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3/2009 | Investoren & Berater
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Staatsfonds - Interview mit Cynthia Sweeney-Barnes: "Wir fühlen uns privilegiert"

Viele Asset Manager visieren sie an, doch nur wenigen gelang es bisher, mit Staatsfonds ins Geschäft zu kommen. Zweifellos seit vielen Jahren einer der großen Player in diesem anspruchsvollen Business ist HSBC Asset Management in London mit Cynthia Sweeney-Barnes an der Spitze.

Sweeney-BarnesCynthia Sweeney-Barnes (Bild), seit 2001 bei HSBC Investments, ist seit 2007 Global Head of Sovereigns and Supranationals bei dem britisch-asiatischen Haus. Wir wollten von ihr wissen, wie sich dieses Spezialsegment entwickelt.

Institutional Money: Sovereign Wealth Funds gelten so wie Pensionsfonds und Versicherungen als „ruhige“ Hände mit einem langfristigen Horizont. Worin sehen Sie die größten Unterschiede in der Investmentstrategie?
Cynthia Sweeney-Barnes: Staatsfonds sind keine homogene Gruppe. Jene, die den Auftrag haben, Wohlstand für künftige Generationen sicherzustellen, also etwa Windfall Profits aus Rohstoffen für morgen zu sichern, tendieren dazu, langfristig zu investieren, ohne eine besondere Liability-Struktur beachten zu müssen. Von diesen Sovereign Wealth Funds wird nicht erwartet, dass sie ihre Investments in den nächsten 50 bis 100 Jahren reduzieren müssen. Daher können sie mehr Risiko nehmen und volatilere Anlagen beziehungsweise solche mit geringerer Liquidität in Betracht ziehen. Eine Pensionsplanlösung investiert zwar auch langfristig, hat dabei aber immer die größtenteils bekannten Verpflichtungen im Blick. Schließlich gibt es noch eine zweite Gruppe von SWFs, die geschaffen wurde, um Budgets zu glätten, wie sie typischerweise nun einmal bei Ländern mit einem starken Fokus auf Commodities wie Öl auftreten. Diese tragen zwar verschiedene Bezeichnungen, oft kommt aber der Ausdruck „Stabilitätsfonds“ im Namen vor. Hier geht es um eine Art Versicherungsfonds, der bei Bedarf Mittel bereitstellen können muss. Die Anlagestrategie sieht Investments in qualitativ hochwertige, kurzfristige Anlagen im Fixed-Income-Bereich wie Staatsanleihen, Bankdepositen und Ähnliches vor. Ein Unterscheidungsmerkmal von Staatsfonds einerseits und Pensionsfonds beziehungsweise Versicherungen andererseits ist der Unterschied bei den Stakeholdern. SWFs werden von Regierungen eingerichtet, um letztendlich das Wohlergehen der Bevölkerung zu fördern. Daher kann ein Staatsfonds das öffentliche Rampenlicht, die politischen und regulatorischen Dinge viel besser verkraften als etwa die anderen Arten von Investoren in einem bestimmten Land.

Man hat den Eindruck, dass SWFs bereits sehr früh in der Finanzkrise – vielleicht zu früh – in Banktitel eingestiegen sind und dann unter Druck gerieten, diesen Schritt zu korrigieren. Einige stießen Aktienpakete von Banken tatsächlich wieder ab. Sind sie damit noch wirklich das, was man „starke Hände“ nennt?
Cynthia Sweeney-Barnes: Es entspricht der Wahrheit, dass einzelne Staatsfonds dem Druck, sich aus bestimmten Positionen zu verabschieden, ausgesetzt waren, einige lösten tatsächlich Investments auf. Aber kaum ein Investor war von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten nicht betroffen, da waren Staatsfonds keine Ausnahme. Wir bei HSBC hatten das Gefühl, dass man die letzten Monate 2008 und den Beginn des Jahres 2009 zur Selbstreflexion nutzte, gründlich analysierte und sich dann neu aufstellte, sprich eine Umschichtung der Anlagen vornahm. So sie unter Druck kamen, waren sie nicht die einzigen Kapitalsammelbecken, die dem ausgesetzt waren. Die Stakeholder institutioneller Fonds im Allgemeinen waren nicht auf diese extremen Marktbewegungen vorbereitet, das gilt nicht nur für SWFs. Die meisten bleiben aber investiert, da sie das als Langfristinvestoren auch immer geplant hatten, oder weil die Buchverluste schon so groß waren, dass ein Zuwarten auf einen Rebound mehr Sinn machte. Tatsächlich haben wir ja einige sehr spektakuläre Erholungen in diesem Jahr gesehen.

Wenn man jüngste Transaktionen betrachtet bedeutet diese von Ihnen angesprochene Neuaufstellung eine Abwendung von Financials und eine Hinwendung zu Energie- und Rohstoffinvestments. Stimmen Sie dieser Sichtweise zu? Handelt es sich dabei um einen neuen Trend oder nur eine Ad-hoc-Reaktion auf die Finanzkrise?
Cynthia Sweeney-Barnes: SWFs investieren in der Absicht, Finanzgewinne zu erwirtschaften. Während einige Finanztitel sich von ihren Tiefs 2008 ordentlich erholt haben – und es gab definitiv einige Institutionen, die besser als andere gemanagt sind –, bleibt doch ein gerüttelt Maß an Nervosität in dem Sektor generell erhalten. Betrachtet man die Nachfragesituation, bleibt diese am Energie- und Rohstoffsektor relativ robust. Staatsfonds halten zudem auch nach Investments Ausschau, die einen natürlichen Hedge gegenüber Inflation und US-Dollar-Kursschwankungen darstellen.

Sehen Sie bei Staatsfonds Professionalisierungs- und Internationalisierungsbedarf, was das Asset Management und die Risikomanagementprozesse anlangt?
Cynthia Sweeney-Barnes: Unsere Erfahrung zeigt eindeutig, dass es sich bei den Staatsfondsverantwortlichen um „Prudent Investors“ handelt, die sich nicht zu schade sind, die bestmögliche Beratung in Anspruch zu nehmen, ehe sie letztendlich die Entscheidungen selbst treffen.

Welche aktuellen Tendenzen orten Sie bei Staatsfonds betreffend internes versus externes Asset Management sowie die Mandatsvergabe?
Cynthia Sweeney-Barnes: Einen Teil der Assets managen die meisten Staatsfonds selbst, für den anderen Teil bedienen sie sich externer Manager. Die meisten arbeiten mit Asset Managern in einer engen Partnerschaft zusammen, wofür es viele gute Gründe gibt. Diese beinhalten den Zugang zu bestimmten Märkten und Investmentstilen, Ausbildung, Performance, Diversifikation oder auch nur, um einfach sicherzustellen, dass der Staatsfonds in jenen Fällen voll investiert bleiben kann, wo die internen Kapazitäten erfahrungsgemäß dazu nicht mehr in der Lage sind.

Stichwort Santiago-Prinzipien: Sehen Sie dieses Papier bereits mit Leben erfüllt, oder liegt hier noch ein langer Weg vor uns, bis diese Grundsätze wirklich gelebt werden? Ich möchte nur an die personellen Verflechtungen in Singapur zwischen Regierung und Temasek Holding erinnern …
Cynthia Sweeney-Barnes: Die Reaktionen auf die Santiago-Prinzipien fielen gemischt aus, aber wir stehen ja erst am Anfang des Weges. Es sieht aber danach aus, dass vieles an Angst und Ressentiments gegenüber den wahren Motiven hinter den Staatsfondsgründungen gewichen ist, seit diese Grundsätze verabschiedet worden sind. Auch die positive stabilisierende Rolle, die die Staatsfonds in den dunkelsten Tagen der Finanzkrise spielten, hat zur atmosphärischen Aufhellung beigetragen. Die Santiago-Prinzipien sind ja nicht gesetzlich bindend, sie fußen auf einer freiwilligen Vereinbarung unter den Mitgliedern der International Working Group. Nichtsdestoweniger ist es wahrscheinlich ein nützlicher Rahmen, um Staatsfonds als verantwortungsvolle Player innerhalb der weltweiten Finanz-Community wahrzunehmen, was ihre Akzeptanz und Investmententscheidungen erleichtert. Viele Fonds haben bereits einige oder auch alle Prinzipien umgesetzt, obwohl die IWG selbst angedeutet hat, dass noch einiges an Arbeit zu tun ist. Es wird daher noch weitere Treffen geben.

Ist es sehr schwer, mit Staatsfonds ins Geschäft zu kommen? Immerhin tritt man doch gegen alle größeren Asset Manager an. Gibt es spezielle Dinge zu beachten?
Cynthia Sweeney-Barnes: Bei HSBC verfügen wir bereits über eine lange Arbeitsbeziehung mit Staatsfonds, die es ja teilweise bereits seit den 70er Jahren gibt. Wir fühlen uns privilegiert, mit einigen von ihnen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt zusammenzuarbeiten. Wir meinen, in dieser langen Zeit ein Sensorium für deren spezifische Anforderungen entwickelt zu haben. Die Konkurrenzsituation hat sich während der letzten Jahre definitiv verändert – wie auch die Staatsfonds selbst. Zum einen sind neue Player aufgetaucht, zum anderen verfügen die lange bestehenden SWFs über gereifte Investmentpolitik und entsprechende Investmentansätze. Gefordert werden auf SWF-Seite ein robustes Risikomanagement und entsprechende operationale Kontrollen, die die Sicherheit der Investments garantieren, konsistente risikoadjustierte Erträge und auch unverbrauchte, frische Investmentideen und Denkanstöße. Viele Staatsfonds verfügen über strikte Ausbildungs- und Reportinganforderungen. Newcomer unter den Asset Managern im SWF-Geschäft unterschätzen oft die Anforderungen bei der Servicierung dieser ganz speziellen Art von Klienten.

Glauben Sie, dass der Einfluss von Staatsfonds weiter zunehmen wird? Wo werden die Assets under Management in zehn Jahren liegen?
Cynthia Sweeney-Barnes: Die Assets der Staatsfonds steigen, keine Frage. Es existieren keine genauen Zahlen darüber, wie groß die verwalteten Vermögen in Summe tatsächlich sind. Allgemein wird geschätzt, dass es sich um eine Größenordnung von drei bis vier Billionen US-Dollar handelt. Relativ betrachtet ist das aber nur ein kleiner Bestandteil der weltweit verfügbaren Vermögenswerte, wenn man etwa an Hedgefonds denkt. Man darf auch nicht übersehen, dass die Schwellenländerwirtschaften halbwegs gut durch die Krise gekommen sind und die Rohstoffnachfrage stark bleibt, was das Wachstum der Staatsfonds weiter beflügeln wird. Auf eine konkrete Zahl möchte ich mich aber nicht festlegen, Volatilitäten in den Rohstoffpreisen können hier einen gewichtigen Einfluss ausüben.

Vielen Dank für das Gespräch.       
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