Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Ad

Kostenoptimierung mit ETFs - aber bitte nachhaltig

Wie ESG Kriterien in ETFs berücksichtigt werden und auf diese Weise nachhaltig sowie effizient investiert werden kann, erläutert der ETF-Spezialist Michael Huber von Invesco beim Investmentforum am 4. Juni in Frankfurt. Erfahren Sie mehr!

 

Anzeige
1/2019 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

10.000 Jahre alte Assetklasse

Infrastructure Debt wird für immer mehr Großanleger zu einem ernstzunehmenden Anlagethema. ­Allerdings erfordert die Materie einige Beschäftigung, denn diese Assetklasse erschließt sich dem Anleger nicht so einfach. Orientierung dafür gab es am 12. Institutional Money Kongress in Frankfurt.

1553852666_750_5638_36.jpg

Schon im alten Mesopotamien hielten die Herrscher die Hand auf, wenn es um die Finanzierung von Infrastrukturinvestments ging. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Immerhin stellt das Thema für institutionelle Anleger eine interessante Diversifikationsmöglichkeit dar.

© FRANK HUETER, GMF

Infrastruktur ist in den letzten Jahren in den Interessenfokus institutio­neller Investoren gerückt“, erklärte Susanne Effenberger, Portfolio Managerin Immobilien & Alternative Investments bei Helaba Invest, in ihrem Workshop am Institutional Money Kongress in Frankfurt. Hier erfuhren die Profianleger auch, dass das Modethema „Infrastruktur“ alles andere neu ist: „Infrastruktur ist schon seit 8.000 vor Christus eine Anlage­klas­se. Es begann in Mesopo­tamien, als 500 Arbeiter im Auftrag der öffentlichen Hand einen Tempel bauten. Weiter ging es in der Geschichte mit Stadtmauern und Bewässerungsan­lagen“, spannte Effenberger in ihrem Vortrag den historischen Bogen beginnend beim Tempelbau über die befestigten Straßen des römischen Imperiums, die Verlegung von Eisenbahnschienen und elektrischen Leitungen bis hin zum aktuellen Breitbandnetzausbau, um mit Bezug auf die Gegenwart die Wichtigkeit einer gut ausgebauten Infrastruktur zu betonen. „Die Infrastruktur hat einen erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.“

Der Inves­titionsbedarf in Infrastruktur ist laut einer McKinsey-­Studie aus dem Jahr 2017 enorm: Weltweit müssten bis 2035 rund 70 Billionen US-Dollar, europaweit ­immerhin rund zehn Billionen US-Dollar investiert werden. Dass da­raus eine „Assetklasse“ wird, verdanken wir der hohen Verschuldung vieler Kommunen und Staaten in ­aller Welt. Entweder die Infrastruktur wird zu einem Geschäft, an dem Investoren verdienen können, oder sie wird nicht errichtet. Ob die ­Anleger Eigenkapital aufbringen oder Fremdkapital zur Verfügung stellen, ist dabei aus Sicht der ­öffentlichen Hand nicht entscheidend. Auf Seiten der Anleger stellt sich diese Frage hingegen sehr wohl. Da ­Infrastruktureigenkapital, sei es börsennotiert oder im Rahmen von Private Equity, derzeit als hoch bewertet und damit korrekturanfällig angesehen wird, ist in vielen Fällen die Fremdfinanzierung aus Anlegersicht attraktiver. Nicht zuletzt deshalb widmeten wohl UBS Asset Management und AXA Asset Management ihre Vorträge in Frankfurt dem Thema „Infrastructure Debt“.

Dass in den beiden Workshops europäische Investments thematisiert wurden, lag dabei nicht an den europäischen Wurzeln der beiden Unternehmen. Abgesehen von der Vermeidung von Währungsrisiken bieten europäische Infrastrukturinvestments Anlegern derzeit eine bessere Diversifika­tion als nordamerikanische Alternativen. Bei einer Entscheidung für den US-Infrastrukturmarkt würden sich Investoren ak­tuell überproportional viele Fracking-Finanzierungen ins Portfolio holen und damit ­unerwünschte Ölpreisänderungsrisiken eingehen.

