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4/2018 | Produkte & Strategien
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Anfang eines Megatrends?

Ursprünglich ein Nischenthema, entwickeln sich nachhaltige Schwellenländeranleihenfonds zu ­einem ernst zu nehmenden Marktsegment. Und die Industrie reagiert auf das wachsende Investoreninteresse mit einem zwar langsam, aber stetig zunehmenden Angebot an ESG-EMD-Fonds.

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Aktuell ist das Angebot an Schwellenländeranleihenfonds, die einen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, vergleichsweise klein, ­angesichts der Nachfrage könnte sich das aber bald ändern.

© berenberg, Bits and Splits | stock.adobe.com

Die Lancierung der neuen ESG-Emerging-Markets-Bond-Index-Reihe (JESG) von J.P. Morgan kam offenbar zur rechten Zeit und scheint den derzeitigen Geschmack institutioneller Investoren zu treffen. Ein Beispiel dafür ist die niederländische Versicherungsgesellschaft a.s.r. Die aus der ehemaligen Fortis-Versicherung hervorgegangene Adresse wollte erst gar nicht lange abwarten, wie sich die neuen JESG-Indizes in der Praxis bewähren. Ganz im Gegenteil: Die Assekuranz gehört zu den Investoren der ersten Stunde eines von BlackRock aufgelegten ETFs auf die Hartwährungsvariante der JESG-Index-Familie. Das hat dafür gesorgt, dass der Ende September 2018 lancierte iShares J.P. Morgan ESG $ EM Bond UCITS ETF ­bereits kurz nach dem Start ein Fondsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro aufweist. Dies lässt vermuten, dass institutionelle Inves­toren auch im Bereich Schwellenländeranleihen nicht auf einen Nachhaltigkeitsansatz verzichten wollen und durchaus bereit sind, dafür auch „Pionierarbeit“ in Form von Startgeldern zu leisten.

ESG-Spezialfonds

Als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit sieht sich auch die VBV Vorsorgekasse, die sich bereits vor einigen Jahren einen eigenen ESG-EMD-Spezialfonds maßschneidern ließ. „Der VBV VK Emerging ESG Bond Fund wurde bereits 2012 aufgelegt, um die hauseigene Rentenstrategie breiter aufzustellen und von einem attraktiven Marktsegment zu profitieren“, erklärt Günther Herndlhofer, Anlagechef bei der VBV Vorsorgekasse, im Gespräch mit Institutional Money. „Denn die in den Emerging Markets gebotenen Carrys sind im Vergleich zu den in Europa oder anderen entwickelten Ländern gebotenen Zinsen besser“, ergänzt Herndlhofer.

Der mehr als 105 Millionen Euro Volumen schwere Spezialfonds der VBV inves­tiert im Rahmen eines flexiblen Investmentansatzes sowohl in EM-Hart- als auch ­Lokalwährungsanleihen sowie in EM Corporate Bonds. Wobei die Risiken von ­Lokalwährungsanleihen nur in „lukrativen Zeitfenstern“ eingegangen werden sollen. Mindestratinganforderungen bestehen nicht. Die Qualität ist aber durch interne Anlagenrichtlinien gesichert: Denn jedes im Fonds gehaltene Papier benötigt eine Notierung an einem OECD-Marktplatz. Da zum Zeitpunkt der Fondsauflage im Jahr 2012 keine geeignete ESG-EMD-Benchmark existierte und auch das Anlageuniversum sehr breit ist, erfolgt die Performancemessung der Einfachheit halber anhand einer Absolute-Return-Benchmark.

Der Verzicht auf gewisse Anleihen hat sich für die VBV bereits gerechnet: Aufgrund des Nachhaltigkeitsfilters finden beispielsweise Emittenten wie Russland keine Portfolioberücksichtigung. Das zahlte sich vor allem in den Jahren 2014/15 aus, als Russland und seine Währung ganz oben auf den Verkaufslisten internationaler Investoren standen und russische Wertpapiere stark im Kurs fielen. Der VBV-Spezialfonds war aufgrund des Verzichts auf russische Staatsanleihen vom Ausverkauf nicht betroffen und zählte aus diesem Grund temporär zu den besten Fonds seiner Peergroup.

