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1/2026 | Produkte & Strategien

Alternativen gefragt

Eine groß angelegte Umfrage des Bundesverbands Alternative ­Investments (BAI) unter Profianlegern aus der DACH-Region mit Schwerpunkt ­Deutschland bietet Einblicke in Private-Markets-Investitionen und zeigt, welche ­Veränderungen in institutionellen Portfolios geplant sind.

„Ziel des BAI Investor Surveys ist es, die Transparenz in den Private Markets zu erhöhen und ein tieferes Verständnis dafür zu vermitteln, wie und warum institutionelle Investoren in Deutschland in alternative Anlagen investieren – nicht nur heute, sondern auch in Zukunft“, erklärt Dr. Philipp Bunnenberg, Leiter Alternative Markets beim Bundesverband Alternative Investments (BAI), die Beweggründe für die Erstellung der Publikation seines Hauses.
Für den im vierten Quartal 2025 veröffent­lichten „BAI Investor Survey 2025“ befragte der BAI 107 institutionelle Investoren (LPs, Limited Partners), die über 2,23 Billionen Euro an Vermögen verwalten und ihren Hauptsitz im DACH-Raum haben. Die überwiegende Mehrheit der institutionellen Asset Owner kommt dabei aus Deutschland und umfasst Versicherungen (38 %), Pensionsfonds/Pensionskassen/CTAs (23 %), Family Offices (15 %) oder Versorgungswerke (14 %), um nur die wichtigsten Investorengruppen zu nennen. Zusätzlich flossen in die Studie Einschätzungen von 147 BAI-Mitgliedsunternehmen (davon 95 global agierende Asset Manager – Global Partners – sowie 52 Dienstleister) ein, um das Gesamtbild abzurunden.

Erfahrene Profianleger

Die befragten Institutionellen (LPs) scheinen über große Erfahrung im Bereich der Alternative Investments zu verfügen. Auf Basis einer Selbsteinschätzung und einer vorgegebenen Skala von 1 (unerfahren) bis 6 (sehr erfahren) erklärten mehr als sechs von zehn Institutionellen (61 %), dass sie sich in den Stufen 5 oder 6 einordnen würden. Zum Vergleich: Für Stufe 1, also die Anfängerkategorie, entschieden sich nur 2,8 Prozent der Profianleger.

Ihre Erfahrungen sammelten Institutionel­le über Engagements in einer Vielzahl an unterschiedlichen Alternative-Investment-Segmenten. In diesem Zusammenhang erhob der BAI, wie viele Prozent der befragten Institutionellen jeweils (in den von der Studie abgedeckten) insgesamt 15 Alternative-Investment-Segmenten Gelder allo­kieren. Die meisten Investoren (jeweils 79 %) waren im Jahr 2025 in den Segmenten „Corporate Private Equity“ und „Infra­structure Equity“ allokiert. Diese beiden Segmente bilden laut Studienautor Bunnenberg das Rückgrat der meisten Alternative-Portfolios. Weitere Stützen für die Alter­native-Portfoliotangente waren zuletzt „Real Estate Equity“ (73 %) und „Corporate Private Debt“ (72 %). In welchen Segmenten Institutionelle noch investiert waren und welche Steigerungen der BAI für 2026 prognostiziert, können Sie der Grafik „Allo­kierte Investoren“ entnehmen.

Alternative Nischen

Beobachtungen von Bunnenberg zufolge nehmen auf lange Sicht Portfoliodiversifizierungen im Bereich alternative Anlagen stetig zu, wovon ehemalige Nischenbereiche wie Risikokapital, Kreditspezialitäten, Insurance Linked Securities (ILS), Naturkapital, aber auch andere Sachwerte profitieren und schlussendlich in immer mehr insti­tutionellen Portfolios Aufnahme finden. Ihre Aussichten bleiben entsprechend positiv, dieser Langfristtrend dauert an. „Wir gehen davon aus, dass immer mehr Anleger ihre Private-Markets-Portfolios mit zusätzlichen Anlageklassen diversifizieren werden“, prognostiziert Bunnenberg.