Tatsächlich bietet diese Anlageklasse Inves­toren auch innerhalb der reinen Infrastrukturportfolios erstaunliche Diversifika­tionsmöglichkeiten. Das liegt an den vielen unterschiedlichen Arten von Infrastruktur wie Energie, Versorgung, Kommunikation, Transport oder der an Bedeutung gewinnenden „sozialen Infrastruktur“. Und jedes dieser Segmente besteht wiederum aus einigen Untergruppen. So teilt sich „Transport“ beispielsweise auf in ­Investments in Mautstraßen, Schienenverkehr, Flug- und Schifffahrtshäfen. Und selbst innerhalb der einzelnen Infrastruktursegmente gibt es noch Spielarten wie beispielsweise „Brownfield-“ oder „Greenfield“-­Finanzierungen. Und bei Finan­zierungen im engeren Sinn können ­Investoren entscheiden, wo in der Kapitalstruktur (Junior, Senior) sie sich engagieren und ob sie bei den Kupons lieber auf klassische festverzinsliche Schuldverschreibungen oder auf variabel verzinste und damit inflationsresistente Floating Rate Loans (Bank Loans) setzen wollen. Letztgenannte Variante ist dabei am üblichsten: „Floating Rate Notes repräsentierten 68 Prozent des ­europäischen Infrastructure-Debt-Marktes in den vergangenen drei Jahren“, erklärte Bertrand Loubières, Head of Infrastructure Finance at AXA IM – Real Assets, in seinem Workshop.

Weniger Risiko

Abgesehen vom gebotenen Diversifikationspotenzial ist Infrastruktur aufgrund ihrer essenziellen Notwendigkeit für die Funktionsfähigkeit ­eines staatlichen Gebildes ­unverzichtbar, und die daraus erzielten Erlöse sind relativ unabhängig von Konjunkturzyklen, die in der Regel die Kurse von Aktien und klassischen Unternehmensanleihen stark beeinflussen. Diese Stabilität des Geschäftsmodells und der damit verbundenen Umsätze basiert darauf, dass Infrastrukturbetreiber oftmals über ein (regionales) Monopol verfügen und langfristige Verträge mit der öffentlichen Hand erhalten. Deren Einnahmen sind in der Regel reguliert und daher mehr oder weniger gesichert. Darüber hinaus folgt oftmals eine Koppelung der verlangten Preise oder Gebühren an die Inflationsentwicklung. „Infrastruktur bietet Inves­toren eine gute Prognostizierbarkeit hinsichtlich der erwarteten Zahlungsströme“, betonte Loubières die Vorzüge dieser schwankungsarmen alternativen Assetklasse. In Summe führt dies dazu, dass Investoren über Infrastructure Debt – auch aufgrund relativ stabiler Ratings über die ­Konjunkturzyklen – weniger Risiko in ­ihre Bücher nehmen als mit ­gemessen an Rating und Laufzeit vergleichbaren Unternehmensfinanzierungen. So ist einer Ausfall- und Rückgewinnungsstudie von Moody’s zu entnehmen, dass beispielsweise bei einem BBB-Rating die erwartete Verlustquote von Infrastructure Debt über zehn Jahre weniger als halb so hoch ist wie bei der Finanzierung klassischer Industrieunternehmen gleicher Bonität (siehe Grafik „Weniger Risiken“). „Infrastructure Debt mit Bonität ,BBB‘ entwickelt sich langfristig ähnlich wie ein ,A‘-Cor­porate Bond“, erklärte Alessandro Merlo, Senior Portfolio Manager Infrastructure Debt, der für die Real-Estate-&-Private- Markets-(REPM-)Einheit von UBS AM in London tätig ist.

Bessere Verwertungsquoten bei Infrastrukturkrediten ergeben sich auch durch deren rechtliche Ausgestaltung als Senior Secured Loans. Dadurch sind werthaltige Vermögenswerte oder Cashflows des Schuldners zum Vorteil der Loan-Inhaber besichert, und die Verwertungsraten sind bei allfälligen Defaults mit ­Werten von mehr als 70 Prozent in der Regel höher als bei klassischen unbesicherten Unternehmensanleihen (knapp über 50 Prozent).

Diese niedrigeren Risiken von ­Infrastrukturfinanzierungen wie auch der politische Wunsch nach mehr ­Infrastrukturinvestitionen in der EU seitens der Versicherer bewogen die Europäische Kommission, im Rahmen der Solvency-II-Regulierung Infrastruktur einen vorteilhafteren ­eigenen „Bucket“ zuzugestehen. Dadurch müssen Assekuranzen bei „qualifizierter Infrastruktur“ weniger Eigenmittel unterlegen als bei vergleichbaren Unternehmensfinan­zierungen.

Trotz der im Vergleich zu Corporate Bonds höheren Sicherheit von Infrastructure Debt können Investoren interessanterweise mit höheren Kupons rechnen. Dieser Renditeaufschlag beruht einerseits auf der illiquiden Natur und andererseits auf der ­dahinterstehenden Komplexität, die bei der Strukturierung einer Infrastructure-Debt-­Finanzierung erforderlich ist. In Summe führen diese Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien – abhängig von Faktoren wie Verhandlungsmacht, Laufzeit, Bonität, ­Volumina, Branche etc. – zu Ren­diteaufschlägen zwischen 100 und 400 Basispunkten gegenüber Libor oder Euribor.