Nachhaltige Genossen

2012 ließ aber nicht nur die VBV, sondern auch ein anderer Großanleger einen ESG-EMD-Spezialfonds auflegen. Seit 2016 können an der von Union Investment gemanagten Strategie aber auch andere ­Investoren über einen institutionellen Publikumsfonds partizipieren. Kurz zum Ansatz und den wichtigsten Stellschrauben: Der UniInstitutional EM Corporate Bonds Low Duration Sustainable investiert in EM-Unternehmensanleihen in Hartwährung, wobei Staatsanleihen in Höhe von bis zu 20 Prozent beigemischt werden können. Auf Portfolioebene muss das Durchschnittsrating mindestens „BBB–“, auf Einzeltitelebene mindestens „B–“ betragen. Die HY-Bond-Quote ist limitiert mit 35 Prozent, die Duration des Gesamtportfolios mit 3,5 Jahren. Währungsrisiken gegenüber dem Euro werden abgesichert. Der mit der kurzen Duration verbundene sicherheitsorientierte Ansatz ist mitverantwortlich dafür, dass 2017 lediglich 1,71 Prozent Rendite erzielt wurden. Dafür gab es im schwierigen Anlagejahr 2018 bis Ende Oktober nur einen relativ kleinen Rücksetzer von 2,7 Prozent.

Bei der Nachhaltigkeitsanalyse setzt das Fondsmanagement von Union Investment auf die proprietäre Plattform Sustainable ­Investment Research Information System (SIRIS). An diese sind verschiedene Nachhaltigkeitsdatendienstleister angebunden, wobei natürlich auch das intern generierte Union-Investment-Nachhaltigkeitsresearch einfließt. Über mangelnde SRI-Informationen können die Fondsmanager daher nicht klagen: Über ­SIRIS sind Daten und Informationen zu insgesamt 95 Staaten und 13.000 Unternehmen für insgesamt 59.000 Wert­papiere abrufbar.

Unterschiedliche Bonitäten

Ebenfalls auf das Potenzial von EM Corporate Bonds mit einem Fokus auf Sicherheit, genauer gesagt auf Bonitäten im Bereich Investment Grade, setzt der im ersten Quartal dieses Jahres an den Start gegangene UBAM – EM Sustain­able High Grade Corporate Bond. Wesentlich länger für Investoren verfügbar ist der 2013 von Erste Asset Management lancierte EM-Unternehmensan­leihenfonds Erste Responsible Bond Emerging Corporate, bei dem das Mindestrating der erwerbbaren Anleihen jedoch nur „B–“ betragen muss. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Anleihen von EM-Unternehmen mit einem Rating unter ‚B–‘ das Risiko nicht wert sind“, meint Fondsmanager Peter Varga, der seine langjährige Erfahrung mit dem seit 2007 existierenden „klassischen“ Espa Bond Emerging Markets Corpo­rate mit einem branchenüblichen SRI-Selektionsansatz kombiniert: So werden Emissionen von Unternehmen aus den ­Bereichen Gentechnik oder von Herstellern geächteter Waffen nicht gekauft. Eine relativ lange Historie weist auch der nächste Fonds auf, wobei dieser ein anderes Anlageuniversum hat.

Pragmatischer Ansatz

Interessanterweise hat nicht ein Asset Manager aus Europa, das sich im Vergleich zu den USA als Vorreiter in vielen Nachhaltigkeitsbelangen sieht, den ersten ESG-EMD-Fonds des von Institutional Money identifizierten Anlageuniversums aufgelegt, sondern ein Vermögensverwalter aus den USA. Es handelt sich um Pimco aus Kalifornien. Bereits 2010 lancierte die Allianz-Fondstochter eine in US-Dollar denominierte Anteilsklasse des PIMCO GIS Socially Responsible Emerging Market Bond Fund, 2013 folgte eine in Irland domizilierte Euro-Anteilsklasse, die auch in der Fondstabelle „Schwellenländeranleihenfonds mit ESG-Ansatz“ zu finden ist.

Das Anlageuniversum des Pimco-Fonds orientiert sich am EM-Hartwährungs-Staatsanleihenindex JP Morgan Bond Index (EMBI) Global, wobei ein zusätzlicher SRI-­Filter nicht akzeptable Emittenten aus dem Anlageuniversum ausschließt. Staaten, die diese Selektion überstehen und nur eine ­unterdurchschnittliche Nachhaltigkeitsbeurteilung haben, werden im Portfolio untergewichtet, aber nicht gänzlich daraus entfernt. Auf diese Weise soll eine zu große Abweichung von der Benchmark vermieden und Fondsinvestoren weiterhin die Chance geboten werden, am Renditepotenzial dieser ESG-Nachzügler zu partizipieren. Ein Blick ins Portfolio wies Mitte Oktober 2018 unter den Top-Drei die Länder Mexiko, Indonesien und Argentinien aus. Unter den Top-Zehn fanden sich aber auch Anleihen von Nationen wie der Türkei, China oder Russland, die aufgrund von Governance- und Menschenrechtsverstößen bei vielen anderen ESG-EMD-Fonds keine oder nur ­bedingt Aufnahme finden. Unterm Strich akzeptieren Investoren Pimcos pragmatische Herangehensweise bei der Anleihenauswahl: Immerhin hat der Fonds inzwischen ein Volumen von rund 470 Millionen Euro sowie vier Morningstar-Sterne

Institutionen im Blick

Mehr als das Dreifache an Fondsvolumen im Vergleich zum Pimco-Fonds, nämlich 1,3 Milliarden Euro, hat der 2013 lancierte, von Morningstar mit fünf Sternen ausgezeichnete DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable von Degroof Petercam AM (DPAM). Das Fondsmanager-Duo Michael Vander Elst und Carl Vermassen erwirbt für das aus zwischen 40 und 100 Einzeltiteln bestehende Portefeuille Anleihen von Staaten, Gebietskörperschaften oder internationalen Organisationen öffentlich-rechtlichen Charakters, beispielsweise der Weltbank. Der Schwerpunkt liegt auf Lokalwährungsanleihen, Emissionen in Währungen wie US-Dollar oder Euro sind mit 30 Prozent – gemessen am Portfolio – begrenzt. DPAM ist bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie aber wesentlich strenger als Pimco.

Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie teilt DPAM die Länder über ein Scoring-­System in vier Quartile ein. Dabei gewichtet DPAM Anleihen aus dem Topquartil im Portfolio mit mindestens 40 Prozent. Im Gegensatz dazu werden Bonds aus dem letzten Quartil mit maximal zehn Prozent gewichtet. Und dies erfolgt auch nur dann, wenn Emittenten Verbesserungen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit sowie darüber ­hinaus interessante Renditen aufweisen. Besonders wichtig sind Co-Fondsmanager Vermassen bei der Analyse Kriterien wie Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und im Speziellen die Einhaltung demokratischer Werte, die als wesentliche Treiber zukünf­tiger Anleihenkursentwicklungen gelten. So werden die von der Organisation Freedom House als „unfrei“ beurteilten Länder respektive deren Emissionen nicht erworben. „Eine aktuelle Studie der Weltbank zeigt, dass eine negative Korrelation zwischen der Qualität der Institutionen eines Landes und der Wahrscheinlichkeit eines staatlichen ­Defaults besteht“, begründet Vermassen ­gegenüber Institutional Money die strenge Herangehensweise, um anzufügen: „Wir ­haben mehr als zehn Jahre Erfahrung beim Nachhaltigkeits-Screening von Ländern.“

Diese Erfahrung zahlt sich offenbar aus. Laut Bloomberg-Daten gehört der DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable zu den Topfonds seiner Peergroup und liegt auf Sicht von einem Jahr und fünf Jahren im Top­dezil, über drei Jahre im Topquintil. Das ­generierte Alpha kommt dabei laut DPAM zu zirka zwei Dritteln aus dem klassischen aktiven Portfoliomanagement und zu einem Drittel aus der SRI-Analyse. Vor allem in den Jahren 2014/15 und 2018 konnte man im Branchenvergleich bei der Performance gegenüber dem klassischen J.P.-Morgan- EMD-Index überzeugen. Für die Outper­formance hilfreich war ein Weglassen der Anleihen Russlands oder Chinas wegen der Nichteinhaltung von Menschenrechten. Aber auch dieses Jahr wird auf strenge Selektion geachtet: So soll DPAM das Türkei-Exposure „rechtzeitig“ auf nunmehr null reduziert haben. „In stressigen Marktphasen spielt der Nachhaltigkeitsfilter seine Stärke aus“, bricht Vermassen eine Lanze für seinen ESG-Ansatz.

Von DPAM zu Vontobel

Vontobel AM warb Anfang dieses Jahres von DPAM mit Thierry Larose einen der Fondsmanager des DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable ab und vertraute ihm als Senior Portfolio Manager den hauseigenen Sustainable Emerging Markets ­Local Currency Bond an. Ausgestattet mit mehr als drei Jahrzehnten an Branchenerfahrung verfolgt Larose im Bereich Lokalwährungsanleihen einen benchmarkfreien Total-Return-Ansatz auf Basis einer High-Conviction-Strategie unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeits­kriterien. Zusätzlich versucht sich Larose bei Marktverzerrungen auch als „Contrarian“. Wie bei seinem alten DPAM-Team schwört er auch bei seinem neuen Fonds auf die Wichtigkeit von nachhaltigen und transparenten Strukturen staatlicher ­Institutionen und den Ausschluss undemokratischer Regimes. Dem Fondsmanager zufolge haben nachhaltig eingestufte Länder im Durchschnitt bessere Ratings als nicht nachhaltige Länder: So konnten seit 2007 als nachhaltig eingestufte Länder ihre Kreditratings konstant halten, während nicht nachhaltige Länder erhebliche Herabstufungen hinnehmen mussten. „Ein Land, das bestrebt ist, die Nachhaltigkeit zu verbessern, wird letztendlich ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum ausweisen können“, betont Larose.