Obwohl der BAI die zukünftigen Aussichten für Alternative Investments langfristig als gut einschätzt, offenbart die jüngste BAI-Studie kurzfristig eine divergierende Bewegung im Beobachtungsjahr 2025, was die absolute Anzahl der allokierten Segmente anbelangt. Denn die Diversifizierung der Portfolios innerhalb der Alternative Investments hat 2025 im Vergleich zum Jahr 2024 im Durchschnitt gegen den langjährigen Trend nicht weiter zugenommen und offenbar eine „Atempause“ eingelegt.

Im Detail zeichnen sich Bunnenberg zufolge zwei gegenläufige Entwicklungen ab: Einerseits diversifizieren mehr Anleger denn je (34 %) über sieben oder mehr alternative Segmente. Andererseits habe sich 2025 im Vergleich zur 2024-Umfrage laut Bunnenberg eine ebenso große Gruppe von Investoren aus einem Teil der alternativen Segmente zurückgezogen. Sie setzen fortan auf ein Kernportfolio von zwei bis drei verschiedenen alternativen Segmenten. Einen dezidierten Grund für die partielle und wohl temporäre Selbstbeschränkung ­dieser Investorenminderheit nennt die Studie leider nicht. Ob dies vielleicht – wohl auch aufgrund des „Denominator“-Effekts – an der mittlerweile relativ hohen absoluten Gewichtung von alternativen Investments im Gesamtportfolio liegen könnte, die einige Investoren vorsichtig stimmt? Oder gar an enttäuschten Erwartungen hinsichtlich der Rendite oder des Diversifikationsverhaltens? Antworten darauf versucht die Studie in den nachfolgenden Kapiteln zu finden.

Relativ hohe Gewichtung

Bei der Eruierung der prozentualen Ge­wich­­tung von alternativen Investments im Gesamtportfolio wollte es der BAI ganz genau wissen und setzte dabei auf drei unterschiedliche Methoden der Datenverwertung.

Bei der ersten Methode fragte der BAI ausschließlich Institutionelle (Limited Partners), die tatsächlich in Alternative Investments allokiert sind, nach ihren jeweiligen Gewichtungen im Jahr 2025. Aufgrund dieser statistischen Nichtberücksichtigung von Null-Allokationen und des damit einhergehenden verzerrenden Effekts kamen bei der ersten Methode im Ergebnis relativ hohe Gewichtungen einzelner alternativer Segmente heraus. So erreichten beispielsweise „Kryptowährungen und tokenisierte Vermögenswerte“ auf Ebene des Gesamtportfolios eine Gewichtung von rund fünf Prozent. In Summe kamen alle Alternative Investments zusammen auf fast 71 Prozent Portfoliogewichtung.

Da diese Werte nicht die wahre Realität von „typischen“ institutionellen Portfolios abbilden, die in der Regel Anleihen und Aktien am höchsten gewichten, wurden bei der zweiten, plausibleren Methode bei der Datenauswertung auch jene Investoren mitberücksichtigt, die keine Allokationen in den jeweiligen alternativen Segmenten hatten.

Realistischeres Bild

Die vom BAI über Methode zwei gewonnenen durchschnittlichen Gewichtungen bilden ein realistischeres Bild heimischer Großanlegerportfolios ab als Methode eins, wie ein paar ausgewählte Zahlen zeigen: Die höchste durchschnittliche Gewichtung hat „Real Estate Equity“ mit 9,29 Prozent, gefolgt von „Corporate Private Equity“ mit 6,13 Prozent. „Kryptowährungen und tokenisierte Vermögensverwerte“ kamen auf (diesem hochriskanten und volatilen Segment angemessene) niedrige 0,14 Prozent.

In Summe erreichten bei Methode zwei, die auf Durchschnittswerte setzt, Alter­native Investments eine Gewichtung auf Ebene des Gesamtportfolios von 30,31 Prozent. Dieser Wert ist relativ hoch und beruht wohl auf einem „Bias“ oder zumindest einer hohen „Alternative-Investment-Affinität“ der dem BAI zur Verfügung stehenden Beobachtungsgruppe. Angesichts der 30,31 Prozent Gewichtung meint der BAI, dass die Portfolios deutscher institutioneller Investoren sehr „alternativlastig“ ­werden. Erklärbar sind diese Werte allemal, wenn man sich zahlreiche deutsche Versorgungswerke vor Augen führt, die Immobilienquoten von bis zu 30 Prozent aufweisen, oder gar an das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin (VZB) denkt, das laut Medienberichten mehr als die Hälfte seines Gesamtportfolios in Alternative Investments steckt.