Die Komplexität bei der Lancierung eines Infrastrukturkredits spielt Investoren in die Hände. Denn Banken – und immer mehr auch die Töchter von­ ­Asset Managern als Betreiber von Private-Debt-Plattformen – verlangen bei der Auflage neuer Kredite von den kapitalsuchenden Unternehmen unter anderem Arrangierungs- und Transak­tions­gebühren, die von seriösen Anbie­tern zu 100 Prozent den für Inves­toren verwalteten Kreditfonds gutgeschrieben werden. Das kann sich für institutionelle Investoren gerade im aktuellen Niedrigzins­umfeld rechnen.
Merlo gab im Rahmen seiner Präsentation folgenden Einblick in die Praxis: Falls der Vermögensverwalter die selbst erhaltenen Gebühren an den ­Kreditfonds weiterreicht, können am ­Anfang der Lebenslaufzeit eines Kreditfonds – weil in dieser Phase die Loans strukturiert werden und Eingang in das Fondsvermögen finden – temporäre Zusatzeinkünfte in Höhe von rund 1,5 Prozent pro Jahr entstehen. Über die Lebenszeit eines Fonds – sofern dieser eine fixe Laufzeit hat – sinkt dieser Wert mangels neuer ­Loan-Generie­­rungen zum Ende hin aber gegen null.

Wer bekommt die Gebühren?

Investoren seien daher gut beraten, bei der Auswahl eines Kreditfonds den Anbieter zu fragen, ob er diese lukrierten Gebühren zur Gänze dem Fondsvermögen gutschreibt oder ob er davon einen Teil behält. Nach Aussage des UBS-Managers werden die ­Investoren der hauseigenen Infrastructure-Debt-Strategien vollumfänglich daran be­teiligt. Vielleicht erklärt das auch das große Investoreninteresse an der Archmore Infrastructure Debt Platform (IDP) von UBS ­Asset Management.

Nachdem der erste UBS-Infrastructure-Debt-Fonds, der Archmore IDP I, für Neuinvestoren geschlossen und mittlerweile voll investiert ist, lancierte UBS ­Asset ­Management 2018 seinen zweiten europäischen Infrastrukturkreditfonds, den Archmore IDP II. Nach ­Erreichen der Kapitalobergrenze von einer Milliarde Euro gab es auch hier bereits ein Closing. 20 Prozent der bis dato eingesammelten Gelder wurden vom Fondsmanagement bereits für vier ­Senior-Infrastruktur­finanzierungen zugesagt.

Investiert wird in den Sektoren Transport, Versorger, Telekommunikation, Energie und soziale Infrastruktur. Angestrebt wird eine Bruttozielrendite von vier Prozent bei einer Duration zwischen sieben und zehn Jahren. Diese relativ hohen Renditen kommen aus direkten Brownfield-Finanzierungen mit ­Investment-Grade-Bonitäten am Primärmarkt im westeuropäischen Mid-Market-Bereich, wo mittelständische Unternehmen aufgrund eines schwierigeren Kapitalzugangs etwas mehr Zinsen zahlen müssen. Fremdkapital soll der auf zehn Jahre Laufzeit ausgerichtete IDP II außer zur Erleichterung einer Transaktionsabwicklung nicht aufnehmen.

Size Matters

Etwas anders als UBS AM geht AXA IM Real Assets an die Sache heran. Als Asset Manager einer der weltweit größten Versicherungsgruppen bietet man Institutionellen die Möglichkeit, als Co-Investor über verschiedenste Vehikel gemeinsam mit AXA in Infrastructure Debt zu investieren. Durch die daraus resultierenden höheren Kreditvolumina verfügt AXA IM Real Assets über mehr Verhandlungsmacht und kann auch größere Kredite allein finanzieren, die dann proportional auf die verschiedensten Mandate und Spezialfonds der institutionellen Klientel aufgeteilt werden. Zwei Strategien namens „EIS“ (European Infra Senior) ­stehen derzeit zur Auswahl. Während der rund 1,2 Milliarden Euro schwere EIS1 seinen Schwerpunkt auf westeuropäische Infrastrukturkredite mit Bonität „Investment Grade“ mit fixer Verzinsung legt, setzt der EIS2 bei vergleich­barer Strategie aus­schließ­lich auf variabel verzinste Infrastrukturfinanzierungen. Beim derzeit noch offenen und mit einer Laufzeit von 15 Jahren ausgerichteten EIS2 beträgt die Mindestanlagesumme 50 Millionen Euro, und das Renditeziel lautet Euribor plus 200 Basispunkte. Erhaltene Arrangement Fees schreibt AXA IM dem Fonds gut. Während die UBS rund 60 Basispunkte ­Management Fee verrechnet, verlangen die Franzosen ­abhängig vom investierten Volumen zwischen 21 und 30 Basispunkte pro Jahr.    

Anton Altendorfer


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen