische Versorgungskasse Fair-Finance löst damit ihre Probleme mit der Aufsicht und nützt die Gelegenheit zu einer strategischen Neuausrichtung. Ethische Bedenken argumentiert der ESG-Pionier weg.

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Anlegen in und auf Malta. Der Inselstaat verfügt neben einer beeindruckenden historischen Kulisse auch über eine Reputation als Steueroase – Fair-Finance hat die weniger überbordende Regulatorik dazu motiviert, hier eine Asset-Management-Tochter zu gründen.

Foto: © fottoo | stock.adobe.com

Tage, die im Kalender mit dem Vermerk „Besuch der Finanzmarktaufsicht FMA“ versehen sind, sorgen bei österreichischen Finanzdienstleistungsunternehmen nicht unbedingt für wochenlange Vorfreude. Allzu oft finden die Kapitalmarktwächter Gründe für Beanstandungen. Im Fall von Fair-Finance passierte das anlässlich einer FMA-Visite im Jahr 2014. Zunächst lief alles gut, dann jedoch die ernüchternde Botschaft: „Verdacht auf Beratergewerbe ohne Konzession.“ Stein des Anstoßes war die Kommunikation von Fair-­Finance mit der in Malta ansässigen Investmentgesellschaft Long Lane Capi­tal & Partners (LLC). An diese hatte die Erste-Sparinvest (ESPA) das Management eines Masterfonds von Fair-Finance ausgelagert. Der Versicherer hat aber laut Ansicht der FMA so direkt und aktiv in die Anlagestrategie eingegriffen, dass es de facto und de jure zu einer Anlageberatung gekommen sei und die Befugnisse im Rahmen der Konzes­sion überschritten wurden.


Kein Weisungsrecht
Zwar gibt die FMA zu dem Fall keine offizielle Stellungnahme ab, aus dem Aufsichtsumfeld ist aber zu hören, dass die Kasse wie ein Asset Manager agiert habe, ohne über die aus Behördensicht dafür notwendigen Ressourcen zu verfügen. Rein rechtlich dürfe Fair-Finance dem Asset Management keinerlei Weisung erteilen. Die Vorwürfe einer Konzessionsüberschreitung wären direkt und persönlich auf die Geschäftsführung rund um Markus ­Zeilinger durchgeschlagen. Im Worst Case hätte der CEO neben anderen Sanktionen seine Position aufgeben müssen. Also fuhr das Management zwei Abwehrstrategien. Zum einen wurden die Vorwürfe ganz offiziell in Abrede gestellt. Demnach könne es sich bei den Anweisungen an LLC gar nicht um eine konzessionspflichtige Anlageberatung handeln, da diese weder gewerblich  noch als Wertpapierdienstleistung für einen Kunden erfolgt seien. Zum anderen einigte man sich informell mit der Aufsicht dahingehend, in Malta eine Tochtergesellschaft zu gründen, die nun tatsächlich über eine Konzession als Asset Manager verfügt. Diese sollte den ESPA-Fonds in Zukunft verwalten. Mit diesem juristischen Kniff wäre das Problem gelöst gewesen – bis Mitte 2017 neuerlich Probleme auftraten. Dem Vernehmen nach dauerte die Konzessionserteilung für die neue Fair-­Finance-Tochter der FMA zu lang, sie machte neuerlich Druck. Erst als rund um den Jahreswechsel 2017/2018 die benötigte Konzession von der maltesischen Aufsicht vorlag, stellte die österreichische Behörde die Untersuchung ein. Fair-Finance verfügt nun über eine eigene Asset-Management-Sparte.
Als Alternative zur komplizierten und mehrere Jahre dauernden Firmengründung einfach auf die Zurufe an das Asset Management zu verzichten, stellt für Zei­linger keine Option dar: „Das aktive, erfolgreiche Veranlagen nach ESG-Kriterien stellt ja unsere Kernkompetenz und unser Alleinstellungsmerkmal dar.“


Dass die Optik trotzdem ein wenig unglücklich ist, liegt auf der Hand: eine Vorsorgekasse, die sich Ethik und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat und ein Tochterunternehmen im vermeintlichen Steuerparadies Malta unterhält? Das wirft Fragen auf, und dieser Tatsache ist sich auch Zeilinger bewusst. Er legt Wert auf die Feststellung, dass es sich um keine wie auch immer geartete Steuervermeidung handelt. „Wir zahlen alles genauso wie zuvor. Da die Mutter ja in Wien ist, wäre eine Steuervermeidung auch gar nicht möglich.“


Er verweist aber auf die Kostenersparnis, die sich durch die weniger komplexe maltesische Regulatorik ergibt. „Dadurch, dass wir das Asset Management von Malta aus betreiben, sparen wir im Vergleich zu einer österreichischen Lösung jährlich rund 100.000 Euro an Kosten ein“, so der Fair-Finance-Chef.


Kostenvorteile waren auch das ursprüngliche Motiv, mit dem Asset Management nach Malta zu gehen. Der ESPA-Masterfonds musste aufgrund ­gesetzlicher Vorgaben von einem Manager verwaltet werden. Die ESPA hätte diesen Service zwar auch angeboten, „das wäre aber doppelt so teuer gekommen wie das Angebot von LLC“. Und so hat Fair-Finance schlussendlich in Malta angelegt.


Not und Tugend
Inzwischen hat das Management der Vorsorgekasse beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. „Als wir die Konzession hatten, dachten wir uns: Warum sollen wir sie nicht gleich nützen und ab jetzt tatsächlich als Asset Manager agieren und so eine zusätzliche Einkommensquelle erschließen?“ Ergo wird per Jahresmitte der Dachfonds fair-­finance multi asset stable in zwei Tranchen mit einer Mindestbeteiligung von einem Anteil respektive 100.000 Euro an den Start gehen. Die beiden Varianten folgen einem ausschüttenden Modell, nach Bedarf kann ab 2019 auch thesaurierend zu einem Mindestinvestment ab einer Million Euro angelegt werden.


Begonnen wird mit einem Volumen von 50 Millionen Euro – diese ersten Gelder kommen von Fair-Finance selbst. Bis Jahresende sollen weitere 50 Millionen von Drittinvestoren hinzukommen. Diese werden sich laut der Vorsorgekasse aus dem bereits bestehenden Kundenstamm rekrutieren. Zeilinger erwartet große Investoren ebenso wie Selbstständige und Freiberufler.


Unterstützen will man die Verdoppelung der Assets under Management durch die günstige I-Tranche, wobei „I“ für „Initial“ steht. Diese kann nur 2018 gezeichnet werden und stellt somit eine Art Frühbucher­bonus dar: Die laufende Verwaltungsgebühr liegt bei 0,35 Prozent per annum. Die herkömmliche Retailtranche schlägt hingegen mit 0,7 Prozent zu Buche. Die 100 Millionen sind Zeilinger wichtig, „weil man ab da wahrgenommen wird“ und in wichtige Benchmarks rutscht.


Anhang:

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