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1/2023 | Produkte & Strategien

Asymmetrisches Alpha

TOP. Eingebettet in ein Single Family Office macht die schweizerische Divas Asset Management das, was sie am besten kann: Alpha mit Value auch in Zeiten von Growth zu generieren, abzulesen am White Fleet IV – DIVAS Eurozone Value I EUR Acc.

Wer auf der Suche nach einem leistungsfähigen Europa-Value-Fonds ist, findet in der Schweiz ein beachtenswertes Angebot.
Wer auf der Suche nach einem leistungsfähigen Europa-Value-Fonds ist, findet in der Schweiz ein beachtenswertes Angebot.

© koya979 | stock.adobe.com

Value-Manager hatten es in den letzten 15 Jahren bis einschließlich 2021 alles andere als leicht, denn nach fetten Jahren für Value war für mehr als eine Dekade mit wenigen kurzen Unterbrechungen Growth angesagt. 2022 gab Value wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich, und wer sich mit Mean Reversion beschäftigt, neigt zur Ansicht, dass das beileibe noch nicht alles gewesen ist. Das bedeutet selbstverständlich Rückenwind für Value-Häuser, denen dieser Favoritenwechsel von Growth zu Value grundsätzlich gelegen kommt. Ganz wenige Asset Manager allerdings haben bewiesen, dass sie auch in schlechten Zeiten für Value imposantes Alpha produzieren können. Einer davon ist die im Oktober 2016 von drei Gründern und ­einem Single Family Office ins Leben gerufene eigentümergeführte Schweizer Investmentboutique Divas Asset Management AG, die mittlerweile gut 900 Millionen Schweizer Franken managt. Man profitiert von der Einbettung in das zehn Milliarden Franken schwere Single Family Office, das in den Bereichen Lebensversicherung und Vermögensverwaltung tätig ist und über 300 Mitarbeiter in ganz Europa verfügt. Während viele Asset Manager damit zu kämpfen hatten, nach dem pandemiebedingten Blitz-Crash vom ­Februar/März 2020 wieder in den Markt zu kommen und an der V-förmigen Erholung schnell und angemessen zu partizipieren, stellte das für den von Divas AM gemanagten White Fleet IV – DIVAS Eurozone Value I EUR Acc kein Problem dar. Die Fondsbezeichnung rührt im Übrigen daher, dass die Credit Suisse die White-Fleet-Plattform anderen Asset Managern für ihre Vehikel zur Verfügung stellt. Zwar hatte der Fonds vor dem Tiefstand von 16. März 2020 einen höheren Drawdown zu verkraften als die Benchmark, der MSCI EMU Net Total Return Local Index, doch dafür ­gelang es in dem daran anschließenden Zeitfenster von zirka eineinhalb Jahren – exakt bis zum 23. September 2021 – ­eine Gesamtrendite nach Kosten von 120,06 Prozent zu erzielen, womit man die Benchmark um stolze 41,35 Prozent hinter sich ließ. Sogar den Nasdaq 100 als typischen Growth-Index konnte man um mehr als zehn Prozent schlagen, dessen Gesamtrendite im besagten Zeitabschnitt 109,75 Prozent betrug. Und das gelang zu einer Zeit, als Value die Blend Benchmark um 5,7 Prozent underperformte.

Nun könnte man einwenden, dass dieses Ergebnis weniger auf Skill bei der Aktienselektion als auf bloßes Glück zurückzuführen sein könnte, zumal der Track Record des am 14. Mai 2019 gestarteten Fonds noch relativ kurz ist. Dem ist aber nicht so, denn als Lead-Fondsmanager agiert ­Hansueli Jost, der im März 2019 zu Divas AM stieß und schon vorher über einen exzellenten Track Record verfügte. So hat Jost in seiner mehr als 30-jährigen Berufslaufbahn zuvor Eurozone-Aktien bei GAM Investment Management und UBS Investment Management gemanagt. Als Co-Manager des Fonds fungiert im Übrigen der ETH-Physiker Dr. Conradin ­Krämer, einer der Mitgründer von Divas AM, der zuvor für das börsennotierte Private-Equity-Haus Partners Group und als Lead Quant bei Julius Bär und Credit Suisse tätig war.

Wenn man nun die von Jost verantwortete Performance des GAM Euroland Value Equity, den er von Ende Mai 2012 bis Ende Februar 2019 managte, sowie seine UBS-Leistung zuvor seit 3. März 2009 miteinbezieht und mit der Performance des White Fleet IV – DIVAS Eurozone ­Value kombiniert, dann entsteht das sogenannte „Eurozone Value Program“, das Divas AM dann mit anderen Eurozone-Fonds namhafter Asset Manager vergleicht. Hier sieht man, dass Jost in dieser Peergroup sowohl über ein als auch drei und fünf Jahre sowie ab 3. März 2009 an der Spitze des Wettbewerbs steht (siehe Tabelle „An der Spitze“). Die jüngeren Ergebnisse – ohne Verbindung mit den beiden früheren Track Records bei GAM und UBS – decken sich im ­Übrigen mit den Bloomberg-Auswertungen, die den Fonds im 98. beziehungsweise 99. Rendite-Perzentil year to date sowie über ein und drei Jahre führen.

Wem dieser verknüpfte Track Record doch etwas zu „getunt“ erscheint und wer dem KISS-Prinzip im Sinne von „Keep it short and simple“ (siehe gleichnamiger Chart) anhängt, dem sei die trockene Analyse der Performance des White Fleet IV – DIVAS Eurozone Value seit Auflage empfohlen. Diese ist noch immer überaus präsentabel, denn es handelt sich um ein fast 40 Prozent kumuliertes Alpha in etwa weniger als vier Jahren oder annualisierte 15,24 Prozent nach institutionellen Kosten, denen 7,55 Prozent per annum der Benchmark gegenüberstehen. Das entspricht einem annualisierten Alpha von satten 769 Basispunkten. Der einzige Schönheitsfehler, wenn man so will, ist, dass das Alpha selbst stark schwankt und im Rumpfjahr 2019 und im ersten Quartal 2020 negativ war. Darauf folgten gut zwei Quartale mit benchmarknaher Performance, ehe der Fonds dann in den letzten gut zwei Monaten 2020 richtig Gas gab und eine hübsche Outperformance generierte. Die flaue Zeit bis zum 16. Oktober 2020 war aber auch eine, in der es eine regelrechte Value-Implosion gab und Eurozone Value um 3.776 Basispunkte Growth underperformte. Das war mehr als zweimal so viel Underperformance von Value versus Growth als in der Finanzkrise 2008/09. Die hohe Schlagzahl der letzten Monate 2020 behielt man dann auch in den folgenden Kalenderjahren 2021 und 2022 bei.

Investmentansatz

Wie hat sich Divas nun aufgestellt, um eine solche Leistung möglich zu machen? Da gibt es einmal aus einem Universum von 85 Aktien eine klassische Short-Liste von Titeln, die sich für das Portfolio qualifizieren, weil sie über eine Sicherheitsmarge (Margin of Safety) von zumindest 30 Prozent verfügen. Das ist der Stoff, aus dem das Portfolio gemacht wird. CEO Daniel Habshush: „Wir verfolgen einen sehr konzentrierten Ansatz, gehen dabei rein valuebasiert und diszipliniert mit einem Bottom-up-Prozess vor, wobei wir Nachhaltigkeitskriterien miteinschließen. Typischerweise sind wir in 25 Aktien der Eurozone investiert, denen ein Startgewicht von 3,5 Prozent zugeordnet wird.“ Von Benchmark-Hugging hält man nichts, bewegt sich doch der Active Share des ­konzentrierten Portfolios der „Best Ideas“ typischerweise in Regionen um 85 Prozent. Large Caps dominieren, aber auch den einen oder anderen spannenden Mid-Cap-Titel findet man im Portfolio. Entwickelt sich ein Titel in die ­falsche Richtung und der Investment Case stimmt noch, wird nach einem Rückgang um 20 bis 30 Prozent ein Rebalancing überlegt. Falls der Case einer Überprüfung nicht standhält, wird der Titel verkauft und ein anderer Titel rückt nach. Das maximale Positionsgewicht beträgt sechs Prozent. Es gilt „Kauf in der Schwäche, verkaufe in die Stärke“, Letzteres speziell dann, wenn der Fair Value erreicht ist.

Auch wenn es lange out war, kann es mitunter sehr schnell gehen, dass Value auf einmal wieder Everybody’s Darling wird. So geschehen Ende Mai / Anfang Juni 2020, als die Flows, die für konstante Zuflüsse nach Amerika sorgten, plötzlich nach drei Jahren drehten und innerhalb einer Woche US-Gelder ihren Weg an Europas Aktienbörsen fanden. Der Divas Eurozone Value war dafür topgerüstet: „Den Nettoinventarwert unseres Fonds hat das in fünf Handelstagen von 29. Mai bis 5. Juni 2020 um 18,3 Prozent gesteigert, wobei wir die Benchmark um 895 Basispunkte hinter uns ließen“, sagt Fondsmanager Hansueli Jost nicht ohne Stolz.

Was Divas AM von vielen Wettbewerbern unterschiedet, ist, dass die Asset-Management-Industrie dazu tendiert, überzudiversifizieren und sich in Details zu verlieren. Ein ­Dickicht von irrelevanten Informationen verneble dann vielen die Sicht und halte sie davon ab, tiefgründige Analysen der Geschäftsmodelle der Portfoliofirmen durchzuführen, so Habshush. Außerdem seien viele als Benchmark-Hugger aufgestellt. „Typischerweise kommt Alpha nur aus zirka 20 Aktien“, sagt Jost. Die anderen Aktien seien eher Performancebremsen und dienten nur der Ablenkung des Fondsmanagers. Einer der Leitsätze bei Divas ist, sich selbst gegen Murphys Gesetz zu schützen. Dieses besagt ja bekanntlich: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. “ Daher vermeidet man Overconfidence. Denn diese würde sich in ­höheren Gewichtungen niederschlagen, weil es an Objektivität mangelt. Und wenn dann bei Aktien mit hoher Gewichtung etwas Negatives passiert, wirkt das vernichtend. Das Zauberwort heißt „Alpha-Management“. Denn Alpha kann schließlich bei sinkenden Aktienkursen auch steigen und bei steigenden Kursen fallen. Und Alpha zu realisieren kann auch einmal heißen, einen Verlust mitzunehmen.

Angemessene Gebühren

Die Leistung kann sich sehen lassen. Die fixe Managementgebühr von 80 Basispunkten scheint angemessen, dazu kommt noch eine – nicht verhandelbare – Performance Fee von zehn Prozent auf das Alpha. Diese wird nur dann fällig, wenn die Outperformance zur Benchmark ein neues Hoch erreicht. Das Fondsvolumen hat sich seit Ende Oktober 2021 auf gut 200 Millionen Euro verdoppelt. Die Kapazität der Strategie liegt bei einer Milliarde, ein Soft Closing wurde dafür bereits angekündigt. Der White Fleet IV – DIVAS Eurozone Value glänzt als High-Alpha-Satelliteninvestment in einer institutionellen Euro-Aktien-Tangente.

Dr. Kurt Becker

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