Size Matters

Über Methode drei eruierte der BAI, ob eine Auswertung nicht rein nach Durchschnitten (wie bei Methode zwei), sondern zusätzlich über eine Berücksichtigung der Höhe der von den Befragten verwalteten Assets under Management wesentlich andere Ergebnisse bringen würde. Beim Gesamtergebnis über Methode drei ändert sich jedoch nur wenig: Alternative Investments weisen eine Gewichtung von 30,85 Prozent in institutionellen Portfolios auf. Bei den einzelnen Alternative-Investment-Segmenten kam es jedoch zu einigen kleineren, aber doch nennenswerten Änderungen. Immobilien erreichen mit 7,72 Prozent Gewichtung zwar noch immer die höchste Gewichtung, auf Platz zwei liegt aber nicht wie bei Methode zwei „Corporate Private Equity“ (alt: 6,13 %, neu: 4,81 %), sondern „Infrastructure Equity“ mit 5,69 Prozent.

Diese Ergebnisse sind plausibel: Denn die deutschen Versicherungen mit ihren milliardenschweren Portfolios tendieren seit einigen Jahren aus strategischen Gründen zu höheren Gewichtungen im Bereich Infra­struktur, wozu beispielsweise auch das beliebte Subsegment „Erneuerbare Energien“ zählt. Diese Infrastrukturinvestments sollen den Bedarf an stabilen, inflationsgeschützten Cashflows abdecken und bringen im Best Case regulatorische Vorteile, beispielsweise unter dem Versicherungsregime „Solvency II“. Kleinere Institutionelle, beispielsweise Stiftungen oder Family Offices, die wenig bis gar nicht bei ihrer Anlagepolitik eingeschränkt sind, neigen hingegen nicht nur zu höheren ­Alterna­tive-Investment-Quoten insgesamt, sondern innerhalb dieser auch zu riskanteren, aber renditekräftigeren Investments, beispielsweise Corporate Private Equity oder Real Estate Equity. Einen detaillierten Vergleich können Sie der Grafik „Allokationen unter der Lupe“ entnehmen. Nach Erfassung des „Ist“-Zustands ging der BAI der Frage nach, welche Änderungen Investoren zukünftig planen.

Geplante Umschichtungen

Portfolioumschichtungen sind oftmals eine Reaktion darauf, ob Institutionelle mit ihren bisherigen Investments zufrieden oder unzufrieden sind. Daher zeichnete der BAI mit der Frage nach zukünftigen Umschichtungen auch ein Stimmungsbild unter den Investoren. Diesem zufolge sind die Befragten insbesondere enttäuscht von ihren Immobilieninvestments. Dies gilt zum Teil für „Real Estate Equity“, aber insbesondere für „Real Estate Debt“. Gründe dafür sind die Zinswende und die damit einhergehenden Wertverluste bei vielen Immobilien, die nicht nur Eigenkapital­geber, sondern auch Fremdkapitalgeber belasteten. Positiv gestimmt sind Institutionelle hingegen für „Corporate Private Debt“, wo sich Investoren höhere Renditen als bei klassischen Anleihen erhoffen, und für das Segment „Hedge Funds / Liquid Alternatives“. Infrastruktur erfreut sich ebenfalls hoher Zufriedenheitsgrade, was sich in den geplanten zukünftigen Investments zeigt: Investoren wollen am öftesten im Segment Infrastruktur sowohl bei Eigen- als auch als Fremdkapitalinstrumenten ihre Allokationen erhöhen. Wie hoch die geplanten Umschichtungen konkret in Zahlen gegossen ausfallen, zeigt das Schaubild „Geplante Umschichtungen“.

Fazit: Die Ergebnisse des BAI Investor ­Survey 2025 verdeutlichen, dass Alternative Investments dem Nischendasein endgültig entwachsen sind. Trotz einer temporären Konsolidierung bleibt der langfristige Trend intakt.

Anton Altendorfer

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