Nachhaltige „Supras“

Auf einen etwas anderen Ansatz setzt das Fondsmanagement des Macquarie Sustain­able EM LC Bond Fund. Investiert wird in auf Lokalwährungsanleihen lautende Anleihen von supranationalen Emittenten (Supras) wie der Weltbank oder der Europäischen Entwicklungsbank, die ihrerseits zu den größten Emittenten von grünen Anleihen zählen. Trotz deren Bonitäten im Triple-A-Bereich zahlen diese Supranationals bei Lokalwährungsanleihen hohe Kupons, die im Einklang mit dem hohen Zinsniveau der Entwicklungsländer stehen. Zuletzt ­boten die im Macquarie Sustainable EM LC Bond Fund enthaltenen AAA-Anleihen in Lokalwährung eine durchschnittliche Rendite von fast acht Prozent.

Strikte Trennung

Vom steigenden Investoreninteresse an nachhaltigen EMD-Fonds will auch Berenberg profitieren. Der Hamburger Vermögensverwalter legte Anfang 2018 den Berenberg Sustainable EM Bonds auf. Investoren erhalten über dieses Gefäß EM-Expo­sure in Staats- und Unternehmensanleihen in Hartwährung, wobei der Schwerpunkt auf Staatsanleihen respektive staatsnahen Emittenten liegt. Das durchschnittliche ­Rating des Portfolios liegt im Investment-Grade-Bereich.

Neben harten Ausschlusskriterien beinhaltet der Investmentprozess einen dreitei­ligen „Best in Class“-Ansatz, der nur die besten Staaten und Unternehmen basierend auf ihrem Nachhaltigkeits- und Finanzrating sowie ihrer fundamentalen Stärke selektiert. Erwähnenswert ist, dass Berenberg bei der Anlageauswahl eine relativ große Anzahl von rund 40 Grenzwerten und Ausschlusskriterien definiert hat.

Institutional Money fragte bei Berenberg nach, ob das nicht etwas zu viele Restriktio­nen seien. Laut Fondsmanager Frederic Waterstraat berücksichtigen er und sein Team insgesamt 15 Kriterien für Staaten und 25 Kriterien für Unternehmen. Dabei handle es sich teilweise um harte Ausschlusskriterien, aber auch um fest definierte Schwellenwerte. „Dieser Umfang ist aus unserer Sicht erforderlich, damit auf unserem Fonds nicht nur Nachhaltigkeit draufsteht, sondern auch drinsteckt“, betonte ­Waterstraat. Da wegen des strikten Katalogs an Negativkriterien viele staatliche Emit­tenten aus dem Anlageuniversum fallen, beispielsweise China oder die Türkei, werden aus Diversifikationsgründen auch nachhaltige EM-Unternehmensanleihen gekauft. Laut Waterstraat sei sein Haus bei der Auswahl der Ausschlusskriterien mit vielen Nachhaltigkeitsinvestoren in den direkten Austausch gegangen, um die größtmögliche Schnittmenge herauszufinden: Auf Staatenseite gehören fehlende demokratische Werte, die praktizierte Todesstrafe, ein zu hoher Anteil an Atomenergie oder ein zu hohes Militär­budget zu den Ausschlusskriterien. Auf ­Unternehmensseite sei die Einhaltung der UN Global Compact Principles erforderlich. Darüber hinaus werden Hersteller kontroverser Waffen kategorisch ausgeschlossen. „Wir differenzieren bei unseren Nachhaltigkeitsanalysen strikt zwischen Ländern und Unternehmen“, erklärt Waterstraat. Dementsprechend können auch Unternehmen, die ihren Firmensitz in einem nicht nachhaltigen Land haben, in das Portfolio gelangen, sofern sie den insge­samt 25 notwendigen Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen entsprechen. „Diese konsequente Deselektion von nicht-ESG-konformen Ländern beziehungsweise Unternehmen soll die Eventrisiken deutlich senken und die Performancecharakteristik signi­fikant stabilisieren.“   

Anton Altendorfer


Anhang:

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